mini|Porträt von 1717 Johann Carl von Eckenberg (* 6. AprilLothar Groth: Die starken Männer – Eine Geschichte der Kraftakrobatik, Henschelverlag Berlin 1987, Seite 23 1684 in Harzgerode; † Frühjahr 1748 in Luxemburg) war ein deutscher Kraftakrobat und Theaterleiter.
Leben und Wirken Herkunft und frühe Jahre Zu Geburtsjahr und Namen Johann Carl von Eckenbergs gibt es unterschiedliche Angaben. Während einige Quellen 1700 als Jahr seiner Geburt nennen, kann das Jahr 1684 durch ein 1717 entstandenes Porträt Eckenbergs von Johann Harper und Christian Karl Albert Wortmann mit dem Hinweis auf sein Alter von zu der Zeit 32 Jahren als gesichert gelten.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 3 Sein Geburtsname lautete gemäß Kirchenbucheintrag Johann Karl Eckenberger, vor allem in der Zeit nach 1732 nannte er sich auch von Eggenberg. Nicht eindeutig belegt ist die Herkunft seines Adelstitels. Eckenberg soll den Curieusen Nachrichten von starken Leuten (Frankfurt und Leipzig 1720) gegenüber angegeben haben, er stamme aus dem alten Fürsten- und Freiherrngeschlecht derer von Eggenberg ab. Vorherrschend ist allerdings die Meinung, er habe den Titel in Dänemark erhalten. Wann und zu welchem Anlass dies gewesen ist, lässt sich nicht ermitteln. In der ab 1727 erschienenen Zeitung Curiosa Saxonica heißt es darüber hinaus, er habe seit seinem 11. Lebensjahr bei einem hohen Offizier gedient und es selber bis zum Rang eines Leutnants gebracht.Katy Schlegel: Eckenberg (Eckenberger, Eggenberg), Johann Carl von. In: Sächsische Biografie, herausgegeben vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V., abgerufen am 16. März 2015
mini|Kostenaufstellung des Pferdehandels Nach mehrheitlicher Auffassung war Johann Carl von Eckenberg der Sohn eines Sattlers.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 2 Sein Großvater übte ebenfalls diesen Beruf aus. Sein Vater war Jacob Eckenberger (* 1653), seine Mutter Anna Lise (* 1659), die Tochter eines Ratskämmerers. Anderen Quellen zufolge soll seine Mutter Cornelia geheißen haben und Tänzerin gewesen sein. Ferner muss Eckenberg einen Bruder gehabt haben.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 39 Er erlernte das väterliche Handwerk und eignete sich kraftakrobatische Kunststücke an, mit denen er unter Namen wie Herkules Harzmann, Samson der Unüberwindliche oder schlicht Simson öffentlich auftrat. Dabei wird er erstmals 1715 in Bern als Samson erwähnt, nach anderen Quellen in Solothurn. Ebenfalls in Bern wird er am 3. Februar 1716 aktenkundig wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Landvogt, woraufhin Eckenberg aus der Schweiz floh. Ebenso betätigte er sich bis 1717 solistisch als Seiltänzer und Jongleur.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 4 Kaum in der Lage, seinen eigenen Namen schreiben zu können, wurde er im September 1717 in Leipzig das Opfer eines betrügerischen Handels, der ihn 14 Jahre lang verfolgen sollte. Im Zuge eines Pferdekaufs schloss er unter Ausstellung eines Wechselbriefs mit dem Verkäufer, dem Leutnant Johann Heinrich Beyer, einen Handel ab, der ihn dazu verpflichtete, für das Pferd binnen 24 Stunden in der ersten Stunde einen Pfennig und in den darauffolgenden 23 Stunden jeweils das Doppelte der vorherigen Stunde zu zahlen. Aufgrund seiner geringen Bildung sah Eckenberg nicht voraus, dass ihn das Pferd letztendlich fast 60.000 Reichstaler kosten sollte (siehe Aufstellung rechts). Der drohenden Verhaftung wegen Nichtzahlung entging er durch Flucht. Als er 1723 und 1731 erneut nach Leipzig kam, beharrte Beyer jedes Mal auf seiner Forderung. Schließlich wurde der Wechselbrief gerichtsseitig wegen betrügerischer Absicht annulliert. Anderen Quellen zufolge musste Eckenberg seinen gesamten Besitz verkaufen, dessen allerdings nur geringer Erlös an den Pferdehändler ging.Lothar Groth: Die starken Männer – Eine Geschichte der Kraftakrobatik, Henschelverlag Berlin 1987, Seite 24–25
Die Jahre ab 1717 Bereits am 30. April 1717 hatte er in Leipzig dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. seine kraftakrobatischen Talente unter Beweis stellen können. Daran anschließend kam Eckenberg zum ersten Mal nach Berlin, wo ihm die Möglichkeit gegeben wurde, vor dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. aufzutreten, der ihm daraufhin am 14. Juni 1717 eine Auftrittsgenehmigung erteilte. Eckenberg gab 32 Vorstellungen, die zu einem großen Ereignis in Berlin wurden, bevor er die Stadt zunächst wieder verließ. Er gründete eine Theatergruppe, mit der er durch einige europäische Länder zog, darunter neben Deutschland unter anderem auch durch Belgien, Polen und SchwedenLothar Groth: Die starken Männer – Eine Geschichte der Kraftakrobatik, Henschelverlag Berlin 1987, Seite 27, möglicherweise auch durch Dänemark. Vermutlich lernte Eckenberg auf einer dieser Reisen die englische Seiltänzerin Caroline kennen und heiratete sie.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 8 Nachweislich gastierte die Truppe Eckenbergs 1718 in RigaCarola L. Gottzmann und Petra Hörner: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-091213-5, Seite 48, Breslau, Königsberg und Danzig, 1723 im niederländischen Nijmegen und 1725 in Nürnberg.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyklopädie, Abschnitt Leibes=Stärke Offenbar in dieser Zeit betätigte sich Eckenberg auch als Quacksalber und Wunderdoktor, in dem er ein Antimonial-Öl gegen Melancholie und Ischias anbot.Lothar Groth: Die starken Männer – Eine Geschichte der Kraftakrobatik, Henschelverlag Berlin 1987, Seite 26
Die Jahre ab 1731 mini|Spittelmarkt im 18. Jahrhundert mini|Das Haus des „starken Mannes“ Johann Carl von Eckenberg in der Zimmerstraße, Fotografie von 1891 1731 kehrte Eckenberg nach Berlin zurück, diesmal eine 26 Personen umfassende Theatergruppe im Gefolge, bestehend aus Artisten und Schauspielern, darunter Johann Peter Hilferding, Felix Kurz und Karl Rademin, der später sein Schwiegersohn werden sollte. Er erhielt erneut Aufführungsgenehmigungen und schlug seine Zelte auf dem heutigen Spittelmarkt auf. Daneben betätigte er sich als Pferdehändler am Hof Friedrich Wilhelm I.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 9 Um in Berlin dauerhaft Fuß fassen zu können und in dem Wissen, dass der König kein Freund des fahrenden Volkes war, bot Eckenberg an, in Berlin ein Theater zu errichten, um dem für seine Sparsamkeit bekannten Monarchen gegenüber sicherzustellen, dass das in der Stadt verdiente Geld auch dort wieder ausgegeben würde. Zu diesem Zweck erwarb Eckenberg ein Grundstück an der Ecke Charlotten- und Zimmerstraße und ließ nach Plänen von Philipp Gerlach 1732/33 ein Haus errichten.Berlin-Archiv, Archiv-Verlag, Braunschweig, 1980-90, Sammelblatt 03055 Am 27. September 1732 erteilte ihm Friedrich Wilhelm I. ein Privileg folgenden Inhalts:
Dieses General-Privilegium enthält speziell für die zuständigen Behörden den Zusatz, „daß er“ [von Eckenberg] „in allen Städten und Landen seine Exercitia mit denen bey sich habenden Leuten, zur Recreation der Leute und zum Zeitvertreib derjenigen, so nicht viel zu thun haben, öffentlich ohne jemandes Hinderniß zu präsentiren, Befugnis und Freyheit haben soll“.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 11–12
Eckenberg verließ daraufhin den Platz am Spittelmarkt und zog in das Anfang des Jahres 1700 erbaute Theater am Stallplatz in der Breiten Straße, das über dem königlichen Reitstall lag. Der König war nun häufiger Besucher des Eckenbergschen Etablissements, um sich neben Stücken wie Die artige Grundsuppe der Welt oder Doctor Faust's Höllenfahrt auch Eckenbergs Kraftnummern anzusehen. Nachdem Eckenberg bereits Ende 1731 und erneut Anfang 1732 die Zahlung einer verringerten Armenabgabe verweigert worden war, beklagte er sich Ende 1732 über die Höhe des sogenannten Musikanten-Nahrungsgeldes, das in einer Eingabe der Königlichen Kartenkammer vom 16. Dezember 1732 Erwähnung findet. Aufgrund der zahlreichen Theatervorstellungen klagte die Königliche Kartenkammer selber über den Rückgang von gestempelten Spielkarten.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 14 Ein am 25. Januar 1702 ergangener Erlass bestimmte, dass nur mit gestempelten Spielkarten zu spielen sei. Die für diese Karten zu zahlende Abgabe war zur Unterstützung der Armee bestimmt.Karl von Ledebur: König Friedrich I. von Preußen. 1878, Seite 470 Eckenberg bot daraufhin dem König an, Versammlungen in eigener Leitung durchzuführen, bei denen Karten gespielt und Unterhaltungen geführt werden könnten. So sicherte er sich ein festes Einkommen und wurde, gestärkt durch den Umstand, dass der König selber oft auf diesen Versammlungen erschien, eine wichtige Persönlichkeit in Berlin.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 13–16
Aufgrund seines General-Privilegiums gastierte Eckenberg ab 1733 auch wiederholt in Frankfurt an der Oder.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 18 Möglicherweise begann bereits zu dieser Zeit sein Stern zu sinken, denn Friedrich Wilhelm I. verweigerte ihm die Erlaubnis, auch in Halle auftreten zu dürfen, vor allem wohl deshalb, weil Eckenberg wiederholt in betrunkenem Zustand gegenüber Mitgliedern seiner Gruppe handgreiflich geworden war.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 20–21 Eckenberg verlegte deshalb seine Haupttätigkeit eine Zeitlang erfolgreich auf den Pferdehandel. So offenbar in der Gunst des Königs wieder gestiegen, spielte er dann im Oktober 1733 schließlich doch in Halle.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 22
Erst 1735 kehrte Eckenberg nach Berlin zurück. Da der Theaterbau noch immer nicht vollendet war, erbat er die Erlaubnis, wiederum am Stallplatz auftreten zu dürfen, die aber offenbar abschlägig beschieden wurde, da das Gebäude mittlerweile als Montierungsmagazin genutzt wurde. Möglicherweise entzog er sich seinen Gläubigern vorübergehend durch Flucht, denn im Frühjahr 1736 führte er im Ballenhaus in Basel Komödien auf und zeigte akrobatische Nummern. Für Ende Oktober 1737 wurden ihm weitere Aufführungen im Ballenhaus Bern genehmigt. In Berlin ist erstmals in einer Kabinettsorder vom 16. April 1738 wieder von ihm die Rede, in der ihm und seiner Truppe erneut Auftritte gewährt werden. So spielten Eckenberg und sein Gefolge wohl in den Jahren von 1738 bis 1740 erneut in Berlin. Dass Eckenberg aber nicht mehr wie früher das Ansehen des Königs genoss, mag das Verbot belegen, während der Fastenzeit spielen zu dürfen.Louis Schneider: Johann Carl von Eckenberg, der starke Mann. Eine Studie zur Theater-Geschichte Berlins. um 1850, Seite 26–28
Die Jahre ab 1740