Kunnersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Schöpstal im sächsischen Landkreis Görlitz. Kunnersdorf zählt ca. 500 Einwohner, seine Fläche beträgt 8,44 km².

Lage und Erreichbarkeit Kunnersdorf liegt ca. 2 km nördlich der Gemeinde Schöpstal und ist über die Staatsstraße S125 zu erreichen.

Orts- und Gutsgeschichte Als Siedlung erstmals 1309 als Conradesdorph erwähnt. Im 18. Jahrhundert sind 20 besessene(r) Männer, 18 Gärtner und 36 Häusler nachgewiesen. Kunnersdorf lag im alten Landkreis Görlitz, der zu Schlesien gehörte.

Im Ort entwickelte sich ein Großgrundbesitz. Nach Walter von Boetticher erhielt durch Heirat der Barbara Frentzel von Königshain mit Paul von Liedlau letzterer vor 1594 das örtliche Gut, gefolgt vom Sohn Georg Paul von Liedlau. Anschließend erwarb für 20.000 Thlr. Joachim von Schachmann. Sein Sohn Jacob d. J. von Schachmann übernahm das Gutserbe, starb 1672. Dessen Tochter Anna Dorothea heiratete den Vetter Franz Carl von Schachmann, Sohn Franz Adolph von Schachmann. Dieser starb 1719 und hinterließ zwei Kinder, Johanna Eleonore Albrecht und Franz Ernst, der wiederum unvermählt starb. Seine Schwester heiratete in die Familie von Gustedt ein; daher stammt das Wappen am Haus.Derselbe: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter. 1635 - 1815. Band 2, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Selbstverlag, Görlitz/Oberlößnitz 1919, S. 565.

Die Eigentümer wechselten dann mehrfach.Altes & Neues Schloss Kunnersdorf, In: Sachsens Schlösser. Hrsg. Katja Kretzschmar / Stadt Wehlen. Veröffentlicht am 25. September 2012.Vgl. Kaufmann Hans Frenzel / Sohn Joachim Frenzel, In: Agnes Niedzielski (Hrsg.): Galerie Schlosspraxis-Kunnersdorf. Die letzten Gutsherren stellte die briefadelige Familie von Stockhausen, die aus Westfalen stammte und dort auch ihre Hauptgüter innehatte. Sie waren Nachfahren von Juristen. Vertreter waren der RegierungsratRichard Jecht: Neues Lausitzisches Magazin. Fünfundsechszigster Band, 2. Heft, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, E. Remer. Selbstverlag, Görlitz 1889, S. 304.Erster Nachtrag zur Königlich Preußischen Ordens-Liste 1886. Enthält die Verleihungen vom 1. April 1886 bis 31. März 1887. (Rother Adler-Orden Vierte Klasse). Reichsdruckerei, Berlin 1887, S. 78. Hugo von Stockhausen (1839–1907) und seine Ehefrau Mathilde von Clavé-Bouhaben (1852–1924). Mathilde von Stockhausen war selbst Gutsbesitzerin in Gastendonk am Rhein.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1941. 33. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 487. Siehe FamilySearch (Kostenfrei). Wasserburg Gastendonk, In: Rheinruhronline. Hrsg. Stadt Kempen 2022. Das Rittergut Kunnersdorf mit 247 ha, davon 29 ha Forsten, war damals verpachtet an Otto Wittig.Gut Nr. 2113, In: Schlesisches Güter-Adreßbuch, Verzeichniß der sämmtlichen Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke. . Fünfte Ausgabe, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1894, S. 234. Ihnen folgte die beiden Töchter als gemeinsame Inhaberinnen. Tochter Itta von Stockhausen (1874–1945),Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B (Briefadel. 1956). Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg (Ostsee) 1956, , S. 466 f. war verheiratet mit dem Generalmajor Freiherr Fritz von Wrangel (1863–1945),Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser A (Uradel) 1962. Band IV, Band 27 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1962, , S. 535. der vor Ort als Verwalter agierte und zuweilen selbst als Gutsherr in der Literatur benannt wurde.Vgl. Erich Wentscher: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete 1929. 6. Jahrgang / Heft, C. A. Starke, Görlitz 1929, S. 248. Tochter Elsa von Stockhausen war zuerst mit dem Offizier Georg Graf Rittberg-Stangenberg (1859–1939) verheiratet und dann mit dem Rittmeister Freiherr Joachim von Eckardstein-Reichwalde (1869–1938). Mit Folgen des Krieges und der Bodenreform in der SBZ wurde der Gutsbesitz enteignet.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Liebstein eingegliedert.

mini|Gerichtskretscham in Kunnersdorf Im Jahr 1895 gab es zahlreiche wirtschaftliche Betriebe im Pfarrdorf Kunnersdorf mit seinen 795 Einwohnern: 1 Gasthof d. Gust. Preuss; zwei Bäcker mit Emil Deutschmann und Carl Schulze; den Böttcher Gottl. Kiesling; einen Pumpen- und Brunnenmacher; den Fleischer Robert Heidrich, mehrere kleinere Gutsbesitzer, eine Kalkbrennerei in Betreibung der Familien von Stockhausen und Schneider Jul. Hirche, zwei Korbmacher, mehrere Mühlen, einen Sattler, zwei Schmieden, Schneider; Schuhmacher, Kolonialwarengeschäft; einen Steinbruch-Betrieb, Stellmacherei sowie mehrere Tischlereien etc.Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 9: Schlesien und Posen. 8. Ausgabe 1895, Leuchs & Co., Nürnberg 1895, S. 124 a.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1777 635 1871 826 1885 725 1925 712 1939 663 1946 897 Jahr Einwohner 1950 1 245 1964 1 051 1990 713

Literatur

Hans-Joachim Sciborski (Hrsg.): Männergesangsverein Kunnersdorf. Eine Zusammenfassung von bisher bekannten fragmentarischen Dokumenten. Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Männer-Gesang-Verein zu Kunnersdorf. Selbstverlag, Borkheide 2006. Hans-Joachim Sciborski (Hrsg.): Bauernfamilie Emut in Kunnersdorf am Weißen Schöps. Selbstverlag, Borkheide 2020. Hans-Joachim Sciborski (Hrsg.): Kretschamgut Nr. 9 zu Kunnersdorf am Weißen Schöps. Band 1/2, Selbstverlag, Borkheide 2021. Hans-Joachim Sciborski (Hrsg.): Kretschamgut Nr. 9 zu Kunnersdorf am Weißen Schöps. Band 2/2, Selbstverlag, Borkheide 2021. Hans-Joachim Sciborski (Hrsg.): Kalksteinbruch Kunnersdorf in der Gemarkung Kunnersdorf am Weißen Schöps. Band 2: Aus der Zeit von 1945 bis heute. Selbstverlag, Borkheide 2022.

Weblinks

Website der Gemeinde Schöpstal Kunnersdorf, In: Historisches Sachsen. Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen. Heimatbuch Kunnersdorf. Buch zur Dorfgeschichte 2009. Lausitzer Heimatverlag/Stadtbildverlag, Görlitz: Teil 1. PDF, Teil 2. PDF,

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Görlitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Görlitz) Kategorie:Gemeindeauflösung 1994 Kategorie:Schöpstal Kategorie:Waldhufendorf