Jean-Yves Camus (* 1958 in Châtenay-Malabry) ist ein französischer Politikwissenschaftler und Rechtsextremismusforscher.

Leben Camus studierte am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po), wo er 1982 mit einem Diplom im Zweig Service Public (Staat und öffentliche Verwaltung) abschloss.Jean-Yves Camus, Sciences Po Alumni, Stand 21. August 2019. Es folgten Aufbaustudien in Politikwissenschaft an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne (Abschluss mit Maîtrise) und in Zeitgeschichte an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS), wo er mit einer Arbeit über das Verhältnis der französischen extremen Linken zu Israel das Diplôme d’études approfondies (DEA) erwarb.JEAN-YVES CAMUS, Associate Research Fellow, in: IRIS Reseach Team, Oktober 2025, S. 59.

Er war Forschungsleiter am Centre Européen de Recherche et d’Action sur le Racisme et l’Antisémitisme (CERA) in Paris und beschäftigte sich auch intensiv mit Linksextremismus (Projekt des Schweizerischen Nationalfonds) und Islamophobie (Projekt der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte). Camus ist Mitglied des European Consortium for Political Research (ECPR) und der Task Force on Antisemitism des European Jewish Congress. Derzeit arbeitet er am Institut de Relations Internationales et Stratégiques (IRIS) und hat die Leitung des Observatoire des radicalités politiques der Fondation Jean-Jaurès übernommen.

Er veröffentlichte Bücher u. a. zum Front National, Aufsätze bei Le Monde diplomatique und auf Rue89 sowie Beiträge in Sammelbänden und Fachzeitschriften wie Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Revue des Sciences Sociales und Politique Internationale.

Camus wuchs in einer katholischen Familie auf,Johan Weisz: La blague facho du polémiste Jean Robin, in: Street Press, 18. Juni 2011. ist aber zum Judentum konvertiert. Aufgrund seiner familiären Prägung engagierte er sich als Jugendlicher in der gaullistischen Bewegung, trat mit 16 Jahren der UDR bei und nahm 1976 am Gründungskongress des RPR teil. Während seines Studiums an der Sciences Po wandelte sich seine politische Einstellung. Er gehört seither keiner Partei mehr an und identifiziert sich als anti-totalitärer Linker.Jean-Yves Camus on the far right in France, illiberalism.org, 25. September 2020.

Schriften (Auswahl) mit René Monzat: Les droites nationales et radicales en France. Presses universitaires de Lyon, Lyon 1992, ISBN 2-7297-0416-7. Le Front national, histoire et analyse. Éditions Olivier Laurens, Paris 1996, ISBN 2-911838-01-7 / Front national. Eine Gefahr für die französische Demokratie? (= Schriftenreihe Extremismus & Demokratie. Band 11). Bouvier, Bonn 1998, ISBN 3-416-02716-7. L’extrême droite aujourd’hui. Éditions Milan, Toulouse 1997, ISBN 2-84113-496-2. Le Front national. Éditions Milan, Toulouse 1998, ISBN 2-84113-608-6. mit Annie-Paule Derczansky: Le monde juif. Éditions Milan, Toulouse 2001, ISBN 2-7459-0226-1. Extrémismes en France: faut-il en avoir peur? Éditions Milan, Toulouse 2006, ISBN 2-7459-2357-9.

Weblinks

Ergebnisse zu Jean-Yves Camus beim sozialwissenschaftlichen Fachportal Sowiport Jean-Yves Camus bei Rue89 Jean-Yves Camus beim Institut de Relations Internationales et Stratégiques

Einzelnachweise

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