zentriert|159px|Lord Herbert Kitchener, britischer Generalstabschef im Burenkrieg ab 1900 Im Zweiten Burenkrieggewinnt das British Empiredie Oberhand. zentriert|181px|„Boxer“-Rebellen In China bricht der gegen Europa, Japan und die USA gerichtete Boxeraufstand aus. zentriert|350px|Le Chateau d’eau und Plaza während der Weltausstellung Die Weltausstellung in Paris erreicht 47 Millionen Besucher. 1900 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1348/49 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1892/93 (Jahreswechsel 10./11. September) Baha'i-Kalender 56/57 (Jahreswechsel 20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1305/06 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2443/44 (südlicher Buddhismus); 2442/43 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr der Metall-Ratte 庚子 (seit 31. Januar, davor Erde-Schwein 己亥) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1262/63 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4233/34 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1278/79 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1317/18 (30. April/1. Mai) Japanischer Kalender Meiji 33 ();Kōki 2560 Jüdischer Kalender 5660/61 (23./24. September) Koptischer Kalender 1616/17 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1075/76 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1315/16 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2210/11 (Jahreswechsel April) Syrien: 2211/12 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2442/43 (1. April) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1956/57 (Jahreswechsel April)
Das Jahr 1900 ist das letzte Jahr des 19. Jahrhunderts. Es ist ein Säkularjahr und hat 365 Tage. Drei Ereignisse prägen das Jahr besonders: Die Weltausstellung in Paris, der Zweite Burenkrieg im südlichen Afrika und der Beginn des Boxeraufstandes in China.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Deutsches Reich
1. Januar: Im Deutschen Reich treten das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft. 1. Januar: Das Personenstandsgesetz tritt auf Helgoland in Kraft. Ehen müssen ab sofort vor einem Standesbeamten geschlossen werden. 1. Januar: Jahrhundertfeier im Zeughaus Berlin, veranstaltet von Kaiser Wilhelm II. 12. Januar: Der Reichstag stimmt mehrheitlich für die Verbindung der Waisen- und Witwenrente mit der staatlichen Invalidenversicherung. 25. Januar: Zweite Tirpitzsche Flottenvorlage für die Aufrüstung der Deutschen Marine gegen die britische Seeherrschaft 9. April: Durch das Gesetz betreffend die Bestrafung der Entziehung elektrischer Arbeit wird Stromdiebstahl in Deutschland als Vergehen strafbar. 22. Mai: Der Reichstag nimmt den umstrittenen Gesetzesentwurf über Sittlichkeitsdelikte (Lex Heinze) in seiner Kompromissfassung an. 12. Juni: Der Reichstag verabschiedet auf Grundlage der Zweiten Tirpitzschen Flottenvorlage das 2. Flottengesetz, das das Wettrüsten mit Großbritannien zur See vorantreibt. 1. August: Der deutschlandweite Glasarbeiterstreik von 1901 nimmt lokal in der Glashütte Schauenstein bei Obernkirchen seinen Anfang. Georg Horn und Emil Girbig sind maßgeblich an dem Streik beteiligt. 17. Oktober: Bernhard von Bülow wird neuer deutscher Reichskanzler. 16. November: Der Wagen des Kaisers wird in Breslau von einer Frau attackiert, die daraufhin in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Die konservative Presse schreibt diesen Vorfall der SPD zu. 1. Dezember: Im Deutschen Reich leben nach dem Ergebnis der durchgeführten Volkszählung 56.345.014 Einwohner. Kiel überschreitet die 100.000-Einwohner-Grenze und wird damit zur Großstadt.
Weitere Ereignisse in Europa
1. Januar: Walter Hauser löst Eduard Müller als Bundespräsident der Schweiz ab. Hauser wird nach 1892 zum zweiten Mal Bundespräsident. 3. Januar: Der französische Staatsgerichtshof in Paris verurteilt den Dichter und Politiker Paul Déroulède wegen Hochverrats zu zehn Jahren Verbannung. 4. Januar: In Böhmen und in Mähren gehen etwa 70.000 Bergbauarbeiter in den Streik. Sie verlangen eine Arbeitszeitverkürzung und eine Lohnerhöhung von 20 %. Im Februar schließen sich tausende weitere Bergmänner im ganzen Reich an. Die schlechte Organisation und finanzielle Notlagen lassen den Streik im März ohne Erfolge scheitern. 4. Januar: In den Kohlerevieren Lüttich und Mährisch-Ostrau kommt es zu Aufständen und Streiks. 12. Februar: Lenin kehrt nach drei Jahren aus sibirischer Verbannung zurück. 27. Februar: Gründung des Labour Representation Committee als Vorläufer der britischen Labour Party 31. März: Tomáš Garrigue Masaryk gründet die Realistische Partei (Tschechische Volkspartei) als tschechische Unabhängigkeitsbewegung und als Absage an den Panslawismus. 5. April: Die belgische Regierung verabschiedet ein Subventionsprogramm zur Erschließung des Kongogebietes. 17. April: Zehn belgische Kaufleute werden in Brüssel wegen des Massenmordes an Eingeborenen der Kongokolonie unter Anklage gestellt. 5. Mai: Nach schweren Unruhen und Massenkundgebungen in Barcelona, Madrid, Valladolid, Burgos und Saragossa gegen die neuen Steuergesetze verhängt die spanische Regierung den Belagerungszustand über Barcelona. Spanien ist seit 1898 durch den Kampf gegen den Aufstand in Kuba und den Krieg gegen die USA in eine desolate Haushaltslage geraten. 20. Mai: Die Einführung einer allgemeinen Unfall- und Krankenversicherung wird in der Schweiz infolge eines Volksentscheids verworfen. 23. Mai: Das britische Unterhaus gesteht Frauen das aktive und passive Wahlrecht für die Gemeinderäte Londons zu. 29. Juli: König Umberto I. von Italien wird bei einem Attentat des Anarchisten Gaetano Bresci in Monza getötet, ihm folgt sein Sohn Viktor Emanuel III. auf dem Thron. 29. Juli: Wladimir Iljitsch Uljanow (später Lenin genannt) verlässt Russland und geht über Genf nach München in ein fünfjähriges Exil. 2. August: In Paris wird auf den Schah von Persien, Mozaffar ed-Din, ein erfolgloses Attentat verübt. Der Schah überrascht den bewaffneten 25-jährigen Attentäter mit einem Schlag auf das Handgelenk. 28. September: Der britische Kolonialminister Joseph Chamberlain wird beschuldigt, sich infolge seiner Beteiligungen an sechs Rüstungsfirmen persönlich bereichert zu haben. 1. Dezember: In der Schweiz werden 3.315.443 Einwohner gezählt, davon sind 383.424 (11,6 %) Ausländer und 2.932.019 Schweizerbürger. Deren Zahl ist seit dem 1. Dezember 1888 um 8,3 % gestiegen. 15. Dezember: Frankreich und Italien einigen sich in einem Geheimabkommen über ihre Interessensphären in Marokko und Tripolitanien. 31. Dezember: In Österreich-Ungarn werden 46.890.000 Einwohner gezählt. Seit 1890 stieg die Bevölkerung um 9,3 %.
Zweiter Burenkrieg im südlichen Afrika
Im Zweiten Burenkrieg konnten die Buren im Vorjahr, zur Überraschung der Briten, rasche Erfolge feiern und in die Kapkolonie und die Kolonie Natal einmarschieren. Sie belagerten mehrere britische Garnisonen und fügten den Engländern um den Jahreswechsel herum in den Schlachten von Magersfontein, Colenso, Stormberg und Spion Kop vier katastrophale Niederlagen innerhalb von sechs Wochen zu. Anfang 1900 wendet sich das Blatt jedoch zu Gunsten der Briten, mit dem Eintreffen von 60.000 Mann Verstärkung. Die belagerten Städte werden freigekämpft, und die Buren bei Paardeberg, Diamond Hill und Belfast geschlagen. Am 13. März fällt die Hauptstadt des Oranje-Freistaates, Bloemfontein, am 5. Juni die Hauptstadt Transvaals, Pretoria. Präsident Kruger flieht daraufhin nach Europa. Der Krieg scheint für Großbritannien gewonnen zu sein. Nun aber ändern die Buren ihre Taktik und gehen zu einem für die Briten äußerst verlustreichen Guerilla-Krieg über. Unter ihrem Anführer, General Christiaan De Wet kämpfen sie noch volle zwei Jahre lang weiter.
24. Januar: Die Buren siegen in der Schlacht von Spion Kop über die Briten (Natal/Südafrika) 7. Februar: Das britische Unterhaus lehnt mit großer Mehrheit einen Antrag der irischen Nationalisten auf Beendigung des Burenkrieges ab. 26. Februar: Vor dem Unterhaus gibt der britische Kriegsminister St John Brodrick bekannt, dass im Burenkrieg auch Frauen und Kinder „zu ihrem Schutz“ in Konzentrationslagern festgehalten werden. Die Ernährungslage in diesen Lagern wird als „schwierig“ bezeichnet. 27. Februar: Piet Cronjé kapituliert am Ende der mehrtägigen Schlacht von Paardeberg vor den britischen Belagerungstruppen unter Herbert Kitchener und Frederick Roberts. Es ist der erste große britische Sieg im Zweiten Burenkrieg. 2. März: Die Briten beenden die Belagerung von Ladysmith, der drittgrößten Stadt der Kolonie Natal. 13. März: Die Briten schließen mit der Einnahme von Bloemfontein die Eroberung des Oranjefreistaates ab. 31. März: Die Buren unter Christiaan de Wet siegen in der Schlacht von Sanna’s Post. 4. April: Auf dem Brüsseler Hauptbahnhof wird auf Albert Eduard, Prince of Wales, ein Attentat verübt, das jedoch misslingt. Der Täter, ein 16-jähriger Klempner, begründet seine Tat mit der britischen Unterdrückungspolitik im Burenkrieg. Die britische Presse macht am Folgetag die Hetzpolitik der kontinentaleuropäischen Staaten gegen den Burenkrieg für das Attentat verantwortlich. Am 5. Juli wird der Täter wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen. 28. Mai: Großbritannien erklärt die Burenrepublik Oranjefreistaat zur Kolonie. 31. Mai: Britische Truppen besetzen Johannesburg, die Buren ziehen sich nach Pretoria zurück. 5. Juni: Britische Truppen besetzen Pretoria. 1. September: Großbritannien teilt die Annexion von Transvaal in Südafrika mit. 19. September: Der britische Feldmarschall Frederick Sleigh Roberts erklärt den Burenkrieg für beendet. 24. November: Der Präsident der südafrikanischen Burenstaaten, Paul Kruger, wird in Paris vom französischen Staatspräsidenten Émile Loubet empfangen. Der Senat und die Kammer der Französischen Republik bekunden den Buren ihre Sympathie. 2. Dezember: Paul Kruger hält sich in Köln auf. Die Reichsregierung lehnt es ab, ihn in Berlin zu empfangen, was ihr von der deutschen Öffentlichkeit als Willfährigkeit gegenüber Großbritannien ausgelegt wird.
Französische Kolonien in Afrika 22. April: In der Schlacht bei Kousséri zwischen drei französischen Kolonialarmeen unter dem Befehl Amédée-François Lamys einerseits und den Truppen des Reiches Bornu unter dem Usurpator Rabih az-Zubayr ibn Fadl Allah andererseits finden beide Heerführer den Tod. Das von den Franzosen in dieser Schlacht besiegte zentralafrikanische Reich wird später unter den Kolonialmächten Großbritannien, Frankreich und Deutschland aufgeteilt. 29. Mai: Die Franzosen gründen in Afrika das Fort Lamy. Es entwickelt sich zur Hauptstadt des Tschad und heißt heute N’Djamena.
Boxeraufstand in China
mini|links|hochkant|Eine französische politische Propagandakarikatur, die China als Kuchen darstellt, der von den europäischen Großmächten und Japan zerteilt wird. Die chinesische Volksbewegung der Boxer richtet sich gegen den wachsenden Einfluss der Kolonialmächte, und speziell die Ungleichen Verträge, sowie die christliche Missionierung in China, und will diese mit Gewalt beseitigen. Dazu kommt eine allgemeine Krisenstimmung, ausgelöst durch Naturkatastrophen und Hungersnöte. Die Qing-Dynastie, die gerade erst innere Kämpfe hinter sich hat, bei denen sich die Kaiserinwitwe Cixi durchsetzte, wird von den Boxern unterstützt.
Am 15. April werden die Boxer auf Druck der ausländischen Mächte verboten, doch da sich reguläre kaiserliche Truppen in Peking und Tientsin mit ihnen verbünden, lässt sich das Verbot nicht durchsetzen. Im Mai erreicht die Bewegung die Umgebung der Hauptstadt Peking und beginnt mit Attacken gegen Ausländer sowie gegen die an die Küste führenden Bahnlinien. Am 14. Juni erfolgt der Einmarsch der „Boxer“ in Peking.