mini|Münzprägung Eugens IV, 1439, Vorderseite: Thronender Papst mit Segensgestus, Rückseite: Kaiser Johannes VIII. Palaiologos und der armenische Katholikos Kostandin VI. knien vor dem Heiligen Petrus (Münzkabinett Berlin)

Das Konzil von (Basel-)Ferrara-Florenz(-Rom) () der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stellt das letzte einer Reihe von Konzilien dar, die versuchten, das Morgenländische Schisma zu überwinden, was aus Sicht der Lateiner bedeutete, die Byzantiner und die orientalischen Nationalkirchen unter päpstliche Jurisdiktion zu bringen. Die von Kaiser Johannes VIII. Palaiologos und dem Ökumenischen Patriarchen Joseph II. geleitete byzantinische Delegation war zu erheblichen theologischen Zugeständnissen bereit, weil sie auf Militärhilfe hoffte.

Das Konzil wurde ursprünglich zum 23. Juli 1431 von Papst Martin V. nach Basel einberufen, wo es eigenständig bis zum Jahre 1449 weitergeführt wurde. Eugen IV., der Nachfolger Martins V., verlegte das Konzil 1438 nach Ferrara und 1439 nach Florenz. Am 5. Juli 1439 wurde mit der Unterzeichnung des Dekretes Laetentur coeli durch den Papst und 116 Lateiner sowie den Kaiser und 32 Byzantiner die Kirchengemeinschaft hergestellt und am Folgetag mit einem Festgottesdienst gefeiert; anschließend reiste die byzantinische Delegation ab. Nach erfolgreichen Unionsverhandlungen mit einer Delegation des armenischen Katholikats von Sis (Bulle Exultate Deo, 22. November 1439) reisten auch die meisten lateinischen Konzilsteilnehmer ab. Die verbliebenen Konzilsväter beschlossen Unionen mit Delegationen weiterer orientalischer Kirchen: Kopten, Maroniten, Nestorianer und Jakobiten. Konzilsort war ab September 1443 Rom.

Da das Konzil von Basel parallel zum Konzil von Ferrara–Florenz weiterarbeitete, hat es sich in der Forschung durchgesetzt, das Konzil als zwei voneinander unabhängige Versammlungen – einmal Basel, einmal Ferrara-Florenz – zu betrachten. Ferrara-Florenz wird als 17. ökumenisches Konzil der römisch-katholischen Kirche gezählt.

Die Kirchenunion als Thema auf dem Konzil von Basel

Das Konzil von Konstanz hatte am 9. Oktober 1417 das Dekret Frequens verabschiedet, demzufolge Konzilien „häufig“ (die Übersetzung des Anfangswortes des Dekrets) tagen sollten. Papst Martin V. berief in Übereinstimmung mit dem Dekret das erste Folgekonzil fünf Jahre später im Jahre 1423 nach Pavia und das darauf folgende Konzil sieben Jahre später für 1430 nach Basel ein (danach sollten alle zehn Jahre Konzilien tagen). Die fristgemäße Eröffnung für das Jahr 1430 verzögerte sich u. a. durch den Tod Martins V. und die erforderliche Wahl von Papst Eugen IV. (1431–1447).

Die in Basel versammelten Konzilsväter gaben sich ein eigenes Statut und eine eigene Tagesordnung, die ihre Vorstellung vom Vorrang des Konzils über den Papst darlegten – diese Position nennt man Konziliarismus. Eine Besonderheit von Basel – gerade im Vergleich mit Ferrara-Florenz – ist das Kooptationsprinzip: Die Konzilsväter konnten selbst über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheiden. Bis 1443 waren durch dieses Verfahren etwa 3350 Personen inkorporiert und etwa 300 bis 400 zeitgleich anwesend, darunter ein erheblicher Anteil von Universitätstheologen (etwa 22 Prozent) und Ordensleuten; der Anteil von Bischöfen schwankte zwischen 5 und 15 Prozent. Franzosen und Deutsche stellten etwa je ein Drittel der Teilnehmer.Klaus Schatz: Allgemeine Konzilien – Brennpunkte der Kirchengeschichte. 2. Auflage. UTB, Brill Schöningh, Paderborn 2008, S. 149.

Papst Eugen ließ am 23. Juli 1431 das Konzil eröffnen, kümmerte sich aber einstweilen nicht weiter darum. Im Jahr 1430 hatte ein osmanisches Heer nach zweimonatiger Belagerung Thessaloniki eingenommen. Immer prekärer wurde die Situation des Byzantinischen Reichs und seiner Hauptstadt Konstantinopel. Aber auch Venedig und Ungarn sahen das osmanische Vordringen als Bedrohung ihrer Existenz. Wenn Byzantiner und Lateiner ihre seit Jahrhunderten kultivierten theologischen Gegensätze zügig überwanden, konnten sie auch militärisch gegen den gemeinsamen Gegner vorgehen. Der byzantinische Gesandte am päpstlichen Hof in Rom schlug Eugen IV. deshalb vor, ein ökumenisches Konzil in einer italienischen Stadt abzuhalten. Eugen schlug dem Basler Konzil daher einen Umzug nach Bologna vor. Kardinal Giuliano Cesarini antwortete dem Papst im Namen des Konzils, die Verständigung mit den Hussiten sei vordringlich, und das Thema einer Verständigung mit Byzanz werde schon lange ohne Fortschritte behandelt. Von ihrer geografischen Lage her sei die Stadt Basel aber geeignet, um beide Themen dort zu besprechen.Ivan Mariano: The Council and Negotiations with the Greeks. In: Michiel Decaluwe, Thomas M. Izbicki, Gerald Christianson (Hrsg.): A Companion to the Council of Basel. Brill, Leiden 2017, S. 310–339, hier S. 312 f. Der Papst erklärte daraufhin die Versammlung in Basel am 18. Dezember 1431 für aufgelöst. Doch das Konzil ignorierte die Auflösung, unterstützt vom deutschen König Sigismund und anderen weltlichen Mächten, die in Basel durch Gesandte vertreten waren. Das Konzil erklärte am 15. Februar 1432 in Anlehnung an das Konstanzer Dekret Haec sancta synodus, dass es seine Autorität direkt von Christus beziehe und daher gegen den Willen der Konzilsväter weder aufgelöst noch verlegt werden könne. Eugen IV. gab nach und erkannte das Konzil von Basel am 15. Dezember 1433 mit der Bulle Dudum sacrum an.

Gegen die Hussiten führte König Sigismund fünf Kreuzzüge. In allen wurde der König von diesen schwer geschlagen. Doch dann spalteten sich die Hussiten in radikale Taboriten und gemäßigte Utraquisten. Sigismund und das Konzil einerseits, die Utraquisten andererseits verständigten sich: Auf Grundlage eines formlosen Vergleichs von 1433 wurden im Juli 1436 die Kompaktaten von Iglau (Jihlava) abgeschlossen. Dieser Erfolg stärkte die Bedeutung des Konzils.

Im Konflikt zwischen Basler Konzil und Papst versuchten unterdessen beide Seiten, durch eine Kirchenunion mit den Byzantinern Prestige zu gewinnen. Die erste Basler Gesandtschaft nach Konstantinopel reiste am 2. Januar 1433 ab. Da war der Papst längst im Gespräch mit den Byzantinern. Im Sommer 1434 trafen drei byzantinische Gesandte in Basel ein und wurden dort begeistert empfangen. Einer von ihnen war Isidor, der Vorsteher des Demetriosklosters von Konstantinopel. Hier zeigte sich ein Problem: die allermeisten Konzilsväter verstanden kein Griechisch; der sizilianische Humanist Giovanni Aurispa avancierte wegen seiner Zweisprachigkeit zum Hauptübersetzer. Die Konzilsväter trafen nun Maßnahmen, um sich für die künftigen Verhandlungen mit den Byzantinern besser aufzustellen. Sie beriefen eine Gruppe griechischsprechender Gelehrter, zu der neben Aurispa auch der latinisierte Grieche Andreas Chrysoberges und mehrere Humanisten gehörten: Ludovico da Strassoldo, Francesco Filelfo, Ambrogio Traversari, Guarino da Verona, Vittorino da Feltre, Pietro Vitali, der Abt von Grottaferrata, und Antonio da Rho. Das Ergebnis der Verhandlungen im Sommer 1434 war das Dekret Sicut pia mater (1. September 1434), das etliche küstennahe Orte für ein Unionskonzil vorschlug, aber auch Buda oder Wien ins Gespräch brachte. Doch die Gesandten, die das Dekret in Konstantinopel überbrachten, erklärten dort, das Konzil gedenke in Basel zu bleiben, und die byzantinische Delegation solle dorthin reisen; alle entstehenden Kosten trage das Konzil. Dem Papst wurde das Dokument Sicut pia mater zugeleitet; er stimmte zu. Unterdessen hatte der päpstliche Gesandte Cristoforo Garatoni den Byzantinern vorgeschlagen, das Konzil in Konstantinopel auszurichten und kehrte Anfang 1435 mit zwei byzantinischen Gesandten an den päpstlichen Hof zurück, der sich mittlerweile in Florenz befand. Eugen IV. ließ den Austragungsort Konstantinopel fallen und schickte Garatoni mit seinen griechischen Begleitern weiter nach Basel. Dort stimmten die Byzantiner dem Dekret Sicut pia mater zu und reisten nach Konstantinopel zurück, um ihren Kaiser und Patriarchen dafür zu gewinnen. In Konstantinopel sorgten aber Formulierungen in der Einleitung des Dekrets, die die Byzantiner als Schismatiker bezeichneten, für Verärgerung. Im Februar 1437 schrieben Kaiser und Patriarch dem Konzil, sie lehnten es ab, nach Basel zu reisen. Im Sommer 1437 diskutierten die Konzilsväter in chaotischer Weise die Frage des Ortes für das Unionskonzil. Die Konkurrenz zum Papst hatte sich so verschärft, dass viele sich nur einen Ort außerhalb der päpstlichen Machtsphäre, d. h. außerhalb Italiens, vorstellen mochten. Die Mehrheit wollte in Basel bleiben und war allenfalls mit einer Verlegung nach Avignon oder Savoyen einverstanden. Eine Minderheit akzeptierte auch Florenz, Udine oder sonst eine Stadt, die sowohl dem Papst als auch den Byzantinern gelegen wäre. Diese Minderheit erbat am 20. Mai 1437 die Zustimmung Eugens IV. Dieser entsandte päpstliche Galeeren mit Garatoni und Nikolaus von Kues zusammen mit den Bischöfen von Digne und von Porto als Vertreter der Konzilsminderheit an Bord nach Konstantinopel, um die griechische Delegation abzuholen. Im September liefen diese Schiffe im Hafen von Konstantinopel ein – und kurz darauf, am 3. Oktober 1437, traf dort auch eine vom Konzil entsandte Flotte zur Aufnahme der byzantinischen Delegation ein. Diese hatte immer noch keine klare Botschaft, ob das Unionskonzil nun in Basel, Avignon oder einer Stadt in Savoyen zusammentreten sollte. Die Byzantiner entschieden sich, an Bord der päpstlichen Galeeren zu gehen und die Einladung des Basler Konzils auszuschlagen.Ivan Mariano: The Council and Negotiations with the Greeks. In: Michiel Decaluwe, Thomas M. Izbicki, Gerald Christianson (Hrsg.): A Companion to the Council of Basel. Brill, Leiden 2017, S. 310–339, hier S. 314–317 und 335–337.

Konzil von Ferrara–Florenz–Rom Teilnehmer Eugen IV. verlegte das Konzil durch die Bullen Doctoris Gentium (16. September 1437) und Pridem ex iustis (30. Dezember 1437) nach Ferrara und lud die Byzantiner hierzu ein. Er übernahm auch die Kosten für Reise und Aufenthalt. Eine hochrangige byzantinische Delegation reiste daraufhin im November 1437 auf vier vom Papst gemieteten Galeeren aus Konstantinopel ab, deren Begleitung ein Florentiner und drei venezianische Schiffe bildeten. Fantino Vallaresso, der lateinische Erzbischof von Candia, schätzte die byzantinische Delegation auf 200 vornehme Personen, mit ihrem Gefolge insgesamt fast 700 Personen.Ioannes G. Leontiades: Die griechische Delegation auf dem Konzil von Ferrara-Florenz: Eine prosopographische Skizze, 1989, S. 353. An ihrer Spitze standen der Kaiser Johannes VIII. Palaiologos und der greise Ökumenische Patriarch Joseph II. (1360–1439). Vor allem aus griechischen Quellen sind rund 50 Kleriker und 30 Laien namentlich bekannt.Ioannes G. Leontiades: Die griechische Delegation auf dem Konzil von Ferrara-Florenz: Eine prosopographische Skizze, 1989, S. 354.

Anfang 1437 wurde klar, dass die Patriarchen von Alexandria, Antiochia und Jerusalem keine Ausreisegenehmigung des Mamlukensultans Barsbay erhalten würden, in dessen Machtbereich sich ihre Patriarchensitze befanden. Damit das Konzil aber ökumenisch sein konnte, mussten sie dort durch Bevollmächtigte repräsentiert werden. Sie benannten je zwei Stellvertreter, aber nicht aus ihrem eigenen Klerus, sondern aus dem des Patriarchats von Konstantinopel, bei deren Auswahl der Kaiser folglich Einfluss nehmen konnte. Ursprünglich waren folgende Personen benannt worden: für Alexandria Metropolit Antonios von Herakleia und Hieromonachos Markos Eugenikos, für Antiochia Metropolit Ioasaph von Ephesos und Hieromonachos Isidor (letzterer wurde zwischenzeitlich zum Metropoliten von Kiew berufen) und für Jerusalem der Protosynkellos Gregorios Mammas und Hieromonachos Dionysios.Sebastian Kolditz: Bessarion und der griechische Episkopat im Kontext des Konzils von Ferrara-Florenz, Berlin/Boston 2013, S. 49 f. Während des Konzils wurden einige Anpassungen und neue Beauftragungen erforderlich.