mini|Hafen und Neuhaus von Norden betrachtet

Neuhaus (Oste) () ist ein an der Ostemündung gelegener Flecken in der Samtgemeinde Land Hadeln im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Geografie Lage Neuhaus liegt an der Oste nahe der Niederelbe im Landkreis Cuxhaven und gehört zur Samtgemeinde Land Hadeln. Neuhaus liegt süd-/östlich von Cuxhaven und nördlich von Stade und Hamburg. Nachbarorte sind im Osten und im Süden Cadenberge, im Süd/Westen Bülkau und im Westen Belum.

Gewässer mini|Kanal zwischen Amtshof und Poststraße mini|Aue zusammen mit dem Neuhaus-Bülkauer-Kanal in Neuhaus mini|Aue kurz vor dem Schöpfwerk

Ostesee Der Ostesee ist ein Altarm der Oste, er liegt etwa 3 km von Neuhaus entfernt und entstand, als das Ostesperrwerk 1967 gebaut und die Oste umgeleitet wurde. Er ist ein Angler-, Surf- und Badeparadies mit einer Wasserskianlage und einem Ferienpark. Der nördliche Teil des Sees, etwa 5 von 29 Hektar, ist Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden.

Flüsse und Kanäle Die Oste ist der größte Nebenfluss der Unterelbe. Der Neuhaus-Bülkauer Kanal, auch Oppler Kanal genannt, ist 12 km lang und fließt vom Balksee bis nach Neuhaus (Oste) und von dort in die Oste. Er dient zur Entwässerung der Moore und des Balksees. Zu verdanken haben ihn die Bewohner der niedrig gelegenen Ortsteile von Bülkau, Oppeln und der Wingst dem Oppler Pastor Copper, der sich energisch für den Bau einsetzte. Der Kanal wurde von 1852 bis 1854 gegen den Widerstand der höher gelegenen Ortsteile Bülkaus gebaut, es ging wie immer um die Finanzierung. Bald verhinderten Schleusen in Neuhaus den Rückfluss von Salzwasser aus der Elbe. Diese Aufgabe hat bei Hochwasser heute das Ostesperrwerk übernommen. Die Aue, ein ehemaliger Priel und bis zum Bau des Neuhaus-Bülkauer Kanals im 19. Jahrhundert, ist die einzige Entwässerung des Hinterlandes im Raum Neuhaus (Oste), Bülkau bis zum Balksee mit einem Einzugsgebiet von etwa 5000 Hektar. Sie fließt auf einer Länge von etwa 20 Kilometern in vielen Mäandern durch Oppeln, Bülkau, Kedingbruch nach Neuhaus (Oste) und von dort in die Oste.

Geschichte mini|Fast lückenlos bebauter Ortskern des ehemaligen Amtssitzes mit dem Hafen oben rechts mini|Neuhaus (Oste) mit Ostesperrwerk und Ferienpark mini|Neuhäuser Deich mit Ferienpark und Wasserskianlage auf dem Ostesee 300px|mini|Kleiner Hafen und neues Hafengebäude mini|Ehemaliges Amtsgericht in Neuhaus (Oste) mini|Altes Kontorhaus mit Kornspeicher am Schleusenplatz mini|Der geschlossen bebaute Deich im Bereich der Deichstraße war ursprünglich eine Wurt, die später in die Deichlinie integriert wurde

Erste Besiedlungen Die Besiedelung fand um 1000 nach Christus auf den Wurten rund um die Aue, Oste und Elbe statt, der heutige Deich und die Deichstraße in Neuhaus gehörten auch dazu, da sie aus ehemaligen Wurten besteht. Schon 1100 wurde Bülsdorf damals „Bulcenthorp“ genannt, ein westlich gelegener heutiger Ortsteil von Neuhaus schriftlich erwähnt.

Die erste in dieser Gegend durch die Bremer Erzbischöfe gebaute Burg, die Schlickburg, („Slikborch“) wurde an der Einmündung der Aue in die Oste gebaut. Sie war der Sitz des erzbischöflichen Vogt und Grenzburge gegen das von den Herzögen von Sachsen-Lauenburg beherrschte Land Hadeln. Diese Burg ist von 1371 bis 1389 urkundlich nachweisbar, da Erzbischof Albert, ein unfähiger Regent, immer in Geldnot war und sie an die Städte Bremen, Stade und Buxtehude verpfändete, bevor sie von den Kehdingern und Hadlern zerstört wurde, um die Vorherrschaft der Bremer Erzbischöfe zu verhindern. Es wird vermutet, dass sie an der Stelle des am Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Ritterguts Neuhaus lag, da dort am Anfang des 18. Jahrhunderts wiederholt Reste von starken Grundmauern freigelegt wurden.

1400 bis 1800 1404 errichtete der Nachfolger Erzbischof Otto II. am rechten Aueufer eine neue Burg mit dem Namen dat Nygehus (das neue Haus); damit wurde Neuhaus erstmals urkundlich erwähnt. Auch diese Burg wurde von den Nachbarn 1420 zerstört. Auch wenn dat Nyehus die Bezeichnung Burg trug, werden es, wie im Elbe-Wesergebiet üblich, etwas größere Fachwerkgebäude aus Holz und Ziegel mit einem Palisadenzaun und einem Wassergraben gewesen sein. Die umliegenden Marschbewohner schlossen sich 1423 zu einem förmlichen Bündnis zusammen. Dieses Bündnis umschloss das ganze Land Kehdingen mit den Kirchspielen Bülkau, Oppeln, Belum und Bülsdorf, das nur dieses eine Mal als Kirchspiel bezeichnet wurde. Ob es eine Kirche im Kirchspiel Bülsdorf gegeben hat, ist nicht nachzuweisen, aber schwer vorstellbar. Es könnte angenommen werden, dass sie im 15. Jahrhundert zerstört wurde, da um diese Zeit die Kirchgemeinde nach Kehdingbruch eingepfarrt wurde.

Erzbischof Balduin II., baute 1435 ein Gebäude mit der Bezeichnung „Schloss“, obwohl sein Vorgänger den aufgebrachten Marschbewohnern gelobt hatte, nie wieder ein Bollwerk als Bedrohung der Kehdinger zu errichten. Es wurde an der Aue nun mitten im Dorf gebaut und ob es eher ein Schloss oder eine Burg war, ist umstritten. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde es öfter von den Hadlern, Wurstner und Kehdingern zerstört und im 18. Jahrhundert nicht wieder aufgebaut. Heute ist der ehemalige Burghügel umgeben vom Schlosspark mit einem großen Kriegerdenkmal noch gut zu erkennen.

Verschiedene Kampfhandlungen sind überliefert, die wichtigste war der Kampf um das sogenannte Land Bülkau, in dem die Kirchspiele Bülkau, Oppeln, Kehdingbruch und Belum ihre Freiheit gegenüber dem Bremer Erzbischof Christoph von Braunschweig und die Angliederung an das Hadelner Land verwirklichen wollten. Der Hadler Landesherr Herzog Magnus von Sachsen Lauenburg unterstützte diese Bemühungen. Trotz dessen Hilfe gelang es dem Erzbischof, das Land Bülkau zu unterwerfen. 1516 wurden Verträge über die Abgaben der rebellischen Kirchspiele zwischen dem Erzbischof und dem von Sachsen Lauenburg geschlossen, der allerdings keine Strafe, sondern nur eine Wiederherstellung alter Verträge war. Allerdings hielt sich der Herzog nicht an den Vertrag und plünderte das Erzstift und die Burg Neuhaus. Zwar wurde die Burg schnell wieder aufgebaut, da dem Erzbischof allerdings stets Geld fehlte, verpfändete er einzelne Teile des Erzstifts. Um 1540 wurde auch das Schloss Neuhaus und alle dazugehörigen Einkünfte an Johann von Münchhausen für 4000 Goldgulden verpfändet. Durch eine Sondersteuer wurde es 1544 zwar ausgelöst, allerdings schon am 9. Juni 1547 von dem protestantischen Heerführer Graf Albrecht von Mansfeld im Schmalkaldischen Krieg ohne Kampf besetzt. Fast ein Jahr später konnten die Truppen des Bremer Erzbischofs das Schloss wieder leicht zurückerobern.

Das Schloss wurde zum wichtigsten Außenposten der Bremer Bischöfe. Um ihre Macht zu stärken, wurde es zum Verwaltungssitz des Amtes Neuhaus mit seinen Beamten, erst Vogt, später Amtmann oder Drost genannt, und überdauerte alle Widerstände des Mittelalters. Die Grenzen des Gebietes waren im Norden die Nordsee, im Osten das Land Kehdingen und das Kirchspiel Osten, im Süden die Börde Lamstedt und im Westen das Land Hadeln. Es umfasste die Kirchspiele Belum, Bülkau, Cadenberge, Geversdorf, Kehdingbruch, Oberndorf und Oppeln.

Nach den Kriegen, die Neuhaus wegen der Belumer Schanze, einem strategisch wichtigen und somit umkämpften Platz ganz in der Nähe der Ostemündung, hautnah mitbekommen hatte, begann Ende des 17. Jahrhunderts eine ruhigere Zeit.

Straßen 1847 wurde die Poststraße von Stade nach Ritzebüttel (heute Cuxhaven) fertiggestellt, ein Vorläufer der heutigen Bundesstraße 73. Vor dieser Zeit war die Postkutsche zwei bis drei Mal pro Woche unterwegs gewesen, nun fuhr sie täglich. Um 1850 gab es nur die Verbindung nach Cadenberge und Otterndorf. Die Marschenstraßen waren aufwendig zu bauen und zu pflegen. Um 1860 kam die Straße über Geversdorf nach Freiburg/Elbe dazu und um 1871 die gut ausgebaute Straße nach Bülkau über Intzenbüttel und Kehdingbruch.

Bahn 1872 gab es einen Briefverkehr zwischen dem Amt Neuhaus und der Cuxhavener Eisenbahn-, Dampfschiff und Hafen AG, die die Strecke bauen wollte, bei Beteiligung der Neuhäuser an den Kosten von 100.000 Talern der 1900 Meter längeren Strecke und Bau des Bahnhofs. Es wurde dann jedoch die kürzeste Strecke zwischen Cadenberge und Otterndorf gebaut, 2,5 Kilometer weit von Neuhaus entfernt. Die Strecke wurde am 11. November 1881 für den Betrieb freigegeben.

Seit 1853 brachte in den Sommermonaten drei Mal pro Woche ein Dampfschiff Reisende aus Hamburg nach Neuhaus, die per Kutsche weiter ins Hadler Land fuhren.

Im 18. Jahrhundert wurde Neuhaus ein Verwaltungsmittelpunkt. Seit 1740 gab es eine Poststation. Der Neuhäuser Hafen wurde zur wichtigsten Handelsdrehscheibe der Region. Er wurde Ausgangspunkt von Reisen, die damals zu Wasser weniger beschwerlich waren als zu Land.

Im Meyers Conversations Lexikon von 1853 steht: „Hannoversches Amt, Landdrostei Stade, Herzogtum Bremen, an der Elbmündung, 12.500 Einwohner; Amtsort daselbst, Marktflecken an der Oste, der Ort ist schön gebaut und hat ein Zollamt, eine Steuerreceptur, einen Hafen mit 2 Schleusen, die Einwohner treiben Handel, Schiffbau, Schifffahrt, Fischerei, Landwirtschaft, Rot- und Weißgerberei, Leinen- und Wollweberei, überhaupt städtische Gewerbe 1520 Einwohner“.Meyers-Conversations-Lexikon, 1853

Neuhaus behielt seine Rolle als Verwaltungszentrum bis 1932 zuletzt als Kreisstadt des Kreises Neuhaus an der Oste und bis 1973 noch als Sitz des Amtsgerichts.

Die Eindeichung Die Entstehung großer Siedlungen wurde erst durch die Eindeichung der Oste 1478 möglich, wobei die vorhandene Wurt genutzt wurde, sowie durch den Bau von zwei Schleusen in der Aue. Nun siedelten hier nicht nur Bauern, Meiern und Kötnern, sondern schnell auch Schiffer und Fischer, Kaufleute und Handwerker, und eine städtische Gesellschaft entstand im Flecken Neuhaus. Weil die Oste damals der schnellste Weg nach Bremervörde, der Residenz des Erzbischofs, war, wurde Neuhaus 1502 als Zollstation ausgebaut. mini|Das alte Zollhaus am Ostesee (dem Altarm der Oste) Ende des 16. Jahrhunderts trug der Ortsvorsteher den Namen Bürgermeister. Von 1645 bis 1681 gehörte die Herrlichkeit Neuhaus als Lehen der schwedischen Krone unter der Familie von Königsmarck.

Sturmfluten 1717 und 1825 Die schwerste Sturmflut an der Nordseeküste traf auch Neuhaus. Während der Weihnachtsflut von 1717 brach der Ostedeich an vielen Stellen. Die daraus folgende Überschwemmung traf das Gebiet um die Mühle und Finkenhörne und zerstörte 11 Wohngebäude mit 5 Nebengebäuden, 24 Personen ertranken. Ihre Leichen wurden zum Teil erst Monate später gefunden. Noch am 30. Dezember stand das Wasser in der Kirche. Im Amt Neuhaus kamen 557 Pferde, 2254 Stück Hornvieh, 929 Schweine sowie 1413 Schafe zu Tode. Es brauchte ein Jahrzehnt, um die Lage in den fruchtbaren Marschen wieder zu normalisieren.

Bei der schweren Sturmflut vom 3./4. Februar 1825 wurden nur ein Speicher zerstört und einige Häuser beschädigt. Die Neuhauser halfen den Bewohnern der benachbarten Kirchspiele. Es wurde ein Hilfsverein gegründet, besonders zeichneten sich dabei die Kaufleute Wolf und Ulex aus. Sie halfen dabei mit 533 Reichstalern, 3 2/3 gute Groschen sowie mit Kleidungsstücken und Lebensmittel.

Cholera im 19. Jahrhundert