Nackt unter Wölfen ist ein deutscher Fernsehfilm von Philipp Kadelbach aus dem Jahr 2015. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Bruno Apitz von 1958. Er ist die dritte Verfilmung dieses Stoffes und wurde oft mit der legendären DEFA-Fassung von Frank Beyer von 1963 verglichen.

Handlung Im April 1943 wird der politisch im Widerstand aktive Hans Pippig zusammen mit seinem Vater ins KZ Buchenwald eingeliefert. Der Vater fällt schnell der willkürlichen Gewalt der Nazis zum Opfer, als er einem der Aufseher in die Augen blickt. Der Sohn erhält Hilfe vom Kapo André Höfel, der ihm ermöglicht, in der Effektenkammer zu arbeiten. Rund zwei Jahre später sind die Alliierten auf dem Vormarsch. Das KZ Auschwitz wurde bereits befreit und zuvor kamen tausende Häftlinge von dort nach Buchenwald. Ende März rückt auch die Befreiung von Buchenwald näher, die US-amerikanischen Truppen werden in zwei Wochen dort sein.

Während die Nazis darüber diskutieren, wie sie mit der Situation umgehen sollen, übergibt der neu aus Auschwitz eingetroffene polnische Häftling Zacharias Jankowski Pippig einen Koffer. Dieser findet darin einen dreijährigen Jungen. Er zeigt ihn Höfel und Marian Kropinski, der auf Polnisch mit dem Kind sprechen kann. Die Gruppe will dem Jungen helfen, befürchtet aber, dass sie „durch den Kamin geht“, wenn die SS den versteckten kleinen Juden entdeckt. Dadurch ist auch ein geplanter Aufstand gefährdet.

SS-Hauptscharführer Zweiling entdeckt das Kind, aber ein Fliegeralarm unterbricht die kritische Situation und der SS-Mann verrät zunächst nichts. Daraufhin verstecken die Häftlinge den dreijährigen Stefan Jerzy Zweig in der Effektenkammer. Pippig spricht darüber mit Hans Bochow, dem die zahlreichen Häftlinge im KZ wichtiger sind als das einzelne Kind. Denn kurz vor der Befreiung plant die Widerstandsgruppe einen Aufstand. Deshalb veranlasst Bochow beim Lagerältesten Helmut Krämer einen Tausch auf der Liste für den nächsten Transport, um Jankowski mit dem Jungen nach Bergen-Belsen zu bringen.

Pippig widersetzt sich dem Plan und nach einer Ermahnung durch Höfel gibt er Jankowski nur einen leeren Koffer. Als der Pole bemerkt, dass der kleine Sohn seines Freundes nicht im Koffer ist, verzweifelt er und wird erschossen. Zweiling sieht, dass der Junge noch da ist, und schreibt nun eine Nachricht. Es sind zwölf Tage vor der Befreiung. Durch die Nachricht wird die Lagerkommandantur auf das Problem aufmerksam und stellt die Zwangsarbeiter der Effektenkammer zur Rede. Da alle schweigen, werden Höfel und Kropinski in die als „Bunker“ bezeichneten Arrest- und Folterzellen gebracht. Dort werden sie von Mandrill gefoltert, um ihnen Informationen zur Widerstandsgruppe und dem versteckten Kind zu entlocken, doch beide Häftlinge schweigen trotz der enormen Qualen. Währenddessen bringt Pippig Stefan in die Seuchenbaracke. Da die Nazis diesen Teil des Lagers ungern betreten, soll der kleine Jude dort sicherer sein.

50 Kilometer von Buchenwald entfernt befreit die US-Armee das Außenlager Ohrdruf, aber in Kromsdorf ermorden die Nazis noch Zwangsarbeiter. Vor der Seuchenbaracke hat ein Häftling Stefan entdeckt. Nachdem Pippig den Jungen wieder hineingebracht hat, bietet der Häftling die wertvolle Information einem Nazi an. Lagerelektriker Heinrich Schüpp übermittelt hingegen durch versteckte Anspielungen den neusten Stand. Höfel und Kropinski werden im „Bunker“ trotz des Vormarsches der Alliierten mit dem Tod und Seilschlingen um den Hals bedroht. Die Nazis durchsuchen nach dem Hinweis des Verräters die Seuchenbaracke, finden Stefan aber nicht. Trotzdem ist der Junge dort nicht mehr sicher, weshalb Pippig sich mit ihm in einem Brunnenschacht versteckt. Der Verräter August Rose wird in der Folterkammer gezwungen, den am Strang hängenden Kropinski zu töten, obwohl er darauf hinweist, dass es sich bei der Notiz um Zweilings Schrift handelt. Auch außerhalb des „Bunkers“ herrscht weiterhin willkürliche Gewalt.

Am 6. April 1945 verfügt Heinrich Himmler die Räumung des KZ Buchenwald. Krämer berichtet den Widerständlern davon und sie diskutieren das weitere Vorgehen. Am nächsten Tag beginnt die Evakuierung des Lagers. Pippig hat die Durchsage gehört und verlässt mit Stefan den Brunnenschacht. Als er wenig später mit Essen zurückkommt, sieht er den Jungen im Scheinwerferlicht einem Hund gegenüberstehen. Pippig schreit zur Ablenkung die Wachleute an und wird niedergeschossen.

Am Morgen des 11. April sind die Panzer der US-Truppen in Sichtweite. Die Nazis lassen zahlreiche Soldaten antreten und SS-Hauptsturmführer Robert Kluttig fordert, die verbliebenen Häftlinge zu erschießen. Die Widerständler geben das Signal zum Aufstand und holen ihre Waffen aus den Verstecken. Als die ersten amerikanischen Flugzeuge über Buchenwald zu sehen sind, entscheidet sich SS-Untersturmführer Hermann Reineboth, der zuvor die Folterungen angeordnet hatte, zur Aufgabe und befiehlt mit einer Durchsage den Rückzug der SS-Mannschaft. Dabei kommt es noch zu einer Diskussion zwischen dem enttäuschten Kluttig und dem Lagerkommandanten Schwahl, der für sich eine neue Aufgabe im KZ Dachau sieht. Elektriker Schüpp hat in der Zwischenzeit den Strom für den Zaun abgeschaltet. Krämer verkündet die Befreiung über Lautsprecher und appelliert an die Häftlinge, auf Lynchmorde zu verzichten, wie ihn einige Häftlinge gerade an Zweiling begehen wollen. Untersturmführer Reineboth gibt sich mittels Lagerkleidung und kurzgeschorenen Haaren gegenüber vorbeikommenden US-Soldaten als umherirrender Häftling aus und kann ungehindert flüchten. Höfel wird aus dem „Bunker“ gerettet und geht zu Pippig, der ebenfalls noch lebt. Während Höfel mit Stefan weggeht, blickt der schwer verletzte Pippig zum Himmel.

Produktion Der Regisseur Philipp Kadelbach und der Drehbuchautor Stefan Kolditz recherchierten sehr akribisch die historischen Strukturen im KZ Buchenwald und die Problematiken des Romans Nackt unter Wölfen.Axel Doßmann: Nackt unter Wölfen, eine Neuverfilmung. Über die Grenzen emotionaler Erkenntnis und historischer Gerechtigkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In: WerkstattGeschichte 72/2016, S. 77–96 (PDF), mit ausführlicher Beschreibung der Entstehung des Films.

Der Film wurde von der Produktionsgesellschaft UFA Fiction aus Potsdam-Babelsberg produziert.Der Tagesspiegel: „Gegen das Vergessen – »Nackt unter Wölfen« wird neu verfilmt“ www.tagesspiegel.de vom 19. April 2014, abgerufen am 3. Februar 2016. Die Kulissen für das KZ Buchenwald wurden in Prag nachgebaut, einzelne Szenen vor dem Tor entstanden am Originalschauplatz.multimediale Dokumentation des MDR Der Vormarsch der US-Truppen wird mit historischen Filmaufnahmen und entsprechenden Einblendungen dargestellt. Die Erstausstrahlung des Films erfolgte am 1. April 2015 im Rahmen eines Themenabends der ARD zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Im Anschluss an den Film wurde eine Dokumentation unter dem Titel Buchenwald – Heldenmythos und Lagerwirklichkeit gezeigt.

Kritik Von einigen Rezensenten wurde die akribische historische Vorarbeit und das Bemühen um eine möglichst genaue Darstellung der Realität im KZ Buchenwald gewürdigt. Fast alle kritisierten jedoch die Tendenz zu kitschigen und melodramatischen Szenen, die die Zuschauer emotional berühren sollten. Der Film wurde oft mit der DEFA-Inszenierung von 1963 verglichen, deren schauspielerische Qualität er zwar nicht ganz erreichen konnte, dafür aber die historische Realität genauer abbildete.

Der Journalist Henry Bernhard lobte im Deutschlandfunk die schonungslose Darstellung von Strukturen und Verhaltensweisen sowohl vom Wachpersonal als auch unter den Häftlingen.

Der bekannte Publizist Christoph Dieckmann kritisierte in der Zeit vor allem die seiner Meinung nach übertriebene Melodramatik dieses Films.

Lothar Schröder lobte in der Rheinischen Post, dass gezeigt wurde, wie Menschlichkeit in diesem brutalen System möglich war und Überleben ermöglichte.

Daland Segler von der Frankfurter Rundschau kritisierte das schemenhafte und übertrieben Emotionale in dieser Inszenierung.

Elmar Krekeler von der Welt lobte den Film als in Inhalt und Gestaltung gleichwertig mit der legendären DEFA-Verfilmung.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert, dass der Film die Tatsache verschweigt, dass anstelle des geretteten jüdischen Kindes ein Sinto deportiert und alsdann umgebracht worden war.. Nachrichten vom 2. April 2015, auf der Website des Deutschlandfunks.

Auszeichnungen 2015: Seoul International Drama Awards – Daesang (Hauptpreis). 2015: DAfFNE der Deutsche Akademie für Fernsehen für Kolja Brandt (Bildgestaltung) und Denis Behnke (Visueller Effekt)

2016: Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Fernsehfilm“.Nackt unter Wölfen gewinnt in der Kategorie „Bester Fernsehfilm“ Deutscher Fernsehpreis, abgerufen am 14. Januar 2016. 2016: International Emmy Award: Nominierung Florian Stetter als „Bester Darsteller“, Nominierung „Bester TV-Film/Mini-Serie“., abgerufen am 27. September 2016.

Literatur

Axel Doßmann: Nackt unter Wölfen, eine Neuverfilmung. Über die Grenzen emotionaler Erkenntnis und historischer Gerechtigkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In: WerkstattGeschichte 72/2016, S. 77–96 (PDF), mit ausführlicher Entstehungsgeschichte

Weblinks

Informationen der ARD zum Themenabend multimediale Dokumentation des MDR des MDR mit historischen Hintergründen und Informationen zur Filmproduktion Annette Leo: Buchenwaldkind. Ein Kommentar zur Neuverfilmung des Romans „Nackt unter Wölfen“. Auf Zeitgeschichte-online, April 2015.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2015 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Fernsehfilm (Das Erste) Kategorie:Literaturverfilmung