mini|St. Michael (Körprich), Turmfront Die Kirche St. Michael ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im saarländischen Körprich, einem Ortsteil von Nalbach, Landkreis Saarlouis. Das Gotteshaus trägt das das Patrozinium des Erzengels Michael. Es ist dem Bistum Trier zugeordnet. Im Zuge der Strukturreform 2020 im Bistum Trier wurde zum 1. September 2011 die Pfarreiengemeinschaft Nalbach mit den eigenständigen Pfarreien St. Peter und Paul in Nalbach, St. Johannes der Täufer in Piesbach, Herz Jesu in Bilsdorf sowie St. Michael in Körprich errichtet.
Michaelskapelle mini|hochkant|links|Körpricher Kapelle, Altarbild in Mosaiktechnik mini|Körprich, Michaelskapelle mit dem Lothringerkreuz auf der Turmspitze mini|links|Körprich, Kapelle, Inneres mini|Körpricher Kapelle, innere Portalwand mit historischen Herrschaftswappen und Tafeln der in den Weltkriegen getöteten Soldaten Körprichs Geschichte Im Mittelalter war die Körpricher Kapelle, die dem Erzengel Michael geweiht ist, nach der Nalbacher Pfarrkirche das zweitgrößte religiöse Gebäude des Nalbacher Tales. Die in Hanglage errichtete Kapelle, die erstmals im Jahr 1330 in der Taxa generalis subsidiorum cleri Trevirensis urkundlich erwähnt worden war,Wilhelm Fabricius: Taxa generalis subsidiorum cleri Trevirensis, in: Trierisches Archiv, 8, 1905, S. 1–52. gab dem heutigen Ort Körprich (abgeschliffene Form von „Kirchberg“) seinen Namen. Die Körpricher Kapelle war ein von der Nalbacher Mutterpfarrei St. Peter und Paul abhängiges Gebäude.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 43.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 220.
Ein Privileg sicherte den Körpricher Gläubigen zu, dass der Nalbacher Pfarrer an bestimmten Feiertagen und am Ostermontag sowie am Michaelstag in der dortigen Kapelle eine Messe zu halten hatte.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 190.
Im Jahr 1897 wurde das Schiff der Michaelskapelle auf die doppelte Länge erweitert. Ab diesem Zeitpunkt hielt der Nalbacher Pfarrer oder sein Kaplan jeden Sonntag und an bestimmten Werktagen dort eine Messe. Erst im Februar 1921 erhielt Körprich einen eigenen Pfarrer und wurde am 1. April 1922 zur Kapellengemeinde erhoben. Da die erweiterte Kapelle nicht mehr für die durch die Industrialisierung gewachsene Bevölkerung Körprichs ausreichte, begannen Planungen zur Errichtung einer neuen Pfarrkirche.
Im Jahr 1934 gestaltete die Schönstattbewegung an der Saar die Kapelle zur Wallfahrtskirche um. Über dem Altar wurde deshalb ein Mosaik der Mater Ter Admirabilis angebracht. Jedes Jahr an Christi Himmelfahrt organisierte man nun eine Lichterprozession und im Oktober ein Treffen der Schönstattjugend.
In den Jahren 1958 bis 1960 ergänzte man die Innengestaltung der Kapelle nochmals: An den beiden Seiten des Chorbogens brachte man Sgraffiti an, die bei der Renovierung der Jahre 1985 bis 1987 gegen Holzskulpturen ersetzt wurden. Die Namen der in den beiden Weltkriegen getöteten Söhne Körprichs wurden bei der Gestaltungsaktion der späten 1950er Jahre als Sgraffiti an den Längswänden der Kapelle angebracht. Über der Eingangstür befinden sich seither die Wappen der historischen Herrschaften des Nalbacher Tales.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 236–239.
Im Jahr 1987 wurde die nach dem Zweiten Weltkrieg von Pastor Jakob Woll an eine katholische Diasporagemeinde an der Lahn verschenkte originale Kapellenglocke von 1898 gegen eine Ersatzleistung zurückgegeben.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 236–239.Informationen zur Kapelle St. Michael Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 4. April 2015
In den Jahren 1985 bis 1987 fand eine umfassende Renovierung der Körpricher Kapelle statt und auch das Innere erfuhr eine Neugestaltung. Die Eingangswand wurde zum Gedächtnis der in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts Gefallenen des Ortes mit vier Namenstafeln und zwei Kreuzen gestaltet.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 237 und 252. Die Sgraffiti im Kapellenschiff entfernte man damals.
Heute finden in der alten Kapelle keine regelmäßigen Messen mehr statt. Sie dient als Andachts- und Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. An der Kapelle endet der am 7. März 1993 vom damaligen Ortsvorsteher Heinrich Eisenbarth initiierte Kreuzweg. Die Straße zum Kreuzweg wurde im Jahr 2008 „Heinrich-Eisenbarth-Weg“ benannt.Saarlandbiografien Der Bildschnitzer war Ernst Breuer.Dieter Lorig: Heinrich Eisenbarth gewürdigt. In: Saarbrücker Zeitung. 18. März 2008.
Architektur und Ausstattung Die Kapelle ist ein verputzter Bruchsteinbau. Der kleine Körpricher Sakralbau erhebt sich auf einem vorspringenden Hügel des Hoxberges, dem ortsnamensgebenden Kirchberg, und war bis ins 20. Jahrhundert von Grablegen umgeben. Die Kapelle ist 18,40 m lang und 6,35 m breit. Das Schiff ist vierachsig und von einfachen barocken Fenstern erhellt. Die Ornamentverglasung ist modern. Auf der Westseite befindet sich das rundbogige Eingangsportal mit hölzernen Portalflügeln und romanisierenden Metallbeschlägen vom Ende des 19. Jahrhunderts, als die Kapelle erweitert wurde. Der Giebel öffnet sich in einem einfachen Rundfenster.
Der Kapellenturm ist in seiner Anlage noch mittelalterlich. Im Jahr 1657 wurde er wegen Einsturzgefahr erneuert. Der Turm erhebt sich in der Nordostecke zwischen Schiff und dem rechteckig eingezogenen Chor. Er ist ungegliedert und verfügt über kleine rechteckige Schallöffnungen. Gedeckt ist er mit einem geschieferten vierseitigen Knickhelm. Auf der dem Turm gegenüber liegenden Seite der Apsis ist die Sakristei angebaut.
Der Nalbacher Pfarrer Johann Wilhelm Jodokus Koettingen (Amtszeit: 1747–1783), der auch die Nalbacher Kirche erneuerte, ließ im Jahr 1774 das Kapellenschiff neu aufbauen.Walter Zimmermann (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, herausgegeben von der Saarforschungsgemeinschaft, Düsseldorf 1934, 2., unveränderte Auflage, Nachdruck Saarbrücken 1976, S. 220. Der Schlussstein des Chorbogens erinnert mit seiner Inschrift an den Initiator der Renovierung: „+1+7+7+4+ I.W.IOD. KÖTT=INGEN.DECA=NUS.PAS=TOR+“
mini|links|Chorbogeninschrift von 1774 mini|Kapelleninneres mit den später entfernten Sgraffiti von Arnold Mrziglod
Die chorflankierenden Sgraffiti der heiligen Veronika mit dem Schweißtuch Jesu (links) und des heiligen Michael (rechts), die von dem im Jahr 1958 aus Oberschlesien übergesiedelten Kirchenmaler Arnold Mrziglod (1921–1984) gefertigt worden waren, wurden später entfernt. An ihrer Stelle befinden sich aktuell barockisierende Holzskulpturen. Mrziglod gestaltete auch das heute noch erhaltene Erzengelbild in der Körpricher Schule (Gebäude aktuell als Kindergartengebäude genutzt).
Im Inneren der Kapelle befinden sich seit 1960 über dem Eingangsportal die Wappen der wichtigsten historischen Körpricher Adelsherrschaften: v. l. n. r. das rote Kreuz auf silbernem Grund von Kurtrier (Oberster Vogt im Nalbacher Tal und Landesherr in der trierischen Vogtei des Nalbacher Tales), der goldene Löwe auf schwarzem Grund der Kurfürsten von Kurpfalz (Landesherr und Obervogt in der obersten Vogtei, der Körprich angehörte), die drei gestümmelten Adler des Herzogtums Lothringen (lothringische Schirmherrschaft im Nalbacher Tal), der Zickzackbalken mit dem Turnierkragen der Herren von Siersberg-Dillingen sowie der rote Balken in Gold, begleitet von roten Schindeln der Herren Hagen zur Motten (die beiden letzten Wappen erinnern an die letzten adeligen Untervögte von Körprich). Aus Platzgründen wurden die Wappen der übrigen Vögte nicht dargestellt. In chronologischer Reihenfolge waren das die Junker von (Blies-)Kastel, von Lewenstein, Krapp von Saarburg, von Ratsamshausen, von Haracourt, die Grafen von Nassau-Saarbrücken, die Herren von Braubach, von Lénoncourt-Blainville sowie die Freiherren von Hagen zur Motten. Die Wappen wurden von den Brüdern Mrziglod geschaffen. Die Restaurierungsmaßnahmen der Jahre 1958 bis 1960 leitete der Kunsthistoriker Martin Klewitz. Zur Erinnerung an die historischen Beziehungen Körprichs zu Lothringen befindet sich auf der Turmspitze der Kapelle das Lothringerkreuz.Georg Colesie: Aus der Geschichte der Körpricher Michaelskapelle, Saarheimat, Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum, 17. Jahrgang, Heft 2, Saarbrücken 1973, S. 20–22.
Als Altarbild dient seit 1935 eine Mosaik-Kopie des Gnadenbildes der Mater Ter Admirabilis, dessen Original (Refugium Peccatorum Madonna) der italienische Maler Luigi Crosio (1835–1915) im Jahr 1898 angefertigt hatte. Im linken unteren Bereich des Mosaiks befindet sich mit einem verschlungen „E“ und „P“ das Kürzel des Mosaiklegers. Hier hatte sich ursprünglich eine barocke Pietà der Zeit um 1770 befunden, die jetzt in der Körpricher Pfarrkirche aufbewahrt wird.Georg Colesie: Aus der Geschichte der Körpricher Michaelskapelle, Saarheimat, Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum, 17. Jahrgang, Heft 2, Saarbrücken 1973, S. 20–22.
In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Michaelskapelle als Einzeldenkmal aufgeführt. (PDF), abgerufen am 4. April 2015
Pfarrkirche St. Michael mini|hochkant|Pfarrkirche St. Peter und Paul, Mutterkirche und gestalterisches Vorbild der Körpricher Pfarrkirche
Geschichte Die heutige Pfarrkirche „Hl. Erzengel Michael“ wurde durch Pfarrer Leo Montada in einiger Entfernung zur Michaelskapelle erbaut und am Michaelsfest 1926 eingeweiht. Die Grundsteinlegung hatte am 2. Mai 1926 stattgefunden. Die erstaunlich kurze Bauzeit erklärt sich dadurch, dass die Baumaterialien direkt von der Körpricher Ziegelei geliefert werden konnten. Die Erhebung der Kirche zur Pfarrkirche erfolgte erst im Jahr 1928. Architekten der Körpricher Kirche waren die Architektengemeinschaften Prior & Casel aus Trier sowie Ludwig Becker & Anton Falkowski aus Mainz. Die Kriegsschäden, die besonders durch den Artilleriebeschuss der US-Armee im Kriegswinter 1944/1945 aufgetreten waren, wurden bis zum Jahr 1954 unter der Ägide von Pfarrer Woll behoben. Bereits im Sommer 1952 waren neue Glocken aufgezogen worden und im Jahr 1954 installierte man eine Turmuhr.Hans Peter Buchleitner: Kultureller Wiederaufbau im Saarland, 1945–1955, Ein Text- und Bildwerk, I. Band, Wiederaufbau, Neu- und Erweiterungsbau von Kirchen, Kapellen, Klöstern, Pfarr- und Jugendheimen, Gemeindehäusern usw. in der Landeshauptstadt wie in den Kreisen Saarlouis und Merzig-Wadern, Saarbrücken 1955, S. 79.
Architektur Der aus Ziegeln der ehemaligen Körpricher Ziegelei errichtete weitgehend barockisierende Backsteinbau ist ein vierjochiger Saal mit gotisierenden Spitzbogenwölbungen und ausladendem Querschiff auf kreuzförmigem Grundriss. Der Raum ist durch Pilaster und Gurtbögen gegliedert. Die Querschiffarme sind durch Pfeiler in drei Joche unterteilt und haben eine geringere Höhe als das Hauptschiff. Das Kreuzgratgewölbe der Querschiffarme und die Gurtbögen enden auf Wandkonsolen. Der Chor ist eingezogen und schließt segmentbogig.