Die Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg am Lech ist eine Gedenkstätte der „Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung e. V.“ aus Landsberg am Lech und wird ehrenamtlich betreut. Eine Besichtigung der „Europäischen Holocaustgedenkstätte“ ist nach Voranmeldung und in individueller Begleitung möglich.Webseite der Europäischen Holocaustgedenkstätte: Besichtigung und Öffnungszeiten, online unter landsberger-zeitgeschichte.de. Abgerufen am 28. Oktober 2020.Werner Lauff in Kreisbote Allgäu: Wissenschaftlerin Edith Raim kritisiert Gedenkarbeit, 9. Januar 2019 Jährlich werden mehr als 70 Führungen, öffentlich und individuell, ehrenamtlich angeboten (Stand 2005). Zudem bringt der Verein jährlich mehr als 900 ehrenamtliche Arbeitsstunden für die Pflege des ehemaligen Konzentrationslager Kaufering VII auf.http://www.buergervereinigung-landsberg.de/presse/buergervereinigung/chronik.htm

mini|hochkant=1.1|Schematische Karte KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting, 1945. (2021: „Europäische Holocaustgedenkstätte“)

Die Gedenkstätte birgt Überreste des KZ-Außenlager Kaufering VII – Landsberg-Erpfting, dem siebten der elf zugeordneten Lager des KZ-Außenlagerkomplex Kaufering,Edith Raim: Die Dachauer KZ-Außenkommandos Kaufering und Mühldorf – Rüstungsbauten und Zwangsarbeit im letzten Kriegsjahr 1944/45, München, Universität, Philos. Fak. für Geschichts- und Kunstwissenschaften, Dissertation 1992, Neumeyer, Landsberg am Lech 1992, 317 S., ISBN 3-920216-56-3, S. 151f, 170–174, 193–195, 272 dem größten Komplex der 169 Außenlager des Konzentrationslagers Dachau; unter anderem sechs Ruinen von Tonröhrenbaracken und die letzten Spuren von KZ-Erdhütten. Der Erhalt ist der bürgerlichen Initiative der 1983 gegründeten Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert und dem Engagement von Anton Posset zu verdanken. Der Verein drängte auf eine Unterschutzstellung der baulichen Reste von Lager VII durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und erwarb selbst das Drittel der ehemaligen Lagerfläche, auf dem die bedeutsamsten Baulichkeiten – die Tonröhrenunterkünfte – lagen.J. Ramming, D. Stonus: Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Landsberg / Kaufering. Hrsg.: FranKonzept. Würzburg April 2016, S. 82, Stiftung Bayerische Gedenkstätten [PDF;20,3 MB; Anmeldung benötigt] oder als Franz Josef Strauß erklärte 1983 auf eine Anfrage von Anton Posset, dass „die fünf im Jahre 1944 angelegten Erdbunker der Nachwelt erhalten bleiben“, indem sie in die Denkmalliste aufgenommen würden. Er bitte weiterhin um Verständnis, dass es die Möglichkeiten des Staates übersteige, mehr zu tun.Brief Strauß an Posset vom 15. Oktober 1983: Außenkommando Kaufering des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau, online unter buergervereinigung-landsberg.de. Abgerufen am 14. September 2021 Die Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert übernahm daher 1985 mittels einer Spende des jüdischen Holocaust-Überlebenden Alexander Moksel einen Teil des ehemaligen Geländes von 'KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting' und begann mit der Gedenk- und Erinnerungsarbeit.J. Ramming, D. Stonus: Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Landsberg / Kaufering. Hrsg.: FranKonzept. Würzburg April 2016, S. 74, Stiftung Bayerische Gedenkstätten [PDF;20,3 MB; Anmeldung benötigt] oder als Seit 1983 baut sie ehrenamtlich mittels Spenden, eine „Europäische Holocaustgedenkstätte“ in Landsberg auf, um somit dem Holocaust im Raum Landsberg angemessen zu gedenken. Regional stieß sie damit über Jahrzehnte auf Widerstände. Seit spätestens 2005 bereitet die Stiftung Bayerische Gedenkstätten die würdige Gestaltung der Überreste des Lagers vor. 2021 stimmte der Stadtrat Landsberg der Beauftragung einer Planung eines Dokumentationszentrums vor Ort zu.

KZ-Außenlagerkomplex Kaufering mini|hochkant=2.2|Das KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting war das siebte von elf Lagern des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering (Detail-Karte, freie Verwendung CC BY-SA 2.0)

Der KZ-Außenlagerkomplex Kaufering bestand aus zwölf KZ-Außenlagern, von denen die ersten elf von der gemeinsamen Kommandantur im KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg verwaltet wurden. Mehr als 30.000 jüdische Mitmenschen wurden dort inhaftiert, nach Schätzungen kamen mindestens 14.500 von ihnen um.Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 360–373.

KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg KZ-Außenlager Kaufering II – Igling KZ-Außenlager Kaufering III – Kaufering KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach KZ-Außenlager Kaufering V – Utting KZ-Außenlager Kaufering VI – Türkheim KZ-Außenlager Kaufering VII – Landsberg-Erpfting KZ-Außenlager Kaufering VIII – Seestall KZ-Außenlager Kaufering IX – Obermeitingen KZ-Außenlager Kaufering X – Utting KZ-Außenlager Kaufering XI – Landsberg-Stadtwaldhof SS-Arbeitslager Landsberg am Lech

mini|Wir waren Juden – das war unsere Schuld, KZ-Außenlager Kaufering VIII – Seestall (Foto: 2014)

KZ-Friedhöfe

14 KZ-Friedhöfe, manche mit Gedenksteinen, erinnern an die unzählbaren Toten des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering.

mini|Tonröhren-Baracke/Wohnbaracke – Außenansicht (Foto: 2014)

Aktueller Stand der Europäischen Holocaustgedenkstätte in Landsberg

Die aktuelle Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg wurde von Anton Posset und der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert im Laufe von 30 Jahren in Eigenregie und lediglich mittels finanzieller Unterstützung von Spenden und ehrenamtlichen Engagement, wie von Franz Josef Strauß vorgeschlagen, somit von bürgerlicher Hand getragen, gestaltet und aufgebaut.

Jeder einzelne der Gedenksteine, die von europäischen Staatsoberhäuptern den deportierten und ermordeten Juden aus ihren Ländern gestiftet worden waren, beschreibt auf seine Weise die Bedeutung der Erinnerung an den Verlust des jüdischen Teils der jeweiligen Nation. Diesen stehen an zentraler Stelle – dem ehemaligen Appellplatz – zwölf Granitstelen gegenüber, die für die Zwölf Stämme Israels einerseits sowie die elf Lager des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering und das SS-Arbeitslager Landsberg am Lech andererseits stehen. Immer wieder kam es zu Schändungen der Gedenkstätte.

Vervollständigt wird der zentrale Gedenkplatz durch vier kleine Steine, die namentlich bekannten Opfern des KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting und der konkreten Begegnungen mit deren Kindern, sowie den 471 namenlosen Opfern der letzten dokumentierten Deportation von KZ-Häftlingen aus dem Lager zum KZ Auschwitz am 25. Oktober 1944Meldung über Abgabe von 1020 Häftlingen an das Konzentrationslager Auschwitz am 25.10.1944 von den Konzentrationslagern Kaufering I, II, III, IV und VII. Auf den Seiten der Bürgervereinigung zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte e. V. gewidmet sind. Diese Elemente stehen nicht nur zueinander in Bezug, sondern auch im historischen Kontext der baulichen Überreste der Tonröhren-Baracken, der im Boden freigelegten Fundamente von Funktionsbaracken und den sich im Untergrund abzeichnenden Formationen der früheren KZ-Erdhütten. Der Weg der Menschenrechte und Menschenwürde mit seinen Eingangselementen rundet das Bild ab. Diese wurde am 27. April 2007 im Rahmen einer Gedenkfeier der Öffentlichkeit übergeben.

Im Jahre 2009 wurde die Gedenkstätte von der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert an die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung e. V. übertragen, die seit dieser Zeit die fachgerechte Konservierung der Bau- und Bodendenkmäler auf dem ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Kaufering umsetzte.siehe Information der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, abgerufen am 22. Februar 2022

Am Eingang zum ehemaligen Konzentrationslager zeigt eine Informationstafel den geschichtlichen Kontext des Lagers im gesamten KZ-Außenlagerkomplex Kaufering auf. Eine historische Kipp-Lore aus dem KZ-Außenlager Kaufering X – Utting symbolisiert die entmenschlichende Zwangsarbeit, die die jüdischen Gefangenen leisten mussten – im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering gemäß dem Konzept Vernichtung durch Arbeit.

Die Gedenkstätte wird ehrenamtlich betreut. Eine Besichtigung der „Europäischen Holocaustgedenkstätte“ ist nach Voranmeldung und in individueller Begleitung möglich. Die Gesamtausdehnung des Areals ist nicht markiert, es gibt keinen Rundweg, nur wenige Hinweistafeln und keinen würdigen Gedenkort.

Planungen zur Errichtung eines Dokumentationszentrums

Seit 1984 verfolgt die Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert die Idee eines Dokumentationszentrums.Zeitungsartikel "Das KZ vor der Haustür", Landsberger Tagblatt vom 25. Juni 1984 Dies war stets ein erklärtes Ziel innerhalb der Satzung des Vereins. Eine Realisierung scheiterte anfänglich aufgrund von mangelnder finanzieller Unterstützung und unklarer Verantwortlichkeiten auf dem Grundstück. Im Jahr 2012 startete der Verein, gemäß seiner Satzung und des Geschäftsführungsvertrages, erneut die Diskussion rund um die Errichtung eines Dokumentationszentrums zu thematisieren. Dies wird als notwendige Ergänzung zur Europäischen Holocaustgedenkstätte mit den historischen Baudenkmälern des ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting – Darstellung der verschiedenen Module – Manfred Deiler, 2012, online unter landsberger-zeitgeschichte.de., als ein „Ort der Information, des Erinnerns und der Begegnung“ vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII – Erpfting, gesehen.Dieter Schöndorfer: , Landsberger Tagblatt vom 13. Juni 2013, online unter landsberger-zeitgeschichte.de.

Diese Initiative der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, gemeinsam mit der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, veranlasste die Stiftung Bayerische Gedenkstätten im Jahr 2015, eine Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort auf landsberger-zeitgeschichte.de zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Kaufering in Auftrag zu geben, welche im Herbst 2016 vorgelegt wurde. Diese empfiehlt: „Dokumentationszentrum KZ-Außenlager VII: Erschließung und Dokumentation vor Ort“ mit einer „deutliche[n] Verschlankung der Ausstattung des Dokumentationszentrums“ über eine „drastische Reduzierung der Dauerausstellungsfläche“ auf 240 Quadratmeter und einem weitgehenden „Verzicht auf die Präsentation von Originalexponaten“, „Digitaler Dokumentationsort: Plattform“ im Internet als mittel- bis langfristig angelegtes Projekt, „Erinnerungsraum Landsberg: Aspekte der NS-Zeit in Landsberg am Lech“ in der Stadt Landsberg in Form einer „Tafelausstellung auf maximal 30 m²“ und „Trägerschaft und Betrieb: Neue Formen der Kooperation“. Die Gründungsphase sollte demnach die Stadt Landsberg mit Unterstützung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten übernehmen, anschließend ein Zweckverband, ggfs. als Stiftung bürgerlichen Rechts.Als Öffnungszeit wären danach die Monate März bis Oktober vorgesehen, Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr. Der Stadtrat der Stadt Landsberg beauftragte Mitte 2021 seine Verwaltung mit der Planung eines Dokumentationszentrums. Im November 2022 gab es weiterhin keinen Bebauungsplan für die Gedenkstätte. Laut Stadt Landsberg seien weitere Diskussionen nötig, inwiefern und in welcher Dimension eine Gedenkstätte überhaupt realisiert werden könne. Das Bayerische Kultusministerium sagte einmalig 2,5 Millionen Euro für die „Entwicklung des Geländes unter dem Dach der Stiftung Bayerische Gedenkstätten“ zu.

Im März 2022 bekundete das Architekturbüro Daniel Libeskind Interesse, diesen „Ort von historisch herausragender Bedeutung“ zu gestalten und „einen einzigartigen Gedenk- und Lernort zu schaffen“. Die Erstellung des wissenschaftlichen Konzepts übernehme Edith Raim, das pädagogische Konzept eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte des KZ Buchenwald.