Der Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903 e. V., kurz: LBV Phönix, gehört zu den Großsportvereinen (> 1000 Mitglieder) in der Hansestadt Lübeck. Er bietet (Stand: März 2018) seinen Mitgliedern in 7 Abteilungen sportliche Betätigungsmöglichkeiten: Tennis (etwa 500 Mitglieder), Hockey (etwa 450), Leichtathletik (etwa 120), Kinderturnen (etwa 130), Golf (etwa 70), Handball und Ultimate Frisbee (je etwa 40). Die Jugendquote beträgt 48 %. Die heutigen Sportstätten des LBV Phönix befinden sich auf der Falkenwiese im Norden des Stadtteils St. Jürgen an der Wakenitz und in unmittelbarer Altstadtnähe. Auf 4,5 ha hält der LBV Phönix ein zentrales Clubhaus mit integrierter 3-Platz-Tennishalle und Kegelbahn, eine weitere 3-Platz-Tennishalle eine Mehrzweckhalle, 13 Freiluft-Tennisplätze, 1 Beachplatz, einen Naturrasen- sowie einen Hockeykunstrasenplatz vor. Neben einer Gastronomie beherbergt das Clubhaus einen Tennis- und Hockeyshop sowie eine Physiotherapiepraxis.

Historie Lübecker Ballspiel-Club Am 13. Januar 1903 gründeten die Kaufleute Walter Pfohl, Wilhelm Wessel, Eduard Witt, Ludwig Bleibaum, Franz Stuwe mit den Baugewerkschülern Carl Timmermann, Max Mißfeldt, August Kroß und mit den Volontären Hermann Rosenkreuz und Albert Kreymann „Ajax“ Stender in Festschrift zur Feier der fünfzigsten Wiederkehr des Gründungstages des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1953, S. 21. den Lübecker Ballspiel-Club in der Hansestadt Lübeck als ersten reinen Fußballverein. Rasch öffnete sich der Lübecker Ballspiel-Club weiteren Sportarten. 190625 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 5. entstand eine Leichtathletikabteilung, 1908 eine Tennisabteilung und 190925 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 6. eine Hockeyabteilung. Infolge des Ersten Weltkrieges verlor der Lübecker Ballspiel-Club sein Vermögen und seine Sportstätten. In Fortsetzung der Tradition des Lübecker Ballspiel-Clubs gründeten Kriegsheimkehrer25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 10. 1920 den Lübecker Ballspiel-Verein. Die Aufnahme weiterer Sportarten folgte: Handball (1923),Jochen Heß und Pit Kluth in Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: LBV Phönix von 1903, Lübeck 1978. Gymnastik (1925), Faustball, Kinderturnen (1946), Basketball (1953),Jöns in 60 Jahre Lübecker Ballspielverein von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903 e. V., Lübeck 1963, S. 35. Volleyball (1974),Walter Mielke in Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1978. Golf (2008) und Ultimate Frisbee (2013). Lübecker Seminar-Fußball-Club von 1904 Am 5. März 1904 gründeten in Ausbildung befindliche Lehrer den Lübecker Seminar-Fußball-Club von 1904. Er vereinigte sich ein Jahr später mit dem Fußball-Club Hohenzollern zur Lübecker Sportvereinigung von 1905, die im Jahre 1913 im Lübecker Ballspiel-Club aufging.25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 15. Lübecker Seminar-Fußball-Club von 1907 Im Jahre 1907 gründeten ebenfalls in Ausbildung befindliche Lehrer einen weiteren Seminar-Fußball-Club und nannten ihn Lübecker Seminar-Fußball-Club von 1907.25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 16. Da auch dieser Seminar-Sportverein alleine nicht überlebensfähig war, schloss er sich der Lübecker Turnerschaft im Jahre 1912 an. Dieser Anschluss an die Lübecker Turnerschaft war vor allem dadurch bedingt, dass der Turnverein ein höheres Ansehen als ein (Fußball-)Sportverein genoss. Im Februar 1923 verfügte die Deutsche Turnerschaft, dass die Doppelmitgliedschaft von Vereinen in der Deutschen Turnerschaft sowie in Sportverbänden unzulässig und bis November 1923 zu lösen wäre (Reinliche Scheidung).25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 21. Sportverein Phönix Mit Rücksicht auf die Reinliche Scheidung traten die Mitglieder der Sportabteilung (u. a. Fußballer, Leichtathleten, Hockeyspieler) der Lübecker Turnerschaft aus der LT aus und gründeten am 24. November 1923 den Sportverein Phönix. Der Lübecker Ballspiel-Verein und der Sportverein Phönix fusionierten nach kurzen Verhandlungen. Seit dem 15. April 1924 lautet der Name des gemeinsamen Mehrspartenvereines Lübecker Ballspiel Verein Phönix von 1903 e.V.25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 22. Kernabteilungen sind: Fußball, Leichtathletik und Hockey, nachdem sich die Tennisspieler dem Lübeck-Travemünder Tennisclub angeschlossen hatten. 1928 ist der Aufbau des Vereins vollzogen und vollendet die Integration der Spieler, die sich vormals im Wettkampf gegenüber standen. Fußball, Handball, Hockey, Faustball, Schlagball, Volkstanz und Gymnastik gehören zum Angebot des Vereins, das von der Jugend, insbesondere von den Oberklassen der höheren Schulen, dankbar angenommen wird.25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 24.

Abteilungen Fußball (bis 1971) Der LBV Phönix unterhielt von seiner Gründung bis in das Jahr 1971 eine weit über die Grenzen Lübecks hinaus bekannte Fußballabteilung. Die finanzielle Entwicklung der Fußballabteilung des LBV Phönix wurde ab Ende der sechziger Jahre immer problematischer. Als die Verschuldung eine neue Höchstgrenze erreicht hatte und die wirtschaftlichen Risiken, die mit Liga-Fußball verbunden sind, nicht kalkuliert werden konnten, wurde der Jahreshauptversammlung 1971 ein Satzungsänderungsantrag vorgelegt, bezahlten Fußball im LBV Phönix nicht mehr zu betreiben und die Liga-Lizenz zurückzugeben. Die für die Fußball-Liga Verantwortlichen plädierten dafür, die Liga-Lizenz nicht zurückzugeben, sondern auf den neu zu gründenden 1. FC Phönix zu übertragen. Die Verhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund wurden in diesem Sinne mit Erfolg geführt. Gegründet wurde hierauf der 1. FC Phönix Lübeck, der noch 1971 als selbständiger Verein im Vereinsregister eingetragen wurde.Rudolf Fuchs in Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1978. Damit endete die annähernd 70-jährige Tradition des Fußballsports in Lübecks erstem reinen Fußball-Club. Der 1. FC Phönix setzt sie fort, während sich der LBV Phönix als großer Lübecker Mehrspartenverein auch ohne die ihn stiftenden Fußballer behauptet. Eine enge Verbundenheit zwischen den Fußballern des 1. FC und den Ballsportlern des LBV ist verblieben und dokumentiert sich u. a. in gemeinsamen Traditionen wie dem alljährlichen „Pellkartoffelessen“ oder dem „Bösen Buben Ball“ und dem Bekenntnis, „Phönixer“ zu sein.

Tennis (ab 1908) Die Tennisabteilung des Lübecker Ballspiel-Clubs wurde im Jahre 1908 gegründet. Sie errichtete vier Tennisplätze an der Luisenstrasse unweit der Travemünder Allee. Festschrift zur Feier der fünfzigsten Wiederkehr des Gründungstages des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1953, S. 78. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges herrschte auf dieser Anlage allsommerlich reges Treiben. Die Mitgliederzahl wuchs bis auf 120 an. Sportlicher Verkehr wurde insbesondere mit Hamburg und Kiel gepflegt.25 Jahre Lübecker Ballspiel Verein-Phönix, Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1928, S. 9. Durch den Ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung jäh unterbrochen; zudem kündigte die Hansestadt Lübeck den Pachtvertrag, um Platz für Wohnungsbau zu schaffen.

1920 entstand im neu gegründeten Lübecker Ballspiel-Verein erneut eine Tennisabteilung. Gespielt wurde auf den Plätzen des Lübeck-Travemünder Tennisvereines auf dem Burgfeld. Gemeinsam mit dem Lübeck-Travemünder Tennisvereines nahmen die Tennisspieler an Wettkämpfen teil. 1924 löste sich die Tennisabteilung des Lübecker Ballspiel-Vereines ab und ging im Lübeck-Travemünder Tennisclub auf, der sich in diesem Zuge in Lübecker Tennisverein umbenannte. 1934 schlossen sich der Lübecker Tennisverein („vor dem Burgtor“) und der Tennisverein „vor dem Mühlentor“ zusammen und gingen auf Initiative des Landgerichtspräsidenten Günther Rischau im Lübecker Ballspiel-Verein Phönix auf. Auf dem heutigen Vereinsgeländes an der Falkenwiese entstand die zentrale Tennisanlage mit 9 Plätzen. Als Fundament dieser Plätze dienten die Trümmer des alten Hauptbahnhofes. Festschrift zur Feier der fünfzigsten Wiederkehr des Gründungstages des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1953, S. 80. Die Mitgliederzahl überschritt bald die 200er-Marke. Turniere und Freundschaftsspiele wechselten in bunter Reihenfolge. Tennis in Lübeck erfuhr einen nachhaltigen Aufschwung. Der Spielbetrieb konnte auch während des Zweiten Weltkrieges aufrechterhalten werden.

Nach dem Krieg beschlagnahmten die Engländer die Anlage. Erst 1952 wurde der letzte Tennisplatz aus der Beschlagnahme entlassen und in die Nutzung des LBV Phönix übergeben. In diesem Jahr erfolgte auch der Neubau eines Tennishauses mit Terrasse und Gesellschaftsraum. Festschrift zur Feier der fünfzigsten Wiederkehr des Gründungstages des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1953, S. 83. In den Folgejahren steigt die Zahl der Tennismitglieder bis auf 350.

Anfang der 1970er Jahre waren die Platzkapazitäten derart erschöpft, dass 4 weitere Tennisplätze errichtet werden mussten. Da auch das Vereinshaus dem Andrang nicht mehr gewachsen war, wurde auf der Falkenwiese ein Clubhaus mit integrierter (3-Platz-Tennis-)Sporthalle errichtet, in der der Sportbetrieb im Oktober 1974 aufgenommen wurde.Gerhard Hohnsbein in Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des LBV Phönix von 1903 e. V., Hrsg.: Lübecker Ballspielverein Phönix von 1903, Lübeck 1978.

Derzeit (Stand: Januar 2017) besteht die Tennisabteilung des LBV Phönix aus rund 500 Mitgliedern.

Hockey (seit 1909) Hockey 1909–1918