Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit (Originaltitel: ) ist eine 1972 veröffentlichte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. Sie wurde am Massachusetts Institute of Technology erstellt und von der Volkswagenstiftung mit einer Million DM finanziert.Volkswagenstiftung: . 2012 Beauftragt hatte sie der Club of Rome. Ausgangspunkt der Studie war der Nachweis, dass das individuelle lokale Handeln aller Menschen globale Auswirkungen hat, die weit über den Zeithorizont und Handlungsraum der Einzelnen hinausgehen.

Der Bericht wurde Anfang 1972 auf zwei internationalen Konferenzen (Smithsonian Institution, Washington, 2. März 1972Megan Gambino: Is it Too Late for Sustainable Development? Dennis Meadows thinks so. Forty years after his book The Limits to Growth, he explains why. smithsonianmag.com (15. März 2012).; St. Gallen Symposium, 3. Internationales Management-GesprächSt. Gallen Symposium: Past Symposia (Kopie auf archive.org vom 28. Juni 2018)) zur Diskussion gestellt und in Buchform veröffentlicht.Jay Wright Forrester: Der teuflische Regelkreis. Kann die Menschheit überleben? Deutsche Verlags-Anstalt, 1972, ISBN 3-421-02632-7. Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden.Matthew R. Simmons: Revisiting the Limits to Growth: Could the Club of Rome Have Been Correct, After All? Oktober 2000, S. 1 () 1973 wurde der Club of Rome dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

mini|hochkant=1.5|Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für 1973 an den Club of Rome in der Frankfurter Paulskirche. V. l. n. r.: Ernst Klett, Aurelio Peccei, Eduard Pestel (beide Mitglieder des Exekutiv-Komitees des Club of Rome)

Die Studie beruht auf einer Computersimulation. Donella und Dennis Meadows und deren Mitarbeiter am Jay Wright Forresters Institut für Systemdynamik führten dabei eine Systemanalyse verschiedener Szenarien durch. Das benutzte Weltmodell diente der Untersuchung von fünf Tendenzen mit globaler Wirkung: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoff-Reserven und Zerstörung von Lebensraum. So wurden Szenarien mit unterschiedlich hoch angesetzten Rohstoffvorräten der Erde berechnet und eine unterschiedliche Effizienz von landwirtschaftlicher Produktion, Geburtenkontrolle oder Umweltschutz angesetzt.

Erstausgabe und weitere Ausgaben In der Einführung der Erstausgabe gab U Thant, Generalsekretär der Vereinten Nationen, den …

1972: Ergebnisse der ursprünglichen Veröffentlichung mini|Standardlauf des Weltmodells von 1972 mini|Eine der möglichen Stabilisierungen des Weltmodells von 1972 („Stabilized World Model II“)

Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes waren:

Das Projektteam Dennis Meadows (USA) Alison A. Anderson (USA) Ilyas Bayar (Türkei) Farhad Hakimzadeh (Iran) Judith A. Machen (USA) Donella Meadows (USA) Nirmala S. Murthy (Indien) Jørgen Randers (Norwegen) John A. Seeger (USA) Erich Zahn (Deutschland) Jay M. Anderson (USA) William W. Behrens III (USA) Steffen Harbordt (Deutschland) Peter Milling (Deutschland) Roger F. Naill (USA) Stephen Schantzis (USA) Marilyn Williams (USA)

Das Erreichen der Wachstumsgrenzen könnte zu einem ziemlich raschen und nicht aufzuhaltenden Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität führen, wenn dadurch die Umwelt irreparabel zerstört oder die Rohstoffe weitgehend verbraucht würden. Ein Ändern der Wachstumsvoraussetzungen, um einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrechtzuerhalten sei, erschien jedoch möglich. Je eher sich die Menschheit entschließe, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginne, desto größer wären die Chancen, ihn auch zu erreichen. Hinsichtlich möglicher Lösungsstrategien heißt es:

Weltweite Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sei hierzu unbedingt nötig. Auf die Schwierigkeiten „kopernikanischen Ausmaßes“ wird klar hingewiesen. Jedoch drücken die Autoren auch ihre Hoffnung aus, dass sich die Menschheit noch zu diesen Entschlüssen durchringen könne, um ihr Überleben und einen „guten materiellen Lebensstandard“ in Form eines Gleichgewichtszustandes zu sichern.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 175.

Die Zusammenbruchs-Szenarien wurden – unter anderem – mit der Dynamik eines exponentiellen Wachstums begründet. Der Bericht beschreibt daher im ersten Teil die Mathematik des exponentiellen Wachstums sehr ausführlich und allgemeinverständlich. Im Falle der Weltbevölkerung gab es um 1650 eine Verdopplungszeit von 250 Jahren. 1970 betrug die Verdopplungszeit der Weltbevölkerung aber nur noch 33 Jahre. Ein solches Wachstum nannten die Autoren „superexponentiell“.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 26, 1. Absatz. Die Aussagen des Berichts zur Weltbevölkerung im Jahr 2000 sind inzwischen überprüfbar. In diesem Jahr lebten mit sechs Milliarden Menschen annähernd genau so viele Menschen, wie im Standardlauf des Weltmodells berücksichtigt wurden.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 25, Abb. 5.

Der zweite wesentliche Effekt in den Szenarien war die Einführung von Regelkreisen, mit denen sich die verschiedenen Komponenten des Weltmodells gegenseitig beeinflussten. Beispielsweise ist das Bevölkerungswachstum abhängig von der Geburten- und der Sterberate. Solange die Geburtenrate höher als die Sterberate ist, wächst die Bevölkerung. Ist die Sterberate höher, so sinkt sie. Geburten- und Sterberate sind aber abhängig von der medizinischen Versorgung und der Nahrungsmittelproduktion. Nahrungsmittelproduktion und medizinische Versorgung hängen wiederum von der Industrieproduktion ab, da diese Auswirkungen auf die Bereitstellung von Technologien für die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen hat.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 82–91

Eine Besonderheit war zu der Zeit, dass die Simulationen mit Hilfe von Computern erstellt wurden. Die damals bekannten Daten zur Entwicklung der Weltbevölkerung, der Industrieproduktion, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion, der Rohstoffvorräte und andere Daten speiste man in das World3 genannte Computermodell ein. World3 wurde in der Computersprache Dynamo geschrieben. Damals benötigte man Großrechner, um das Programm laufen zu lassen. Mit dem Erscheinen des 30-Jahre-Updates im Jahre 2004 wurde auch eine CD veröffentlicht, auf der das World3-Computermodell – in einer leicht modifizierten Variante 03 – als Computerprogramm enthalten ist, welches auf einem handelsüblichen PC ausführbar ist.Hartmut Bossel: Weltmodell World3-03. ISBN 978-3-86563-387-3.

Die Simulationsergebnisse der meisten Szenarien ergaben ein weitergehendes, zunächst unauffälliges Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum bis zu einer ziemlich jähen Umkehr der Tendenz vor dem Jahr 2100.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 79, 1. Abs. Nur sofortige durchgreifende Maßnahmen zum Umweltschutz, zur Geburtenkontrolle, zur Begrenzung des Kapitalwachstums sowie technologische Maßnahmen änderten dieses Systemverhalten, so dass auch Szenarien errechnet werden konnten, unter denen sich die Weltbevölkerung wie auch der Wohlstand langfristig konstant halten ließen. Zu diesen technologischen Maßnahmen gehörten Wiederverwendung von Abfällen, verlängerte Nutzungsdauer von Investitionsgütern und anderer Arten von Kapitalgütern sowie Handlungen zur langfristigen Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit land- und forstwirtschaftlicher Betriebe.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 148, Abb. 46. Die Autoren hatten nicht nur Katastrophenszenarien als Ergebnis erhalten, sondern auch Szenarien, die zu einem Zustand des Gleichgewichts führten.

Meadows et al. behandelten die wichtige Technologiefrage besonders ausführlich in einem eigenen Kapitel.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. Kapitel IV In diesem wird unter anderem ein Szenario durchgerechnet, in dem es mithilfe der Technik gelingt, den Rohstoffverbrauch durch vollständiges Recycling auf Null zu senken.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 119, Abb. 36 In einem weiteren Szenario werden „unbegrenzte Rohstoffvorräte“ und eine durch Technik massiv verringerte Umweltverschmutzung berücksichtigt,Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 123, Abb. 39 schließlich werden diese Modelle noch um erhöhte landwirtschaftliche Produktivität und perfekte Geburtenkontrolle ergänzt.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 119 ff., Abb. 40–42 Es zeigte sich, dass – gemäß der Modellvorstellung – auch maximale Technologie keinen Systemzusammenbruch verhindert, sofern das Produktionskapital unbegrenzt weiter wachsen würde, weil selbst eine maximale Technologie die negativen Folgen nicht mehr kompensieren könne:

Bevölkerungswachstum war in den Modellen zunächst eine Voraussetzung für die Steigerung der Wirtschaftsleistung, da die Bevölkerungszahl Auswirkungen auf die Rohstoffproduktion, die Nahrungsmittelproduktion, die nachgefragten Dienstleistungen und die Industrieproduktion hätten.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 86, Abb. 25 Diese wirtschaftsfördernden Aspekte des Bevölkerungswachstums würden aber bei einer Grenzüberschreitung ins Gegenteil umschlagen, da die Kapitalabnutzung dann größer als die Investitionsrate wäre. Dies wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn die Kosten der Rohstoffgewinnung immer weiter anstiegen, weil die ergiebigen Lagerstätten erschöpft wären und auf immer minderwertigere Lager zugegriffen werden müsste. Es könne also nach den Ergebnissen des 1972er-Berichts kein unendliches Bevölkerungswachstum geben, ohne dadurch irgendwann auch das Industriekapital zu beeinträchtigen.Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 113, Abb. 35

Den Autoren war bewusst, dass sie die Szenarien teilweise auf der Grundlage ungenügender Daten erstellten, daher wurden Modellläufe sowohl unter der Annahme gleichbleibender wie auch bis zu fünf Mal höherer Reserven, als 1972 nachgewiesen waren, durchgeführt. Hinzu kamen jeweils unterschiedliche Vorgaben für das Wirtschaftswachstum. Trotzdem waren aber in den meisten Szenarien die Rohstoffvorräte vor dem Jahr 2100 erschöpft. In dem Bericht wurde deutlich erklärt, dass keine Voraussagen gemacht würden, sondern nur „Hinweise auf die im Weltsystem charakteristischen Verhaltensweisen“Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 79, 1. Absatz, 9. Zeile. gegeben würden.

Die erste Studie von Meadows et al. wie auch die politisch bedingte Ölkrise von 1973 lösten ein Umdenken insbesondere in den westlichen Staaten aus. Danach kam es zur Entwicklung neuer Technologien, erhöhter Energieeffizienz und einem „qualitativen Wachstum“ mit stärkerer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Umweltverschmutzung. In den Ostblockstaaten, so etwa der DDR, wurden Meadows Thesen regierungsamtlich als „feindlich-negativ“ abgelehnt, aber angesichts erheblicher Umweltprobleme insbesondere von der kirchlichen Umweltbewegung und Opposition eingeführt und thematisiert.Saskia Gerber: Die Umweltbewegung in der DDR. GRIN Verlag, 2007, ISBN 3-638-72650-9.

Reaktionen auf die Veröffentlichung 1972 Direkt im Anschluss an die Veröffentlichung kam es zu kontroversen Reaktionen. Henry Wallich von der Yale University bezeichnete in einem Leitartikel (13. März 1972) in Newsweek Die Grenzen des Wachstums als unverantwortlichen Unfug („irresponsible nonsense“). Meadows Katastrophenszenarien würden dazu benutzt, stark von politischen Vorstellungen geprägte subjektive Zukunftsvisionen zu propagieren.