Tranitz, , war eine Gemeinde am Ostrand des Tagebaus Cottbus-Nord, die 1983/1984 vollständig devastiert und anschließend abgebaggert wurde. Nach amtlichen Angaben wurden 171 Einwohner umgesiedelt. Das Areal, auf dem Tranitz einst lag, gehört heute zur Gemarkung Dissenchen, einem Ortsteil der Stadt Cottbus (Brandenburg). mini|Erinnerungsstätte für das Dorf Tranitz
Lage Der Ort lag im ehemaligen Kreis Cottbus-Land östlich Cottbus, und östlich des ebenfalls abgebrochenen Ortes Klein Lieskow am Tranitzfließ. Die Feldmark Tranitz (einschließlich des von Schönigschen Stiftungsforstes) grenzte im Norden an Groß Lieskow, im Osten an Klinge, im Süden an Kathlow, im Südwesten an Schlichow und im Westen an Klein Lieskow. Der Ortskern lag auf . Er war über Straßen von Groß Lieskow, Klein Lieskow, Kathlow und Grötsch zu erreichen.
Das Areal, auf dem Tranitz einst lag, gehört heute zur Gemarkung Dissenchen, einem Ortsteil der Stadt Cottbus.
Geschichte Der Ort wurde 1463 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von aso. *Travnica = mit Gras bewachsener Ort ab. Nach Rudolf Lehmann war Tranitz der Dorfstruktur nach ein Sackgassendorf. Die Feldmark war jedoch schon deutlich früher besiedelt.
Ur- und Vorgeschichte Auf der Gemarkung existierten ab der mittleren Steinzeit mehrere Siedlungsplätze. Insgesamt konnten im Raum Tranitz zehn ur- und frühgeschichtliche Fundplätze mit Arbeitsgeräten und Abschlägen aus Feuerstein nachgewiesen werden. mini|Tranitz auf dem Urmesstischblatt 4252 Cottbus Ost von 1845
Besitzgeschichte 1463 soll Heinrich von Zabeltitz sein Angefälle zu Tranitz an seinen Bruder Hans verkauft haben. Nach der Zabeltitzschen Familiengeschichte soll dagegen Heinrich von Zabeltitz in diesem Jahr mit Sergen und Tranitz belehnt worden sein. Beide Arbeiten geben ihre benutzten Quellen resp. Urkunden nicht an. 1515 versetzte die Stadt Cottbus den „schönen Lug“ bei Tranitz an den damaligen Amtshauptmann Christoph von Zabeltitz. Vermutlich handelt es sich um den jüngeren Christoph von Zabeltitz, sein gleichnamiger Vater und ebenfalls Amtshauptmann war 1515 gestorben. Im selben Jahr wird auch von einem Streit zwischen Christoph von Zabeltitz und seinen beiden Brüdern Hans und Bernhard um eine Wiese bei Grötsch berichtet. Christoph von Zabeltitz ist 1515 auf Tranitz bezeugt. 1536 wurde Sigismund von Zabeltitz mit Tranitz nebst Gericht und Mühlen sowie mit dem Dorf Grötsch belehnt. Nach Houwald wurde Siegmund von Zabeltitz 1536 nicht nur mit Tranitz und Grötsch, sondern auch mit Branitz, Gablenz, Haasow, Kiekebusch, Gahro, Klein Lieskow und mit dem Burglehn und Vorwerk in Cottbus belehnt. Er war mit Anna von Schlieben, einer Schwester von Eustachius von Schlieben, Hauptmann auf Zossen verheiratet, mit der er die Söhne Hans, Jobst, Georg und Christoph hatte. Er starb vor 1565, denn bei der Musterung der Ritterpferde 1565 in der Herrschaft Cottbus mussten Sigemund v. Zabeltitz Erben drei Ritterpferde stellen. Hans scheint früh verstorben zu sein, und Jobst wurde 1562 von Hans von Zeschau bei einem Streit angeblich in Notwehr erschlagen. Da Jobst der Sohn der Schwester des Eustach von Schlieben, Amtshauptmann in Zossen war, versuchte dieser, einen Haftbefehl gegen Hans von Zeschau vom Kurfürsten von Sachsen, Herzog August zu bekommen. Dieser lehnte es jedoch ab, da Hans von Zeschau den Jobst von Zabeltitz aus Notwehr entleibt habe. Christoph war verheiratet und hatte drei Söhne; er starb vor 1571. 1571 erhielten Christoph von Zabeltitz zu Hänchen und Caspar von Zobeltitz zu Schorbus für sich und ihres verstorbenen Bruders Hans zu Illmersdorf unmündigen Sohn Caspar die Lehn für ihre Besitzungen vom brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg. Gesamthänder war u. a. auch Jürge, Siegmunds Sohn zu Tranitz, der auch die Lehnspflicht für die unmündigen Söhne seines Bruders ablegte.
Am 10. August 1574 empfing nun der letzte der vier Brüder Jürgen/Georg von Zabeltitz zu Tranitz die Lehn vom brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg für sich und die unmündigen Kinder seines verstorbenen Bruders Christoph, namens Eustachius, Jürgen und Christoph. Georg trat 1577 in die Kottbuser Schützengilde ein und starb nach den Aufzeichnungen der Schützengilde 1585. Er hinterließ einen Sohn namens Siegmund und eine Tochter namens Pamphilia. Siegmund war 1585, vermutlich anstelle seines verstorbenen Vaters, in die Kottbuser Schützengilde eingetreten. Siegmund wurde am 28. April 1586 und erneut am 17. Februar 1588 mit den vom Vater ererbten Gütern Tranitz, Grötsch, Gablenz, Branitz, Klein Lieskow, Haasow, Kiekebusch und dem Freihaus und Vorwerk in Cottbus belehnt. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste er das Freihaus und das Vorwerk in Cottbus verkaufen. Für ein Darlehen musste er Klein Lieskow für drei Jahre an den Rat der Stadt Cottbus verpfänden. Siegmund von Zabeltitz war mit Elisabeth von Pfuel verheiratet. Dass die Ehestiftungen des 16./17. Jahrhunderts nicht unbedingt zum Zeitpunkt der Heirat eines Paares gemacht wurden, sondern meist später, zeigt der Fall dieses Paares besonders deutlich. Mülverstedt verzeichnet drei Ehestiftungen dieses Paares über 1.500 Taler Ehegeld (1596) und 2.000 Taler Ehegeld (1597); 1605 ist kein Betrag genannt.
1609 verkaufte Siegmund von Zabeltitz schließlich auch Tranitz und Grötsch an Wichmann von Winterfeld, Amtshauptmann in Cottbus. 1610 trat dieser in die Kottbuser Schützengilde ein. Er war seit 1604 mit Elisabeth Christiane von Canitz, Tochter des Christoph Friedrich von Canitz aus dem Hause Dalmin im Lande Meißen, Erbherr auf Fischbach, Großburg und Ritschen und der Lucretia von Hatzfeld. Der Ehe entsprossen vier Söhne und drei Töchter. Er starb zwischen 1630 und 1632. Bereits 1619 hatte er Tranitz an Hieronymus von Köckritz verkauft.
1621 saß Hieronymus von Köckritz auf dem Rittersitz in Tranitz. Er war in diesem Jahr einer der Gläubiger von Richard und Joachim von der Schulenburg auf Lieberose. Er war mit Margaretha von Zabeltitz verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte. Er besaß außerdem Koschendorf. 1622 war Joachim von Köckritz auf Groß Jauer und Kunersdorf ohne Leibeserben gestorben. Erben waren Christoph auf Koschendorf, Hieronymus auf Koschendorf und Tranitz sowie Siegmund auf Raakow. Die zwei den drei Erben zugefallenen Dörfern wurden unter ihnen verlost. Das Los fiel auf Christoph von Köckritz auf Koschendorf, der am 24. Dezember 1638 mit den beiden Dörfern belehnt wurde, die anderen Erben wurden abgefunden. Christoph starb zwischen 1638 und 1640 ohne Erben. Sein Besitz fiel nun an Hieronymus von Köckritz, Hieronymus von Köckritz war Oberstleutnant und Landesältester des Cottbusischen Kreises. 1627 war er auch Verweser des Amtes Cottbus, nachdem Amtshauptmann Gebhard von Alvensleben plötzlich verstorben war. 1630 hat er von Caspar von Zabeltitz das Gut Chransdorf gekauft. Im Dreißigjährigen Krieg gab es Belagerungen, Plünderungen und Elend. Der Ortsherr Hieronymus von Köckritz konnte angeblich durch geschicktes Taktieren noch größeres Übel vermeiden. Aber auch er musste von September 1633 bis Pfingsten 1634 erlittene Kriegsschäden in Höhe von 3.215 Taler anmelden. Die Bewohner von Tranitz meldeten 914 Taler 10 Groschen Schäden. 1641 ist dann auch Hieronymus von Köckritz verstorben. Aus diesem Jahr datiert ein Vergleich zwischen Margarethe von Köckritz geb. von Zabeltitz und ihren Kindern, Hieronymus und Anna Margarethe von Köckritz als Erben des Hieronymus von Köckritz wegen der Güter Tranitz und Koschendorf sowie der auf Jauer stehenden 2000 Taler Leibgedinge.
Tranitz kam nun an Hieronymus d. Jü. von Köckritz. Zur Neubelehnung anlässlich des Regierungsantritts von Kurfürst Friedrich Wilhelm 1644 musste sich Hieronymus von Köckritz allerdings entschuldigen, da er mit dem Pferd gestürzt war und sich dabei verletzt hatte. Dem Boten wurde daraufhin ein Recipisse (Bestätigungsschein) ausgehändigt. Um seine Güter wieder aufzubauen verkaufte Hieronymus das Dorf Löschen 1647 an Christoph Loth von Bomsdorf auf Klein Gaglow. Die Güter Tranitz und Götsch trat Hieronymus von Köckritz an seine Schwester Anna Margerethe ab, die mit Hans (Chistoph) von Pfuel verheiratet war. 1652 Hans Christoph von Pfuel 1656 trat Hans Christoph von Pfuel in die Kottbuser Schützengilde ein. 1672 musste Hans Christoph Pfuel Tranitz den Gläubigern überlassen.
Sie veräußerten Tranitz auf 30 Jahre wiederkäuflich an Baltzer von Theiz und Güldenstern. Er verkaufte dafür 1672 das Gut Mittel-Königshain nordwestlich von Görlitz an Frau Anna von Plöbsin geb. Jungin für 3.000 Taler. Später werden seine Söhne der Leutnant Christian Friedrich und der Römisch-Kaiserliche Hofrat Balthasar d. Jü. auf Tranitz, Grötsch und Klein Lieskow genannt. 1683 trat Baltzer von Theiz und Güldenstern (Vater oder schon der gleichnamige Sohn?) an Hans Rudolf von Bischofshausen ab, der sie noch im selben Jahr an Heinrich von Boblitz weiter gab. 1685 trat Herr von Boblitz auf Tranitz in die Kottbuser Schützengilde ein.
1689 kam Hans Christoph von Pfuel wohl aufgrund der Wiederkaufsklausel wieder in den Besitz von Tranitz, Grötsch und Klein Lieskow. Doch er musste die Güter 1685 den Gläubigern überlassen, die die Güter an den Generalleutnant der Infanterie Anton von Pannewitz (1659–1731) verkauften. Er war der Sohn des Kapitänleutnants und Landesdirektor des Cottbusischen Kreises Christoph von Pannwitz, Erbherr auf Kahren, Koppatz, Roggosen, Sergen, Anteil Haasow, und der Hedwig Sofie von Wulffen aus dem Hause Tempelberg. Anton von Pannewitz war mit Dorothea Lewine von Schlabrendorf verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos, und so erbten die Söhne seines Neffen Friedrich Wilhelm von Pannwitz, der mit Helene Juliane von Arnim verheiratet war, mit Namen Anton Dietrich Wilhelm und Georg Christian von Pannwitz. In der Teilung fielen die Güter des Generals an Anton Dietrich Wilhelm, der nun Erbherr auf Tranitz, Sergen, Kathlow, Gablenz, Roggosen, Anteil Haasow, Grötsch und Klein Lieskow war. Anton Dietrich Wilhelm von Pannwitz war seit 1749 mit Charlotte Marie von Kleist, Tochter der Oberst Andreas Joachim von Kleist und der Marie Elisabeth von Hake verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Er starb 1783, sie 1805. Die von Gulde publizierte Vasallentabelle von 1784 nennt als Besitzer von Gablenz, Grötsch, Haasow, Klein Lieskow, Kathlow, Roggosen, Sergen und Tranitz die Geschwister von Pannwitz. Den Besitz erbte nun Gottfried Carl August von Schöning, der Sohn der Schwester von Anton Dietrich Wilhelm, Anna Helene von Pannwitz, die mit Hans Christoph von Schöning verheiratet war. Mit seinem Testament vom 26. November 1802 gründete Gottfried Carl August von Schöning die nach ihm benannte Schöningsche Stiftung. Sie wurde nach seinem Tod am 7. Juli 1807 in die Tat umgesetzt. Diese Stiftung hatte den Zweck, adligen Grundbesitzern in der Neumark, besonders aber im Kreis Cottbus zu helfen, die ohne ihr Verschulden in Vermögensverfall gekommen waren, und bei denen die Aussicht bestand, dass sie mit einem Kredit der Stiftung finanziell wieder auf die Beine kommen würden.
1815 wurde das Rittergut Tranitz auf sechs Jahre verpachtet. 1820 war Friedrich Schmidt Amtmann auf Tranitz. Bis 1823 wurde Tranitz für jährlich 2.000 Taler verpachtet. In dieser Pacht war der Forst mit eingeschlossen.
1826 sollte das Gut Tranitz erneut, diesmal auf 12 Jahre, verpachtet werden. Es wird in einem Extrablatt zum Amtsblatt wie folgt beschrieben: Gut mit Ziegelei und zwei Teichen, 9 Morgen 156 Quadratruten Gärten, 399 M 161 QR Acker, 150 M 63 QR Wiesen, 333 M 142 QR private Hütungen, 126 M 19 QR Teiche und 35 M 60 QR unnutzbare Ländereien. Die Minimumpacht wurde mit 861 Taler, 15 Groschen und 4 Pfennige, davon 287 Taler 15 Groschen Gold. Der große Schöningsche Stiftungsforst wurde nun getrennt vom (landwirtschaftlichen) Gut Tranitz verwaltet; die Pachtsumme war entsprechend niedriger angesetzt. 1838 wurde das Gut Tranitz erneut für 12 Jahre verpachtet.