Ettuttogai (Tamil: Eṭṭuttokai [] „acht Anthologien“) ist die Bezeichnung für eine Sammlung von acht Werken der alttamilischen Sangam-Literatur. Das Ettuttogai umfasst acht Anthologien von meist kürzeren Gedichten. Gemeinsam mit den zehn längeren Einzelgedichten des Pattuppattu („zehn Gesänge“) bildet es das Korpus der Sangam-Literatur.

Die Werke des Ettuttogai Nachfolgend sind die acht Anthologien in der traditionellen Reihenfolge aufgezählt:

Name der Anthologie Zahl der Gedichte (davon erhalten) Zeilenzahl Natrinai Naṟṟiṇai „Die schönen tinais (Liebessituationen)“ 400 9–12 Kurundogai Kuṟuntokai „Sammlung von kurzen [Gedichten]“ 401 4–8 Aingurunuru Aiṅkuṟunūṟu „Fünf kurze Hundert“ 500 (498) 3–6 Paditruppattu Patiṟṟuppattu „Zehn[mal] zehn [Gedichte]“ 100 (80) 5–57 Paripadal Paripāṭal „[Sammlung im] Paripadal-Versmaß“ 70 (22) 32–140 Kalittogai Kalittokai „Sammlung im Kali-Versmaß“ 150 11–80 Agananuru Akanāṉūṟu „Vierhundert [Gedichte] über agam (Liebe)“ 400 13–31 Purananuru Puṟanāṉūṟu „Vierhundert [Gedichte] über puram (Heldentum)“ 400 (398) 4–40

Die acht Anthologien des Ettuttogai wurden nach formalen (Länge, Versmaß) und inhaltlichen Kriterien (Liebes- oder Heldendichtung) zusammengefasst. Das Purananuru und Paditruppattu gehören zum Genre der Heldendichtung (puram), das Aingurunuru, Kurundogai, Natrinai, Agananuru und Kalittogai zum Genre der Liebesdichtung (agam). Das Paripadal gehört zu keinem der beiden Genres, sondern enthält religiöse Dichtung. Das Kurundogai, das Natrinai und das Agananuru bilden eine Gruppe von Liebes-Anthologien mit jeweils 400 Gedichten. Im Kurundogai sind dabei kurze Gedichte gesammelt, während das Natrinai mittellange und das Agananuru lange Gedichte enthält. Das Pendant im Genre der Heldendichtung stellt das Purananuru mit ebenfalls 400 Gedichten dar. Die Liebes-Anthologie Aingurunuru und die Helden-Anthologie Paditruppattu zeichnen sich durch eine Anordnung in Dekaden (Gruppen von zehn Gedichten) aus. Die beiden verbliebenen Anthologien Kalittogai und Paripadal weisen deutliche Unterschiede in Sprache und Stil auf.

Textgeschichte und Anthologisierung Die Datierung der Sangam-Literatur ist unsicher, die Gedichte der acht Anthologien stammen aber wahrscheinlich aus dem 1. bis 6. Jahrhundert n. Chr.Eva Wilden: Manuscript, Print and Memory. Relics of the Caṅkam in Tamilnadu, Berlin, München, Boston: De Gruyter, 2014, S. 8. Nachdem sie anfangs mündlich überliefert worden waren, wurden die Gedichte vermutlich gegen Mitte des 1. Jahrtausends verschriftlicht und anschließend zu Anthologien zusammengefasst.Wilden 2014, S. 413–414. Die Anthologien Natrinai, Kurundogai, Aingurunuru, Agananuru und Purananuru besitzen einen Einleitungsvers des Autos Paradam Padiya Perundevanar, der wahrscheinlich auf das 7. Jahrhundert anzusetzen ist. Wahrscheinlich wurde zu diesem Zeitpunkt eine erste Über-Anthologie zusammengestellt.Wilden 2014, S. 413–414. Wann genau die Einteilung in die „acht Anthologien“, wie wir sie heute kennen, vorgenommen wurde, ist aber nicht bekannt. Im 12. Jahrhundert erwähnt der Autor Perasiriyar in seinem Kommentar zum Tolkappiyam die „Gesänge und Anthologien“ (pattum togaiyum). Der Begriff der „acht Anthologien“ taucht in der umgekehrten Form Togaiyettu erstmals im 14. Jahrhundert bei Nachinarkkiniyar auf.Wilden 2014, S. 14–16. Die Identität der Werke, die zu den acht Anthologien gehören, sowie ihre traditionelle Reihenfolge sind in einem anonymen Vers überliefert, der aus der Manuskripttradition bekannt ist. Er ist im Venba-Versmaß verfasst und vermutlich relativ jungen Datums. Dieses überlieferte Wissen bildet die Grundlage der Literaturgeschichtsschreibung über das Ettuttogai. Der besagte Vers lautet wie folgt:Wilden 2014, S. 179–180.

Einzelnachweise

Literatur John R. Marr: The Eight Anthologies. Madras: Institute of Asian Studies, 1985. Eva Wilden: Manuscript, Print and Memory. Relics of the Caṅkam in Tamilnadu. Berlin, München, Boston: De Gruyter, 2014. Kamil Zvelebil: Tamil Literature. Leiden, Köln: E. J. Brill, 1975.

Kategorie:Sangam-Literatur Kategorie:Lyrik-Anthologie