mini|hochkant=1.3|Frank L. Howley am 20. März 1949 bei einer Pressekonferenz anlässlich der Einführung der Westmark in West-Berlin
Frank Leo „Howlin“ Howley (* 3. Februar 1903 in Hampton, New Jersey; † 30. Juli 1993 in Warrenton, Virginia) war ein US-amerikanischer Brigadegeneral der United States Army und später Vizekanzler der New York University. Howley war vom 1. Dezember 1947 bis zum 1. September 1949 – während der Berliner Luftbrücke – Kommandant des amerikanischen Sektors von Berlin. Wegen seines hartnäckigen Umgangs mit den sowjetischen Besatzungsbehörden wurde er auch Howlin’ Howley (‚brüllender Howley‘) genannt.
Jugend und Ausbildung Mit 15 Jahren brach Howley die Schule ab und ging zur See, musterte jedoch von seinem amerikanischen Handelsschiff nach kurzer Zeit ab und machte 1920 die Abschlussprüfung auf dem College. Anschließend diente er ein Jahr in der Nationalgarde von New Jersey. Howley besuchte die Parsons The New School for Design in New York und belegte zusätzlich an der Sorbonne in Paris Vorlesungen in Wirtschaftswissenschaften und Kunst. Er beendete das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der New York University als Bachelor of Science.Berlin Command, Brig. General Frank Howley, 1950, S. 19 und Rückseitencover Im Anschluss an sein Studium an der Sorbonne unternahm Howley Reisen durch Frankreich, Deutschland und Italien. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten betätigte er sich trotz der Weltwirtschaftskrise erfolgreich als Werbefachmann, gründete die Reklame-Agentur Frank L. Howley & Associates in Philadelphia.
Militärkarriere Im Jahr 1932 trat Howley dem Reservekorps der US-Army bei und wurde 1940 aktiviert. Sein erster Einsatz war bei einer Air-Corps-Schule, bei dem er zum Hauptmann befördert wurde. 1941 wechselte Howley zur Kavallerie und wurde Stabsoffizier der Kavallerieschule in Fort Riley, Kansas. Später wurde er Executive Officer der ‚Third Cavalry Mechanized‘ in Cap Gordon, Georgia und zum Oberstleutnant befördert. Im Sommer 1934 verunglückte er mit einem Motorrad und verbrachte mehr als fünf Monate im Krankenhaus. Er erhielt drei Optionen: Ausscheiden aus der Armee, Versetzung zur Abteilung Militärregierung, Mitarbeit in der Abteilung ‚Civil Affairs‘, die für die Verbindungen zu Verwaltung und Bevölkerung der besetzten Gebiete während Besatzungszeiten zuständig war. Er entschied sich für die Abteilung ‚Civil Affairs‘.
Zweiter Weltkrieg Bereits in der Zeit des Antransportes der amerikanischen Truppen über den Atlantik nach England und der Vorbereitung der späteren Landung in Europa meldete er sich zu einem der ersten Schulungskurse für künftige Militärregierungs-Aufgaben in Deutschland. Hierzu besuchte er Schulen in den Vereinigten Staaten und später in England und wurde Direktor der ‚Military Government Officers' Division‘ in Shrivenham. Dank seiner Hartnäckigkeit konnte er auch an der Landung in der Normandie teilnehmen, wobei er als Kommandant der ‚Civil Affairs‘ Abteilung vorgesehen war, die den Code-Namen ‚A1A1‘ trug. In der Normandie landete er am vierten Tag der Invasion in Omaha Beach mit einer amerikanisch-britischen Gruppe gemeinsam mit französischen Verbindungsoffizieren. Nachdem die Wehrmacht Cherbourg verlassen hatte, führte Howleys ‚A1A1‘-Abteilung ihre erste Übungsaufgabe bei der Wiederherstellung der Verwaltung der Stadt aus.
Einige Wochen später, im August 1944, berief die Heeresverwaltung Howley zum Kommandeur einer Gruppe von 136 Offizieren und 300 Soldaten, die mit den ersten Truppen nach Paris gekommen waren. Seine Aufgabe bestand darin, die Lebens- und Wohnbedingungen der Hauptstädter nach dem kampflosen Ende der deutschen Besetzung zu verbessern. Während des Aufenthaltes in Paris wählte Eisenhowers Militärregierungs-Chef Generalleutnant Arthur Edward Grasett Howley aus, die Militärregierungs-Abteilung nach Berlin zu führen. Die britischen Truppen seiner Einheit wurden nach England zurückbeordert, um ihre eigenen Vorbereitungen für die Besetzung Berlins zu treffen.
Im Dezember 1944 richtete Howley sein Hauptquartier südlich von Paris in Barbizon ein, um sich auf Berlin vorzubereiten. Im SHEAF wurde Barbizon „Howley’s mystery town“ (‚Howleys geheimnisvolle Stadt‘) genannt, in der sich Spezialisten für alle Eventualitäten bereit machten, „außer dem sonderbaren Verhalten unserer russischen Alliierten“ (‚for virtually all eventualities, except, of course, the curious behavior of our Russian allies‘). Berlin zu regieren, würde auf jeden Fall kein einfaches Unternehmen werden, da es auf Grundlage einer einstimmigen Vier-Mächte-Basis zu geschehen hatte. Die verschiedenen Besatzungsmächte mussten bei jedem Punkt übereinstimmen, von der Lebensmittelversorgung bis zu Erziehungsfragen.Berlin Command, Brig. General Frank Howley, 1950, S. 19–20.
Stadtkommandant von Berlin Vorbedingungen
Auf der Konferenz von Jalta war beschlossen worden, Deutschland in drei, später in vier Besatzungszonen aufzuteilen und Berlin in vier Sektoren zu unterteilen. Allerdings war Berlin von sowjetischen Truppen erobert worden, während die Amerikaner zunächst große Teile Sachsens und Thüringens bis zur Elbe und zur Zwickauer Mulde besetzt hatten, das später der sowjetischen Besatzungszone zugeordnet werden sollte. Am 5. Juni erfolgte in Berlin die erste Zusammenkunft des Alliierten Kontrollrats mit Schukow, Bernard Montgomery, Eisenhower und Lattre de Tassigny. Hier wurde Generalmajor Floyd L. Parks zum ersten amerikanischen Stadtkommandanten unter Lucius D. Clay bestimmt und Howleys Einheit dem Hauptquartier von Clay unterstellt.
Mitte Juli sollte in Potsdam das dritte Treffen der drei Siegermächte stattfinden, aber Schukow und der sowjetische Stadtkommandant Bersarin lehnten jeden Wunsch der Amerikaner ab, in die vorgesehenen Sektoren einzurücken oder Quartiere und Büros für die zukünftigen Besatzungseinheiten bereitzustellen. Berlin befand sich deshalb seit der Kapitulation am 7. Mai 1945 zwei Monate ausschließlich unter sowjetischer Kontrolle. Erst mit dem formellen Auftrag aus dem Weißen Haus, die Unterbringung von Präsident Harry S. Truman zu organisieren, durfte Generalmajor Parks am 22. Juni 1945 nach Berlin fliegen. Parks vereinbarte, dass Sachsen und Thüringen von den Amerikanern geräumt werden sollten und diese dafür in Berlin einrücken dürften. Die Mannschaftsstärke wurde auf 30.000 Amerikaner und 25.000 Briten festgelegt.
Einzug in Berlin mini|Der beschlagnahmte Horch von Colonel Frank Howley Von Berlin aus beauftragte Parks Howley, dass er mit einer Vorausabteilung in Berlin Unterkunftsmöglichkeiten im amerikanischen Sektor erkunden sollte. Howleys Abteilung hatte sich für diesen Auftrag vorbereitet und dafür eine Reihe deutscher Fahrzeuge beschlagnahmt und mit amerikanischer Lackierung versehen, darunter auch ein Horch-Cabrio, das den ersten amerikanischen Konvoi nach Berlin anführen sollte. Nach einer Zwischenstation im damals noch amerikanisch besetzten Halle (Saale) startete der Konvoi, bestehend aus ca. 500 Offizieren und Mannschaften sowie 120 Fahrzeugen, am Morgen des 17. Juni 1945 in Richtung Berlin. Nach Überquerung der Elbe bei Dessau auf einer Pontonbrücke begrüßte sie zunächst ein großer Bogen mit den Porträts von Lenin und Stalin und der Aufschrift „Willkommen im Vaterland“, der wohl für die zurückflutenden DPs gedacht war. Ein russischer Offizier erwartete den Konvoi und geleitete ihn zu einer Straßensperre, wo Howley erfuhr, dass laut der Berliner Erklärung nur 37 Offiziere, 175 Mannschaften und 50 FahrzeugeBerlin Command, Brig. General Frank Howley, 1950, Seite 30. erlaubt seien.
Die Russen ließen sich auf keine Diskussion ein, und auf Befehl von Generalmajor Parks kehrte ein Teil des Konvois nach Halle zurück. Howley fuhr, nachdem das Gepäck umgeladen war, mit genau der zulässigen Anzahl Offiziere, Mannschaften und Fahrzeuge in Richtung Berlin weiter, angeführt von dem russischen Offizier in einem erbeuteten klapprigen deutschen Auto. Doch statt nach Berlin geleiteten die Russen sie auf das Filmgelände Babelsberg. Das war aber ein Irrtum, denn erwartet wurde eine Abteilung, um die Räumlichkeiten für die Unterkunft der Delegationen für die bevorstehende Potsdamer Konferenz herzurichten. Howleys Kommando traf hier weitere amerikanische Offiziere, die bereits für die Konferenz eingeflogen waren und die sich alle als faktische Gefangene fühlten, weil ihnen nicht gestattet war, das Gelände zu verlassen. Trotzdem gelang es Howley unter dem Vorwand, wichtige amerikanische Offiziere am Flugplatz (wahrscheinlich Gatow) zu treffen, den Flughafen Tempelhof zu besichtigen und sich eine grobe Vorstellung des zukünftigen amerikanischen Sektors zu machen.
Da sich alle amerikanischen Militärs aber nach wie vor wie „Gefangene“ fühlten, sorgte Howley mit einem Einspruch bei den sowjetischen Offizieren dafür, dass seine bisherigen Aufklärer nach Halle zurückfahren durften, um sie gegen nützlicheres Personal auszutauschen, das die Unterkünfte instand setzen konnte. In Halle wurde nun außerdem weitere Verpflegung gefasst, und statt der bisherigen Jeeps wurden 10-Tonnen-Lkw fahrfertig gemacht. Da noch immer die Beschränkung auf 37 Offiziere, 175 Mannschaften und 50 Fahrzeuge bestand, führte dies am russischen Kontrollpunkt zu erneuten Streitereien. Howley echauffierte sich aber nun gewaltig, und der Konvoi durfte schließlich Richtung Babelsberg passieren.
mini|Verlegung der US-amerikanischen Truppen in den Westsektor Berlins, Torgau an der Elbe, Anfang Juli 1945 Nachdem die Unterkünfte für die Delegationen hergerichtet waren, kehrte Howley zunächst wieder zu seiner Einheit nach Halle zurück. Am 30. Juni erhielt er den Befehl, nun endlich nach Berlin zu gehen. Die Russen hatten das Ultimatum gestellt, Sachsen und Thüringen innerhalb von drei Tagen zu räumen und den Gebietsaustausch mit dem amerikanischen Sektor zu vollziehen. Am 1. Juli strömten die Amerikaner in das zuvor abgeriegelte Berlin, die Straße war mit Panzern, Lastwagen und anderen Fahrzeugen der Militärregierungs-Abteilung und anderen Truppen überfüllt. Die Russen beargwöhnten die Kolonnen, da sie sich nicht vorstellen konnten, dass die Amerikaner aus den besetzten Gebieten abzogen, ohne sie zuvor geplündert zu haben. In Berlin angekommen, irrten hunderte von Offizieren und Mannschaften in den Ruinen herum, um eine Unterkunft zu finden. Eine vorherige Inspektion des zukünftigen amerikanischen Sektors und die Organisierung von Unterkünften hatten die sowjetischen Truppen trotz der vorherigen Verabredungen Howley untersagt, so dass die meisten in ihren Uniformen im Freien übernachteten.
Howleys Abteilung war mit ihrer Feldausrüstung besser vorbereitet. Deshalb entschied sich Howley dafür, sein Vorauskommando im Grunewald Zelte aufstellen zu lassen. Es formte mit seinen Fahrzeugen eine Wagenburg und stellte Wachen auf. Die ersten regulären US-Truppen begannen also ihre Präsenz in Berlin als „Camper“.
Übernahme des amerikanischen Sektors Am 4. Juli 1945 feierten die Amerikaner die offizielle Übernahme ihres Sektors mit einer kleinen Parade in der ehemaligen preußischen Hauptkadettenanstalt in der Finckensteinallee, die nun den Namen „Andrews Barracks“ tragen sollte und die zuvor der Leibstandarte SS Adolf Hitler als Kaserne gedient hatte. Für die Zeremonie wurde General Omar Bradley eingeflogen, um die Vereinigten Staaten bei diesem historischen Ereignis zu repräsentieren. Der Kommandant des sowjetischen Sektors, Alexander Gorbatow, erschien nicht zu der Zeremonie, sondern schickte seinen Vertreter Baranow, einen Einsterne-General, was die Amerikaner als Affront betrachteten.⁸
mini|Abnahme einer US-Truppen-Aufstellung im Bereich der AVUS-Südkurve durch Henry L. Stimson, am 20. Juli 1945