mini|hochkant|Pat Robertson (2006)
Marion Gordon „Pat“ Robertson (* 22. März 1930 in Lexington, Virginia; † 8. Juni 2023 in Virginia Beach, Virginia) war ein evangelikaler US-amerikanischer Prediger und Politiker der Republikanischen Partei. Er galt als eine der einflussreichsten Personen der christlichen Rechten in den Vereinigten Staaten. 1960 übernahm er das Christian Broadcasting Network und baute es zu einem weltweiten evangelikalen Medien-Imperium aus. Durch seine Sendung The 700 Club, die von 1966 bis 2021 ausgestrahlt wurde, erlangte er internationale Bekanntheit. Zudem war er einer der Gründer der Christian Coalition of America sowie 1977 Gründer und Präsident der evangelikalen CBN-University, die 1989 in Regent University umbenannt wurde.Jörn Schumacher: TV-Evangelist Pat Robertson ist tot. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehprediger der USA ist tot: Der christliche Medienmogul Pat Robertson starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren, PRO − das christliche Medienmagazin, Website pro-medienmagazin.de (9. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026)Reinhold Scharnowski: US-Medienpionier Pat Robertson verstorben, Website jesus.ch (10. Juni 2023)
Leben Herkunft und frühe Jahre Robertsons Vorfahren gehörten zu den ersten europäischen Einwanderern in Amerika. Einer seiner Vorfahren beteiligte sich an der Boston Tea Party.Victor und Victoria Trimondi: Krieg der Religionen. 2006, S. 42. Pat war der Sohn von Absalom Willis Robertson (1887–1971) und seiner Frau Gladys Churchill Willis (1897–1968). Absalom Willis Robertson Junior (1923–2002) war sein älterer Bruder. (8. Juni 2023, englisch, abgerufen am 16. Mai 2026) Der Vater war Vertreter Virginias im Repräsentantenhaus und im Senat der Vereinigten Staaten.David John Marley: Pat Robertson: An American Life. ISBN 978-0-7425-5295-1.
Er studierte an der Washington and Lee University Geschichte, dieses Studium schloss er mit der Auszeichnung magna cum laude ab.Jörn Schumacher: TV-Evangelist Pat Robertson ist tot. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehprediger der USA ist tot: Der christliche Medienmogul Pat Robertson starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren, PRO − das christliche Medienmagazin, Website pro-medienmagazin.de (9. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026) Seit 1948 war Robertson US-Marine und während des Koreakrieges (1950–1953) in Japan stationiert. An Kampfhandlungen nahm er nicht teil.James Brady: Pat Robertson Redux. Forbes, 2. Februar 2006; abgerufen am 1. Mai 2017. Danach studierte er Jura an der Universität Yale. Dort erlebte er eine religiöse Erweckung und führte sein Studium am Biblical Seminary in New York fort, wo er 1959 seinen Master of Divinity erhielt. 1961 wurde er Pastor einer christlichen Gemeinde, die zu den Southern Baptist Convention gehörte.Jörn Schumacher: TV-Evangelist Pat Robertson ist tot. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehprediger der USA ist tot: Der christliche Medienmogul Pat Robertson starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren, PRO − das christliche Medienmagazin, Website pro-medienmagazin.de (9. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026)
Gründungen in der Lebensmitte 1977 gründete Robertson in Virginia Beach die evangelikale CBN University, deren erster Kanzler er wurde.Regent University:Pat Robertson Sie wurde 1989 in Regent University umbenannt, sie bietet Lehrgänge in über 70 Fächern an, die von über 11.000 Studenten belegt werden. Er gründete weitere christliche Organisationen, so 1978 die Hilfsorganisation Operation Blessing International Relief and Development Corporation, die im Jahr 2023 in über 90 Ländern medizinische Hilfe und Nahrung verteilt. Der familienfreundliche Fernsehsender ABC Family Worldwide wurde von ihm ins Leben gerufen, ebenso die Institution American Center for Law & Justice, die Freiheitsrechte und insbesondere Religionsfreiheit weltweit fördern und schützen will. 1987 schuf er die Christian Coalition of America, eine politische Interessenvertretung mit christlicher Prägung und Ausrichtung.Jörn Schumacher: TV-Evangelist Pat Robertson ist tot. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehprediger der USA ist tot: Der christliche Medienmogul Pat Robertson starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren, PRO − das christliche Medienmagazin, Website pro-medienmagazin.de (9. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026)
Alter und Tod Am 8. Juni 2023 im Alter von 93 Jahren starb Robertson in Virginia Beach. Er wurde auf dem Grundstück der Regent University bestattet. (8. Juni 2023, englisch, abgerufen am 16. Mai 2026)
Familie Robertson heiratete 1954 Adelia Florence Elmer (1927–2022), genannt Dede. (8. Juni 2023, englisch, abgerufen am 16. Mai 2026) Das Paar hatte vier Kinder, 14 Enkelkinder und 24 Urenkel.Reinhold Scharnowski: US-Medienpionier Pat Robertson verstorben, Website jesus.ch (10. Juni 2023)
Aktivitäten Religiöse Aktivitäten Robertson moderierte die Fernsehsendung The 700 Club, die von vielen säkularen und religiösen Kanälen ausgestrahlt wurde. Er war ordinierter Geistlicher der Southern Baptist Convention, er sympathisierte aber aufgrund persönlicher Erfahrungen auch mit theologischen Auffassungen der Pfingstbewegung.Reinhold Scharnowski: US-Medienpionier Pat Robertson verstorben, Website jesus.ch (10. Juni 2023) Seine christlich-fundamentalistischen Ansichten waren umstritten, besonders seine Forderungen nach Aufhebung der Grenze zwischen Kirche und Staat und seine strikte Ablehnung von Homosexualität und Feminismus. Robertson predigte einen eher strafenden Gott; er vertrat die Ansicht, dass Gott die Menschen regelmäßig für moralische Verfehlungen bestrafe, und hat daher wiederholt auch Naturkatastrophen als göttliche Rache erklärt (siehe unten).
Politische Aktivitäten Robertson war Gründer und Präsident des American Center for Law and Justice, einer Anwaltskanzlei und Lobby-Gruppe, die die Rechte religiöser US-Amerikaner verteidigt und die Ansicht vertritt, die Trennung von Staat und Kirche könne durch die individuelle Entscheidung des Einzelnen zum Glauben wieder aufgehoben werden. Sie setzt sich in Gerichtsverhandlungen immer wieder gegen Abtreibung und für das traditionelle christliche Familienbild ein. mini|George H. W. Bush mit Robertson, 1991 In den 1970er und 1980er Jahren war seine politische Bedeutung in den USA zunächst gering. Der Niedergang der evangelikalen Moral Majority und das absehbare Ende der Amtszeit Ronald Reagans bewogen ihn, sich 1988 in der Republikanischen Partei um die Kandidatur für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten zu bewerben.Martin Durham: Robertson, Pat. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Band 2. ABC Clio, Santa Barbara / Denver / London 2003, S. 620. Dabei schadete ihm, dass er fälschlich behauptet hatte, im Koreakrieg an Kampfhandlungen teilgenommen zu haben. Ein ehemaliger Kamerad widersprach ihm; Robertson verklagte ihn wegen Verleumdung, zog aber angesichts erdrückender Beweislage kurz vor dem Super Tuesday die Klage wieder zurück. Bei den Vorwahlen setzte sich somit George H. W. Bush durch.
Robertson war christlicher Zionist und setzte sich in der Öffentlichkeit für die Interessen Israels ein. Für seine Aktivitäten wurde ihm von der Zionist Organization of America die Friends of the State of Israel-Auszeichnung verliehen. Allerdings wurde ihm wie vielen konservativen Evangelikalen vorgeworfen, seine Unterstützung des jüdischen Staates beruhe nur auf einer religiösen Bindung an das Heilige Land, nicht auf einer Sympathie für die dort lebenden Juden. Den schweren Schlaganfall des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon im Januar 2006 bezeichnete Robertson öffentlich als göttliche Strafe für die Räumung des Gaza-Streifens, da Scharon „Gottes Land zerteilt“ habe (“he divided God’s land”). Auch die Ermordung Jitzchak Rabins 1995 sah Robertson als gerechte göttliche Strafe für dessen Friedenspolitik gegenüber den Palästinensern an. Robertson galt als Sympathisant und Verfechter des Dominionismus, Yurica Report News Intelligence Analysis der Yurica & Associates, Bellingham WA 2004 (abgerufen am: 7. März 2012). er tritt also dafür ein, christlichen Fundamentalismus zur dominanten Strömung innerhalb der US-Politik zu machen und letztlich eine Theokratie zu errichten.
Nach dem Massenmord in Las Vegas im Oktober 2017 machte Robertson die Kritiker von Donald Trump für die Tat mitverantwortlich, da sie mit ihren Angriffen auf den Präsidenten die staatliche Autorität untergraben und damit sowie mit dem Infragestellen der Unfehlbarkeit der Bibel Gewalttaten wie jene in Las Vegas erst ermöglicht hätten: „Menschen, die nicht an Gott glauben, laufen Amok.“Bericht. Huffington Post, 2. Oktober 2017.
Geschäftliche Aktivitäten mini|Pat Robertson (1986)
1960 kaufte Robertson das Christian Broadcasting Network in Virginia für wenige Dollars. Seine tägliche, einstündige Sendung The 700 Club strahlte er von 1966 bis im Jahr 2021 aus.Jörn Schumacher: TV-Evangelist Pat Robertson ist tot. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehprediger der USA ist tot: Der christliche Medienmogul Pat Robertson starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren, PRO − das christliche Medienmagazin, Website pro-medienmagazin.de (9. Juni 2023, abgerufen am 16. Mai 2026) Als es noch unüblich war, engagierte er in den 1970er Jahren den Farbigen Ben Kinchlow († 2019), einen ordinierten Pastor der African Methodist Episcopal Church, als Moderator.Reinhold Scharnowski: US-Medienpionier Pat Robertson verstorben, Website jesus.ch (10. Juni 2023) CBN bietet Programme in fast 200 Ländern an.Christian Broadcasting Network (CBN). In: influencewatch.org, abgerufen am 19. Mai 2026. Robertson soll ein Vermögen zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Dollar erwirtschaft haben.
Der Autorin Bethany Moreton zufolge unterstützte das Christian Broadcasting Network den später wegen Völkermordes verurteilten guatemaltekischen Diktator José Efraín Ríos Montt.Bethany Moreton: To serve God and Walmart. The making of Christian free enterprise. Harvard 2009, S. 224
Im Jahr 1999 wurden Pläne für ein Joint Venture zwischen Robertson und der Bank of Scotland entworfen, welche eine Expansion der Bank auf den amerikanischen Markt vorbereiten sollte. Die Bank musste sich allerdings von Robertson distanzieren, nachdem dieser Schottland öffentlich als „dunkles Land“ bezeichnet hatte, „welches von Schwulen überrannt ist“, und zu Gebeten gegen die drohende Macht der Homosexuellen aufrief.Bank drops evangelist. BBC News.
Über seine 1998 gegründete Firma Freedom Gold Ltd. stand Robertson in engem Geschäftskontakt mit dem Kriegsverbrecher Charles Taylor, der ebenfalls 10 % Anteile an der Freedom Gold hielt. Robertson sicherte sich Abbaurechte für Rohstoffe in Liberia, mittels derer Taylor seinen Krieg in Liberia und Sierra Leone finanzieren konnte.Pat Robertson’s Gold. Washington Post.
Ansichten Verschwörungstheorie