Niemegk ist eine Stadt im Süden des Landkreises Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie ist Sitz des gleichnamigen Amtes, dem weitere drei Gemeinden angehören.

Geografie mini|Fischteiche an der Werdermühle, Plane Die Stadt Niemegk liegt zwischen Hohem Fläming und Belziger Vorfläming in einer Höhenlage von 69 bis 148 m NHN östlich der Plane. Durch das Stadtgebiet fließen mit dem Buffbach, einem linken Zufluss der Plane, und dessen Zuflüssen Funderbach und Adda mehrere Gewässer. Das Stadtgebiet liegt auf einer Grundmoräne der Saaleeiszeit. Das südliche Stadtgebiet reicht bis zu den Endmoränen und der Eisrandlage der Saaleeiszeit hinauf. Im Norden, Südosten, Südwesten und Westen ist die Stadt von Wäldern, dem Niemegker Wald und dem Hohenwerbiger Wald, umschlossen. Nordwestlich von Niemegk lag im Mittelalter die wüste Feldmark Cedelitz, deren genaue Lage bislang unbekannt ist.

Die restliche unbebaute Fläche wird nicht zuletzt der für brandenburgische Verhältnisse hohen Bodenfruchtbarkeit wegen landwirtschaftlich genutzt. Nördlich von Niemegk stößt man auf offengelassene Sandvorkommen. Östlich der Stadt befinden sich Tonvorkommen, die noch abgebaut werden. 2005 wurde ebenfalls östlich der Stadt ein größerer Windpark in Betrieb genommen, dessen Windräder als Landmarke weithin über die Höhen des Flämings sichtbar sind. Im Territorium befinden sich eiszeitbedingt viele Findlinge, Lesesteine und Lesesteinhaufen sowie Steinriegel mit der Funktion natürlicher Schutzwaldstreifen. Niemegk liegt teilweise im Bereich des Naturparks Hoher Fläming.

Stadtgliederung Zur Stadt Niemegk gehören die bewohnten Gemeindeteile Hohenwerbig und Lühnsdorf sowie der Wohnplatz Werdermühle.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg abgerufen am 17. April 2026 Die Stadtfeldmark setzte sich aus mehreren älteren Fluren zusammen. Sie wurde gebildet aus der Feldmark Vetteressen im Süden, der Viehweide im Südosten, dem Altdorf im Osten und Nordosten sowie der Patitz im Südwesten. Im Norden gehörte außerdem die wüste Feldmark Teuchermark dazu. Im Südosten lagen zudem noch drei Vierhufen oder Haselhoffsche Hufen auf der Feldmark Viehweide.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 300)

Geschichte und Etymologie Etymologie mini|hochkant=0.7|Kirche St. Johannis, rechts Robert-Koch-Haus Die Ersterwähnung von Niemegk als Burgward ist auf 1161 datiert und taucht im 12. und 13. Jahrhundert in den Formen Nymik, Niemeke und um 1441 Nymegk in Urkunden auf. Weitere Bezeichnungen waren Nymigk im Jahr 1466 und Niemegk die Statt im Jahr 1591. Der Name stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit vom niederländischen Nijmegen (um 1100 Niumago) ab. Niemegk stand unter dem Schutz des Deutschen Ritterordens, welcher seit 1227 die Komturei Dahnsdorf (Komthurmühle) besaß. Nichtsdestotrotz sollte erwähnt sein, dass es sich bei dem Namen auch um die slawische Bezeichnung für Deutsche handelt, also ein Ort im überwiegend slawischen Siedlungsgebiet, in dem sich Deutsche niederließen. Die Zuwanderung aus Flandern steht dabei nicht im Widerspruch, denn Deutsch, Dutch und Flämisch bedeutete früher dasselbe. Niemegk in seiner slawischen Wurzel bedeutet in etwa der „Nicht Sprechende“. Fischer sieht die Namenübertragung von Nimegen ebenfalls als nicht gesichert an. Möglich wäre auch eine Angleichung eines ursprünglich slawischen Namens an den niederländischen. Er weist darauf hin, dass der Name Niemegen auch als „Neufeld“ oder „Neumarkt“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 124, ISBN 3-937233-17-2. erklärt wird.

Besitzgeschichte Die Burg und Stadt Niemegk standen ursprünglich in landesherrlichem Besitz. Bis 1422 gehörten sie zum Herzogtum Sachsen-Wittenberg, danach zu Kursachsen. In allen juristischen Schriftstücken wurden Burg und Stadt als schriftsässig aus Dresden behandelt, mussten sich jedoch gegenüber dem Amt Belzig als amtssässig traktieren lassen. Im 16. und 17. Jahrhundert bestanden in der Stadt zwei Bürgermeister und vier Ratmänner, die sich jährlich abwechselten. Ein Stadtschreiber wurde erstmals 1551 genannt. Im Jahr 1806 gab es zwei Bürgermeister, zwei Ratmänner, zwei Stadtschreiber und einen Kämmerer. Viertelsmeister bzw. Achtmänner fungierten seit etwa 1600 als Bürgervertreter zur Aufsicht über die Stadtfinanzen.

Vor 1388 bis nach 1423 befand sich ein zweiter Anteil im Besitz der Familie (von) Falke, um 1447 bei der Familie Brandt von Lindau, vor 1466 bis 1594 bei der Familie von Seelen. Es folgten die Familien Brunck (1594–1596), erneut von Seelen (1596–1626), von Bindauf (1626–1729), von Kötteritz (1729–1734), Müller (1734–1769), Grust (1769–1810) und 1810–1811 Märekar. Zum Besitz gehörten unter anderem das Gut über zwei Hufen zum Altdorf, zwei Hufen, zwei Höfe, zwei Wiesen und ein Haus in der Stadt Niemegk (1388), später ein freier Hof bei dem Tor nach Belzig, zwei freie Hufen zu Altdorf und das Gut über diese Hufen (1447), ein freier Hof mit zwei Hufen am niedersten Tor (1466), ein freier Wohnhof am niedersten Tor, zwei Hufen im Altdorf mit dem Gut darüber, ein freier Garten im Altdorf, ein Wohnhof in der Rosenstraße sowie ein weiterer Wohnhof nahe der Kirche Unserer Lieben Frauen (um 1548). Hinzu kamen 14 freie Wiesen vor dem Jeseriger Busch (1526), 2½ Hufen auf dem Haseloffschen Feld (1602), das Gut am Niedertor mit Garten und Wiesenwachs (Berghof genannt), zwei Altdorfer Hufen mit Feld, weitere Hufen auf der Haseloffschen Mark, Hebungen, ein eingegangener Sitz an der Kirche Unserer Lieben Frau, die Wiese St. Ulian, ein Häuslein in der Rosenstraße (1644 abgebrannt) mit Garten (1681) sowie 1811 fünf Häuser vor dem Wittenberger Tor und fünf Häuser im Altdorf. 1811 ging der Anteil an die Familie von François über. Vor 1388 bis 1526 befand sich der dritte Anteil bei der Familie Preußnitz, von 1526 bis 1771 bei der Familie von Brück.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 301) Die heute nicht mehr vorhandene Burg wurde 1441 letztmals als Schloss erwähnt und über Jahrhunderte hinweg als Haus Niemegk betitelt. Nach 1526 schenkte Kaiser Karl V. dieses Gut dem neu geadelten sächsischen Kanzler Gregor (von) Brück, dieser wiederum überreichte dies später einem seiner jüngsten Söhne, Philipp von Brück († August 1616).G. A. von Klöden, Richard Oberländer: Illustrierte Haus-und Schulbibliothek zur vaterländischen Pflege. IX., Unser deutsches Land und Volk., Abs.: Bemerkenswerte Punkte des Flämings. Verlag Otto Spamer, Leipzig und Berlin 1882, S. 419 (books.google.de). Zeitweise bestanden zwei Rittergüter am Ort, der Edelhof sowie das Seelensche Gut. Dieser Gutsbesitz war dann über zwei Generationen im Besitz der hugenottischen Familie von François.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preussisches Adelslexicon, Band 5, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1839, S. 160 f. (books.google.de). Erworben wurde es durch Heirat der Luise von Brück (1747–1791),Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser, B (Briefadel), Band V, Band 26 der Gesamtreihe GHdA, Limburg (Lahn) 1961, S. 77. Tochter der Charlotte von Bülow-Quitzobel und des Wolf von Brück auf Niemegk, mit August von François, kgl. poln. und kurfürstlich sächs. Kapitän (Hauptmann), 1774 zu Wien nobilitiert. Letzte Vertreter seines Adelsgeschlechts wurden Wilhelm von François (1771–1820) sowie sein jüngerer Bruder Ludwig von François-Kocksdorf (1777–1857), verheiratet mit Klementine von Zeschau.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1907, Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 186 f. (digital.ub.uni-duesseldorf.de). Zum Besitz zählten unter anderem zwei Hufen zu Altdorf und ein Hof vor der Stadt (1388), später ein freier Hof, zwei Altdorfer Hufen und Teiche (1419/1420). Hinzu kamen ein freier Hof mit Fischteich, Wiese und Holzstätte am Werder (1514), der Berghof vor Niemegk bei St. Nikolaus samt Kirchhof, Ackern, Wiesen und Holz. Nach 1554 gehörten dazu weitere freie Höfe im Altdorf, der freie Berghof, Häuser, Gärten, Wiesen, Fischereien, die wüste Kirche und der Kirchhof St. Nikolaus, mehrere freie Höfe mit Ober- und Untergut, Fischhalter samt Garten und Häuslein sowie später fünf Häuser, Heideflächen und 30 Acker Holz bei Lindau (1617). 1681 umfasste der Besitz einen Rittersitz mit vier freien Hufen und Gärten in und vor Niemegk. Seit 1811 kam auch der zweite Anteil hinzu; 1819 wurde das gesamte Gut Niemegk (I. und II. Anteil) an 183 Einwohner der Stadt Niemegk verkauft. Der vierte Anteil befand sich vor 1388 bei der Familie Hennig, ab 1423 bei der Familie von Thümen, 1428 bei der Familie von Wulffen und von 1459 bis nach 1554 bei der Familie Gertitz. Der Besitz umfasste Hebungen in der Stadt, einen Hof mit zwei Hufen und einen weiteren Hof vor der Stadt (1388), später den Hof in der Stadt (1423) und einen freien Hof mit zwei Hufen im Altdorf (1465). Nach 1554 ging der Anteil an die Familie von Brück über (siehe dritter Anteil) Weitere Besitzanteile lagen unter anderem bei der Familie Slawitz (Slawtitz) und von Ziegesar sowie 1456 bei von Bredow über einen freien Hof mit Gut; vermutlich bestanden Zusammenhänge mit dem zweiten oder vierten Anteil. 1379 befand sich der Möncheteich am Werder im Besitz von Gertitz und wurde später mit dem dritten Anteil vereinigt. Vor 1388 bis nach 1419/1420 besaß die Familie Wildenow freie Höfe in und vor der Stadt. Vor 1383 bis nach 1487 verfügte die Familie von Oppen über Hebungen und einen Hof zu Altdorf. Vor 1501 bis nach 1563 besaß von Wallwitz eine Hufe Land bei Niemegk.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 302)

Frühgeschichte Südöstlich der heutigen Bahnhofstraße und rund 500 Meter nordnordöstlich der Kirche befand sich in frühgeschichtlicher Zeit eine Burgwallanlage, eine Fundstätte mittelslawischer und frühdeutscher Keramik, die heute jedoch überbaut ist. Die Ausdehnung der Burganlage wurde auf einen Durchmesser von etwa 60 bis 80 Metern geschätzt. In diesem örtlichen Bereich entwickelte sich der spätere Niemegker Siedlungskern.

13. bis 15. Jahrhundert Der Ort ist im Ursprung ein Haufendorf mit dem Status eines Burgfleckens, welcher 1228 Stadtrecht erwarb und sich im Laufe des 13. Jahrhunderts planmäßig an einer Nord-Süd-Achse (Großstraße) zu einer Stadt mit Marktplatz entwickelte. Im Jahr 1358 wurde Niemegk als civitas bezeichnet. Als kursächsische Grenzstadt wurde die Stadt oft in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Im Jahr 1395 wurde die Stadt von den Magdeburgern zerstört. In den Jahren 1400/1401 gab es Auseinandersetzungen märkischer Ritter mit Rudolf III. von Sachsen, 1416 Plünderungen durch Dietrich von Quitzow im Auftrag des Erzbischofs von Magdeburg und 1429 Plünderungen und Zerstörungen durch die Hussiten. Im Jahr 1421 verlieh der Landesherr der Stadt den freien Zoll und das Geleit. Ein Schloss wurde 1441 erstmals erwähnt. 1476 wurde Niemegk von einer Feuersbrunst betroffen, bei der große Teile der Stadt ausbrannten.

16. Jahrhundert