mini|hochkant|Der 1954 erbaute Torturm der franziskanischen Kirche Betfage () ist ein Schauplatz der Evangelien des Neuen Testaments.
Betfage wird am Osthang des Ölbergs nahe Jerusalem lokalisiert. Die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute römisch-katholische Kirche ist seit 1933 Startpunkt der vom Lateinischen Patriarchen von Jerusalem geleiteten Palmsonntagsprozession.Custodia Terrae Sanctae: Bethphage
Name Hinter dem Bethphagḗ in den griechischen Bibelhandschriften wird ein hebräischer Ortsname oder „Feigenhausen“ vermutet, der in rabbinischen Texten mehrfach erwähnt wird (zu hebräisch „unreife Feige“). Origenes allerdings führte in seinem Kommentar zu das aramäische und syrische Wort pag „Kinn“ an und vermutete, Betfage sei eine Siedlung jüdischer Priester gewesen und trage seinen Namen nach dem Kinnladen des Opfertiers, der nach den Priestern zustand. Gustaf Dalman erwog eine Herleitung von lateinisch pagus „Landbezirk“, d. h. Betfage sei als Ortschaft im Weichbild der Stadt Jerusalem benannt worden.Max Küchler: Jerusalem, Göttingen 2007, S. 933.
Lokalisierung Betfage wird in den synoptischen Passionsgeschichten erwähnt (, , ). Demnach schickte Jesus zwei seiner Jünger in den Ort, um dort einen jungen Esel zu holen, auf dem er in Jerusalem einreiten wollte. Diese Bibelstellen verorten Betfage auf dem Osthang des Ölbergs. Die Römerstraße, die von Jericho nach Jerusalem führte. gab es vor dem Jüdischen Krieg noch nicht, so dass für die Zeit Jesu und der Jerusalemer Urgemeinde als Verkehrsverbindungen in diesem Bereich nur ein „Netz mehr oder weniger gepflegter Straßen und Sträßchen“ anzunehmen ist.Max Küchler: Jerusalem, Göttingen 2007, S. 914 f.
Vereinzelt wird in den Quellen eine byzantinische Betfage-Kirche erwähnt. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um jene dreischiffige Basilika mit Mosaikfußboden, die 1894 bei Bauarbeiten am Ölberg entdeckt und von Frederick J. Bliss und Archibald C. Dickie bei Nachgrabungen untersucht wurde.Max Küchler: Jerusalem, Göttingen 2007, S. 933 und 942; vgl. Frederick J. Bliss, Archibald C. Dickie: Excavations at Jerusalem, 1894−1897. Palestine Exploration Fund, London 1898, S. 211–224. (Digitalisat) Von dieser ersten Betfage-Kirche ist nichts mehr zu sehen.
mini|Kreuzfahrerzeitlicher Steinwürfel mit Rest der Bemalung
Die Kreuzfahrer fanden eine Lokaltradition von einem Stein vor, den Jesus genutzt habe, um sein Reittier zu besteigen. Dort erbauten sie eine Kapelle, die nach dem Abzug der Kreuzfahrer aus Jerusalem (1187) nicht mehr erwähnt wurde. Nachdem dieser mit neutestamentlichen Szenen bemalte, ungefähr einen Kubikmeter große Steinwürfel der Kreuzfahrer 1877 entdeckt wurde, kaufte die franziskanische Kustodie des Heiligen Landes 1880 das Gelände. Ein Kirchenneubau auf den Fundamenten der Kreuzfahrerkapelle folgte 1883; 1897 kam eine Apsis hinzu und 1954 ein Torturm.Max Küchler: Jerusalem, Göttingen 2007, S. 935.
Auf dem franziskanischen Grundstück fanden Grabungen statt, die hellenistisch-römische Grabanlagen, Zisternen und eine byzantinische Weinpresse ans Licht brachten. Hebräische und griechische Buchstaben in einer von einem Rollstein verschlossenen Grabanlage mit sechs Troggräbern wurden von Emanuele Testa in sehr spekulativer Weise als Zeugnisse einer judenchristlichen Eschatologie interpretiert.Max Küchler: Jerusalem, Göttingen 2007, S. 938–940; vgl. zu den Inschriften Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae, Band 1/2. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, Nr. 955–957 (Tomb near Bethphage): “The content of this text is obscure, but the suggestion that it was written by a millenarian Jewish-Christian or member of a Gnostic sect is highly improbable.” (S. 330)
Literatur Gustaf Dalman: Orte und Wege Jesu. 3., erweiterte Auflage. Bertelsmann, Gütersloh 1924, S. 268–273. (Digitalisat) (Online) Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt (= Orte und Landschaften der Bibel. Band IV / 2). Göttingen 2007, S. 913–920; 932–942. Rainer Riesner: Betfage. In: Helmut Burkhardt et al. (Hrsg.): Das große Bibellexikon. Sonderausgabe, R. Brockhaus, Wuppertal 2004, S. 196. Sylvester John Salla, Emanuele Testa: The Archaeological Setting of the Shrine of Bethphage (= Collectio Minor, Band 1). Studium Biblicum Franciscanum, Jerusalem 1991.
Weblinks
Anmerkungen
Kategorie:Biblischer Siedlungsname Kategorie:Ort im Neuen Testament