Thomas D. Davies (* 3. November 1914 in Cleveland, Ohio; † 21. Januar 1991 auf St. Martin, Karibisches Meer) war ein US-amerikanischer Konteradmiral der US Navy, der während seiner aktiven Militärdienstzeit Marineflieger und Fachmann für Navigation sowie astronomische Navigation war. Er war maßgeblich an der Entwicklung des Lockheed P-2 Neptune-Aufklärungsflugzeuges beteiligt und flog mit diesem 1946 einen Entfernungs-Weltrekord von Perth in Australien nach Columbus (Ohio).
Später war er als Vize-Direktor der Waffenkontroll- und Abrüstungsagentur ACDA (Arms Control and Disarmament Agency) Experte für Abrüstung und Abrüstungskontrolle. Darüber hinaus war er Gründer und erster Präsident von The Foundation for the Promotion of the Art of Navigation.
Leben Ausbildung zum Marineoffizier an der US Naval Academy und Navigationserfindungen Davies, Sohn des aus Wales stammenden Managers bei der Acme Aircraft Corporation David A. Davies, begann nach dem Schulbesuch 1931 ein Studium am Case Institute of Technology, das er 1933 abschloss. Während dieser Zeit begann sein Interesse für Physik sowie für optische Physik im Besonderen, insbesondere nach einem Gastvortrag von Albert Einstein.
1934 trat er als Midshipman in die US Navy ein und absolvierte die US Naval Academy in Annapolis, die er 1937 mit einem Bachelor of Science (B.S.) abschloss. Während des dortigen Studiums in den Fächern Marineartillerie und Geschützwesen fielen ihm die Schwierigkeiten auf, die die Marine bei der Festlegung der richtigen Entfernung von Zielen hatte. Zu seinen Ausbildern gehörte im Fach Navigation der spätere Konteradmiral Arthur A. Ageton und 1937 verfasste einen ersten Artikel für die Zeitschrift Naval Institute Proceedings. Die Lösung dieses Problems war aus seiner Sicht die Entwicklung eines neuen Typs für das stereoskopische Sehen, das er durch ein praktikables Model der Visiereinrichtung zur Entfernungsmessung umsetzte. Sein Ziel für die Entfernungsbestimmung war die Kuppel des Maryland State Capital .
Seine Versuche waren so erfolgreich, dass leitende Offizier des Artilleriebüros (Bureau of Ordnance) ihn baten, ihnen den Entfernungsmesser vorzustellen. Nach der Vorstellung sahen die Offiziere großes Potenzial zur Nutzung des Gerätes. In der Folgezeit wurde der optische Entfernungsmesser auf den wichtigsten Schiffen der US Navy mit großkalibrigen Kanonen erprobt. Die von Davies entwickelte Visiereinrichtung zur Entfernungsbestimmung wurde auf allen Schiffen der US-Marine mit großkalibrigen Kanonen während des Zweiten Weltkrieges sowie auf den Schiffen zur Küstenbombardierung im Koreakrieg verwendet. Die Visiereinrichtungen sind heute auf Museumsschiffen wie dem Schlachtschiff North Carolina am Ufer des Cape Fear River in Wilmington zu besichtigen.
Während seines Studiums an der US Naval Academy war er außerdem Kunstredakteur der dortigen Zeitschrift Log sowie Redakteur der Studentenzeitung Trident.
Verwendungen als Marineoffizier und Zweiter Weltkrieg mini|Als Pilot einer Lockheed PV-1 „Ventura“ flog Davies im Zweiten Weltkrieg Patrouillenflüge zum Schutz der Küstenschifffahrt in Südamerika und wurde hierfür mit dem Distinguished Flying Cross ausgezeichnet Nach Abschluss der US Naval Academy fand Davies 1937 zunächst Verwendung als Ensign auf dem zur gleichnamigen Portland-Klasse gehörenden Schweren Kreuzer Portland bei der US-Pazifikflotte. Im Februar 1939 wurde er auf den Schweren Kreuzer Wichita versetzt, ehe er Anfang 1942 eine Pilotenausbildung als Marineflieger absolvierte, die er Ende 1942 abschloss. Danach wurde er als Erster Offizier (Executive Officer) zum Bombergeschwader 129 versetzt, wo er mit seinem Kampfflugzeug vom Typ Lockheed Ventura U-Boot-Abwehreinsätze im Südatlantik gegen U-Boote der deutschen Kriegsmarine flog. Von einem Fliegerstützpunkt in Brasilien aus oblag dem Geschwader der Schutz der Küstenschifffahrt in Südamerika. Auf einem dieser Überwachungsflüge gelang es ihm U 604 zu treffen und erhielt für seinen Heldenmut und hervorragende fliegerische Leistung zur Zerstörung dieses wichtigen feindlichen Schiffes das Distinguished Flying Cross verliehen.
Während seiner zweijährigen Dienstzeit in Brasilien erlernte er die portugiesische Sprache, was danach als Commanding Officer der US-amerikanisch-brasilianischen Ausbildungseinheit von Vorteil war. Während dieser Zeit übersetzte er für die brasilianische Marine Handbücher ins Portugiesische, um die Wartungs- und Flugausbildungskenntnisse zu organisieren.
Entwicklung der Lockheed P-2 Neptune und Weltrekordflug mini|Davies war maßgeblich an der Entwicklung des XP2V-1-Prototyp 1945 beteiligt und flog mit diesem 1946 einen Geschwindigkeits-Weltrekord von Perth in Australien nach Columbus (Ohio) Nach Beendigung seiner Tätigkeit als Commanding Officer der US-amerikanisch-brasilianischen Ausbildungseinheit befasste er sich mit der Entwicklung von Flugzeugen für die US Navy. Am 19. Februar 1943 übergab das Marineministerium (US Department of the Navy) eine Absichtserklärung an den Flugzeughersteller Aircraft Manufacturing Company, um mit der Entwicklung von zwei Prototypen von Lockheed P-2 Neptune-Aufklärungsflugzeugen (XP2V-1) zu beginnen. Die Entwurfszeichnungen hatten gerade begonnen, als Fregattenkapitän Davies seine neue Aufgabe als Flugzeugplanungsvertragsoffizier bei dem für materielle Unterstützung der Marinefliegerkräfte zuständigen Luftfahrtbüro (Bureau of Aeronautics) übernommen hatte. Seine Aufgabe war dabei die Erforschung und Hilfestellung bei der Auswahl des nächsten landgestützten Flugzeugs als Ersatz für die Lockheed Ventura (PV-1 Ventura). Die Beteiligung an diesem Projekt war eine große Herausforderung, da die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten als Vertragsoffizier während dieser Jahre es ihm ermöglichten, den letzten Entwurf für die XP2V-1 maßgeblich zu beeinflussen. Dazu trugen insbesondere seine ingenieurwissenschaftlichen Kenntnisse bei, so dass seine Unterstützung der Lockheed-Ingenieure und sein Bestehen auf eine ausgedehnte Flugzeit für das Marineaufklärungsflugzeug den Grundstein für einen anschließenden Weltrekord bei der Reichweite für ein Propellerbetriebenes Flugzeug legte.
Davies, nunmehr Leiter der Flugzeugplanungsgruppe beim Bureau of Aeronautics, entwickelte auch die Idee zur Modifizierung des ersten Produktionsmodells der neuen Lockheed P-2 für einen Entfernungsflug, um die Möglichkeit zu demonstrieren, dass die U-Boot-Abwehrkräfte der Marine weltweit Ziele erreichen können. Mit Genehmigung des damaligen Chief of Naval Operations, Admiral Chester W. Nimitz, entwickelte er den Plan, einen Flugweltrekord über eine Entfernung von 11.256 Meilen aufzustellen, der letztlich 16 Jahre lang Bestand hatte.
Im September 1946 wurde eine modifizierte Version einer der ersten zwei Prototypen der Lockheed P-2 Neptune nach Perth in Australien gebracht. Auf diesem The Truculent Turtle genannten Flugzeug beabsichtigte Davies mit seiner Crew den Entfernungsweltrekord zu fliegen. Das Flugzeug wurde von ihnen und Ingenieuren der Lockheed Aircraft Company minutiös überprüft, wobei die Ingenieur besorgt darüber waren, dass das Flugzeug wegen der weitaus größeren Menge Treibstoff, die zum Erreichen des Ziels notwendig war, überladen sei. Die Stoßdämpfer des Flugzeugs waren während der Tests für das Taxiing vollständig zusammengepresst. Die Reifen hatten nur wenig Raum zwischen der Lauffläche und der Radnabe, so dass jedes Holpern dazu hätte führen können, dass die Reifen aus der Felge gerissen werden konnten. Während die Lockheed-Ingenieure besorgt und verängstigt waren, war Davies aufgrund seiner eigenen Berechnungen zuversichtlich, dass das Flugzeug fliegen würde.
Nach dem Boarding der Crew erschien der Oberbürgermeister von Perth, Joseph Totterdell, um der Mannschaft Glück zu wünschen. Er brachte außerdem ein kleines Känguru in einem Holzkäfig mit, damit Davies dies in die USA fliegen sollte. Dies war aus Sicht der Lockheed-Ingenieure das Ende, da das Flugzeug aus deren Sicht bereits hoffnungslos überladen war. Davies nahm das Känguru als Geschenk für die US-amerikanische Bevölkerung an und ließ das Tier im Schwanz des Flugzeuges verstauen. Nach einem außergewöhnlich langen Start hob das Flugzeug ab, wobei aus Gründen des Treibstoffsparens der Anstieg auf das Minimum beschränkt wurde und die Flughöhe während der ersten mehreren Tausend Meilen unter 6000 Fuß lag. Für seine Verdienste bei dem Weltrekordflug wurde ihm durch US-Präsident Harry S. Truman in einer Zeremonie im Weißen Haus zusammen mit seiner Crew ein Goldener Stern anstelle eines zweiten Distinguished Flying Cross.
Verwendungen in der Nachkriegszeit und Entwicklung eines Himmelskompasses Danach blieb Commander Davies den Marinefliegern verbunden. Als Kommandeur der Task Group 68.7 unternahm er zusammen mit einem weiteren Piloten am 27. April 1948 die ersten Startversuche (Jet Assisted Take Offs (JATO)) mit einem Flugzeug von der Größe und dem Gewicht der Lockheed P-2 Neptune vom Deck eines Flugzeugträgers, und zwar der Coral Sea vor Norfolk. Diese Versuche erwiesen die Praktikabilität der Operationen mit schweren Langstreckenflugzeugen auf Flugzeugträgern. Diese Tests resultierten schließlich in der Begründung einer Notwendigkeit von trägergestützten Flugzeugen. Eine Zeitlang hielt er auch den Weltgeschwindigkeitsrekord von der Ostküste zur Westküste der Vereinigten Staaten. Die bisherigen Weltrekorde fanden von der West- zur Ostküste unter Ausnutzung der vorherrschenden Westwinde statt. Dieser Weltrekord gelang ihm darüber hinaus ohne ein Auftanken Non-Stopp.
Als Mitglied im Stab von Admiral Richard Evelyn Byrd entwarf er den ersten Satz von Skis für Flugzeuge mit dreiachsigen Fahrwerken und entwickelte einen Himmelskompass für die Navigation an den Polen, an denen konventionelle Kompasse unbrauchbar waren. Dieser neue Kompass wurde später in der astronomischen Navigation für kommerzielle Flugzeuge für die frühen Transpolar-Flüge nach Europa benutzt. Er stattete ferner zwei Flugzeuge mit einer speziellen Navigations- und Fotoausrüstung für die Kartografierung der Antarktika aus. Der Himmelskompass bestand aus einem Satz polarisierter Linsen in einem Rahmen, der auf der Oberseite des Flugzeuges montiert war. Durch das Rotieren der Linsen konnte eine genaue relative Lagebestimmung der Sonne entsprechend dem Nautischen Almanach gemacht werden, so dass die Kreiselkompasse genau ausgerichtet werden konnten. Diese Prozedur erlaubte es den Flugzeugen, in den Polarregionen zu navigieren, in denen andere Kompasse nutzlos waren. Magnetkompasse konnten nicht genutzt werden und Kreiselkompasse konnten nur dann verwendet werden, wenn sie ständig neu ausgerichtet wurden. Für diese notwendige und nützliche Erfindung dieses Himmelskompasses wurde ihm 1949 vom Institute of Navigation (ION) der Thurlow-Preis für herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Navigationswissenschaften verliehen.
Luftfahrtingenieur und Kubakrise In den Jahren 1950 bis 1952 war Davies verantwortlich für die Flugzeugausbesserungs- und Reparaturwerkstatt auf dem Marinefliegerstützpunkt (Naval Air Station) in Sand Point sowie danach bis 1954 Offizier im Stab des Befehlshaber der Luftflotte im Mittelmeerraum. Während dieser Stationierung war er insbesondere zuständig für die Marine-Aufklärungsflugzeuge auf dem Militärflugplatz Sigonella, der als einziger Flugplatz in Sizilien über Wartungseinrichtungen für derartige Flugzeuge verfügte. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Davies zum Commanding Officer der Marineflieger-Ingenieureinrichtung (Naval Air Engineering Facility) in Philadelphia ernannt, wo er für die Fangeinrichtungen und Katapulte auf Flugzeugträgern zuständig war. Daneben war er an der Entwicklung von Dampfkatapulten und Fangeinrichtungen beteiligt und blieb in dieser Funktion bis zu seiner Versetzung nach Washington, D.C. 1958.