mini|hochkant=1.6|Einer der letzten Reste der etwa 2,8 km langen Stadtmauer der Stadtbefestigung Hannover nahe der Georgstraße, links Außenseite, rechts Innenseite Die Liste abgegangener Bauwerke in Hannover enthält eine Auswahl bedeutender nicht mehr existierender Bauwerke in Hannover. Viele Gebäude wurden bei den Luftangriffen auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zerstört oder schwer beschädigt. Im Zuge eines großzügigen Wiederaufbaus der Stadt wurden nach 1945 in erheblichen Umfang alte Gebäude bzw. deren Reste abgetragen; darunter auch einige nicht oder nur leicht beschädigte Bauten. Die Bauwerke sind chronologisch nach dem Baujahr bzw. dem Jahr der ersten Erwähnung aufgelistet.

Die Bauwerke 12. bis 15. Jahrhundert Um 1150: Die Stadtmauer als Teil der Stadtbefestigung Hannover, im 12. Jahrhundert aus Wall, Palisade und Graben bestehend. Im 13. Jahrhundert Verbreiterung und Vertiefung des Grabens sowie Ersetzung der Palisade durch eine Mauer aus Kalkbruchsteinen vom Lindener Berg, rund 8 m hoch, etwa 1 m breit. Innen führte zu ebener Erde ein Wächtergang entlang der gesamten Mauer, ein Wehrgang in der Höhe ist nicht nachgewiesen. Die hölzernen Stadttore wurden ab dem 13. Jahrhundert durch steinerne Tore ersetzt, zuerst das Steintor. Insgesamt wurden 34 Mauertürme im Verlauf der etwa 2,8 km langen Mauer gebaut. Heute gibt es vier Stellen mit erhaltenen Resten der Stadtmauer.

Bereits nach Ende des Siebenjährigen Kriegs begann ab 1763 die Niederlegung der Stadtbefestigung, die ab 1780 planmäßig stattfand. Die äußeren Wälle wurden abgetragen, die Gräben zugeschüttet. Auf den Wällen erfolgte die Anlage von Promenaden: 1783 Friedrichstraße (heute Friedrichswall), 1787 Georgstraße und Georgsplatz.

1200: Burg Lauenrode (nach 1200 erbaut, zerstört 1371).Historisch nachempfundene Darstellung von dem hannoverschen Maler Karl Hapke, in: Helmut Zimmermann: Karl Hapke. Der Maler Alt-Hannovers, Sponholtz, Hameln 1990, S. 263. ISBN 3-87766-060-6. 1226 (erste Erwähnung): Klickmühle, städtische Wassermühle auf der Leine, später auch Wasserkunst (Pumpwerk zur Versorgung der städtischen Wasserleitungen), 1897 neu erbaut von Hubert Stier und 1963 abgerissen (siehe unten unter 1897 Flusswasserkunst). An der heutigen Wasserkunst am Friederikenplatz sind übrig geblieben: fünf Flussgötter-Köpfe von Carl Dopmeyer (1890) und drei Wappensteine (1612, 1670, 1864) der Klickmühle neben dem Eingang zum Fußgängertunnel unterm Friederikenplatz.

mini|Loccumer Hof um das Jahr 1900 mini|Aegidientor als dekorative Rundbogentore um 1830

1293 (erste Erwähnung): Loccumer Hof. Alter Wirtschaftshof der Mönche des Zisterzienserklosters Loccum, gelegen zwischen Osterstraße und Georgsplatz. Bestehend aus Wirtschaftsgebäuden, Kapelle, Abtshaus, großem Hof mit Toreinfahrt. Hier stiegen die Loccumer Mönche ab, wenn sie die Stadt besuchten. Unter dem Loccumer Abt Gerhard Wolter Molanus (1633–1722) „war der Hof Sammelplatz der gelehrten Welt; Leibniz ging hier ein und aus, und Molanus pflog hier die Unionsverhandlungen mit Bossuet und Spinola. Über der Tür seiner Bibliothek soll gestanden haben: Fructus sanctus coelibatus.“Nöldeke, Bd. 1, S. 221. Wohngebäude im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, der (erhaltene!) Stadtmauerturm wurde 1952 (nach Verkauf des östlichen Teils des Grundstücks) beim Erweiterungsbau der Landeszentralbank abgebrochen. Auf dem anderen Teil steht ein Parkhaus. Letzter erhaltener Rest: das Stück Stadtmauer am Georgsplatz neben der Landeszentralbank (Fußgängerdurchgang zur Osterstraße).Abbildungen bei Nöldeke, Bd. 1, S. 221–224. 1307 (erste Erwähnung): Aegidientor, südliches Stadttor (gelegen in der heutigen Breiten Straße), steinerner mehrgeschossiger Torturm. 1610 auch äußeres Tor (Zwinger). 1748 und 1780 abgebrochen. 1314 (erste Erwähnung): Steintor, nördliches Stadttor, steinerner Torturm. Seit dem 15. Jahrhundert auch äußeres Tor (Zwinger). Inneres Tor (im Zuge der heutigen Steintorstraße) 1741 abgebrochen, äußeres Tor 1712 (Mitte des Steintorplatzes). 1329 (erste Erwähnung): Brückmühle, städtische Wassermühle auf der Leine, 1859–61 von Ludwig Droste und Heinrich Hagen neu gebaut: Doppelturm-Fassade im Rundbogenstil, 1943 Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg, 1955 Ruine abgerissen, Wappenstein im Giebelfeld des Wangenheim-Palais angebracht, Mühlenarm der Leine danach zugeschüttet, heutige Stelle: Leibnizufer neben dem Staatsarchiv. 1340 (erste Erwähnung): Leintor, westliches Stadttor und Leineübergang zur Insel, steinerner Torturm (gelegen neben dem Leineschloss, heute Schloßstraße), 1798 abgebrochen.. Bis 1436: Minoritenkloster mit Schlosskirche Hannover (Kloster 1288 gegründet, 1436 Kirche erstmals erwähnt, Minderbrüder verlassen 1533 das Kloster), 1636 von Herzog Georg von Calenberg zur Hof- und Schlosskapelle bestimmt (1642 geweiht), unter Johann Friedrich ab 1665 weiter umgebaut (Bau der Gruft), später 1836/39 von Georg Ludwig Friedrich Laves nochmals umgebaut, bei einem Bombenangriff 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstört, beim Wiederaufbau des Leineschlosses als Landtag wurde die Kirche aufgegeben; die Särge der Welfen-Herzöge aus der Gruft wurden ins Welfenmausoleum in Herrenhausen überführt. 1499: Leibnizhaus. Das Original war ein im Jahre 1499 erbautes Renaissance-Bürgerhaus in Hannover, Schmiedestraße Nr. 10, das 1652 von Hinrich Alfers mit einer neuen Fassade im Renaissancestil versehen wurde. In ihm wohnte in den Jahren 1698 bis zu seinem Tode 1716 der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz. Das Leibnizhaus wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 von Bomben zerstört, seine bemerkenswerte Fassade (mit den Bildhauerarbeiten von Peter Köster) 1981–83 am Holzmarkt (nahe dem Historischen Museum) wieder errichtet und rekonstruiert.

16. bis 17. Jahrhundert mini|Die Alte Kanzlei gegenüber der Aegidienkirche mini|Neues Clevertor um 1840 mini|Restaurierte Reste der Neuen Clevertorwache vor der Agentur für Arbeit an der Brühlstraße mini|Schloss zu Herrenhausen um 1900

1550: Alte Kanzlei (Grotesches Haus), Ecke Osterstraße/Breite Straße, großes Renaissancehaus mit Backsteingiebel. 1742–60 war hier die herzogliche Justizkanzlei untergebracht, die sich vorher im 1741 abgebrannten Flügel des Leineschlosses befand. 1943 im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, heute hier seit 1977 Neubau der Landestreuhandstelle. Um 1550/60: Fachwerkhaus Marktstraße 7/8 (am 26. Juli 1943 bei Bombenangriff zerstört). Heute an dieser Stelle Stadtsparkasse. Ausführlich beschrieben von dem Historiker und Archivar Georg Schnath in seinen Memoiren Das alte Haus.Schnath, Georg: Das alte Haus. Erinnerungen an eine hannoversche Jugendzeit 1898–1916, Hahn, Hannover 1998 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens. 118). ISBN 3-7752-5828-0. 1617–24: Haus der Väter, Renaissance-Bürgerhaus in der Leinstraße, Ecke Mühlenstraße. Für Ludolf von Anderten und seinen Schwiegersohn Georg Türcke nach Plänen von Joachim Pape erbaut. 1852 wegen Erweiterung des Leineschlosses abgebrochen und in veränderter Gestalt für den Maler Carl Oesterley senior in der Straße Lange Laube wieder aufgebaut. Schon vorher hatte sich der Name „Haus der Väter“ eingebürgert, weil 1839 unter dieser Überschrift der Schriftsteller Wilhelm Blumenhagen eine Beschreibung des Hauses veröffentlicht hatte. Durch Luftangriff 1943 zerstört, einige Bauteile wurden 1957 beim Bau des Hauses Nikolai (Leinstr. 33) wiederverwendet. Nach 1646: „Mutter Piesewitt“ (auch: „Mutter Pisewitt“), Gastwirtschaft in der Josephstraße (heute: Otto-Brenner-Straße). Ursprünglich das Totengräberhaus des Neustädter Friedhofs, Gastwirtschaft und Restaurant seit 1880 von Karoline Dehnhardt geführt (ihr Mann Louis hatte es 1870 dort als Dehnhardts Garten eröffnet). Dehnhardts Witwe hieß im Volksmund „Mutter Piesewitt“, sie thronte Zigarre rauchend und mit einem Schlüsselbund hinter der Theke. Die Gaststätte war besonders bei Studenten der nahen Technischen Hochschule beliebt. Spezialitäten: Kartoffelpuffer, Zweipfennigbrot mit Leberwurst und Harzkäse. Nach ihrem Tode 1897 hieß die Wirtschaft weiterhin so. 1961 abgebrochen, Neubau 1962, danach China-Restaurant "Asia"Helmut Zimmermann: Ein Zug durchs Leinetal. Essen Pomp & Sobkowiak 1987, S. 72–73.. 1649: Altes Clevertor, am Nordrand der Langen Straße (heute Kreuzung Brühlstraße/Goethestraße) erbaut, 1780 abgebrochen. Benannt nach dem über hundertjährigen Anwohner Heinrich Kleve. Neues Clevertor 1781–1859 auf der anderen Seite der Leine (heute: Agentur für Arbeit). Das Giebeldreieck der zugehörigen Clevertorwache von 1790 (1885 abgebrochen) steht heute vor dem Westeingang der Agentur für Arbeit 1665–1821: Schloss Herrenhausen. Vorwerk Haringehusen von Herzog Johann Friedrich zur Sommerresidenz erhoben, erster Umbau 1665–75 durch Stats Jürgen Stoers nach Plänen von Lorenzo Bedogni, Ausbau 1676 durch Hieronymo Sartorio, erweitert 1704–08 unter Giacomo Quirini und schließlich letzter Umbau 1820/21 durch Georg Ludwig Friedrich Laves. Am 18. Oktober 1943 nach Bombenangriff ausgebrannt; Ruine später abgebrochen. 2011–13 von der VolkswagenStiftung als Tagungszentrum neu gebaut mit Rekonstruktion der Fassade. 1687: Großes Schlosstheater als Erweiterung des Leineschlosses unter Herzog Ernst August von Hieronimus und Wachter, mit 1.300 Plätzen, eröffnet am 30. Januar 1689 mit der Oper Enrico Leone von Agostino Steffani. 1854 nach dem Bau von Georg Ludwig Friedrich Laves neuem Opernhaus Hannover abgebrochen. Am ehemaligen Standort des Großen Schlosstheaters befindet sich heute der Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags. 1698–1702: Von-Alten-Schloss in Linden im heutigen Von-Alten-Garten. Durch den Minister des Kurfürsten Ernst August, Graf Franz-Ernst von Platen-Hallermund, erbaut für dessen Frau Elisabeth, eine Mätresse Ernst Augusts. 1945 durch Bomben zerstört, nicht wieder aufgebaut. Reste im Von-Alten-Garten erhalten (Terrasse, Steinfiguren), heute Ambiente für sommerliche Jazzkonzerte.

18. Jahrhundert 1705–07: „Prinzenhaus“ (wohl von Brand Westermann) auf der Bastion der Stadtbefestigung zwischen Stein- und Clevertor (heute: Goethestraße), erbaut von Kurfürst Georg Ludwig für seine Favoritin Maria Catharina von Weyhe (deswegen auch „Weyhenlöbe“ [„Löbe“ = Laube] genannt). Später Wohnsitz des Prinzen (nachher Herzogs) Karl von Mecklenburg-Strelitz: hier verlebten dessen Töchter, die späteren Königinnen Luise und Friederike, Ende des 18. Jahrhunderts ihre Sommerferien. 1861 in den Welfengarten umgesetzt, dort 1943 im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. 1706–19: Ständehaus von Louis Remy de la Fosse in der Osterstraße, prächtige Dreiflügelanlage vom Typ eines französischen Hotels entre cour et jardin, 1881 für den Straßendurchbruch der Karmarschstraße abgebrochen. Übriggeblieben im Eingang Ständehausstraße (Parfümerie „Liebe“) zur U-Bahn-Station Kröpcke: ein in die Wand eingelassenes Kapitell des Ständehauses. 1707–09: Lusthaus Fantaisie der Gräfin Kielmannsegg-Platen (im heutigen Georgengarten) von Louis Remy de la Fosse. Im 19. Jahrhundert verschwunden, nur Sphingen an der Gartenseite des Wilhelm-Busch-Museums erhalten.Natur ist Kultur. Landschaften und Gärten. Begleitbuch zur Ausstellung im Museum Schloss Herrenhausen, 2. April 2023 bis 14. Januar 2014. Hrsg. von Lutz Hieber und Andreas Urban. Hannover 2023, S. 114-115: Abbildungen von Haus und Garten um 1825 bzw. 1852. 1712–1714: Neuer Marstall und Reithaus der Hofmarställe am Hohen Ufer am Hohen Ufer durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. 1712: „Neues Haus“ am gleichnamigen Platz. Ehemals Quarantänestation für an Pest Erkrankte, später Apotheke und ab 1837 zur Unterhaltung dienend. Dabei zunächst Theater, dann Vorläufer eines Zoos, dann Ausflugslokal, im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1973 endgültig aufgegeben.Detlef H.O. Kopmann: , in: Hannover-Oststadt-Journal, Dezember 2006.spilcke-liss.de: Geschichte und Foto des „Neuen Hauses“.

mini|Schloss Montbrillant 1846