mini|160px|Die zur NS-Zeit so genannten „Judenhäuser“ in Eisenach, Stolzestr. 5/7 Die Liste der Stolpersteine in Eisenach führt die vom Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine in der Wartburgstadt Eisenach im Wartburgkreis auf. Auf Initiative des Bündnisses gegen Rechtsextremismus Eisenach wurden zwischen 2009 und 2021 insgesamt 114 Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt.Peter Rossbach: Stolpersteine 103 bis 114 erinnern an die Opfer; Thüringer Allgemeine/Eisenacher Allgemeine vom 24. September 2021
Liste der Stolpersteine in Eisenach
Bild Name Adresse Geo-Daten Geburts- datum Ort Inschrift Kurzvita 150pxOchs, FritzStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) HIER WOHNTE FRITZ OCHS JG. 1914 DEPORTIERT 1942 AUSCHWITZ ERMORDET 26.1.1945 BUCHENWALDdeportiert 1942 nach Auschwitz, von dort nach Buchenwald, dort ermordet am 26. Januar 1945 150pxOppenheim, MarieStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) geb. OchsHIER WOHNTE MARIE OCHS VERH. OPPENHEIM JG. 1912 HEIMATORT VERLASSEN KASSEL DEPORTIERT 1942 SOBIBOR ERMORDET 3.6.1942deportiert 1942 nach Sobibor, dort ermordet am 3. Juni 1942 150pxOchs, MargareteStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) HIER WOHNTE MARGARETE OCHS JG. 1904 DEPORTIERT 1942 GHETTO BELZYCE ERMORDET1942 ins Ghetto Belzyce deportiert, dort ermordet 150pxKatz, ReniStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) geb. OchsHIER WOHNTE RENI OCHS VERH. KATZ JG. 1903 HEIMATORT VERLASSEN KÖLN DEPORTIERT 1941 LODZ/LITZMANNSTADT ERMORDET 4.8.19421941 nach Litzmannstadt/Lodz deportiert, dort am 4. August 1942 ermordet 150pxOchs, KarlStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) HIER WOHNTE KARL OCHS JG. 1877 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 11.2.19431942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 11. Februar 1943 ermordet 150pxOchs, MathildeStolzestraße 5/7 („Judenhaus“) geb. KohlfelderHIER WOHNTE MATHILDE OCHS GEB. KOHNFELDER JG. 1875 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 7.5.19431942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 7. Mai 1943 ermordet 150px Enders, WillyStedtfelder Str. 19aHIER WOHNTE WILLY ENDERS JG. 1886 IM WIDERSTAND / SPD VERHAFTET 1938 FLUCHT IN DEN TOD 7.1.1938 GERICHTSGEFÄNGNIS EISENACHverhaftet 1938, 7. Januar 1938 Suizid im Gerichtsgefängnis Eisenach 150px Wiesen, Kurt PeterSchlossberg 10 EisenachHIER WOHNTE PETER WIESEN JG. 1933 DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZKurt Peter Wiesen war das jüngste aus Eisenach deportierte Kind. Er wurde nicht einmal zehn Jahre alt. Er war Sohn von Dr. Erich Wiesen, einem Sohn von Dr. Josef Wiesen, und Irma Wiesen. Deportiert wurde er am 1. März 1943 nach Auschwitz, dort ermordet. Sein Vater hat die Shoa überlebt und schrieb Jahre später über die Umstände des Todes seiner Familie zutiefst verbittert: „Frau und Kind, haben keine Anschrift mehr und haben keine Entschädigungsansprüche stellen können, weil sie in der Nacht vom 3. zum 4. März in Auschwitz vergast worden sind.“ 150pxWiesen, IrmaSchlossberg 10 geb. Firnbacher RegensburgHIER WOHNTE IRMA WIESEN GEB. FIRNBACHER JG. 1909 DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZIrma Wiesen, geb. Firnbacher, stammte aus Regensburg, wo ihr Vater als Viehhändler tätig war. Ihre Mutter Sophie, geborene Beermann, stammte aus Gunzenhausen. Sie heiratete am 19. Juli 1932 Dr. Erich Wiesen (Heiratsurkunde 164/1932 Eisenach). Aus der Ehe ging der Sohn Kurt Peter hervor. Die gesamte Familie wurde am 1. März 1943 als eine der letzten jüdischen Familien Eisenachs nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Anmerkung: Die Gravur „JG. 1909“ stimmt nicht mit der Angabe in der Broschüre überein („Geb. am 8.7.1908 in Regensburg“). Der Verein ist informiert. 150pxWiesen, Dr. JosefSchlossberg 10 IttebeHIER WOHNTE DR. JOSEF WIESEN JG. 1868 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 15.11.1942Mit Josef Wiesen wurde der höchste jüdische Würdenträger Thüringens aus Eisenach deportiert. Er war der Sohn des Verlegers und Schriftstellers Israel Wiesen und dessen Frau Betty, geborene Pless. Das dem Schulbesuch folgende Studium an den Universitäten Marburg, Berlin, Erlangen und Straßburg schloss er mit einer Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1892 ab. Er amtierte zunächst als Landrabbiner von Böhmen in Böhmisch Leipa, heute Česká Lípa, Tschechische Republik, ehe er 1898 zum Landrabbiner des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach berufen wurde. Zunächst lebte die Familie in Stadtlengsfeld, seit 1911 in Eisenach. Mit seiner ersten, 1905 verstorbenen Frau Ida, geborene Berg, hatte Wiesen drei Kinder: Hertha, Gertrud und Dr. Erich Wiesen. Aus seiner zweiten Ehe mit Elsa, geborene Doernberg, stammte der Sohn Rudolf, der bereits seit 1937 amerikanischer Staatsbürger gewesen ist. Hertha kam 1942 in Riga ums Leben, Gertrud starb 1989 in Israel. Josef Wiesens zweite Frau starb 1941 in Eisenach und er selbst wurde am 20. September 1942 in hohem Alter nach Theresienstadt deportiert, wo er am 15. November 1942 umgekommen ist. Anmerkung: Die Gravur „JG. 1868“ stimmt nicht mit der Angabe in der Broschüre überein („Geb. am 25.2.1865“). Der Verein ist informiert. 150pxKatz, HenrietteRennbahn 28 geb. SeligmannHIER WOHNTE HENRIETTE KATZ GEB. SELIGMANN JG. 1867 UNFREIWILLIG VERZOGEN 1936 FRANKFURT/M. DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 25.3.1945Henriette Katz wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 25. März 1943 ermordet. 150pxKatz, KätheRennbahn 28 geb. Dreyfuß KarlsruheHIER WOHNTE KÄTHE KATZ GEB. DREYFUSS JG. 1912 DEPORTIERT 1942 GHETTO BELZYCE ERMORDETKäthe Katz’ Eltern, Simon und Meta Dreyfuß, betrieben in Karlsruhe ein Weiß- und Webwarengeschäft. Käthe hatte einen Bruder, der in die USA migrieren konnte, und eine Schwester, die deportiert und ermordet worden ist. Nach ihrer Heirat mit Helmut Katz zog sie nach Eisenach. Ihre damals schon alten Eltern wurden 1940 in das französische Gurs und von dort 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie umgekommen sind. 150pxKatz, HelmutRennbahn 28 EisenachHIER WOHNTE HELMUT KATZ JG. 1913 DEPORTIERT 1942 GHETTO BELZYCE ERMORDETHelmut war der Sohn von Siegfried und Magda Katz. Er wuchs in Eisenach auf und besuchte hier das Realgymnasium. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und arbeitete dann in der Firma seines Vaters mit. Als das Unternehmen unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen werden musste, betrieb er einen Papiergroßhandel in der Katharinenstraße 96. 1937 hatte er Käthe Dreyfuß geheiratet. Das Paar blieb kinderlos. 150pxKatz, MagdaRennbahn 28 geb. Goldschmidt EisenachHIER WOHNTE MAGDA KATZ GEB. GOLDSCHMIDT JG. 1892 DEPORTIERT 1942 GHETTO BELZYCE ERMORDETMagdas Familie stammte aus Herleshausen. Ihr Vater Leopold war hier als Fell- und Landproduktenhändler tätig. Seit den 1870er Jahren betrieb er in der Eisenacher Katharinenstraße 96 ein so genanntes Rohproduktengeschäft, Ein- und Verkauf von Lumpen, Knochen und Metall. Magda kam als letztes von fünf Kindern der Goldschmidts zur Welt. Sie besuchte hier die Schule und heiratete 1912 Siegfried Katz, der später in der Firma seines Schwiegervaters mitarbeitete. Magda wurde am 9. Mai 1942 mit ihrem Mann aus Eisenach deportiert. 150pxKatz, SiegfriedRennbahn 28 EisenachHIER WOHNTE SIEGFRIED KATZ JG. 1886 DEPORTIERT 1942 GHETTO BELZYCE ERMORDETSiegfried Katz entstammte der weitverzweigten Familie Katz aus Nentershausen. Sein Vater Sally betrieb seit Beginn der 1880er Jahre verschiedene Geschäfte in Eisenach, u. a. ein Getreide- und Landesproduktehandel, seit 1909 im Haus Rennbahn 28. Die Familie hatte 14 Kinder. Eines davon war Siegfried. Nach dem Schulbesuch und der Ausbildung trat er in das väterliche Geschäft ein. Im Dezember 1912 heiratete er Magda Goldschmidt. Die gesamte Familie wurde am 9. Mai 1942 aus Eisenach deportiert. 150pxHeidungsfeld, GertrudObere Predigergasse 13 geb. Hirsch NordhausenHIER WOHNTE GERTRUD HEIDUNGSFELD GEB. HIRSCH JG. 1876 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 26.6.1944Gertrud(e) stammte aus Nordhausen, wo sie als Tochter von Ida und Emil Hirsch geboren wurde. 1901 heiratete sie Julius Heidungsfeld und lebte fortan mit ihm in Eisenach. Das Paar hatte offenbar keine Kinder. Sie wurde am 20. Juni 1942 mit ihrem Mann nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 26. Juni 1944, ein knappes Jahr nach ihm. Anmerkung: Die Jahrgangsangabe auf dem Stolperstein ist offensichtlich falsch, da sie bei einer Hochzeit im Jahre 1901 erst 4 Jahre als gewesen wäre. Der Verein ist informiert. 150pxHeidungsfeld, JuliusObere Predigergasse 13 EisenachHIER WOHNTE JULIUS HEIDUNGSFELD JG. 1869 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 28.7.1943Die Heidungsfelds gehörten zu den ältesten jüdischen Familien Eisenachs. Als erster Lehrer der jüdischen Gemeinde wurde Julius’ Vater Jacob Heidungsfeld angestellt, der zudem als Kantor bis zu seinem Tod 1897 arbeitete. Jakob kam um 1864 als jüdischer Lehrer nach Eisenach. Julius selbst kam hier als viertes Kind der Familie zur Welt. Er arbeitete als Kaufmann, Waren- und Versicherungsvertreter in der Stadt und kümmerte sich intensiv um die Belange der jüdischen Gemeinde der Wartburgstadt. All seine Geschäfte musste er zum 1. März 1939 zwangsweise abmelden. Er wurde am 20. September 1942 gemeinsam mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 28. Juli 1943. Zur Familie im weiteren Sinn gehörte auch die Familie Baer (siehe dort): Ernst Baers Vater hatte 1882 in Eisenach Sophie Heidungsfeld geheiratet. 150pxSpittel, GertrudMariental 17 geb. Nachmann CottbusHIER WOHNTE GERTRUD SPITTEL GEB. NACHMANN JG. 1883 UNFREIWILLIG VERZOGEN BERLIN DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZGertrud Spittel wurde am 29. Januar 1943 aus Berlin deportiert und ist in Auschwitz verschollen. 150pxSpittel, MaxMariental 17 EisenachHIER WOHNTE MAX SPITTEL JG. 1879 UNFREIWILLIG VERZOGEN BERLIN DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZMax wurde als Sohn von Adolf und Lina Spittel geboren. Er wohnte in Eisenach u. a. in der Johann-Sebastian-Bach-Str. 4 und am Karlsplatz 27. 1939 wurde er aus Berlin deportiert und ist in Auschwitz verschollen. 150pxGrünbaum, FannyMariental 17 geb. Schasmin TheilheimHIER WOHNTE FANNY GRÜNBAUM GEB. SCHASMIN JG. 1859 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 14.12.1942 150pxGroßmann, BertholdKarlstraße 6 EisenachHIER WOHNTE BERTHOLD GROSSMANN JG. 1897 DEPORTIERT 1942 IZBICA ERMORDETDer gemeinsame Sohn von Markus Louis und Friederike Großmann, Berthold, war offensichtlich geistig behindert. Er erlernte das Gärtnerhandwerk. Am 7. Mai 1942 wurde er in die jüdische psychiatrische Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt nach Sayn gebracht, eine ehemals angesehene Einrichtung, die nun auf Grund der NS-Rassenpolitik zu einer Sammelstelle für „doppelt unwertes“ Leben wurde. Deportiert aus Koblenz wurde er am 15. Juni 1942 nach Sobibor, dort ermordet. 150pxGroßmann, FriederikeKarlstraße 6 geb. Aris BraunsbergHIER WOHNTE FRIEDERIKE GROSSMANN GEB: ARIS JG. 1863 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 18.1.1943Friederike ist die ältere Schwester von Jenny Aris. 1901 heiratete sie den Kaufmann Markus Louis Großmann, ein Bruder von Bernhard Großmann. Ihr Mann starb 1930 in Eisenach. Sie lebte dann offensichtlich bei der Familie ihrer Schwester. Wie sie wurde auch Friederike im Oktober 1941 aus dem Haus Karlstraße 6 zwangsweise exmittiert und musste in eines der wenigen Eisenacher „Judenhäuser“, Stolzestraße 5/7 umziehen. Von dort wurde sie am 20. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und ist dort am 18. Januar 1943 umgekommen. 150pxGroßmann, JennyKarlstraße 6 geb. Aris BraunsbergHIER WOHNTE JENNY GROSSMANN GEB: ARIS JG. 1867 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 1.3.1943Als Tochter des Kaufmanns Aron Aris kam Jenny in Braunsberg zur Welt. Seit 1900 lebte sie in Eisenach. Deportiert wurde sie am 20. September 1942 nach Theresienstadt, dort ist sie, wie auch zuvor ihr Mann Bernhard, am 1. März 1943 umgekommen. Die Gravur im Stein gibt ein falsches Todesdatum an. 150pxGroßmann, BernhardKarlstraße 6 LautenburgHIER WOHNTE BERNHARD GROSSMANN JG. 1862 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT