Lütjenheide ist ein Ortsteil der Stadt Wittenberge im Landkreis Prignitz in Brandenburg.
Geografie Der Ort liegt gut drei Kilometer ostsüdöstlich von Wittenberge und anderthalb Kilometer östlich der Elbe. Er ist umgeben vom FFH-Gebiet Elbdeichvorland, dem Vogelschutzgebiet Unteres Elbtal, dem Naturschutzgebiet Wittenberge-Rühstädter Elbniederung, dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und dem Landschaftsschutzgebiet Brandenburgische Elbtalaue.
Zum Ortsteil gehört der fünfhundert Meter ostnordostwärts gelegene Wohnplatz Berghöfe. Im Norden grenzt die Gemarkung an Wittenberge und Breese, im Osten an Zwischendeich, im Süden an Schadebeuster und im Westen an Garsedow mit dem zugehörigen Wohnplatz Wallhöfe.
Geschichte und Etymologie Etymologie Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1454, damals in der Schreibweise Lutkeheide.Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. 2012, S. 535. Der Name bedeutet „(Dorf am) kleinen Nadelwald“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 110, ISBN 3-937233-17-2..
Besitzgeschichte Die Lehnsherrschaft über Lütjenheide lag im 15. Jahrhundert beim Bischof von Havelberg, der den Ort weiterverlieh. Ein erster Anteil gehörte von 1454 bis 1872 zu den Gütern Neuburg, Weisen, Klein Breese und Hinzdorf, die bis 1802 im Besitz der Familie von Retzdorf standen, daneben und danach bei den jeweiligen Besitzern dieser Güter lagen. Von 1454 bis 1490 umfasste dieser Anteil das gesamte Dorf Lütjenheide gemeinsam mit den Dörfern Garsedow und Hinzdorf; 1490 wurde jedoch ein Drittel von Lütjenheide vom Bischof zurückgekauft (siehe zweiter Anteil). Seitdem erstreckte sich dieser Besitz über 2/3 des Dorfes mit 2/3 Ober- und Untergericht (1598), später verteilt auf die einzelnen, ehemals von Retzdorfschen Güteranteile. Im Jahr 1745 hielten die von Retzdorf zu Hinzdorf und zu Weisen jeweils einen Bauern, während die von Lüderitz zu Klein Breese über einen weiteren Bauern verfügten. Ein zweiter Anteil gehörte von 1490 beziehungsweise 1493 bis 1872 zum Gut Rühstädt (bis 1719 im Besitz der von Quitzow, 1719–1780 der von Grumbkow, seit 1780 der von Jagow). Dieser Anteil umfasste das 1490 von den von Retzdorf an den Bischof von Havelberg verkaufte und 1493 an die von Quitzow weiterveräußerte 1/3 von Lütjenheide mit 1/3 Ober- und Untergericht sowie dem Kirchenpatronat (1581, 1688) beziehungsweise einen Bauern im Jahr 1745. Ein dritter Anteil befand sich bereits vor 1472 im Besitz des Bürgers Hans Knoppe zu Seehausen in der Altmark, der die halbe Feldmark an der Elbe innehatte und diese 1472 an die von Grävenitz zu Schilde veräußerte. Die von Grävenitz besaßen diesen Anteil von 1472 bis 1742 (1495 in Wittstock, danach zu Groß Gottschow, seit 1553 zu Schilde, seit 1709 zu Losenrade in der Altmark) über 1/2 Lütjenheide mit Fischerei, Wiesen und weiteren Nutzungen (1495, 1621) sowie über zwei Bauern (1693) und eine Wiese auf dem Kietz bei Lütjenheide (1709). 1742 veräußerten sie den Besitz an die von Möllendorf zu Klein Breese, die diesen Anteil bis nach 1817 innehatten und 1745 sowie 1798 über zwei Bauern verfügten; danach lag er bei den jeweiligen weiteren Besitzern von Klein Breese.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 536
14. bis 15. Jahrhundert Lütjenheide wird 1454 erstmals als Dorf erwähnt. 1499 verkaufte ein Mitglied der Familie von Grävenitz einen Hof erblich an Achim Schultze zu Burrecht.
1576 bestand das Dorf aus fünf Einhufnern und einem Kossäten. 1590 wurde ein Vergleich über die Fischereirechte der Bauern von Lütjenheide und Garsedow auf der Tauben Elbe geschlossen.
17. Jahrhundert 1601 wird ein Lehnschulze in Lütjenheide erwähnt. 1652 lebten sechs Hauswirte im Ort, die als sozial gleichgestellt galten; die Einwohnerzahl betrug 21 Personen. 1686 bestanden sechs Hufner ohne eigene Hufe, darunter ein Lehnschulze; die Aussaat betrug insgesamt 9 Wispel 14 Scheffel. Die Felder wurden ohne feste Schläge jährlich bestellt, wobei der Ertrag bei Weizen, Roggen und Gerste zwischen dem vierten und sechsten Korn lag. Die Wiesen lieferten 7–8 Fuder Heu, Weide und Viehzucht galten als gut, ebenso die Fischerei. Der Acker war ertragreich, jedoch zeitweise von Überschwemmungen betroffen. Mast fehlte, Brennholz musste zugekauft werden; die wirtschaftliche Einstufung erfolgte in die erste Klasse.
18. Jahrhundert 1719 werden sechs Hufner und ein Hirt ohne Vieh genannt; es bestanden sechs Hufen zu je 14 Groschen. 1734 lebten im Dorf sechs Bauern, zwei Häusler und ein Hirt bei sechs Hufen mit einer Aussaat von insgesamt 9 Wispel 14 Scheffel. 1745 wird Lütjenheide als Dorf mit sechs Bauern beschrieben. 1760 bestanden sechs Hufner und ein Kuhhirt bei sechs Hufen. 1791 lebten im Ort sechs Bauern, ein Büdner und ein Häusler bei insgesamt zehn Feuerstellen.
19. Jahrhundert 1801 wurden sechs Ganzbauern, ein Büdner und ein Einlieger bei zehn Feuerstellen gezählt. 1819 bestanden sechs Hufner, ein Kuhhirt und ein Paar Einlieger bei sechs Hufen zu je 14 Groschen. 1846 zählte das Dorf acht Wohnhäuser. 1852 wurde die wirtschaftliche Situation wie folgt beschrieben: Es bestanden keine Mineralprodukte, der Acker wurde jährlich bestellt, die Wiesen waren zweischürig; Rinder- und Pferdehaltung wurden betrieben, der Obstbau war mittelmäßig. Die Viehzucht umfasste Rinder und Pferde von durchschnittlicher Qualität, während Schweine-, Schaf-, Geflügel- und Bienenzucht nicht stattfanden; die Fischerei war unbedeutend. Haupterwerbsquellen waren Viehzucht und Ackerbau, Nebenbeschäftigungen bestanden nicht. 1860 wurden acht Wohn- und elf Wirtschaftsgebäude verzeichnet.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 537 Die Gemarkung umfasste 574 Morgen (5 Morgen Gehöfte, 149 Morgen Acker, 187 Morgen Wiese und 233 Morgen Weide).
20. und 21. Jahrhundert Um 1900 bestanden im Ort fünf Häuser bei einer Fläche von 161 ha, die auch 1931 angegeben wird; in diesem Jahr wurden acht Wohnhäuser gezählt, und die Gemeinde führte den Wohnplatz Berghöfe. 1907 gab es vier Bauernhöfe (31, 30, 26 und 22 ha), einen Halbbauern (10 ha) sowie einen Altsitzer. 1939 bestanden vier land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit 20–100 ha, ein Betrieb mit 10–20 ha und ein Betrieb mit 0,5–5 ha, insgesamt 23 in der Landwirtschaft tätige Personen; andere Erwerbszweige waren nicht vertreten.
1946 gehörte der Ort zum Landkreis Westprignitz im neu gegründeten Land Brandenburg und verzeichnete 50 Einwohner. Am 25. Juli 1952 kam die damalige Gemeinde zum neu geschaffenen Kreis Perleberg, wurde am 20. Juni 1957 ein Ortsteil von Garsedow und am 20. Oktober 1971 ein Ortsteil der Stadt Wittenberge. 1960 wurde eine LPG Typ I Alte Eichen mit fünf Mitgliedern und 142,55 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche gegründet, die 1974 an die LPG Steinberg in Gulow angeschlossen wurde. Am 17. Mai 1990 bestand der bisherige Kreis als Landkreis Perleberg fort und ging am 6. Dezember 1993 im heutigen Landkreis Prignitz auf. 2006 verfügte der Ort über 9 Einwohner.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Lütjenheide von 1734 bis 1946 Jahr 1734 1772 1801 1817 1840 1858 1895 1925 1939 1946 Einwohner 52 61 56 64 47 46 42 37 28 50
Literatur
Weblinks
Infos zur Stadt auf wittenberge.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Prignitz) Kategorie:Ersterwähnung 1454 Kategorie:Gemeindeauflösung 1957 Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz Kategorie:Geographie (Wittenberge)