Der McLaren F1 GTR ist die Rennversion des McLaren-F1-Supersportwagens, die ab 1995 für Langstreckenrennen wie die BPR Global GT Series, die FIA GT Meisterschaft oder die Britischen GT-Meisterschaften hergestellt wurde. Angetrieben wird der F1 GTR von einem BMW S70/2 V12-Ottomotor, der 680 PS leistet und den Wagen auf bis zu 370 km/h beschleunigt. Von insgesamt 106 gebauten McLaren F1 sind 28 F1 GTR. Der F1 GTR dominierte in den 1990er Jahren die internationale Motorsportszene, bis er 2005 in den Ruhestand geschickt wurde. Er ist vor allem für seinen Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1995 bekannt, wo er sich bei sehr nassen Bedingungen gegen schnellere und speziell für Le Mans angefertigte Prototypen durchsetzte.
Entwicklung mini|links|McLaren F1 GTR Chassis #01R mini|253x253px|1995er McLaren F1 GTR Motorsound Der Chefentwickler des McLaren F1, Gordon Murray hatte das Ziel das ultimative Straßenauto zu erschaffen, ohne jegliche Intention es im Motorsport einzusetzen, obwohl der F1 eine Menge Renntechnologien und -designs verwendete. Außerdem hatte McLaren Automotive, welches 1989 aus dem Rennstall McLaren Racing hervorgegangen war, durch die Formel-1-Historie Erfahrung mit solchen Technologien. Dennoch wurde bei der Entwicklung des F1 keinerlei Rücksicht auf eine spätere Modifikation in einen Rennwagen genommen.
1995–1996 Jedoch wurde nur kurz nach dem Release des McLaren F1 die BPR Global GT Series ins Leben gerufen, welche mit der 1994er-Saison an den Start ging und Rennmodifikationen von Sportwagen wie dem Ferrari F40, dem Porsche 911 Turbo oder dem Venturi 400 mitbrachte. Zudem wurde zu der Zeit nach stärkeren und fähigeren GT1-Fahrzeugen gesucht. Viele Teams wie beispielsweise die von Ray Bellm und Thomas Bscher sahen das Potenzial, welches im McLaren F1 lag. Le Mans Sieger John Nielsen wendete sich also an Gordon Murray, um ihn davon zu überzeugen, eine renntaugliche Version des F1 für die BPR Global GT Series zu entwickeln.
Letzten Endes stimmte Murray zu, mehrere F1 für die 1995er-Saison der BPR Global GT Series zu Rennwagen zu modifizieren. Also nahm McLaren das ungenutzte Chassis #19 und bauten daraus den Prototyp des McLaren F1 GTR mit der Chassisnummer #01R. Da der F1 schon viele Eigenschaften eines Rennwagens mitbrachte, waren nicht allzu viele Modifikationen nötig. In der Karosserie wurden mehr Lufteinlässe hinzugefügt, wie der in der Mitte der Nase und zwei an den Seiten kurz vor den Hinterrädern, um den Motor mit mehr Frischluft zu versorgen. Außerdem verbaute McLaren einen massiven, verstellbaren Heckflügel. Allein dadurch war die 1995er-Version des McLaren F1 GTR in der Lage genug Anpressdruck zu generieren, um mit 160 km/h (ca. 99 mph) an einer Tunneldecke zu fahren. Um Gewicht zu sparen, wurde der gesamte Komfort des Innenraums entfernt und mit einem Überrollbügel versehen. Die Serienbremsen wurden durch Carbon-Keramikbremsen ersetzt. Jedoch musste wegen der damaligen Regelungen in der BPR Global GT Series die Leistung des BMW S70/2 mithilfe eines Luftmengenbegrenzers auf ungefähr 600 PS reduziert werden, was den GTR schwächer als das Serienfahrzeug machte. Die F1 typischen Features wie die zentrale Sitzposition und die Flügeltüren wurden beibehalten. Sogar die Schaltung des Serienfahrzeugs wurde weiterverwendet. Um mögliche Fehler und Schwachstellen zu finden, organisierte McLaren ein 24-Stunden-Testrennen auf dem Circuit de Nevers Magny-Cours.
Für die 1995er-Saison wurden insgesamt 9 Fahrzeuge gebaut, von denen Chassis #01R zu Testzwecken bei McLaren verblieb. Das britische Motorsportteam GTC Racing erhielt 2 F1 GTR, auf welche später ein dritter folgte. Von den übrigen Fahrzeugen erhielten David Price Racing, BBA Competition, Mach One Racing und Giroix Racing jeweils eins. Das letzte Chassis #09R wurde dem Sultan von Brunai, Hassanal Bolkiah, für seine Autosammlung verkauft.
Chassis #01R wurde von McLaren für Le Mans 1995 an Kokusai Kaihatsu Racing herausgegeben, welche mit dem F1 GTR den Gesamtsieg erzielten und mit 281 km/h (ca. 175 mph) den Geschwindigkeitsrekord des Jahres aufstellten.
Für die 1996er-Saison waren jedoch Modifikationen nötig, um den F1 GTR gegen die neu aufkommende Konkurrenz wie den Ferrari F50 GT oder den Porsche 911 GT1 zu wappnen. Diese Modifikationen beinhalteten Erweiterungen der Karosserie an Front und Heck des F1 sowie einen größeren Frontsplitter. Die Verkleidung wurde außerdem dahingehend abgeändert, sie leichter abnehmbar zu machen und so Reparaturen in einer Boxengasse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Ebenso wurde die Serienschaltung mit einem leichteren Magnesiumgehäuse und robusteren Teilen ausgestattet.
Für die 1996er-Saison der BPR Global GT Series wurden neun weitere F1 GTR in der 1996er-Variante gebaut, wobei Chassis #03R und #06R zu 1996er-Varianten umgebaut wurden. Die 1996er-Variante des McLaren F1 GTR war die schnellste, bezüglich Geschwindigkeit. Sie erreichte auf der Mulsanne-Geraden in Le Mans 330 km/h (ca. 205 mph), was 13 km/h schneller ist als die 1997er Long Tail Variante des F1 GTR und 6 km/h schneller als der 1996er-Porsche 911 GT1.
1997 links|mini|342x342px|1997er McLaren F1 GTR Long Tail von BMW Motorsport Mit der Übernahme der BPR Global GT Series durch die FIA in 1997 und der damit einhergehenden Transformation in die FIA-GT-Meisterschaft, wurde die Konkurrenz des F1 GTR wieder größer. Zudem machte Mercedes-Benz mit ihrem CLK GTR in den Tests auf sich aufmerksam. Um also konkurrenzfähig zu bleiben, waren erneut Änderungen am Fahrzeug nötig. Dieses Mal noch drastischere als im Vorjahr.
Während das Carbon-monocoque des Serienfahrzeugs erhalten blieb, wurde die Karosserie des F1 GTR massiv verändert, um so viel Anpressdruck wie möglich zu generieren. Die Nase und das Heck wurden extrem verlängert, während der Heckflügel verbreitert wurde. Außerdem wurden die Radläufe verbreitert, um den maximalen Grip der Reifen zu erzeugen. Die Bodenfreiheit wurde zudem von vorne 60 mm und hinten 80 mm der 1996er-Version zu vorne und hinten 70 mm abgeändert. Durch die deutliche Verlängerung des Fahrzeugs wurden diese Varianten als Long Tail bekannt.
Auch der Motor wurde umfassend modifiziert: Durch eine Hubraumverkleinerung wurde der Hubraum des BMW S70/2 V12 auf 5.990 Kubikzentimeter reduziert, um die Lebensdauer der Motoren zu verlängern und gleichzeitig die durch Luftbegrenzer gesteuerte Leistung von 600 PS (441 kW) beizubehalten. Das Seriengetriebe wurde durch ein neues sequentielles X-trac-6-Gang-Getriebe ersetzt.
Von der 1997er Long Tail Variante wurden 10 weitere McLaren F1 GTR gebaut. Um mit diesen aber auch antreten zu dürfen, war McLaren gezwungen eine Straßenversion des 97er GTR zu bauen, da der 97er GTR so weit vom Serienwagen weg ist. Von diesen Straßenfahrzeugen, die den Namen McLaren F1 GT tragen, wurden nur drei Stück hergestellt.
In Le Mans 1997 erreichte der Long Tail GTR auf der Mulsanne-Geraden eine Geschwindigkeit von 317 km/h. Dies war etwas langsamer als einige andere im Feld, darunter der Porsche 911 GT1 Evo – 326 km/h (ca. 203 mph) oder der Nissan R390 GT1 – 319 km/h (ca. 198 mph).
Renngeschichte BPR Global GT Series Am Debüttag des F1 GTR beim BPR-Saisonauftakt 1995 in Jerez gingen drei GTRs an den Start (zwei für GTC Racing, einer für David Price Racing). Die McLarens belegten die ersten drei Qualifikationsplätze. Im Rennen konnte sich der McLaren F1 GTR von Ray Bellm und Maurizio Sandro Sala gegen die Konkurrenz eines Porsche 911 GT2 Evo den Sieg mit nur 16 Sekunden Vorsprung sichern. Für das zweite Rennen fügte die französische Mannschaft BBA Competition ihren neuen F1 GTR der Serie hinzu, während Bellm und Sala erneut den Sieg errangen. Es folgte ein Sieg für David Price Racing in Monza und ein erneuter Sieg von GTC in der vierten Runde in Jarama. Allerdings wurde in Jarama, das zweite Chassis von GTC #04R im Training schwer beschädigt. Es wurde für das nächste Rennen durch Chassis #08R ersetzt.
Beim nächsten Rennen auf dem Nürburgring belegte der McLaren F1 GTR erfolgreich die ersten fünf Plätze für GTC, David Price Racing und die neuen F1 GTR-Besitzer Giroix Racing Team und Mach One Racing. Nach einem weiteren Sieg in Donington erlebte der GTR eine kleine Durststrecke, als er zunächst in Montléry gegen einen Porsche und dann in Anderstorp gegen einen Ferrari verlor. Mit dem Sieg in den letzten vier Rennen der Saison kehrte der F1 GTR jedoch zu seiner Form zurück. David Price Racing gewann mit insgesamt zwei Siegen die Teammeisterschaft, während GTC mit fünf Siegen Dritter und Mach One Racing mit drei Siegen Vierter wurde.
Zu Beginn der Saison 1996 stellte McLaren seine verbesserten GTR vor, um seine Dominanz in der Serie fortzusetzen. Bestehende Teams wie GTC Racing und Giroix Racing kauften neuere Autos der 96er-Version, während neue Teams wie BBA Competition, David Price Racing und Mach One die älteren Autos der Spezifikation 1995 behielten. BMW Motorsport kaufte mit Unterstützung des Bigazzi-Teams außerdem drei 1996er F1 GTR.
McLaren startete die Saison 1996 auf die gleiche Weise wie 1995, wobei GTC Racing mit Ray Bellm und James Weaver den ersten Sieg holte. GTC, David Price Racing und Mach One gewannen in den nächsten drei Rennen je einmal, bis der McLaren F1 GTR schließlich in Anderstorp erneut eine Niederlage gegen Ferrari hinnehmen musste. GTC Racing errang auf dem Suzuka Circuit erneut den Sieg, aber als die Serie in Brands Hatch ankam, sah sich der F1 GTR neuer Konkurrenz gegenüber. Porsche stellte seinen neuen 911 GT1 vor und gewann direkt das erste Rennen. Auch wenn es ihm zunächst laut Regelwerk verboten war, Punkte zu sammeln, sollte der 911 GT1 in Spa erneut den Sieg erringen. Porsche ließ das Rennen in Nogaro aus und überließ dem GTR den Sieg. Zum letzten Rennen in Zhuhai kehre Porsche zurück und siegte erneut.
Obwohl der Porsche spät in der 96er-Saison seine Dominanz zeigte, gelang es GTC Racing mit dem McLaren F1 GTR immer noch, die Teammeisterschaft zu gewinnen. David Price Racing belegte den dritten Platz. 1997 wurde aus der BPR Global Endurance GT Championship die FIA GT Meisterschaft.
FIA GT Meisterschaft mini|261x261px|1997er McLaren F1 GTR Long Tail von Schnitzer Motorsport in der Box in Donnington McLaren hatte mit dem F1 GTR 1996 die Kontrolle über die BPR-Serie und erkannte nun, dass ihr Auto in der neuen FIA-GT-Meisterschaft Konkurrenten wie den neuen Porsche 911 GT1 unterlegen war. Gleichzeitig war sich McLaren der Ankunft des neuen Mercedes-Benz CLK GTR, des Lotus Elise GT1 und des Panoz Esperante GTR-1 bewusst: Dies waren allesamt speziell gebaute Rennwagen, die wenig mit straßenzugelassenen Fahrzeugen wie dem McLaren F1 zu tun hatten. Aus diesem Grund wurden die neuen F1 GTR „Long Tail“-Autos entwickelt, und mit verstärkter Unterstützung von BMW Motorsport setzte McLaren die Saison 1997 fort. Zu den wichtigsten Teams gehörten das von BMW Motorsport unterstützte Team Schnitzer (zwei Fahrzeuge) Team Davidoff (in der Regel drei Fahrzeuge) und Parabolica Motorsports (ein Fahrzeug).
Beim Eröffnungsrennen in Hockenheim zeigte der neue Mercedes CLK-GTR sein Tempo und holte sich im Qualifying die Pole-Position. Doch während des Rennens hatte das Auto mechanische Probleme. Die neueren F1-GTRs zeigten sich den Porsche überlegen und errangen einen Doppelsieg über sechs zurückliegende 911 GT1. In der nächsten Runde der Meisterschaft wurde Mercedes-Benz den McLarens jedoch gefährlich, wobei ein neuer CLK-GTR dem BMW Motorsport F1 GTR um nur weniger als eine Sekunde unterlegen war. In Helsinki holte sich der BMW Motorsport McLaren in einem kleineren Feld auf dem temporären Straßenkurs und durch mehr mechanische Probleme für Benz erneut den Sieg.