Türkendorf, , ist ein Ortsteil der Stadt Spremberg im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Spremberg zum Ende des Jahres 2002 war Türkendorf eine selbständige Gemeinde.
Lage Türkendorf liegt ungefähr sechs Kilometer östlich der Stadt Spremberg und ist über die B156 mit ihr verbunden. Ein Abzweig von der Bundesstraße innerhalb von Groß Luja (Bloischdorfer Straße) führt durch Türkendorf hindurch weiter nach Bloischdorf.
Die Gemarkung von Türkendorf grenzt im Nordwesten und Norden an Groß Luja, im Osten an Bloischdorf, im Süden an Graustein und im Westen an die Stadtgemarkung von Spremberg. Der Ortskern liegt auf . Höchster Punkt der Gemarkung ist der hohe Mühlberg. Der tiefste Punkt liegt im nördlichen Teil der Gemarkung nahe bei Bloischdorf-Kolonie mit .
Zum Ortsteil gehört auch der offizielle Wohnplatz Ausbau Türkendorf (Zakrjojske Wutwaŕki) sowie der inoffizielle Wohnplatz Mühlberg.
Geschichte Türkendorf wird in einer Urkunde vom 25. Januar 1467 erstmals als Terkendorf genannt. Der Ort wurde 1527 als Torckendorf und 1576 als Terckendorf bezeichnet. Aufgrund der späten Nennung ist eine sichere Deutung des Namens nicht möglich. Der Ortsname soll nach der Homepage der Stadt Spremberg nicht auf Türken verweisen, sondern soll möglicherweise von „Thüringern“ abgeleitet sein, was aufgrund der Etymologie allerdings wenig wahrscheinlich erscheint. Der Beiname (Terken-/Torken-/Türken-) kann beispielsweise von einem Personennamen, einer Lagebezeichnung, einer Herkunft oder Adelsgeschlecht abgeleitet sein. Die Tork/Torck beispielsweise waren ein westfälisches Uradelsgeschlecht. Allerdings ist auch hier die Herkunft des Namens umstritten. Ernst Hähnisch leitet den Namen von dem niederdeutschen Kosename Dierke, Dirke, Dirk zu Dietrich ab. Für den sorbischen Ortsnamen „Zakrjow“ kommt als deutsche Bezeichnung etwa „hinter dem Strauch“ oder „mit Gesträuchen besetzt“ in Betracht. Nach der Dorfstruktur handelt es sich um ein breites Gassendorf.
15. und 16. Jahrhundert 1467 war Nickel von Zigelheen (Ziegelheim) in Türkendorf (Terkendorf) ansässig. Er bat in diesem Jahr den Herrn von Spremberg, Otto von Kittlitz, um Erlaubnis, dass er ein Schock Geld jährlichen Zinses zu Türkendorf dem Johann Swofhern, Lehrer der geistlichen Rechte und Pfarrer von Cottbus, auf Wiederkauf verkaufen durfte. Bis 1526 waren die von Reichenbach in den Besitz von Türkendorf gekommen. Nach dem Tod König Ludwigs II. 1526 in der Schlacht bei Mohács und dem Wechsel in manu dominante erhielten die Brüder Joachim und Lorenz von Reichenbach einen neuen Lehensbrief und mussten den Lehnseid auf dem neuen böhmischen König Ferdinand I. ablegen. Im Lehensbrief erhielten sie ihre bisherigen Besitzungen im Dorf Bühlow, ihre Mühle mit zwei Rädern bei Sellessen gelegen, das Dorf Türkendorf mit dem Rittersitz und dem Vorwerk und neun Bauern in Klein Loitz sowie alles, das sie vor alders daselbst gehabt laut Ihrer vorigen Lehensbriefe. Die Brüder Christoph und Georg von Reichenbach besaßen auch das benachbarte Lieskau und Kromlau (bei Bad Muskau), die Lehen des schlesischen Herzogtum Sagan waren. Das Verwandtschaftsverhältnis des Christoph und Georg von Reichenbach zu den Brüdern Joachim und Lorenz von Reichenbach ist allerdings nicht gesichert.
Türkendorf war jedoch 1527 nicht im Vollbesitz der von Reichenbach, denn die Brüder Wolf und Siegmund von Haferland zu Groß Luja hatten 1527 im Dorf ein Schock Geld zu Lehn. Außerdem waren zwei Bauern mit je einer Hufe in anderem Besitz und kamen schließlich an das Amt Spremberg. In den späteren Quellen werden sie daher als Amtsbauern bezeichnet.
Die zwei Amtsbauern – Der Anteil des Amtes Spremberg 1564 war Hans von Tschammer im Besitz der Abgaben von zwei Bauern in Türkendorf mit Namen Coßatz und Bainischke (mit je einer Hufe), die er bereits von seinem Vater geerbt hatte. 1564 hatte er allerdings einen Rechtsstreit mit den Brüdern von Kracht, die ihm diese Abgaben bestritten. Er scheint aber den Prozess gewonnen zu haben, denn seine Witwe Margarethe von Buxdorf verpachtete diese Abgaben 1586 zusammen mit anderen Lehnstücken für drei Jahre an Nicol von Seidlitz in Bloischdorf. 1599 belehnte Heinrich Anselm Freiherr von Promnitz, Landvogt der Niederlausitz die unmündigen Karl, Siegmund und Seyfried, Söhne des verstorbenen Karl von Kittlitz auf Spremberg, mit dem vom Vater ererbten Lehnstücken, u. a. auch mit zwei Bauern in Türkendorf. Diese zwei Bauern (bzw. deren Abgaben) gingen mit Erwerb der Herrschaft Spremberg durch den damaligen sächsisch-merseburgischen Landesherrn Christian I. an das Amt Spremberg über. Sie hießen danach die zwei Amtsbauern. 1734 hatte der damalige Ortsherr Friedrich Erdmann von Rackel Streitigkeiten mit dem Amtsbauern Georg Marckus wegen der Verdämmung eines Wasserlaufes. 1804/08 beantragte der damalige Besitzer des Rittergutes Türkendorf auf Einverleibung der beiden Spremberger Amtsbauern Kuschka und Marins in den Gutsbezirk Türkendorf und damit auch die Übertragung der Gerichtsbarkeit über die beiden Bauern auf das Rittergut. Dies wurde ganz offensichtlich abgelehnt, denn erst 1850/52 wurden die Reallasten der beiden Amtsbauern Markus und Koschker abgelöst.
Geschichte des Rittergutes und Dorfgeschichte 1538 fielen die zum Herzogtum Sagan gehörenden Reichenbach’schen Güter Lieskau und Kromlau heim, sicherlich traf das auch für ihre Güter in Niederlausitz zu. 1539 belehnte Herzog Heinrich von Sagan (und Sachsen) den Dr. Georg Kommerstedt mit Lieskau und Kromlau, der sie 1540 weiter an Philipp von Kracht auf Strega veräußerte. Dr. Kommerstädt konnte auch die böhmischen Lehen der von Reichenbach Türkendorf und einen Anteil an Klein Loitz erwerben. Diese beiden Lehnstücke verkaufte er 1541 (1540?) ebenfalls an Philipp von Kracht weiter. Er erhielt noch 1541 den Lehnbrief für den Anteil Klein Loitz und Türkendorf. Philipp von Kracht war mit Ursula von Sparr verheiratet, der er 1542 ein Leibgedinge vermachte. Das Paar hatte die drei Söhne Bartusch, Heinrich und Caspar.
In der Erbteilung mit seinen Brüdern Heinrich und Caspar war Bartusch von Kracht der Anteil an Klein Loitz und Türkendorf zugefallen, mit denen er 1577 belehnt wurde. Er wird 1576 auch als Besitzer von Lieskau genannt. Bartusch scheint aber keine männlichen Leibeserben gehabt zu haben, denn ihm folgten seine Neffen Philipp, Christoph, Bartusch, Alexander und Rufus/Rudolf, die Söhne seines Bruders Heinrich nach; 1597 erhielten sie einen (Gesamt-)Lehnbrief. Mitbelehnt waren die Söhne seines Bruders Caspar: Eustach, Caspar, Ernst und Hans Georg.
17. Jahrhundert Türkendorf und die Anteile an Klein Loitz fielen 1605 in der brüderlichen Teilung an Rufus, der schon 1609 ohne Erben starb. Nach erneuter Erbteilung kam Türkendorf mit dem Anteil Klein Loitz an Bartusch von Kracht. ihm gehörte auch Klein Kölzig (Gemeinde Neiße-Malxetal), und er besaß auch das benachbarte Lieskau, ein Lehen des Herzogtum Sagan in Schlesien, das er 1611 verkaufte. Bartusch von Kracht war mit Ursula von Schütz adH Roitz verheiratet.
Bartusch von Kracht wurde von seinem Sohn Philipp Heinrich (* 1611) beerbt. Dieser war zweimal verheiratet; in erster Ehe mit Ursula Brigitte von Kracht adH Strega († 1645) und in zweiter Ehe mit Barbara Sofie von Berger adH. Jämlitz. Philipp Heinrich verkaufte die beiden Anteile von Klein Loitz 1635 und 1647. Er ist am 1. Januar 1647 gestorben. 1650 werden fünf Bauern in Türkendorf genannt, 1668 sind es vier Bauern, vier Gärtner und uwei Büdner. Erbe von Türkendorf war der Sohn Bartusch Heinrich (1653-nach 1714) aus der zweiten Ehe, der am 13. Juli 1674 den Lehnseid leistete. Bartusch Heinrich von Kracht bekleidete die Position eines sächsisch-merseburgischen Rates und war Landesältester des Sprembergischen Kreises. Er besaß außerdem seit 1703 den brandenburgischen Anteil von Gahry und Jehsern. Auch er war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Anna Margerethe von Pannwitz adH. Hornow, Tochter des Adolf von Pannwitz auf Hornow, Bagenz, ½Welsickendorf und Wadelsdorf, und der Helene Marianne von Loeben, und in zweiter Ehe mit Eleonore Tugendreich von Wiedebach. Erbe war der einzige überlebende Sohn Gottlob Heinrich von Kracht (* 1690; † 1765).
18. Jahrhundert 1708 wohnten in Türken, außer der Gutsbesitzerfamilie, vier Bauern(-Familien), vier Halbbauern und vier Büdner. Gottlob Heinrich von Kracht kaufte 1715 den Ort Klinge im Cottbusischen Kreis von Christoph Ernst von Kracht. 1729 erwarb er für 7.150 Taler das Dorf Gosda (ebenfalls im Cottbusischen Kreis) mit Rittersitz, Schäferei, Mühle usw. von Sofie Juliane von Pannwitz verw. von Schönfeldt, geb. von Pfuel. Gottlob Heinrich war dreimal verheiratet, in erster Ehe mit Eva Marianne von List, in zweiter Ehe mit Christiane von Wiedebach adH. Kanig und in dritter Ehe mit Eleonore Tugendreich von Bibra. Anschließend oder stattdessen muss er Türkendorf verpfändet oder auf Wiederkauf an seinen Schwager verkauft haben. 1718 werden sieben Hüfner, sieben Kossäten und vier Häusler erwähnt, das Dorf wurde mit 900 Talern Schatzung veranschlagt. Die zwei Amtsbauern wurden separat mit 200 Talern veranschlagt.
1734 war nämlich Friedrich Erdmann von Rackel († 26. September 1748) auf Schönaich (und Quolsdorf) im Besitz von Türkendorf. Er war mit Christiane Erdmuth von Kracht, Tochter des Bartusch Heinrich von Kracht, verheiratet. Er hatte in diesem Jahr Streitigkeiten mit dem Amtsbauern Georg Marckus wegen der Verdämmung eines Wasserlaufes. 1739 klagten Christian Kuschkor und Konsorten zu Türkendorf gegen Friedrich Erdmann von Rackel.
Zwischen 1740 und 1745 kam es zum Streit zwischen Anna Sofie Marie von Kracht geb. Klinckebeil von Grünewald, der Witwe des Caspar Heinrich von Kracht auf Groß Oßnig und Klinge und Heinrich Erdmann von Rackel (der mitbelehnte Bruder von Friedrich Erdmann?). Dieser verweigerte die Lehnsauflassung von Türkendorf aufgrund noch ausstehender Kaufgelder. Der Kauf kam schließlich doch noch zustande. Anna Sofie Marie von Kracht ließ am 21. September 1745 den Lehneid durch ihren Bruder Heinrich Klinckebeil von Grünewald ablegen. Am 18. Mai 1746 übertrug sie ihrem Sohn Caspar Heinrich von Kracht Türkendorf, ließ sich aber 11.000 Taler Kaufgeld auf das Gut eintragen. Caspar Heinrich hatte am 6. März 1737 Charlotte Sofie von Seydewitz adH. Oberhelmsdorf geheiratet. Aus der Ehe gingen ein Sohn Karl Heinrich und drei Töchter Anna Eleonore, Christiane Charlotte und Helene Sofie hervor. In der geschwisterlichen Teilung überließ Karl Heinrich seinen drei Schwestern Türkendorf. Sie bestimmten Johann Friedrich von Trosky zu Bohsdorf zu ihrem Lehensträger, der am 6. Februar 1765 den Lehenseid ablegte. 1755 betrug die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffel: 262 Scheffel Korn, 12 Scheffel Gerste, 192 Scheffel Hafer, ½ Scheffel Erbsen, 63 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen) und 2¼ Scheffel Lein.
Später kam das Gut in den Besitz eines Carl August von Kracht. Es ist unklar, in welchem Verwandtschaftsverhältnis er zu den drei Schwestern geb. Kracht stand. Er verkaufte Türkendorf an Margarethe Elisabeth von Kracht, der Tochter des Gottlob Heinrich und der Christiane von Wiedebach. Sie leistete am 16. Juni 1780 den Lehenseid und verpachtete Türkendorf an Johann Gottfried Böhme. Margarethe Elisabeth von Kracht verkaufte Türkendorf jedoch schon 1782 an den Kammerkommissionsrat Carl Friedrich Flack (oder Flach, Fleck) weiter, der am 11. Oktober 1782 den Lehnseid leistete. 1792 umfasste der Anteil des Rittergutes vier Bauern, vier Halbbauern und vier Büdner, zum Amt Spremberg gehörten zwei Bauern. 1797 war Türkendorf im Besitz eines NN. Friedrich. mini|Türkendorf auf dem Urmesstischblatt 4452 Spremberg von 1846
19. bis 20. Jahrhundert