Carl Walther Meyer (* 1. Februar 1898 in Dresden; † 12. März 1985 in Waldkirch) war ein deutscher Schauspieler und Filmeditor.
Leben und Wirken Meyer, ein Sohn des Urologen Curt Richard Meyer und seiner Frau Margarethe, geb. Hänisch,Stadtarchiv Dresden, Geburtsregister Standesamt Dresden I, Nr. 350/1898 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). brach sein Medizinstudium an der Universität Göttingen nach einem Jahr ab und nahm stattdessen Schauspielunterricht bei Erich Ponto. 1922 debütierte er am Gothaer Stadttheater. Danach ging er nach München an das Staatstheater. Zu seinen Hauptrollen gehörten der August Keil in Rose Bernd und Titus in Alles um Geld von Herbert Eulenberg.Wilhelm Kosch: Meyer, Carl Walter. In: Deutsches Theaterlexikon. Band 2, Klagenfurt 1960.
Später wirkte Meyer überwiegend als Schauspieler in Stummfilmen. Seine erste Rolle bekam er in dem dänischen Stummfilm Praesidenten (Der Präsident), den Carl Theodor Dreyer 1919 inszenierte. Häufig spielte er militärische Chargenrollen. 1926 heiratete er die Fotografin Hilde Kupfer. Im Jahr darauf übernahm er die Titelrolle in Richthofen, der rote Ritter der Luft. Zu Beginn der Tonfilmzeit trat er in einer frühen Edgar-Wallace-Verfilmung, Karel Lamačs Der Hexer von 1932, an der Seite von Maria Matray und Fritz Rasp in Erscheinung;Kritik im Film-Kurier, Nr. 172, 23. Juli 1932; wo er namentlich genannt wird: „Dieses Zwischenspiel zwischen den Fugen und Scharnieren eines vom Guten und Bösen gleicherweise getriebenen Gewissens gelingt dem viel zu wenig beschäftigten Karl Walter Meyer überzeugend.“ danach spielte er nur noch in Nebenrollen.
Gegen Ende seiner Schauspielkarriere war Meyer bereits parallel als Schnittmeister tätig und verlegte sich nach 1936 vollständig auf dieses Metier. Ab den späten 1930er-Jahren war er Leiter der Synchronisierungsabteilung bei der Ufa-Tonwoche und ab 1940 bei deren Nachfolgeformat Die Deutsche Wochenschau, wo er maßgeblich für die musikalische Ausgestaltung der wöchentlichen Kriegsberichte Verantwortung trug. Im Sommer 1944 wurde er zum Militärdienst einberufen und kam später in sowjetische Kriegsgefangenschaft im ehemaligen KZ und nunmehrigen Internierungslager Auschwitz. Zwischen 1945 und 1949 wurde er der Entnazifizierung unterzogen,Entnazifizierungsakten von Carl Walther Meyer im Bestand des Landesarchivs Berlin. sodass ihm die Ausübung seines Berufes während dieser Zeit untersagt war.
1949 war er nochmals als Schauspieler am Kleist-Theater Frankfurt (Oder) engagiert,Deutsches Bühnen-Jahrbuch, Band 58 (1950), S. 144. wechselte aber 1950 wiederum als Schnittmeister zur soeben etablierten Neuen Deutschen Wochenschau. Dort war er für die Musikunterlegung aller Wochenschauen zuständig und baute ein umfangreiches Ton- und Musikarchiv auf. Nach seiner Pensionierung 1967 zog er mit seiner Frau nach Krumpendorf am Wörthersee und 1980 schließlich nach Waldkirch im Schwarzwald. Im dortigen Bruder-Klaus-Krankenhaus starb Carl Walther Meyer 1985 im Alter von 87 Jahren.Stadtarchiv Waldkirch, Sterbebuch Standesamt Waldkirch, Nr. 40/1985.
Er war der Großonkel des Produzenten Rik Walters.
Filmografie Stummfilme 1919: Der Präsident 1924: Die Königsgrenadiere 1925: Frauen, die nicht lieben dürfen 1925: Das Abenteuer einer Brautnacht 1926: Der siebente Junge 1926: Das deutsche Mutterherz 1926: Die kleine Inge und ihre drei Väter 1927: Deutsche Frauen – Deutsche Treue 1927: KlettermaxeJll. Film Kurier No. 591 abgeb. bei franklava.de franklava.de. 1927: Der Kavalier vom Wedding 1927: Valencia, du Schönste aller Rosen 1927: Feme 1927: Das Spielzeug einer schönen Frau 1927: Was Kinder ihren Eltern verschweigen 1927: Der König der Mittelstürmervgl. Schwab S. 581. 1927: Richthofen, der rote Ritter der Luftvgl. Bülow 2008: “Richthofen war noch keine zehn Jahre tot, als im November 1927 der Dresdner Schauspieler Carl Walther Meyer in "Richthofen, der rote Ritter der Luft" abhob. Der Film war eine verwickelte Liebes- und Spionagestory, in der der Titelheld nur eine Nebenrolle spielte. […] "Richthofen" lief damals in der Berliner Vorstadt und in der Provinz. Heute ist er verschollen; einige Ausschnitte verwahrt die Bibliothek der University of Texas in Dallas.”; zu dem Film erschien der Jllustrierte Film-Kurier No. 747. 1927: Am Rüdesheimer Schloß steht eine Linde 1928: Eva in Seide 1928: Der alte Fritz, 2. Teil: Ausklang 1928: Leontines Ehemänner 1928: Saxophon-Susi 1928: Wir halten fest und treu zusammenmit Siegfried Arno und Kurt Gerron als Komikerduo Beef & Steak, Premiere Mai 1929, vgl. Gandert 1929, S. 721–723. 1929: Drei Tage auf Leben und TodEinen „Propagandafilm für Kriegervereine“ nannte den Streifen Kritikerin e.b. [d. i. Erna Büsing] in Der Abend No. 2 vom 2. Januar 1930 ; von Georg Herzberg im Film-Kurier Nr. 3 vom selben Tag wird Meyer namentlich erwähnt: “Sichere, sachliche Spieler wie […] der bärbeißige Kampers, wie Angelo Ferrari, C. W. Meyer und Arthur Duarte u. a. bilden ein gutes Ensemble.”, vgl. Gandert 1929, S. 126–127. 1929: Flucht in die FremdenlegionGandert 1929, S. 174, Wottrich S. 126. 1929: Es war einmal ein treuer Husar 1929: Der Ruf des Nordens 1929: Das Panzerauto (Pancérové auto) 1930: Die Kaviarprinzessin
Tonfilme 1930: Besuch um Mitternacht. Das Nachtgespenst von Berlin (Kurzfilm) 1930: Mach’ mir die Welt zum Paradies 1931: Kadetten 1931: Schön ist die Manöverzeit 1931: Die Mutter der Kompagnie 1931: Stürmisch die Nacht 1931: Der Tanzhusar 1931: Liebeslied 1932: Streichquartett (Kurzfilm)Vorlage war der viel gespielte Bühnensketch von Szöke Szakall nach einer Idee von Karl Farkas. 1932: Paprika 1932: Der Knalleffekt (Kurzfilm) 1932: Eine von uns 1932: Der Hexervgl. Gandert 1929, S. 553; “Seit 1931 entstanden drei erste deutsche Verfilmungen mit Ton, 1931 zunächst „Der Zinker“ unter der Doppelregie von Carl Lamač und Martin „Mac“ Frič, 1932 dann die Adaption „Der Hexer“, ebenfalls von Lamač und Frič, und 1934 "Der Doppelgänger" unter der Regie von E. W. Emo, geborener Emerich Josef Wojtek.”, vgl. Simon Ofenloch bei arte.tv 1933: Das verliebte Hotel 1933: Fräulein Hoffmanns Erzählungenvgl. Bernhard-Rebbelmund, S. 80. 1934: Polarstürme (Tonfassung von Der Ruf des Nordens) 1934: Die Czardasfürstin 1934: Zwei Genies (Kurzfilm) 1934: Ferien vom Ich 1934: Schwarzer Jäger Johanna 1934: Heinz im Mond 1934: Musik im Blut 1935: Regine 1935: Winternachtstraum 1935: Petersburger Nächte. Walzer an der Newa 1936: Der Favorit der Kaiserin 1936: Der schüchterne Casanova 1936: Paul und Paulinedie Mitwirkung von Meyer ist nur bei IMDb und im Jll. Film-Kurier Nr. 2463 bestätigt, vgl. Ludwig Manfred Lommel-Filmseitelmlommel.de, und wird bei filmportal.de filmportal.de nicht erwähnt; Abb. Jll. Film-Kurier Nr. 2463 bei lmlommel.delmlommel.de.
Literatur Julia Bernhard, Sylvia Rebbelmund, Akademie der Künste (Berlin, Germany). Stiftung Archiv (Hrsg.): O.E. Hasse. Archiv-Blätter, Stiftung Archiv der Akademie der Künste [= Band 3 von Film- und Medienkunst] Verlag: Stiftung Archiv der Akademie der Künste, 2003. Ralf Bülow: Fliegerfilme – Dramen im Doppeldecker. In: einestages. 6. April 2008. (spiegel.de) Gero Gandert: 1929 – Der Film der Weimarer Republik. Walter de Gruyter, Berlin 1993, ISBN 978-3-11-085261-5. Carola Höhn: Fange nie an aufzuhören …: Erinnerungen. Kettermann + Schmidt, Koblenz 2003, ISBN 3-934639-01-1, S. 152. Ulrich J. Klaus (Hrsg.): Deutsche Tonfilme: Filmlexikon der abendfüllenden deutschen und deutschsprachigen Tonfilme nach ihren deutschen Uraufführungen. Band 2, Verlag Klaus-Archiv, Berlin/Berchtesgaden 2006, S. 139, 270, 274. Ulrich J. Klaus (Hrsg.): Ergänzungen 1929/30–1945. (= Deutsche Tonfilme: Filmlexikon der abendfüllenden deutschen und deutschsprachigen Tonfilme nach ihren deutschen Uraufführungen. Band 14). Klaus-Archiv, Berlin/Berchtesgaden 2006, ISBN 3-927352-13-6. Günter Krenn (Hrsg.): Walter Reisch: Film schreiben. Verlag Filmarchiv Austria, Wien 2004, ISBN 3-901932-28-3, S. 351. Kurt Mühsam, Egon Jacobsohn: Lexikon des Films. Verlag der Lichtbildbühne, Berlin 1926, S. 123 f. Jan Tilman Schwab: Fussball im Film: Lexikon des Fussballfilms. Band 2. Belleville, München 2006, ISBN 3-936298-06-8. Erika Wottrich (Hrsg.): M wie Nebenzahl: Nero-Filmproduktion zwischen Europa und Hollywood. Edition Text + Kritik, München 2002, ISBN 3-88377-710-2, S. 126.
Weblinks
„Ross“ Künstlerpostkarte E64015 von Carl Walther Meyer (Photo: Atelier Meyer-Kipfer, Berlin)
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmeditor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Mann