mini|Luftbild mini|Der Bahnhof Bagenz
Bagenz, , ist ein Ortsteil der Gemeinde Neuhausen/Spree im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße. Bis zum 19. September 2004 war Bagenz eine eigenständige Gemeinde.
Lage Bagenz liegt in der Niederlausitz etwa 20 Kilometer südöstlich von Cottbus an der Talsperre Spremberg. Die Gemarkung Bagenz grenzt im Westen, Nordwesten und Norden an die Gemarkung von Bräsinchen und Laubsdorf, im Nordosten an die Gemarkung Kahsel, im Südosten an die zur Stadt Spremberg gehörenden Ortsteile Wadelsdorf und Groß Luja und im Süden, Südwesten und Westen an Sellessen.
Durch Bagenz verlaufen die Landesstraße 47, die den Ort mit Spremberg und Cottbus verbindet sowie die Kreisstraße 7112 nach Drieschnitz-Kahsel. Westlich des Ortskerns verläuft die Bahnstrecke Berlin–Görlitz, an welcher Bagenz einen Haltepunkt hat.
Die Gemarkung umfasst noch einen kleinen Teil der Talsperre Spremberg mit seinen Uferbereichen. Im Nordosten der Gemarkung liegen die Bagenzer Teiche, die vom Tranitz-Fließ gespeist werden. Im Südosten steigt die Gemarkung auf über an; tiefster Punkt der Gemarkung ist die Talsperre mit etwa .
Zu Bagenz gehört der Gemeindeteil Kaminka und die inoffiziellen Wohnplätze Hobrichweg (ehemalige Ziegelei) und Wiesengrund.
Geschichte Bagenz wurde im Jahr 1389 erstmals unter dem Namen Bagancz in einer Urkunde erwähnt. 1498 lautete der Ortsname Bagenitz und entwickelte sich im Laufe der Zeit über Bagenicz (1527) und Bagentz (1578) zu seinem heutigen Namen. Der Name stammt aus dem Sorbischen und bedeutet Ort an einem Sumpf. Die ursprüngliche Dorfstruktur war wohl ein Sackgassendorf in Blöcken.
15. und 16. Jahrhundert Am 24. August 1498 beurkundete Heinrich, Burggraf zu Meißen und königlich-böhmischer Landvogt der Niederlausitz, dass er mit Zustimmung des Königs Ladislaus von Böhmen Schloss und Stadt Spremberg von Hans von Kittlitz gekauft hat. Da er den Kaufpreis nicht vollständig aufbringen konnte, verpfändete er Hans von Kittlitz für die noch schuldigen 1200 rheinischen Gulden vom 29. September 1498 ab, auf die Dauer von vorläufig fünf Jahren, die Dörfer Hornow, Bohsdorf, Bagenz und Sellessen sowie die Bagenzer und Bohsdorfer Heide samt allem Zubehör. Während Sellessen später wieder Bestandteil der Herrschaft Spremberg war, kamen die restlichen drei Dörfer in Adelsbesitz, wobei Bagenz und Hornow bis weit ins 17. Jahrhundert hinein eine gemeinsame Geschichte hatten. Bohsdorf war 1527 im Besitz eines Jacob von Kittlitz. Auch die Bagenzer Heide, auch Golisch oder Gulisch genannt, gehörte 1607 noch den Brüdern Siegmund und Seyfried von Kittlitz.
Am 12. Oktober 1578 erhielten die Brüder und Vettern Heinrich, Hans, Wolf, Otto, Dietrich und Baltzer von Pannwitz zu Kulm, Klein Oßnig, Hornow und Kathlow vom Landvogt der Niederlausitz Jaroslav von Kolowrat einen Gesamtlehenbrief über die Dörfer Hornow, Bagenz, Groß Gaglow, Klein Gaglow, Klein Oßnig, Klein Bademeusel, Graustein und Wadelsdorf. Leider ist daraus nicht ersichtlich, wer nun Besitzer der einzelnen aufgeführten Lehen war.
17. Jahrhundert 1631 war Siegmund von Pannwitz Besitzer der Rittersitze und der Dörfer Bagenz und Hornow. Vermutlich besaß er schon 1618 Bagenz und Hornow, denn er wird schon im Gesamt-Lehenbrief für die von Pannwitz erwähnt. Nach W. von Pannwitz war Siegmund 1608 mündig geworden und heiratete um 1613 Eva von List. Ihm gehörte auch Lieskau, Welsickendorf, Hornow und Wadelsdorf. Er starb 1634 in Peitz an der Pest und wurde am 3. April 1634 in Peitz begraben. Seine Frau war noch vor ihm gestorben. Erbe war der Sohn Adolf von Pannwitz, der um 1622 geboren ist. Für den noch Minderjährigen musste seine Tante, die Schwester des Siegmund, Elisabeth, eine verheiratete von Kracht, die Lehen muten, denn auch der nächste Agnat des Siegmund, Hans Christoph von Pannwitz auf Babow, war 1634 umgekommen; von sächsischen Reitern jämmerlich erschossen worden wie es hieß. Am 22. November 1640 erhielten die Vettern von Pannwitz, darunter auch Adolf, einen Gesamtlehnbrief, darunter auch für Bagenz. Das Gut war durch den Dreißigjährigen Krieg stark herunter gekommen. Und 1645 musste Adolf von Pannwitz Bagenz und Wadelsdorf in die Insolvenz gehen. Er konnte die Güter jedoch wieder aus der Konkursmasse kaufen. Wadelsdorf musste er seinem Schwager Christoph von Waltersdorf überlassen. Auch Lieskau ging ihm verloren, es war spätestens 1674 im Besitz der von Briesen. Adolph von Pannwitz war mit Helene Marianne von Loeben verheiratet. Am 28. Juni 1683 starb er ohne männliche Leibeserben. Die Witwe heiratete in zweiter Ehe Georg Henning von Oertzen. Die Tochter Anna Margarethe heiratete vor 1683 den Bartusch Heinrich von Kracht auf Türkendorf. Nachfolger auf den Mannlehen Bagenz und Hornow wurde sein Vetter Valten Nicol von Pannwitz, ein Sohn des Wolf von Pannwitz, auf Gulben und Klein Gaglow. 1695 verkaufte dieser Bagenz und Hornow an den sächsisch-polnischen Generalmajor der Kavallerie Georg Henning von Oertzen (1653–1715) auf Leppin und Rattey (beide Lehengüter in Mecklenburg-Vorpommern).
18. Jahrhundert Georg Henning von Oertzen war insgesamt viermal verheiratet: in erster Ehe mit Eva Margarethe von Kruse (1653–1679), in 2. Ehe mit Ilsabe Sofie von Segebade († 1681), in 3. Ehe mit Helene Marianne von Loeben, verwitwete von Pannwitz († 1694) und in 4. Ehe mit Christine Gottliebe von Bomsdorf adH. Weißagk († 1757). 1708 hatte Georg Henning auch noch das Gut Laubsdorf im preußischen Cottbusischen Kreis erworben. In diesem Jahr wohnten fünf Bauern, sieben Gärtner und zwei Büdner mit ihren Familien in Bagenz. Georg Henning von Oertzen starb am 17. August 1715. Sein Sohn Hans Felix (1671–1733) aus der ersten Ehe übernahm Laubsdorf und Rattey. Die Witwe Gottliebe von Oertzen geb. von Bomsdorf übernahm zunächst Bagenz und Hornow. 1727/28 hatte sie Streit mit ihren Untertanen Matthes Michael und Konsorten von Bagenz wegen Hofdiensten. Der Sohn Maximilian (1699–1773) erhielt Hornow und August Heinrich übernahm Bagenz. Letzter starb schon 1718 ohne Leibeserben. Bagenz erhielt nun der Sohn Adam Sigismund von Oertzen (1708–1781) für 20.000 Taler. Er kaufte später auch das Gut Klein Düben (im Gubenischen Kreis). Auf Laubsdorf war 1733 der älteste (Stief-)Bruder Hans Felix gestorben; dessen Sohn Victor Wilhelm verkaufte Laubsdorf 1744 an Christian Josef von Tietzen und Hennig auf Roitz. Maximilian und Adam Sigismund von Oertzen, die Onkel des Verkäufers erhielten noch einen Lehenstamm von je 400 Taler beim Verkauf ausbezahlt. Umgekehrt war Victor Wilhelm von Oertzen mitbelehnt an den Gütern Bagenz und Hornow. Er wollte sich die freie Disposition für Bagenz und Hornow gegen eine Zahlung von 5.000 Talern abkaufen lassen. Ob Maximilian und Adam Sigismund von Oertzen darauf eingingen, ist nicht bekannt. 1755 betrug die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffeln: 350 Scheffel Korn, 12 Scheffel Gerste, 86 Scheffel Hafer, 186½ Heidekorn (= Buchweizen) und 1½ Scheffel Lein.
Maximilian von Oertzen war mit Elisabeth Wilhelmine von Schönfeldt adH. Werben verheiratet. Neun Kinder entsprossen dieser Ehe, darunter die Söhne Maximilian (1740–1804) und Carl Ludwig (1746–1802). Bagenz ging nach dem Tod des Vaters 1773 zunächst in den Besitz von Carl Ludwig über. 1792 trat der sächsische Generalmajor Carl Ludwig von Oertzen aus dem Hause Bagenz, Herr auf Klein Düben und Dubraucke zum katholischen Glauben über und wurde von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen als Reichsvikar in den Grafenstand erhoben. Carl Ludwig war mit Caroline Christiane Juliane Freiin Schirndinger von Schirnding verheiratet. Sie war die Tochter des kursächsischen Oberjägermeisters und Inspekteur der kurfürstlichen Flöße Carl Siegmund Freiherr Schirndinger von Schirnding und der Juliane Dorothea von Beulwitz. Vermutlich anlässlich des Todes der Mutter (1796) und der erneuten Erbteilung übernahm nun Maximilian von Oertzen Bagenz, sein Bruder Carl Ludwig übernahm Hornow und Klein Düben. Maximilian von Oertzen besaß außerdem noch Ober- und Niederlichtenau in der Oberlausitz (gekauft 1794). Maximilian von Oertzen war zweimal verheiratet: in erster Ehe mit Marie Sofie Dorothea von Goerne adH. Weßnig († 1777) und in zweiter Ehe mit Johanna Katharina Eleonore von Nostitz-Drzwiecki. Sein jüngster Sohn Maximilian (1773–1847) erhielt Kollm in der Oberlausitz. Er konnte später (1804) Kahren und Koppatz bei Cottbus und Ober Nikolausdorf (heute Mikołowa Górna in der polnischen Oberlausitz) erwerben. mini|Bagenz auf dem Urmesstischblatt Nr. 4352 Sellessen von 1845
19. Jahrhundert Bagenz wurde schon zu Lebzeiten des Vaters Maximilian vom älteren Sohn Sigismund (1771–1804) übernommen. Dieser war mit Friederike von Ploetz verheiratet. Sein einziger Sohn Friedrich Otto Maximilian (1804–1831) kam nach dem frühen Tod des Sigismund zur Welt. Seine Mutter Friederike heiratete in zweiter Ehe August von Mosch (* 24. März 1775 in Kunersdorf). 1810 wohnten 12 Ganzkossäten, 5 Halbkossäten und 5 Häusler oder Büdner jeweils mit ihren Familien in Bagenz. In der Topographisch-statistischen Uebersicht des Regierungsbezirks Frankfurth a. d. O. von 1820 (Zustand: 1818) ist Bagenz als adliges Dorf und Vorwerk beschrieben. Es hatte damals 198 Einwohner in 24 Wohnhäusern. Der einzige Sohn des Sigismund und Erbe von Bagenz Friedrich Otto Maximilian von Oertzen starb 1831 sehr jung und zudem unverheiratet. Seine Mutter erbte daraufhin Bagenz. Aus ihrer Ehe mit August von Mosch waren vier Söhne hervorgegangen. Am 24. Juli 1842 starb August von Mosch in Bagenz. Erbe von Bagenz war der Sohn August Rudolf von Mosch (1807–1864). Er ist in der Topographisch-statistischen Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. von 1844 als Besitzer genannt. Bagenz wird als Dorf mit einer Windmühle, 41 Wohnhäusern und 270 Einwohnern beschrieben. August Rudolf von Mosch verkaufte Bagenz 1849 für 45.000 Taler an Johann August Petrik und seine Ehefrau Christiane Luise geb. Wünsche. Berghaus nennt für 1853 ausdrücklich den Johann August Petrik als Besitzer. Das Gut hatte damals eine Gesamtgröße von 2979 Morgen 12 Quadratruten, davon waren 288 Morgen 98 Quadratruten Acker, 45 Morgen 111 Quadratruten Wiesen und 2081 Morgen 149 Quadratruten Forst. Die Schatzung betrug 440 Gulden.