Der Blabbergraben ist ein Sandgeprägter Tieflandbach im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree. Er verbindet fünf langgezogene, in einer glazialen Rinne der Beeskower Platte und in den Gemeinden Rietz-Neuendorf und Tauche liegende Seen und entwässert sie von Norden (Herzberger See) nach Süden (Drobschsee) in die Krumme Spree. Seine Länge beträgt inklusive der durchflossenen Seen 13,7 Kilometer.

In den Sommermonaten fällt er streckenweise trocken. Seinen ökologischen Zustand stuft die Flussgebietsgemeinschaft Elbe als „unbefriedigend“ ein. Zum Teil begradigt und bei Straßenunterführungen verrohrt, soll der Blabbergraben im Rahmen des „Gewässerentwicklungskonzepts (GEK) Krumme Spree“ nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) möglichst naturnah zurückgebaut werden. Der Graben passiert mehrere Schutzgebiete. Die Drobschseerinne im Unterlauf ist als Naturentwicklungsgebiet ausgewiesen.

Das markanteste Bauwerk in seinem Lauf ist das Baudenkmal Lindenberger Viadukt, das die eingleisige Nebenbahn Königs Wusterhausen–Grunow über die rund 100 Meter breite und 25 Meter tiefe Glienicker Schlucht führt. Nördlich des Drobschsees passiert der Bach das Bodendenkmal Räuberberg mit Resten des Burgwalls einer deutschen Adelsburg aus dem 12./13. Jahrhundert. Heute ein Rinnsal, trieb er mindestens drei Wassermühlen an. Benannt ist der Graben nach der abgetragenen Blabbermühle, deren Name sich lautmalend auf das Geräusch der arbeitenden Mühle bezieht (plattdeutsch für plappernplattmakers.de) und deren Gelände gleichfalls als Bodendenkmal unter Schutz steht. Der Schriftsteller Günter de Bruyn, der seit 1969 in der ehemaligen Blabberschäferei neben der Blabbermühle wohnte, hat der einsamen, siedlungsarmen Region am Blabbergraben 2006 in seinem Werk Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft ein literarisch-dokumentarisches Denkmal gesetzt.

Geologie, Geografie und Klima Niederung auf der Beeskower Platte Der Blabbergraben liegt im Südwesten der Beeskower Platte, die in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands als Nr. 824 in der Haupteinheitengruppe Nr. 82 Ostbrandenburgisches Heide- und Seengebiet geführt wird. Im Untergrund der Hochfläche überwiegen saaleeiszeitliche Grundmoränenflächen, die großräumig von flachwelligen Endmoränenbildungen der letzten Eiszeit überlagert werden. Das mittlere Höhenniveau des Plateaus schwankt zwischen 60 und 75 m ü. NN, die angrenzenden Niederungen liegen auf einer Höhe von etwa 38 bis 45 Metern. Die Kulturlandschaft der Hochfläche prägen weite Ackerflächen.

Der 13,7 Kilometer lange Graben verbindet und entwässert fünf langgezogene Seen in einer glazialen Rinne, die sich in die Platte eingeschnitten hat und teilweise mit nacheiszeitlichen Sedimenten gefüllt ist, von Nord nach Süd in die Krumme Spree zwischen Werder und Kossenblatt. Die Spree fließt in diesem Bereich von West nach Ost in der Brieschter Talung, die die Beeskower Platte von der südlich anschließenden Lieberoser Platte/Leuthener Sandplatte trennt.Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95. ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5.Managementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg. S. 4.Unterwegs im Naturpark Dahme-Heideseen. Wanderung Ahrensdorfer See. Heidesee, Ortsteil Prieros. Naturparkverwaltung Dahme-Heideseen, Flyer, ohne Datum (erhalten 2005). Aufgrund des stark mäandrierenden Verlaufs wird der Spreeteil zwischen dem Neuendorfer See und dem Schwielochsee/Glower See als „Krumme Spree“ bezeichnet. Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung. Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Krumme Spree“. Brandenburgisches Vorschriftensystem (BRAVORS), 19. Dezember 2000, geänderte Fassung vom 29. Januar 2014.

Gemeinden und Ortsteile Der Blabbergraben durchfließt von Nord nach Süd die Gemeinden Rietz-Neuendorf und Tauche. Dabei bildet er in weiten Teilen seines Laufs den Grenzfluss zwischen diesen Gemeinden und zwischen Ortsteilen innerhalb der Gemeinden, im Unterlauf den Grenzfluss zwischen der Stadt Storkow und Tauche. Im Einzelnen durchläuft er die Gemarkungen folgender Orte (a) und bildet die Grenze zu (b) – unter (c) folgen gegebenenfalls notwendige Kurzerläuterungen; die Teilstücke sind zur abgrenzenden Darstellung willkürlich gewählt und entsprechen keinen amtlichen Einteilungen: Erstes Teilstück: a) im Westen Herzbergs (Rietz-Neuendorf); b) im Bereich des Herzberger Sees und südlich des Sees Grenze zu Glienicke (Rietz-Neuendorf). Zweites Teilstück: a) im Osten Glienickes und im Westen Lindenbergs (Tauche); c) die Grenze wechselt hier mehrfach die Seite des Bachs. Nördlich des Lindenberger Sees und im Bereich des Sees ausschließlich auf dem Gebiet Lindenbergs. mini|Gesamtlauf des Bachs im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87. Der Quellbach nördlich des (unbezeichneten) Herzberger Sees ist heute weitgehend versickert. Der südliche Teil des Drobschsees ist ausgetrocknet. Der westlich benachbarte, fälschlich ebenfalls als Drobschsee bezeichnete See ist der Schwenowsee. Drittes Teilstück, ab Mitte des Lindenberger Sees: a) im Westen Lindenbergs; b) Grenze zu Ahrensdorf (Rietz-Neuendorf). Viertes Teilstück: a) im Osten Ahrensdorfs; b) Grenze zu Lindenberg; c) im Bereich des Ahrensdorfer Sees wechselt die Grenze erneut die Grabenseite. Fünftes Teilstück, ab Südende des Ahrensdorfer Sees: a) im Westen Görsdorfs (Tauche), dabei streckenweise im Görsdorfer Wohnplatz Premsdorf; b) Grenze zu Ahrensdorf; c) ab Mitte des Premsdorfer Sees verliert der Graben für eine längere Teilstrecke seine Grenzeigenschaft, da sich die Gemarkung Görsdorfs hier über sein Westufer ausdehnt. Sechstes Teilstück, ab Blabbermühle: a) im Westen Görsdorfs; b) Grenze zu Schwenow (Gemeindeteil Limsdorfs, einem Ortsteil der Stadt Storkow). Siebtes Teilstück, ab Südende des Drobschsees bis zur Mündung: a) im Westen Görsdorf; b) Grenze (leicht westlich des Grabens) zu Werder (Tauche).

Verlauf Die Dorfkerne finden sich abseits des Bachs; der Görsdorfer Kern liegt beispielsweise rund 1,5 Kilometer östlich. Abgesehen von drei Wohnplätzen an seinem Ufer und einem Waldhotel am Herzberger See ist die nähere Umgebung des Blabbergrabens nahezu siedlungsfrei, arm an Besuchern und ruhig. „Da die Mühlen, wie man aus Erfahrung wusste, inzwischen wahrscheinlich Ruinen geworden waren, schien das einzig Sehenswerte der Gegend also die Abwesenheit von Mensch und Kultur zu sein“ notierte Günter de Bruyn über seine erste Begegnung mit dem Bach im Jahr 1968.Zitat aus: Andreas Isenschmid: Ein Mann mit Stil am Blabbergraben. In: Neue Zürcher Zeitung, 3. April 2005. (Webpaper).

Quellbereich Herzberger See Nach dem topographischen Landeskartenwerk der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg bildet heute ein rund 300 Meter langer Zulauf des Herzberger Sees den Quellbach des Blabbergrabens. Seine Quelle liegt in einem hügeligen Waldgebiet nordöstlich des Herzberger Dorfkerns neben einem Bauernhof am Ende der Straße Am See. Der Quellbach fließt dem Ostufer des Herzberger Sees zu, in den er kurz unterhalb seiner Nordspitze mündet. Der Wasserstand des Sees liegt . Wie das nebenstehende Schmettausche Kartenwerk zeigt, lag die Quelle des Bachs 1767/1787 nördlich des Sees – ungefähr an der heutigen Landesstraße 42 – in einem rund 85 Meter hohen Hügelgebiet. Der alte Quellbach hatte eine Länge von rund einem Kilometer und mündete direkt in das Nordufer. Er ist heute nur noch rudimentär vorhanden und versickert rund 550 Meter vor dem Nordufer.

Nach dem Passieren des 1,22 Kilometer langen, weitgehend bewaldeten Herzberger Sees tritt der Graben an dessen Südende aus. Um das Ökosystem des zunehmend verschlammten Sees zu stabilisieren, wurde 2011 im Rahmen der Seesanierung am Abfluss ein neues Regulierungsbauwerk errichtet. Das Wehr soll Wasser-Überschüsse, die aus den Niederschlägen in den Wintermonaten resultieren, möglichst lange im Seebecken zurückhalten.Lea Sophie Lukas: Kurz nach dem See unterquert der Bach die Bundesstraße 246, die Herzberg und Glienicke mit Storkow und Beeskow verbindet.

Oberlauf mini|Blabbergraben, Glienicker Grund und Lindenberger Viadukt um 1910 Gesäumt von einem Waldstreifen fließt der Bach nach Süden und unterquert nach rund einem Kilometer in einem offenen Wiesengelände das 1898 erbaute, denkmalgeschützte Lindenberger Viadukt. Die rund 95 Meter lange, vierbogige Brücke führt die eingleisige Nebenbahn Königs Wusterhausen–Grunow über die Glienicker Schlucht. Die auch als Glienicker Grund bezeichnete Senke wurde von der glazialen Rinne in einer Breite von rund 100 Metern bis zu 25 Meter tief in die Beeskower Platte geschnitten.

Durch den zunehmend versumpften Grund schlängelt sich der Bach weiter nach Süden und erreicht den ringsum lückenlos bewaldeten, 790 Meter langen Lindenberger See , den neben dem Blabbergraben noch ein etwa 2,2 Kilometer langes, namenloses Fließ speist, das auf einer Höhe von 90 Metern nordöstlich des Schlossparks Lindenberg entspringt. Am Südende des Sees durchfließt der Blabbergraben das Gelände der 1927 abgebauten Grundmühle , deren verbliebene Bauten unter dem Namen Grundmühle als Wohnplatz von Lindenberg geführt werden (siehe unten). Unmittelbar nach der ehemaligen Wassermühle überbrückt die Landesstraße 42 den Bach, die nach Süden nach Ahrensdorf und nach Nordosten nach Lindenberg führt.

Mittellauf mini|Der Grabenabschnitt zwischen dem Premsdorfer See und Drobschsee mit Blabbermühle, Blabberschäferei und Räuberberg in der Preußischen Uraufnahme von 1846 mini|Tümpel mit Bruchwald an der Blabberschäferei

An der Straße tritt der Bach in den Naturpark Dahme-Heideseen ein. Zwischen einem Waldsaum im Westen und Offenland im Osten strömt er zum 920 Meter langen Ahrensdorfer See , der wie der fast unmittelbar folgende 1,33 Kilometer lange Premsdorfer See komplett von einem reich strukturierten Mischwald umgeben ist. Zwischen den Seen führt einer der regionalen Hauptwanderwege über den Bach. Nach dem Verlassen des knapp 60 Meter hoch gelegenen Premsdorfer Sees wendet sich der Bachlauf nach Südwesten und unterquert die Landesstraße 422, die Ahrensdorf mit Görsdorf verbindet und die mittlere Bachregion großräumig an die Bundesstraße 246 in Beeskow oder Wendisch Rietz anbindet.

mini|links|In der Preußischen Uraufnahme von 1846 erstreckt sich der Drobschsee noch bis zur Spree. Er endet heute gleichauf mit dem Südufer des benachbarten Schwenowsees. Der restliche, verlandete Teil wird vom Blabbergraben durchflossen und gehört zum Naturentwicklungsgebiet Drobschseerinne im NSG Schwenower Forst.

Im folgenden Abschnitt durchfließt der Blabbergraben ein lichtes Waldgebiet, in dem seine scharfe Reliefenergie zugunsten einer hügeligen Geländeform vorübergehend zurücktritt. Nach etwa 1,9 Kilometern stößt der Bach auf einer Höhe von 54 Metern auf das Gelände der ehemaligen Blabbermühle. Das Gelände ist als Bodendenkmal ausgewiesen, die Mühlenbauten sind restlos abgerissen. Nach weiteren 200 Metern erreicht er die Blabberschäferei , den Wohnsitz des 2020 verstorbenen Günter de Bruyns.