mini|300px|Giuseppe-Meazza-Stadion, Spielstätte beider Klubs
Als Derby della Madonnina wird in der italienischen Landessprache das Mailänder Stadtderby zwischen den Herrenprofimannschaften der beiden Fußballvereine AC Mailand und Inter Mailand bezeichnet.
Das Aufeinandertreffen der beiden national und international erfolgreichen Mailänder Vereine gilt als eines der bedeutendsten Duelle des Klubfußballs. Der Name des Derbys bezieht sich auf die vergoldete Madonnenstatue der Jungfrau Maria auf einer Spitze des Mailänder Doms, die im Volksmund nur La Madonnina genannt wird. Des Weiteren ist es auch als Derby di Milano bekannt. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Mailänder Derby verbreitet.
Das Derby della Madonnina ist im Gegensatz zu vielen anderen nicht von geographischen, kulturellen oder politischen Gegensätzen geprägt, sondern erhält seine besondere Brisanz dadurch, dass Inter Mailand aus der älteren AC Mailand hervorging, beide Vereine sich das Giuseppe-Meazza-Stadion teilen und die Klubs ähnlich erfolgreich sind. So war Mailand bis 2023 die einzige Stadtregion mit zwei Champions-League-Siegern.
Geschichte
mini|Madonnina des Mailänder Doms
Die Rivalität zwischen den Vereinen war von Anfang an gegeben und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Derbys im Weltfußball. Im Gegensatz zu den anderen großen italienischen Stadtderbys im Fußball sind in Mailand die Anhänger der Klubs im ganzen Stadtgebiet verteilt und nicht auf einzelne Gebiete begrenzt. Mailand war bis 2023 die einzige Stadt mit zwei Gewinnern des Europapokals der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League.
Die AC Mailand wurde unter dem damaligen Namen Milan Cricket and Foot-Ball Club am 16. Dezember 1899 gegründet. Im März 1908 spalteten sich Mitglieder des Milan CFC ab und gründeten ihren eigenen Fußballverein. Sie waren darüber verärgert, dass beim nationalistisch ausgerichteten Milan CFC nur Italiener spielen durften. Er erhielt den offiziellen Namen Football Club Internazionale Milano. Mit dem Zusatz Internazionale wollte man auf die Offenheit des Vereins gegenüber Spielern aus anderen Ländern hinweisen.
mini|links|Spielszene aus dem Derby della Madonnina von 1915. Das erste Duell der beiden Vereine war eine der wenigen Partien, die nicht in Mailand stattfanden. Bei der dritten Ausgabe des Freundschaftsturniers Coppa Chiasso im Schweizer Chiasso trafen die Rossoneri () am 18. Oktober 1908 im Finale auf die Nerazzurri (). Die Derby-Premiere entschied der Associazione Calcio mit 2:1 für sich.magliarossonera.it: Coppa Chiasso (italienisch) Die ersten Jahre bis 1913 dominierte die AC und verließ das Spielfeld siegreich. Eine Ausnahme bildeten aber die zwei Partien der Kontrahenten während der italienischen Fußballmeisterschaft 1909/10. Innerhalb von drei Wochen bezwang Inter in zwei Begegnungen den Rivalen auswärts mit 0:5 und zu Hause folgte ein 5:1-Sieg. Der höchste Sieg des Derby della Madonnina stammt vom 13. März 1918. Im Finale der ersten Coppa Mauro überrannte die AC Milan Rivale Inter mit 8:1 Toren. Noch eine halbe Stunde vor Spielende stand es nur 2:1. Sieben der acht Tore gingen auf das Konto von Aldo (5 Tore) und Luigi Cevenini (2 Tore) aus der Fußballerfamilie Cevenini.magliarossonera.it: 1. Coppa Mauro (italienisch)
In den 1930er Jahren blieb Inter in der Serie A vom 10. November 1929 bis zum 17. Oktober 1937 in siebzehn Spielen (zehn Siege und sieben Unentschieden) gegen die Rossoneri ungeschlagen. Ein bis heute bestehender Derby-Rekord. In diese Zeit fiel eines der hochklassigsten Derbys der Rivalen. Am 6. November 1932 erkämpfte sich Inter mit Giuseppe Meazza in ihren Reihen einen 5:4-Sieg gegen die Rotschwarzen (Torfolge: 1:0 Attilio Demaría (2.), 2:0 Marcello Mihalich (6.), 2:1 Mario Magnozzi (10.), 3:1 Demaría (25.), 4:1 Virgilio Felice Levratto (44.), 4:2 Pietro Arcari (59.), 4:3 Giovanni Moretti (74.), 5:3 Giuseppe Meazza (76.), 5:4 Magnozzi (79.)).
mini|Gunnar Nordahl erzielt im Jahr 1951 den Siegtreffer für die AC Milan Für die beide Vereine standen viele nationale und internationale Stars in Diensten, die die Geschichte des Derbys mitbestimmten. So lief der Namensgeber des Mailänder Stadions, Giuseppe Meazza, zwischen den 1920er und 40er Jahren für beide Klubs auf. Die schwedischen Stürmer Gunnar Gren, Gunnar Nordahl und Nils Liedholm im Mittelfeld sorgten für den AC Mailand in den 1950ern für Furore. Mit ihren Toren führte das Trio Schweden schon 1948 zum Olympiasieg wurde und ging unter dem Namen Gre-No-Li in die Geschichte ein.magliarossonera.it: GRE-NO-LI (italienisch)
Ganz im Gegensatz zu ihrer Rivalität bestritten Milan und Inter fünf Freundschaftsspiele in einer gemeinsamen Mannschaft. Dieses Team trug die Bezeichnung MilanInter United und feierte am 27. November 1949 seine Premiere. Zum 50. Vereinsjubiläum organisierte die AC Milan ein gemeinsames Freundschaftsspiel gegen den FK Austria Wien aus Österreich, welches mit 3:4 verloren ging.magliarossonera.it: MilanInter gegen Austria Wien (italienisch) Eigens für dieses Spiel wurden spezielle Trikot angefertigt und nur dort getragen. Die weißen Hemden trugen einen Brustring in den Farben Rot, Schwarz und Blau.mi-lorenteggio.com: Bild des MilanInter-Trikots (italienisch) Um die Trofeo dell' Amicizia Italo-Britannica () ging es am 13. Oktober 1965 im zweiten Spiel von MilanInter gegen den FC Chelsea (2:1).magliarossonera.it: MilanInter gegen den FC Chelsea (italienisch)
Vier Jahre darauf feierte man die Städtepartnerschaft von Mailand mit dem französischen Lyon mit einer Partie gegen Olympique Lyon. Das Spiel am 11. Juni 1969 in Lyon endete mit einem klaren 1:7 für die Mailänder Mannschaft.magliarossonera.it: Olympique Lyon gegen MilanInter (italienisch) Zu einem Benefizspiel traf das Mailänder Team am 12. Dezember 1980 auf den FC Bayern München (1:2).magliarossonera.it: MilanInter gegen Bayern München (italienisch) Der Anlass war das Erdbeben von Irpinia, bei dem fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. Die bisher letzten Auftritte von MilanInter United fanden 1982 im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Dort traf man zur Vorbereitung auf Italiens Gruppengegner Polen am 21. Februar 1982 (1:2) und Peru am 14. April 1982 (0:2).magliarossonera.it: MilanInter gegen Polen (italienisch)magliarossonera.it: MilanInter gegen Peru (italienisch)
Unter Führung von Präsident Angelo Moratti, Unternehmer in der Erdölwirtschaft und der Energieversorgung, der von 1955 bis 1968 im Amt war, brachen für Inter in den 1960er Jahren goldene Zeiten an. Unter Trainer Helenio Herrera, der konsequent das ergebnisorientierte Spielsystem Catenaccio spielen ließ, gewann der Verein mit Spielern wie Giacinto Facchetti, Armando Picchi und Luis Suárez jeweils zwei Mal den Europapokal der Landesmeister 1964 und 1965 sowie den Weltpokal 1964 und 1965. Darüber hinaus konnten vier Meisterschaften (1963, 1965, 1966, 1971) gefeiert werden. Die bisher erfolgreichste Zeit der Nerazzurri ist unter der Bezeichnung Grande Inter bekannt geworden. Eng verknüpft waren die Derbys der Generation mit den Namen der beiden Spielmacher Sandro Mazzola (Inter) und Gianni Rivera (Milan) und deren Rivalität untereinander.forzaitalianfootball.com: Legend of Calcio: Sandro Mazzola (englisch)de.fifa.com:
mini|Inters Sandro Mazzola im Zweikampf mit Milans Giovanni Trapattoni (1970) mini|links|Spielszene aus dem Derby della Madonnina von 1973.
Die Mailänder Vereine entwickelten sich in den 1960er Jahren zu wahren Titelsammlern, denn auch die Rossoneri waren nicht erfolglos. Mit Spielern wie José Altafini, Giovanni Trapattoni, Karl-Heinz Schnellinger und Cesare Maldini im Kader fuhren die Rotschwarzen die Titel ein. Schon vor Inter konnte die AC Mailand den Europapokal der Landesmeister gewinnen. Milan errang die Trophäe 1963 und war damit der erste italienische Verein, der diesen Titel gewinnen konnte. 1968 und 1973 war man auch im Europapokal der Pokalsieger erfolgreich. Hinzu kam der Weltpokal 1969.
Nach mehr oder weniger titellosen Jahren der Kontrahenten in den 1970er Jahren gewann die AC Mailand den Meistertitel 1979. In der darauf folgenden Saison kam, trotz drittem Tabellenplatzes, der Absturz. Als Auswirkung des ligaübergreifenden Wettskandals Totonero 1980, in dem Spiele verschoben wurden, musste der Verein neben Lazio Rom in die Serie B zwangsabsteigen. Hinzu kamen Sperren für die Spieler Enrico Albertosi, Giorgio Morini und Stefano Chiodi.cinquantamila.corriere.it: (italienisch) 1974 kamen die jungen Brüder Baresi aus Travagliato nach Mailand. Giuseppe Baresi wurde nach einem Probetraining angenommen und stand von 1977 bis 1992 (559 Pflichtspiele) im Kader von Inter.interfc.it: (italienisch) Der jüngere Franco Baresi fiel bei den Schwarzblauen als körperlich zu schwach durch. So versuchte er sein Glück beim Stadtrivalen und wurde angenommen. Er gehörte von 1978 bis 1997 den Rotschwarzen an und entwickelte sich zu einem der besten Liberos aller Zeiten. Ihm zu Ehren wird die Rückennummer 6 bei Milan nicht mehr vergeben.acmilan.com: Porträt von Franco Baresi (englisch) Giuseppe absolvierte über 550 Pflichtspiele, Franco kam sogar auf mehr als 700 Einsätze. Franco bestritt 39 Duelle der Rossoneri und Giuseppe brachte es auf 33 Derbys für Inter.
Ähnlicher Beliebtheit bei den Inter-Fans erfreut sich der frühere Abwehrchef Giuseppe Bergomi, der in seiner Karriere von 1980 bis 1999 756 Partien, davon 44 Mailänder Derbys, bestritt und zu Inters Rekordspieler wurde.forzaitalianfootball.com: Legend of Calcio: Giuseppe Bergomi Artikel vom 15. März 2012 (englisch) Diesen Titel übernahm 2011 der Argentinier Javier Zanetti. 1995 wechselte Zanetti zu Inter und beendete bei den Nerazzurri 2014 seine Fußballkarriere. Der disziplinierte Arbeiter gilt als Musterprofi und trotz seines, für Profifußballer, hohen Alters von über 40 Jahren, kämpfte er sich nach einem Achillessehnenriss zurück auf das Spielfeld. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt er die Spitznamen Il Treno (Der Zug) oder El Tractor (Der Traktor). Zanetti ist mit 615 Spielen von 1995 bis 2014, nach Milan-Idol Paolo Maldini (647 Einsätze von 1984 bis 2009), der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Serie A. Bei der Bestmarke der meisten Derbyeinsätze folgt Zanetti (47 Derbys) Maldini mit 56 Einsätzen.fussballtransfers.com: Die treuesten Spieler der Welt: Javier Zanetti – der adrette Traktor
Nach Jahren mit Auf- und Abstieg führte erst der Einstieg des Medienunternehmers Silvio Berlusconi im Jahr 1986 in die Erfolgsspur zurück. Mit der Verpflichtung von Trainer Arrigo Sacchi und Spielern Ruud Gullit, Frank Rijkaard und Marco van Basten aus den Niederlanden formte sich mit der Abwehrreihe Franco Baresi, Paolo Maldini, Alessandro Costacurta und Mauro Tassotti sowie Mittelfeldspieler Roberto Donadoni eine Mannschaft, die den Namen Gli Immortali () trug. Das Team holte in den Jahren 1989 und 1990 den Europapokal der Landesmeister, den Weltpokal und den UEFA Super Cup.
Als Pendant zum niederländischen Spielertrio nahm Inter die deutschen Nationalspieler Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann unter Vertrag. Trotz des Gewinns der Meisterschaft 1989 und des UEFA-Pokals 1991 und 1994 stand man im Schatten der erfolgreicheren Stadtrivalen. Nach dem Abgang von Sacchi 1991 nahm Fabio Capello auf der Trainerbank des AC Platz und führte die Erfolgsserie fort. Mit ihm stießen weitere Verstärkungen wie Jean-Pierre Papin, Zvonimir Boban oder Dejan Savićević hinzu. Nach vier Jahren ohne den Scudetto gelang 1992, 1993 und 1994 der Titel-Hattrick. Man verlor 1991/92 in der Serie A kein Spiel und in den drei Meisterjahren nur fünf Partien. Dies brachte der Mannschaft die Bezeichnung Gli Invicibili (). Mitte der 1990er Jahre sank der Stern dieser nicht mehr ganz jungen Mannschaft.