mini|Schloss Dobbin

Das Schloss Dobbin war ein Adelssitz im heutigen Dobbin-Linstow, Landkreis Rostock. Zu dem Gut gehörte der Hof Zietlitz.

Geschichte

Im Gefolge von Heinrich Borwin II. kamen Vorfahren der Barolds in das Land. Die Barolds sind ein uraltes, offenbar wendisches Geschlecht und erscheinen urkundlich bereits 1226.MUB I. (1863) Nr. 323. Auf einer Halbinsel im Krakower Obersee lag eine gut geschützte Niederungsburg.Slawenburgen in Mecklenburg Östlich davon siedelten Slawen, die den Ort nach einem Fürsten benannten – Ort des Doba.Paul Kühne: Die slawischen Ortsnamen. In: MJB 46 (1881) S. 40. Das große Gut Dobbin am östlichen Ufer des Krakower See war ein uraltes Lehn der wendischen Familie Barold, die im Jahre 1746 ausstarb. Auf diesem Gute, welches mit seinen Zubehörungen ungefähr dreiviertel Quadratmeilen groß ist, befanden sich mehrere Burgstellen. Das Alte Schloß Dobbin, nördlich weit vom neuen Hofe und Alt Dobbin war eine kleine mittelalterliche Burg.Friedrich Lisch: Die mittelalterlichen Burgen von Dobbin. In: MJB 24 (1859) S. 306–307. Über diese Burg erzählen etliche Sagen, auch in Verbindung mit dem Namen Niklot.

Urkundlich wurde 1347 ein Rudolph Barold, der Ältere als Rudolphus Barold, Senior, morans in Dobbin erwähnt.MUB X. (1877) Nr. 6737. Derselbe Barold war Voigt in Güstrow und genoss als Lehnsmann eine Vertrauensstellung bei den Söhnen Borwins.MUB I. (1863) Nr. 344, 368, 369. Die Barolds saßen damals schon auf Dobbin.Wolf Lüdeke von Weltzien: Von Barold Band 3, 1992, S. 25. 1350 wurden sie als Besitzer von Thürkow und Rotspalk genannt.MUB XIV. (1886) Nr. 8431, MUB XV. (1890) Nr. 9046.MUB X. (1877) Nr. 7117. Erst 1415 wird Rulef (Roloff) Barold auf Dobbin als Zeuge in Teschow genannt, als sein Vetter Henning sich der Stadt Rostock gegenüber verpflichtete.Graf von Oeynhausen: Ritterschaftliches Gut Dobbin. 1903, S. 7. Auch 1429 und 1456 wird Roloff Barold als Zeuge beim Verkauf des Dorfes Glave an Propst Nikolaus Behringer und Priorin Ermegard Oldenburg vom Konvent des Klosters Dobbertin.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 163, 164. Das Gut Dobbin mit 2.500 Hektar Land, davon 400 Hektar Wald, gehörte damals zur Vogtei Krakow. Neben Zietlitz wurde es erst 1445 wieder in dem Bederegister, den Steuerlisten, der Vogtei genannt. Der Dorfschulze Herman Kreymann erwähnte in Dobbin schon einen Dorfkrug. 1481 sitzen die Brüder Hennecke und Roloff von Barold auf Dobbin. Doch von 1525 bis 1544 kam das Gut in fremden Pfandbesitz an Reimer von Passow. 1557 sitzen Hans Barold und sein Bruder Karsten wieder auf Dobbin.Kirchenvisitations-Protokoll Dobbin 1557. Diese stritten sich bis 1570 mit dem Kloster Dobbertin wegen zwei Hufen und zwei Seen auf der Glaver Feldmark.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 231. Danach waren dann Henning und Hans Barold in großen Geldverlegenheiten, so dass nach landesherrlichem Konsens das Dobbiner Gut 1627 an Moritz von Walsleben verpfändet wurde.

17. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg verödete der Ort. Die sechs noch lebenden Bauern waren 1637 mit ihren Familien nach Krakow geflohen. Durch Brandstiftung Curd von Restorff zu Lindenbeck brannte 1647 in Dobbin das Gutshaus von Johann von Walsleben ab.Graf von Oeynhausen: Ritterschaftliches Gut Dobbin. 1903, S. 20. 1672 erwarb Hans Rudolf von Grabow auf Woosten Dobbin mit dem Gut. 1675 zogen schwedische Truppen durchs Land, kaiserlichen und dänische Truppen bezogen in der Umgebung von Dobbin Quartier und 1676 zerstörte ein großer Brand das ganze Dorf bis auf zwei Häuser.Graf von Oeynhausen: Ritterschaftliches Gut Dobbin. 1903, S. 23. Ab 1694 übernahm Dietrich Wilhelm von Witzendorff das Gut von den Brüdern Moritz und Johann Otto von Grabow. Dieser wohnte nicht in Dobbin, sondern in Groß Zecher und war Landrat in Lauenburg und Domdechant in Lübeck.Graf von Oeynhausen: Ritterschaftliches Gut Dobbin. 1903, S. 24. Das Gut war an die Witwe des Amtmanns Aepinius vermietet und im ersten Jahr brannte schon das Wohnhaus, eine Scheune sowie das Tor- und Viehhaus ab. Ende 1699 übernahm dann Hermann von Wickede das Gut und begann mit dem Wiederaufbau des Hofes.

18. Jahrhundert Doch 1700 kam Dobbin wieder in den Besitz derer von Barold. Am 21. September 1701 erhielt Leutnant Jürgen Ernst von Barold den Lehnbrief von Herzog Friedrich Wilhelm. Er wohnte mit seiner Schwester Hyppolyta Margaretha in einem ehemaligen Backhaus. Sie hatten zwei Diener, vier Knechte, zwei alte Leute, eine Köchin und vier Mägde.

Nach dem Beichtkinderverzeichnis des Pastors Johannes Ahrendt wohnten 1703 neben dem Küster und dem Dorfschulzen noch ein Müller, der Schmied und der Jäger. Neben dem sich in sehr schlechte Zustand befindende Gutshof gab es in Dobbin nur noch drei Bauernstellen. Als Jürgen Ernst von Barold am 30. Januar 1727 starb, ging das Gut und das ganze Dorf an seinen einzigen Sohn, den Königlich Dänischen Major Christoph August über. Da er ohne Nachkommen blieb, erbte der selber wohlhabende Königlich dänische Generalmajor Hans Adolf von Lepel (1697–1770) auf Radegast und Rosenhagen das Gut. Sein Sohn Kammerherr Friedrich Diederich Joachim von Lepel als Nachfolger stirbt am 3. März 1805 kinderlos. Dessen Bruder Christoph August von Lepel (1748–1830) legte als Mitverwalter die Zietlitzer Bauern und siedelte sie weiter nördlich auf schlechterem Boden an. So entstand das Dorf Neu Zietlitz. Außerdem gehörten neben Zietlitz, Groß Bäbelin auch noch kleinere Pertinenzen, wie Augustenfelde, Hütten und Steinbeck zum Gut Dobbin. Von 1805 bis 1813 hatte dann der weitere Bruder, der Königlich dänische Generalmajor und Kammerherr Karl Hellmut von Lepel (1742–1813) den Mitbesitz angetreten. Letzter Besitzer aus der Lepel-Familie war dann der erwähnte Christoph August, der kurz vor seinem Tode den Besitz verkaufte, da aus dieser Lepel-Linie kein Nachkomme vorhanden war und sie damit ausstarb.Curt von Lepel (1908), Hans Körner (1990) und Oskar-Matthias von Lepel (2008), Stammtafel der Familie von Lepel, ungedruckt im Landesarchiv Greifswald

19. Jahrhundert 1829 gelangte das Gut durch Verkauf an Oberhofmeister Carl August Jasmund, der es mit Hütte und Zielitz von 1836 bis 1853 an Joachim Kayatz aus Zahren verpachtete.

1853 verkaufte Carl August von Jasmund Dobbin an den Domänenrath Georg Philipp von Brocken auf Hohen Luckow. Die von Brocken haben Dobbin drei Generationen besessen und mit glücklicher Hand und sozialem Denken dem Dorf und dem Gut ein neues Gepräge gegeben, was sich heute noch an Gebäuden ablesen lässt. Er schaffte mit den Gärten, der Parkanlage und den Alleen einen einheitlichen Übergang vom Ackerland zu den Weiden, den Seen und Wäldern. Nach dem Tod von Georg Philipp von Brocken 1878 zog Carl Adolf Georg aus Hohen Luckow auf die Begüterung in Dobbin. Sein jüngster Sohn Anton von Brocken übernahm 1891 nach dem Tod des Vaters, gleich kurz nach der Schulzeit auf dem bekannten Friderico-Francisceum-Gymnasium zu Doberan, und noch nicht ganz volljährig das Dobbiner Gut. Er führte später die Güter in Pötenitz und Volkstorf.

20. Jahrhundert mini|Schrittweiser Rückzug des OKW Richtung Norden über Dobbin und letztlich nach Mürwik (1945)

Wegen finanzieller Probleme verkauften die Nachfahren derer von Brocken das Gut am 12. Juli 1901 an Heinrich zu Mecklenburg, der am 7. Februar 1901 Königin Wilhelmina der Niederlande geheiratet hatte und Prinzgemahl geworden war. Das Gut erhielt eine eigene Bahnstation und wurde von Oberst a. D. Gottlob von Bülow-Stolle (1862–1944), Kammerherr und Hausmarschall, geleitet, durch Conrad von Bülow verwaltet, teils in Pacht bei Lucie Raabe.

Das nach der Weltwirtschaftskrise verschuldete ritterschaftliche Gut Dobbin stand nach dem Tode Prinz Heinrichs 1934 zum Verkauf an. Wahrscheinlich hatte der Mecklenburger Reichsstatthalter und Gauleiter Friedrich Hildebrandt durch seinen Vertrauten, den Justizrat Dr. Rudolph Blaubart aus Güstrow, davon Kenntnis. Denn am 24. Mai 1935 trafen sich Friedrich Hildebrandt und Sir Henri Deterding, welcher gemeinsam mit dem Niederländischen Königshaus Hauptaktionär der Royal Dutch Shell war, im Eden-Hotel in Berlin. Erst am 17. März 1936 fand im Hotel Erbgroßherzog in Güstrow die öffentliche Versteigerung statt. Oberst a. D. Hofmarschall Gottlieb von Bülow Stolle hatte von der Königin Wilhelmina der Niederlande die Vollmacht zum öffentlichen Verkauf des Gutes Dobbin. Der Gauleiter bot höchstpersönlich mit und erwarb das Gut Dobbin zum Preis von 1.050.000 Reichsmark für den Niederländer Sir Henry Deterding.Friedrich Lorenz: Ein Erdölmagnat erwirbt das Gut. In: Dobbiner Dorfgeschichten.2004 S. 51. Beide gründeten am 8. Juli 1936 in Schwerin die Friedrich-Heinrich-Landstiftung, die das Wirtschaftsgut aufsiedeln sollte.Die Friedrich-Heinrich-Landstiftung, ein „Muster“-Beispiel faschistischer Siedlungspolitik in Mecklenburg In: Jahrbuch für Regionalgeschichte. 4, 1972, S. 97–118 (econbiz.de). Vorbild war ein weiteres Gut Deterdings in Gößlow. Zur Stiftung gehörten Dobbin mit 1391 ha und Zietlitz mit 755 ha. Zietlitz hatte eine Ziegelei.Chronik der Stadt Krakow (GoogleBooks) Der zweite Teil, das Waldgut Dobbin, blieb im Besitz der Familie Deterding. Zu den 51 ha kaufte Deterding 1938 noch etwa 900 ha bei Glave. Nach Deterdings Tod ließ Gauleiter Friedrich HildebrandtLHAS 10.09. H/08 Personennachlass Hildebrandt, Friedrich (1898–1948) 1939 in einem recht eigenartigen juristischen Vorgang das Wirtschaftsgut nicht aufsiedeln, sondern einfach verkaufen. Mit dem Erlös kaufte er seiner Sekretärin ein kleines Gut in Hohen Viecheln und für seine Kreisleiter je einen Erbhof. Vermittelt durch Justizrat Dr. Blauert erwarb 1939 der in Berlin wohnende Eduard Winter, Großkaufmann und Generaldirektor der Opel-Werke in Rostock und Wehrwirtschaftsführer in Belgien den für die Aufsiedlung vorgesehenen Teil des ritterschaftlichen Gutes.Friedrich Lorenz: Dobbiner Dorfgeschichten. 2004 S. 9–185. Im Ort nur Auto-Winter genannt, im Schloss von zwei SS-Männern als Personenschutz bewacht, wurden in seinen Stallungen Autos aus allen Ländern als Beutegut gelagert und gewartet.Friedrich Lorenz: Die letzten Jahre des ritterschaftlichen Gutes. In: Dobbiner Dorfgeschichten. 2004 S. 76.

Kurz vor Kriegsende, von vielen unbemerkt, rückte 1945 Dobbin ins militärische und politische Blickfeld. Auf seinem Rückzug von Rheinsberg nach Plön machte das Oberkommando der Wehrmacht am 29. April 1945 mit Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Alfred Jodl und Reichsführer der SS, Heinrich Himmler Station in Dobbin.Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Band 4, 2. 1961, S. 1466, 1469. Das SS-Begleitkommando war im Forsthaus Dobbin untergebracht. Neben dem Sportplatz wurde ein Behelfsflugplatz für den Fieseler-Storch eingerichtet. Weshalb das OKW bei seinem Rückzug Quartier in Dobbin bezog, ist unklar. Vielleicht hatte der Wehrwirtschaftsführer Winter sein Gut Dobbin in der abgeschiedenen Gegend zur Verfügung gestellt. Am 1. Mai 1945 war die Rote Armee in Dobbin.

Liegenschaften Hof Zietlitz Um 1610 verpfändete Henning von Barold Zietlitz für 700 Gulden an das Kloster Dobbertin. Carl Adolf von Brocken baute 1862 ein Gutshaus für Hof Zietlitz und bezog es 1878. Das Haus wurde später zum Witwensitz ausgebaut. Der zweigeschossige Backsteinbau steht über einem hohen Keller mit einem Mauerwerk aus Feldsteinen. Beide Fronten haben Mittelrisalite.

1890 wurde der Hof Zietlitz an August Nölting aus Hof Hagen verpachtet, doch schon 1900 verpachtet Anton von Brocken den Hof an den Pensionär G. Schmidt. Dieser baute ein neues Viehhaus und einen Pferdestall.

Glashütte, Walk- und Wassermühlen