Der Schwedter Steg im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg ist ein gut zweihundert Meter langer Brückenzug für Fuß- und Radverkehr über die nördliche Berliner Ringbahn. 1999 errichtet, verbindet er die Schwedter Straße mit der Behmstraßenbrücke.

Bauwerksbeschreibung mini|links|Ansicht der oberen Hauptbögen

Der Brückenzug ist unterteilt in elf Felder mit insgesamt zwei Bogentragwerken. Das südliche Brückenlager an der Schwedter Straße gründet auf neun Bohrpfählen, von dort aus spannt sich ein Doppelbogen mit Zugband (Langerscher Balken) 51 Meter über die Gleise der Ringbahn bis zu einem massiven Pfeiler. Gefolgt von einer leichten, filigranen sechsfeldrigen Konstruktion mit je gut 13 Metern Stützweite überbrückt anschließend ein 35 Meter weites Bogentragwerk mit Aufständerung die S-Bahn-Linie Schönhauser Allee – Bornholmer Straße. Es folgt ein dreifeldriger Brückenzug mit je 14 Metern Stützweite bis zum Anschluss an den Dammbereich der Behmstraßenbrücke. Die Längsneigung nordwärts beträgt konstant 3,1 Prozent.Jürgen Stritzke: Einführung zum 10. Brückenbausymposium der TU Dresden. 16. März 2000. S. 20–22. tu-dresden.de (PDF; 4,8 MB).

Neun Felder des Brückenzuges stehen auf Stützen, die als leichte Stahlpendelrahmen mit Elastomerlagern an Kopf- und Fußpunkten ausgeführt sind. Zwischen den einzelnen Bauwerkselementen sind wasserdichte Fahrbahnübergänge eingebaut. Die Fahrbahn mit einer Nutzbreite von fünfeinhalb Metern ist eine orthotrope Platte, die seitlichen Handläufe sind bei Dunkelheit beleuchtet. Das gesamte Bauwerk ist elektrisch gegen die Fahrdrähte der Eisenbahn gesichert und zusätzlich geerdet.Detailangaben zur Brücke auf stadtentwicklung.berlin.de.

Entworfen haben die Brücke die Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich zusammen mit den Brückenbauingenieuren der Berliner Firma Wisserodt Ingenieure. Die Arge Fußgängerbrücke Schwedter Straße und die Karl Schäfer & Co. GmbH haben die Arbeiten in den Jahren 1995–1999 ausgeführt. Die Vorbereitungsarbeiten erledigte die Firma Schachtbau Nordhausen GmbH.

Geschichte Der Schwedter Steg befindet sich am Ort der ehemaligen nördlichen Schwedter Straße, deren Verlauf bis zur heutigen Behmstraße seit dem frühen 19. Jahrhundert kartiert ist.Mencelius (Menzel): Plan der Berliner Hufen im Jahre 1822. Konig. Lith. Institut Berlin 1823. stadtmuseum.de. Das Höhenprofil der damals Verlorener Weg genannten Straße war weitgehend flach.

Die Ringbahn wurde 1872 eröffnet und 1891 ausgebaut. Die Schwedter Straße erhielt eine etwa dreißig Meter lange, dreifeldrige Stahlträgerbrücke über den Bahngraben,Architekten-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Dritter Teil. Ernst & Korn, Berlin 1877. S. 52. zlb.de (Bauwerksbeschreibung der Ueberführung des Verlorenen Weges). genannt Schwedter Straßenbrücke. Nördlich davon verlief die Schwedter Straße ab 1894 auf einem erhöhten Straßendamm mit Anschluss an die neugebaute Behmstraßenbrücke. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Schwedter Straßenbrücke unbeschädigt.Dieter Desczyk, Eckhard Thiemann: Als die Brücken im Wasser knieten: Zerstörung und Wiederaufbau Berliner Brücken, Lukas Verlag Berlin; 2015, ISBN 978-3-86732-199-0; S. 126. (Befund 1945: „Bahn-Stahlträger in Ordnung“).

mini|links|Nördliche Schwedter Straße, 1954

Ab 1961 verlief die Berliner Mauer an der Schwedter Straße, die Grenzmauer stand direkt an ihrer Westseite.Stadtkommandantur der Hauptstadt der DDR Berlin: Panorama-Aufnahmen 1967. Fotografie: DVH 58 Bild-GR31-02-045. bundesarchiv.deGerd Danigel: Fotografie Nr03-89_10.3.1990-Schwedterstraße_Behmstraße_Behmbrücke. (Blick von der Behmstraßenbrücke nach Süden, März 1990) gerd-danigel.de Für den Bau des Mauerstreifens wurde das Straßenpflaster entfernt und die Schwedter Straßenbrücke eingeschüttet und mit Stahlbetonplatten verschlossen. An der Grenzmauer in Höhe der Ringbahn wurden 1964 die 37-jährige Hildegard TrabantLeibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam u. a.: Chronik der Mauer, Todesopfer Hildegard Trabant. Bei: chronik-der-mauer.de. und 1969 der 21-jährige Klaus-Jürgen KlugeLeibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam u. a.: Chronik der Mauer, Todesopfer Klaus-Jürgen Kluge. Bei: chronik-der-mauer.de. bei Fluchtversuchen von DDR-Grenzsoldaten erschossen.

Ab Mitte der 1970er Jahre war die Schwedter Straße nördlich der Bernauer Straße auf DDR-Stadtplänen nicht mehr eingetragen.Stadtplan Berlin. 1:25000, VEB Tourist-Verlag, DDR, 1977, 10. Auflage, best.-Nr. 5950018. Östlich des Straßendamms passierte die Ost-Berliner S‑Bahn mit hoher Geschwindigkeit die sogenannte „Ulbrichtkurve“ zwischen den Bahnhöfen Schönhauser Allee und Pankow.

Nach dem Mauerfall wurde für den Ausbau der Gleisanlagen 1993–1994 der gesamte nördliche Straßendamm abgetragen, das umgebende Geländeniveau mehrere Meter abgesenkt und zur Überquerung der neuen Gleise im Jahr 1999 der Schwedter Steg errichtet. Das tiefer liegende Gelände wurde 2010 als LandschaftsschutzgebietLandschaftsschutzgebiet LSG-52: Ehemaliger Mauerstreifen, Schönholzer Heide und Bürgerpark. ausgewiesen, es ist Teil des Grünen Bandes Berlin.Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Grünes Band Berlin. Beschreibung. Bei: berlin.de Im Jahr 2012 richtete die Verkehrsverwaltung auf dem Schwedter Steg die erste automatische Radzählstelle Berlins.Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Zählstellen und Fahrradbarometer: Fahrradverkehr in Zahlen. Bei: berlin.de Im Jahr 2025 musste der der Dünnschichtbelag der Fahrbahn erneuert werden.

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