mini|300px|Das Relief zeigt Papierrollen und weist auf die Papierhandlung Berthold und Ludwig Marx im Haus hin. Die Geschichte der jüdischen Familie Berthold Marx aus Heilbronn beschreibt das Leben, die Enteignung, die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Familie Berthold Marx.

Die Familie betrieb in Heilbronn eine Papiergroßhandlung an der Wilhelmstraße 54. Das im Rahmen der Arisierung unter Wert veräußerte und 1950 an die Erben rückerstattete Haus steht unter Denkmalschutz.

Geschichte Familie Berthold Marx mini|Das denkmalgeschützte Haus Wilhelmstr. 54 in Heilbronn gehörte Berthold Marx und Ludwig Marx, Papiergroßhandlung.

Stammbaum Berthold Marx (geb. 1. Juni 1866 in Oberdorf, damals Kreis Neresheim; gest. 15. Januar 1943 im Ghetto Theresienstadt) Papiergroßhandlung, Wilhelmstraße 54 ⚭ Emma Jaraczewsky (geb. 24. März 1870; gest. 25. Februar 1926 in Heilbronn)Daten von Berthold und Emma Marx geb. Jaraczewsky auf steinheim-Institut.de auf stadtgeschichte-Heilbronn.deDaten von Berthold Marx auf Bundesarchiv.de Berta Eskeles geb. Marx (geb. 18. März 1895 in Heilbronn; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX) ⚭ Hugo Eskeles (geb. 6. Februar 1888 in Offenbach; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX) Senta Lore Eskeles (geb. 4. Oktober 1925 in Zweibrücken; gest. am 25./29. November 1941 im Fort IX)Daten zu Berta Eskelses geb. Marx auf Bundesarchiv.deDaten von Berta, Hugo und Lore Eskeles auf holocaustcontroversies.yuku.com Ludwig Marx (geb. 8. Februar 1897 in Heilbronn; gest. 4. März 1943 in Majdanek) Papiergroßhandlung, Wilhelmstraße 54 ⚭ Johanna Isaac (geb. 29. April 1900 Fremersdorf; deportiert am 7. November 1943 nach Auschwitz)Fargion, S. 351.Daten von Johanna Marx auf Bundesarchiv.deDaten von Ludwig Marx auf Bundesarchiv.de Walter Herbert Marx (geb. 27. Februar 1926 in Heilbronn; gest. am 13. August 2013 in New York CityNachruf in der Air Cargo News vom 14. August 2013 (abgerufen am 30. April 2015)) ⚭1950 Ellen Appel Tochter von Josef Appel (geb. 1888) und Helene Koopmann (geb. 13. Juli 1898)Zucotti S. 199.http://wp.ge-mittelkreis.de/webfrie05/webinsch/jupage/fkoopj.htm David Marx Ronald Marx Gary Marx Hanna Isaac geb. Marx (geb. 16. Februar 1899 in Heilbronn; in New York) ⚭ Max Isaac (gest. 1926 in Merzig).Cavaglion, S. 144: „Isaac Werner – pat.[ernità] Max – mat.[ernità] Marx Hanzi – n.[ato] Merzig 30-6-1926 – s.f.d. - naz. germanica – razza ebraica Suppl. 21 – I “Westemeier, S. 268, Anm. 489 auf S. 711. Werner Isaac (geb. 30. Juni 1926 in Fremersdorf; in New York)

Leben und Wirken Der Familie Berthold Marx’ und seinem Sohn Ludwig Marx gehörte eine jüdische Papiergroßhandlung, die in der Wilhelmstraße 54 (Heilbronn) untergebracht war. Hans Franke nennt in Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn als Bewohner des Hauses auch Curt Flamm, einen Lehrer, Berthold Marx’ Tochter Hansi, die den 1926 in Merzig verstorbenen Max Isaac geheiratet hatte, sowie Hansi Isaacs Sohn Werner und Ludwig Marx’ Sohn Walter.Franke, S. 371.

Flucht und Ermordung Deportationen in Heilbronn mini|Rathaus von Alpes-Maritimes Saint-Martin-Vésubie Berthold Marx wurde am 26. Juli 1939 von Heilbronn aus nach Herrlingen deportiert, wo er in das von den Geschwistern Essinger gegründete jüdische Altersheim kam. Von Herrlingen kamen die verfolgten Juden nach Oberstotzingen.Franke, S. 347. Dort war er im Schloss Oberstotzingen untergebracht.Franke, S. 348. Von dort wurde er am 22. August 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 15. Januar 1943 starb. Seine Ehefrau Emma Marx geb. Jaraczewsky war bereits am 25. Februar 1926 verstorben.

Deportationen in Lamalou-les-Bains Ein Teil der Familie hielt sich ab 1939 in Luxemburg auf, musste aber am 7. November 1940 nach Frankreich flüchten. Nachdem sie einer Festnahme im August 1942 entkommen waren, flüchteten sie nach Montpellier und anschließend nach Lamalou-les-Bains (Hérault), wo Ludwig Marx im Februar 1943 jedoch von der französischen Polizei inhaftiert, in das Sammellager Drancy bei Paris gebracht, einen Monat später ins KZ Majdanek deportiert und zwei Tage nach seiner Ankunft ermordet wurde.

Flucht nach Saint-Martin-Vésubie Die Juden flüchteten in die italienische Besatzungszone Frankreichs, weil sie „in den Italienern, die sie gut behandelten, eine Schutzmacht“Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit., S. 268. sahen. Walter Marx, Johanna Marx und Werner Isaac konnten nun in das südfranzösische, italienisch besetzte Alpenstädtchen Saint-Martin-Vésubie flüchten, wo sich fast 1000 Juden aufhielten. Marx und Isaac erhielten Papiere und hatten sich jeden Tag bei der italienischen Militärpolizei zu melden.Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der folgende Abschnitt dem Kapitel Kampf an allen Fronten 1941–1944. In: Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268.

Überquerung der Alpen Als Italien am 8. September 1943 mit den Alliierten den Waffenstillstand von Cassibile geschlossen hatte verbreitete sich das Gerücht, dass Deutsche in Nizza seien. Daraufhin brach eine große Panik unter den Juden aus. Sie wollten weiter fliehen, um nicht „in die Hände der Deutschen zu fallen“.Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268. Daher flüchteten die Juden mit den abziehenden italienischen Truppen zusammen über die Alpen. Sie hofften, auf Truppen der Alliierten zu treffen. Walter Marx wusste 2007 von der Überquerung der Alpen zu berichten:Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der folgende Abschnitt dem Kapitel Kampf an allen Fronten 1941–1944. In: Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268.

Campo di concentramento Borgo San Dalmazzo Am 12. September 1943 kamen Walter Marx, Johanna Marx und Werner Isaac in Borgo San Dalmazzo an, wo sie im Gasthaus Cavallo Rosso wohnten.Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt der folgende Abschnitt dem Kapitel Kampf an allen Fronten 1941–1944. In: Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268.

Nach einigen Tagen war Joachim Peiper mit einer von ihm befehligten Kompanie des 2. Bataillons der Leibstandarte SS Adolf Hitler dort. Am 18. September 1943 verbreitete die SS im Raum Cuneo Plakate des „Comando Germanico di Borgo San Dalmazzo“,Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 268. auf denen den Juden befohlen wurde, sich bis 18:00 Uhr in Borgo San Dalmazzo vor der Caserma degli Alpini – einer aufgelassenen Kaserne der italienischen Gebirgsjäger – zu melden. Die SS hatte damit gedroht, dass die Menschen, die die Juden versteckten, erschossen würden. Der Befehl wurde von Hauptsturmführer Müller signiert. Walter Marx beschrieb ihre verzweifelte Lage:

Die Juden, unter ihnen die Mitglieder der Familie Marx, wurden von der SS verhaftet. Laut Alberto Cavaglion erhielt Walter Marx die Inhaftierungsnummer 225, Johanna Marx die Nr. 226 und Werner Isaac die Nr. 227, wo sie zum letzten Mal noch als Familie zusammen waren.

Alberto Cavaglion hat in seinem Werk Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943 folgende Liste publiziert, die sich im Archivio Comunale di Borgo S. Dalmazzo befindet: Liste männlicher Juden, älter als 18 Jahren, Oktober 1943, im deutschen KZ in Borgo S. Dalmazzo.Alberto Cavaglion: Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943, L'arciere, Cuneo 1981, , S. 127, siehe unter Suppl., = Borgo S. Dalmazzo, Archivio del Comune, Elenco degli ebrei maschi superiori ai 18 anni che nell' ottobre 1943 risultavano presenti nel campo di concentramento tedesco a Borgo S. Dalmazzo (Si tratta die 171 intenati aventi diritto alla razione di sigaretti). Darin erscheinen Walter Marx und Isaac Werner:

Sie wurden in das von den Deutschen neu eingerichtete Polizeihaftlager Borgo San Dalmazzo gebracht.

Walter Marx erinnerte sich an die Situation dort und bewertete das Verhalten der SS gegenüber den dort inhaftierten Juden wie folgt:

Deportationen in Borgo San Dalmazzo Laut Liliana Picciotto Fargion, Jens Westemeier und Alberto Cavaglion wurde die Mutter Johanna Isaac in Borgo S. Dalmazzo (CN) am 18. September 1943 von den Deutschen (»da tedeschi«) inhaftiert und in „Borgo S. Dalmazzo campo“ festgehalten. Am 21. November 1943 wurde sie über das Sammellager Drancy in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie starb.

Liliana Picciotto Fargion schreibt:

Alberto Cavaglion hat in seinem Werk Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943 die Liste der Deportierten von Borgo S. Dalmazzo publiziert, die sich im Archivio Comunale di Borgo S. Dalmazzo befindet. Darin erscheint auch Johanna Marx:

Memoriale della Deportazione Borgo San Dalmazzo mini|KZ-Denkmal Borgo San Dalmazzo mini|Cuneo – Borgo San Dalmazzo – Mémorial Johanna Marx wurde im Bahnhof Borgo San Dalmazzo mit einer Inschrift in die Gleise gedacht. Ihr Name wurde in die Mahn- und Gedenkstätte für die im Raum Borgo verhafteten und in Auschwitz ermordeten Menschen eingetragen.Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 272: Auch die Mutter von Walter Marx, Johanna Marx aus Heilbronn, wurde unmittelbar nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. (Anmerkung 513 verweist auf S. 712 Anmerkungen)Jens Westemeier: Himmlers Krieger:Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. S. 712: „Heute befindet sich in Borgo San Dalmazzo eine Mahn- und Gedenkstätte für die im Raum Borgo verhafteten u. in Auschwitz ermordeten Menschen“.

Juliane Wetzel beschreibt die Memoriale della Deportazione, diese Mahn- und Gedenkstätte für die im Raum Borgo verhafteten und in Auschwitz ermordeten Menschen:

Entkommen und Überleben von Walter Marx Alberto Cavaglio beschreibt das Entkommen und Überleben von Walter Marx als „wahrhaft kurios“. Am Abend des 16. Oktober 1943 erlitt er einen Arbeitsunfall, anschließend wurde er in das Krankenhaus nach Cuneo eingeliefert, daher konnte er auch nicht nach Auschwitz deportiert werden.Alberto Cavaglion: Nella notte straniera : gli ebrei di S. Martin Vésubie e il campo di Borgo S. Dalmazzo, 8 settembre-21 novembre 1943, L'arciere, Cuneo 1981, , S. 128: „Si tratta die persone che hanno evitato la deportazione del 21 novembre 1943 essendo state ricoverate presso l'ospedale di Cuneo (Marx, Gherszt e Michell) …“.

Laut Susan Zuccotti versteckte er sich bis zum Ende des Krieges in den Bergen der Provinz Cuneo, wo er im Widerstand aktiv war.online

Deportationen in München Berthold Marx’ Tochter Berta Eskeles, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Lore in Zweibrücken und später München wohnte, wurde am 20. November 1941 von München aus nach Fort IX deportiert, wo sie am 25. November 1941 ermordet wurde. Das gleiche Schicksal erlitten ihr Ehemann Hugo Eskeles und ihre Tochter Lore. Ihre jüngere Schwester Hanna Isaak emigrierte Juli 1939 über EnglandFranke, S. 358. in die USA, von wo aus sie zusammen mit ihrem Neffen Walter Herbert Marx die Rückübertragung des Hauses ihres Vaters beantragte.Signatur B033-460 in der Datenbank HEUSS (Rückerstattungsverfahren für das Gebäude Wilhelmstraße 54; Vorb.: Berthold Marx)Von den in Zweibrücken geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“): Berta Eskeles geb. Marx (1895), Hermann Eskeles (1865), Hugo Eskeles (1888), Senta Lore Eskeles (1925), Rosa Forst geb. Eskeles (1885) …

Rückerstattungsverfahren in Heilbronn