Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg zählt zu den ältesten Industriezentren in Deutschland und ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort in Ost- und Mitteldeutschland. Die Stadt liegt am Schnittpunkt wichtiger Transportwege (Autobahnkreuz, Eisenbahnknoten, Wasserstraßenkreuz) und bietet mit seinen Bildungs- und Forschungseinrichtungen eine essenzielle Grundlage für die Wirtschaft. Neben Logistik, Umwelttechnologie, Kreislaufwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau gehören die wachsende Kultur- und Kreativwirtschaft und Informations- und Kommunikationstechnologiebranche zu den Schwerpunktbranchen in Magdeburg. Zu den größten und erfolgreichsten Unternehmen gehören zum Beispiel FAM, regiocom, Enercon, Getec heat & power, Siemens oder T-Systems.
Im Jahr 2021 hat Magdeburg ein Wirtschaftswachstum von 4,6 % und hält mit 13,2 % den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt in Sachsen-Anhalt. Die Arbeitslosenquote lag im September 2022 bei 8,4 %. Im Juni 2021 gab es 109.540 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort Magdeburg, unter denen sich 44.883 Einpendler befinden. Mit 30.708 Auspendlern beträgt der Pendlersaldo +14.175. Auf 1.000 Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 kamen 2019 804 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.Zensusdatenbank 9. Mai 2011 2012 wurde die Stadt in einer Studie durch Experten als dynamischste Großstadt Deutschlands ermittelt.
Standortfaktoren mini|Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg ist mit seinen zahlreichen Industrie- und Gewerbeparks und dem direkt an Magdeburg angrenzenden Technologiepark Ostfalen ein wichtiger und stetig wachsender Wirtschaftsstandort und nutzt mit seinen umliegenden Landkreisen Börde, Jerichower Land und Salzlandkreis als Region Magdeburg gemeinsame Standortvorteile, wie zum Beispiel die große Fruchtbarkeit der Magdeburger Börde und die Mineralschätze im Magdeburger Umland, darunter Salz, Kali und Braunkohle. Sie wird zu einem wichtigen Verkehrs-, Logistik- und Distributionskreuz in den neuen Bundesländern ausgebaut. Als Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts werden durch die Nähe zur Politik schnelle Entscheidungsfindungen begünstigt. Mit relativ niedrigen Mieten, einem vielfältigen Kultur- und Freizeitangebot, vielen sportlichen Veranstaltungen, zahlreichen Grünflächen und verschiedenen Naherholungsgebieten bietet Magdeburg eine gute Grundlage für einen modernen Wirtschaftsraum. Außerdem besitzt die Stadt eine gut ausgebaute medizinische Grundversorgung mit ihren vier Krankenhäusern, darunter zwei als Maximalversorger.
Magdeburg wurde 2012 zur dynamischsten Großstadt Deutschlands gewählt.Dynamischste Großstadt Deutschlands www.welt.de vom 29. November 2012 Gründe dafür sind die in den letzten Jahren auf 10,5 % stark gesunkene Arbeitslosenquote und die um 42 % gestiegene Einkommenssteuerkraft. Außerdem lobten überdurchschnittlich viele Unternehmen die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung. Die Stadt Magdeburg bietet sieben Innovations- und Gründerzentren mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten für ansiedelnde Unternehmen an.
Bildung und Forschung mini|Experimentelle Fabrik und Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer dynamischer Systeme
Magdeburg ist ein wichtiger Bildungs- und Forschungsstandort. In der Otto-von-Guericke-Universität und Fachhochschule Magdeburg-Stendal studieren etwa 19.000 Studenten.
Daneben beherbergt die Stadt mehr als 20 Forschungseinrichtungen, unter anderem das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung, das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, das Leibniz-Institut für Neurobiologie, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung oder das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen. Im Stadtquartier Wissenschaftshafen haben sich mehrere Forschungseinrichtungen wie das Institut für Automation und Kommunikation oder das Virtual Development and Training Centre angesiedelt. In den kommenden Jahren soll das Gebiet zu einem Zentrum für Forschungseinrichtungen ausgebaut werden.
mini|250px|Kanalhafen Magdeburg Verkehr und Infrastruktur Die Stadt liegt verkehrsgünstig im Schnittpunkt Deutschlands und Europas mit wichtigen Verkehrsadern wie der Ost-West-Magistrale A 2 Hannover – Berlin, eine der meistfrequentierten Bundesautobahnen Deutschlands, und der am Autobahnkreuz Magdeburg kreuzenden A 14 Magdeburg – Leipzig. In Planung und teilweise im Bau ist die Nordverlängerung der A 14 in Richtung Schwerin. Die B 1 führt von Ost nach West durch Magdeburg und dient mit dem von Norden nach Süden verlaufenden Magdeburger Ring als Hauptverkehrsachsen durch die Stadt. Über den Magdeburger Ring laufen die Bundesstraßen B 189, B 71 und die B 81, welche alle in Magdeburg anfangen und enden. Außerdem beginnen östlich von Magdeburg die Bundesstraßen B 184 und B 246. Magdeburg fungiert weiterhin als Eisenbahnknoten, in dem sich fünf Eisenbahn-Hauptverkehrsstrecken treffen. Täglich passieren rund 800 Züge den Eisenbahnknoten. Die Stadt besitzt einen Güterbahnhof in Magdeburg-Rothensee und den noch als Abstellbahnhof genutzten Rangierbahnhof in Magdeburg-Buckau.
Neben dem Straßen- und Schienenverkehr ist Magdeburg optimal an den Schiffsverkehr angebunden. Die Stadt liegt an Europas größtem Wasserstraßenkreuz, an dem die Elbe den Mittellandkanal und den Elbe-Havel-Kanal kreuzt. Der Hafen Magdeburg ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands und besteht aus vier für den Güterumschlag genutzten Häfen. Er besitzt eine an den Eisenbahnknoten Magdeburg angeschlossene Hafenbahn und liegt im Einzugsbereich der Seehäfen Hamburg und Bremen. Im Norden der Stadt wurde am Industrie- und Logistikcentrum Magdeburg Rothensee (ILC) am Schnittpunkt von Straße, Schiene und Wasser das einzige in Sachsen-Anhalt ausgewiesene Güterverkehrszentrum (GVZ) integriert.
Weiterhin befindet sich südlich der Stadt der Business-Airport Flugplatz Magdeburg. In etwa 30 km Entfernung liegt der Flughafen Magdeburg-Cochstedt, welcher durch neue Investitionen in ein 68 ha großes Industrie- und Gewerbegebiet und zwei große Cargo-Hallen Frachtflugverkehr anbieten kann. Ferner liegt der Wirtschaftsstandort Magdeburg im Dreieck der großen Flughäfen Halle-Leipzig, Hannover und Berlin-Brandenburg.
Der ÖPNV ist mit der S-Bahn Mittelelbe, den Regionalbahnen, Straßenbahnlinien, Stadtbuslinien und Fähren aufgestellt. Tariflich zusammengefasst sind diese im Magdeburger Regionalverkehrsverbund (marego).
Geschichte mini|Magdeburger Börse
Mittelalter bis Beginn der Neuzeit Der Erhalt des Marktrechts durch Kaiser Otto I. im Jahre 965 war für Magdeburg und die umliegenden Regionen der Beginn einer florierenden und wachsenden Wirtschaft. Nachdem die Stadt 1188 das Stadtrechtsprivileg erhielt und somit alle an der Stadt vorbeiführenden Waren zunächst dort angeboten werden mussten, wuchs der Wohlstand der Stadt immer weiter. Die Stadt wurde im Mittelalter ein bedeutender Handelsort und war Knotenpunkt wichtiger Fernverbindungen wie der Heerstraße Magdeburg-Brandenburg oder der Lüneburger Heerstraße.
Ende des 13. Jahrhunderts wurde Magdeburg Mitglied der Hanse. Sie schloss sich den sächsischen Städtebünden an und entwickelte sich neben Braunschweig zum Vorort des Sächsischen Städtebundes. Aufgrund des Magdeburger Stapelrechts monopolisierte sich der Getreidehandel an der mittleren Elbe. Magdeburg galt wegen seiner zentralen Stellung im Kornhandel als „Brothaus der Hanse“. Fernbeziehungen hatte Magdeburg bis nach Nordfrankreich, Flandern, England, Polen, Russland, Schweden und Norwegen.
Die Landwirtschaft profitiert wie schon seit Jahrhunderten vom Boden der Magdeburger Börde, einem Boden mit der besten Bodenqualität, welcher Voraussetzung für die Ernährungswirtschaft ist. Aufgrund des fruchtbaren Bodens und klaren Quellwassers der Heide entwickelte sich Magdeburg im Spätmittelalter zu einer Hochburg des Bierbrauens, das schon im 11. Jahrhundert im örtlichen Kloster Unser Lieben Frauen betrieben wurde. Im Jahr 1309 wurde erstmals eine bürgerliche, gewerbliche Brauerei in Magdeburg urkundlich erwähnt; um 1500 existierten in Magdeburg rund 500 Brauhäuser, die ihr Bier bis nach Bayern hin verkauften.Zum Abschnitt vgl. Günther Korbel: Die Napoleonischen Gründungen Magdeburgs. Band 3: Zur Baugeschichte in der Sudenburg. Magdeburg 1995 (Schriftenreihe Landeshauptstadt Magdeburg, Band 18.3), S. 124–128 mit Anmerkungen.
Als 1646 Otto von Guericke Bürgermeister von Magdeburg wurde, begann er aus dem katholischen Frankreich fliehende Protestanten in der Stadt anzusiedeln. Viele waren gut ausgebildet, gründeten eigene Firmen und sorgten so für einen weiteren Wirtschaftsaufschwung.
Nach einem ersten gescheiterten Anlauf im Jahre 1824 wurde 1843 die Wiederbelebung der Magdeburger Börse angetrieben. Neben Getreide, Kartoffeln, Öl, Spiritus und Unternehmenspapieren wurde hauptsächlich Zucker gehandelt, da Magdeburg durch die Gewinnung von Zuckerrüben in der ertragreichen Magdeburger Börde ein bedeutendes Zentrum der europäischen Zuckerindustrie wurde. Die Magdeburger Börse erreichte neben Paris und London sogar den Status einer Weltleitbörse.
Industrialisierung mini|Polte-Werke um 1905
In den 1830er Jahren begann die industrielle Produktion. Die Stadt wird in den Folgejahren zum Wirtschaftszentrum im nördlichen Mitteldeutschland, da sie durch die drei privaten Eisenbahngesellschaften hervorragend per Schiene zu erreichen war, die Dampfschifffahrt auf der Elbe florierte und die Wirtschaft kräftig wuchs. Durch die Wachstumsentwicklung des Hamburger Hafens wuchs der Bedarf an Lager- und Umschlagplätzen auch im Hinterland, woraufhin 1886 der Bau des Handelshafens begann. Nach siebenjähriger Bauzeit wurde 1893 dann der Handelshafen in Betrieb genommen. Für den Umschlag von Zucker und Salz erlangte er in jener Zeit den Ruf als bedeutendster Hafen. Gleichzeitig schafften sich die Unternehmen im Magdeburger Raum immer modernere Maschinen an, sodass 1861 in der Umgebung 814 Dampfmaschinen arbeiteten – nur in Düsseldorf gab es mit 918 Maschinen mehr. Durch die Familie Gruson wurde Buckau zum Maschinenbaustandort. Das Grusonwerk wurde nach dem Krupp-Werk in Essen zum zweitgrößten Waffenproduzenten in Deutschland. Im gleichen Zeitraum siedelten sich weitere bekannte Maschinenbauunternehmer in Magdeburg an. Beispielsweise eröffneten 1828 die „Magdeburger Dampfschiffahrt-Companie“ und die Maschinenfabrik „Alte Bude“. Durch die Erweiterung des Schienennetzes in Magdeburg vergrößerte sich die Wirtschaft zunehmend. 1850 gründete Bernhard Schäffer das Armaturenwerk Schäffer & Budenberg, Rudolf Ernst Wolf eröffnete 1862 eine Maschinenfabrik (1928 Fusion zur Maschinenfabrik Buckau R. Wolf), welche neben der Armaturenfabrik Polte zu den führenden Munitionsfabriken wurde, und 1886 nahm Fahlberg-List die weltweit erste Saccharinfabrikation auf. In der Gründerzeit erfuhr Magdeburg einen weiteren großen wirtschaftlichen Entwicklungsschub und weitere Unternehmen siedelten sich an.
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Magdeburgs Schwerindustrie verdiente sehr gut am Ersten Weltkrieg. Unternehmen fingen an ihre Produkte zu ändern, so produzierte die Bonbonmaschinenfabrik Lichtenberg statt Bonbons auf einmal Geschosshülsen, die Nähmaschinenfabrik Mundlos produziert Bajonette. Aufgrund der vielen Fabriken zogen zahlreiche Menschen aus den Dörfern nach Magdeburg, ganze Siedlungen am Stadtrand wurden durch Architekten wie Bruno Taut und Otto Richter errichtet. Nach Kriegsende gehörte Magdeburg mit über 300.000 Einwohnern zu den 20 größten Städten Deutschlands. Jedoch erfuhr die Magdeburger Wirtschaft eine Krise, da die Rüstungsbetriebe auf zivile Produkte umstellten und viele Mitarbeiter entlassen müssen. Durch den Bau des Mittellandkanals und eines neuen Industriegebiets im Norden sollte Abhilfe geschaffen werden. Außerdem entstand der Kanalhafen, Magdeburgs größter Hafen.