Garrey ist ein Ortsteil der Gemeinde Rabenstein/Fläming im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Das Dorf liegt im Hohen Fläming nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und wurde 1388 erstmals urkundlich erwähnt.
Lage Garrey ist ein Angerdorf. Der spindelförmige Dorfanger wird von Kirche, Friedhof, der ehemaligen Schule und der ehemaligen Dorfschmiede geprägt. Die historischen Gehöfte sind überwiegend als Drei- und Vierseitenhöfe angelegt. Im Südwesten befindet sich die wüste Feldmark Welsigke. Die A 9 verläuft westlich. 500 Meter entfernt südlich verläuft die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.
Geschichte Etymologie Die historischen Namensformen des Dorfes lauten Gorey (1388), Gareii (1455) und Garey (1591). Die Entwicklung zur heutigen Ortsbezeichnung Garrey lässt sich anhand der schriftlichen Überlieferung seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert nachvollziehen.
Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet „Brandstelle“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 61, ISBN 3-937233-17-2..
14. und 15. Jahrhundert mini|Dorfkirche Garrey Das Dorf Gorey wurde 1388 erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit besaß die Familie Hennig eine Lehnhufe. Es gehörte vor 1426 bis um 1550/1552 zur Vogtei bzw. Pflege bzw. Amt Rabenstein. Im Jahr 1419/1420 lebte im Ort der Richter, der die Gerichtsbarkeit und fünf Hufen hielt. Die Familie Mattheus besaß ein freies Erbe mit zwei Hufen. Die von Oppen besaßen von vor 1419/1420 bis nach 1591 Hebungen (1419/1420) bzw. zwei Dorfhufen (1506) bzw. Hebungen von drei Höfen (1591). 1455 ist die Namensform Gareii überliefert. 1496 wurden zwölf Türkensteuerpflichtige verzeichnet, darunter der Schulze sowie fünf Personen Gesinde.
16. Jahrhundert 1506 bestand Garrey aus zwölf bäuerlichen Wirtschaften unterschiedlicher Größe. Neben den Dorfhufen gehörten zu mehreren Besitzungen Rechte und Flächen in der wüsten Feldmark Welsigke. Die soziale Struktur des Dorfes blieb im 16. Jahrhundert weitgehend stabil; 1530 wurden 14 Hufner und ein Kossät gezählt. Der Pfarrer besaß eine Hufe, die 6 Scheffel Roggen und 6 Scheffel Hafer ab. Der Küster erhielt 16 Scheffel Roggen und 8 Brote. 1542 bestand Garrey aus einem Lehnschulzengut, einem Lehngut sowie weiteren Bauerngütern zwischen einer und sechs Hufen Größe. Neben den Bauern lebten ein Hirte, Knechte und Mägde im Ort. Die Dorfbewohner bewirtschafteten knapp 14 Morgen (Mg) Wiesenland. In den Jahren 1550/1552 übernahm das Amt Belzig-Rabenstein bis 1872 den Ort mit Ober- und Untergericht (1506). Eine Statistik aus dem Jahr 1565 berichtete von einem Lehnschulzen, einem Lehngut, einem Gut mit zwei Gärten oder Hufen, zehn Häusern und Höfen, einem Kossätenhof sowie einem Hirten mit zwei Kühen und 52 Schafen. Die Gemarkung war 24 Dorfhufen groß; hinzu kamen neun wüste Welsigker Hufen sowie 16 Mg 1 ½ Viertel Wiese. Im Jahr 1575 hatte der Pfarrer die zweite Hufe vermietet. Sein Getreidezehnt war in Rädigke enthalten. Der Küster erhielt 16 Scheffel Korn und 28 Brote. Die Kirche besaß Gottesland und Hebungen von einem Kossätenhof. Eine Statistik aus dem Jahr 1591 berichtete aus Garey. Es gab 14 besessene Mann (darunter zwei Gärtner): den Richter mit fünf Dorfhufen und einer wüsten Welsigker Hufe, vier Dreierbhufner, fünf Zweidorfhufner, einem Zweierbdorfhufner, ein Zweilehnhufner, ein Eindorfhufner sowie einen Häusler mit Garten. Die Gemarkung umfasste 45 Hufen: 32 Dorfhufen und 13 wüste Welsigker Hufen. Es gab 17 ¾ Mg Wiese: 1 Mg vor Jeserig, 2 Mg vor Lütte, 8 ¾ Mg vor Linthe, 5 Mg vor Trebitz und 1 Mg vor Brück. Die wüste Feldmark Welsigke wurde von Garreyer Bauern mitbewirtschaftet und erscheint noch über Jahrhunderte hinweg in den Quellen.
17. Jahrhundert Der Dreißigjährige Krieg führte zur fast vollständigen Entvölkerung des Dorfes. 1640 galt Garrey als „öde und wüst“. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte die Wiederbesiedlung ein. Im Jahr 1661 wurde von einem Hufner mit zwei freien Hufen und einer wüsten Welsigker Hufe berichtet. Er nutzte außerdem die fünf freien Hufen des Schulzengutes. Alle anderen Höfe lagen nach wie vor wüst. Im Jahr 1676 gab es drei Anspänner oder Hufner, drei Halbhufner und Kossäten sowie 12 Erbhufner und zwei wüste Hufen. Im Jahr 1682 lebte im Dorf der Schulze mit fünf freien Hufen und einer Wüsten Welsigker Hufe. Es gab weiterhin vier Dreidorfhufner, sechs Zweidorfhufner, zwei Kossäten mit je einem Garten sowie einen Hirten.
18. Jahrhundert Im Jahr 1701 lebten im Dorf zwölf Hufner, zwei Kossäten und der Hirte. Eine Statistik von 1718 führte auf: zwölf Hufner, einen Kossäten sowie 43 Hufen einschließlich 12 wüsten Markhufen, auf denen 222 Dresdner Scheffel Aussaat ausgebracht wurden: 6 Scheffel auf die Dorfhufen sowie 3 Scheffel auf die wüsten Hufen. Im Jahr 1743 gab es einen Fünfhufner (den Schulzen), vier Dreihufner und sieben Zweihufner. Davon bewirtschaftete ein Bewohner vier wüste Hufen, einer drei wüste Hufen und ein weiterer zwei wüste Hufen. Der Fünfhufner und zwei Zweihufner bewirtschafteten außerdem je eine wüste Hufe. Eine Statistik von 1777 berichtete von 14 angesessenen Einwohnern: zwölf Hufner, ein Kossät und ein Häusler. Es gab ein Schulhaus und ein Hirtenhaus. Aus dem Jahr 1777 ist ein Gemeindesiegel überliefert. Es zeigte einen Baum und trug die Ortsbezeichnung „GARREY“.Rosemarie Bergholz, Ingemarie Rückert: Dörfer im Hohen Fläming. Garrey, Zixdorf, Wüstemark. Beiträge zur Chronik, Gemeinde Garrey-Zixdorf, 2000, S. 13.
19. Jahrhundert In einer Statistik von 1806 erschienen ein Fünfeinhalbhufner (der Schulze), vier Vierhufner, ein Dreieinhalbhufner, fünf Dreihufner, zwei Zweieinhalbhufner, zwei Zweihufner, ein Kossät sowie ein Häusler. Sie bewirtschafteten insgesamt 37 Hufen. Im Jahr 1822 waren es zwölf Vollhufner (darunter der Lehnschulze) sowie ein Krüger, ein Kossät, ein alter und ein neuer Häusler (der Schmied) sowie ein Schulmeister, der auch als Schneider tätig war. Im Dorf standen im Jahr 1837 insgesamt 26 Wohnhäuser. Garrey bestand im Jahr 1858 aus dem Dorf mit Abbau Windmühle sowie vier öffentliche, 21 Wohn- und 46 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Getreidemühle. Die Gemarkung war 1337 Mg groß: 21 Mg Gehöfte, 22 Mg Gartenland, 1282 Mg Acker, 4 Mg Wiese, 8 Mg Torf. Westlich des Dorfes befand sich eine Bockwindmühle. Das für ihren Bau benötigte Land erwarb der Mühlenbesitzer Ferdinand Belger im Jahr 1855. Die Mühle gehörte später der Familie Schulze und stand am oberen Zugang zur Neuendorfer Rummel. Sie war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein markanter Bestandteil des Ortsbildes und stürzte 1958 ein.Rosemarie Bergholz, Ingemarie Rückert: Dörfer im Hohen Fläming. Garrey, Zixdorf, Wüstemark. Beiträge zur Chronik, Gemeinde Garrey-Zixdorf, 2000, S. 44. Das Dorf bestand seit 1871 mit dem Wohnplatz Wüstemark Welsigke. Im Jahr 1887 entstanden fünf über 60 Meter tiefe Brunnen, mit denen die Wasserversorgung der Gemeinde sichergestellt wurde.Infotafel: Chronik der Wasserversorgung, Ausstellung im ehemaligen Wasserturm der Gemeinde, März 2024
20. und 21. Jahrhundert mini|Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege Garrey bestand zur Jahrhundertwende aus 29 Häusern auf 840 Hektar (ha). Die Wasserversorgung galt lange Zeit als eines der größten Probleme des Dorfes. Vor dem Bau der zentralen Wasserversorgung wurde Trinkwasser aus Tiefbrunnen und Quellen der Wüstemark gewonnen, während die Dorfteiche vor allem als Brauchwasserreservoir dienten. Im Jahr 1912 entstand westlich des Dorfes ein Wasserwerk mit zwei bis zu 96 Meter tiefen Brunnen. Die Anlage wurde zunächst mit Benzolmotoren und später elektrisch betrieben. Im Zuge des Baus wurden erstmals entlang der Dorfstraße Wasserleitungen verlegt. Die Rohrleitungen wurden 1990 erneuert; seit 1991 verfügen alle Haushalte über Wasserzähler.Rosemarie Bergholz, Ingemarie Rückert: Dörfer im Hohen Fläming. Garrey, Zixdorf, Wüstemark. Beiträge zur Chronik, Gemeinde Garrey-Zixdorf, 2000, S. 60–63. Das Dorf wurde 1931 Landgemeinde mit dem Wohnplatz Wüstemark Welsigke, in der insgesamt 31 Wohnhäuser mit 36 Haushaltungen standen. Im Dorf gab es im Jahr 1939 einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit über 100 ha. Elf Betriebe waren zwischen 20 und 100 ha groß, 15 zwischen 10 und 20 ha, zwei zwischen 5 und 10 ha sowie weitere zwei zwischen 0,5 und 5 ha.