150px|rechts Boizenburg/Elbe ist eine Stadt im Westen des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Die Geschichte von Boizenburg reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück.
Name mini|Die Boize – Namensgeberin der Stadt Der Name der Stadt verweist auf eine ehemalige Burg an dem Fluss Boize. In alten Urkunden wurde dieser Name zunächst nur als Landschaftsbezeichnung gebraucht.
Die älteste ErwähnungKarl Jordan: Die Bistumsgründungen Heinrich des Löwen. Untersuchungen zur Geschichte der ostdeutschen Kolonisation (= Schriften des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtkunde (MGH). Band 3). Verlag K. W. Hiersemann, Leipzig 1939, S. 36.Die häufig als Ersterwähnung angeführte Dotationsurkunde Heinrich des Löwen von 1158 (MUB I. (1863) Nr. 65) geht auf eine echte Vorlage zurück.Peter Donat, Heike Reimann, Cornelia Willich: Slawische Siedlung und Landesausbau im nordwestlichen Mecklenburg (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa. Band 8). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07620-4, S. 132 ff;Aus der Geschichte des Dorfes Bennin. Abgerufen am 10. September 2017. als territorio boyceneburgMUB I. (1863) Nr. 101. findet sich in einer Urkunde Heinrich des Löwen von 1171, dann in einem Dokument von 1223 die terra boyzenburcMUB I. (1863) Nr. 290. und schließlich im Ratzeburger Zehntregister von 1230 die terra boyceneburch. In einer Bestätigung des Grafen Gunzelin von Schwerin von 1255MUB II. (1864) Nr. 755 (Digitalisat). wurde dann erstmalsAllerdings erwähnt bereits die Urkunde in MUB I. (1863) Nr. 529 (Digitalisat) Heinrich von Zweedorf und die übrigen anwesenden Ratsmänner von Boizenburg, aber die Amtsbezeichnung als Bürgermeister wurde für Heinrich von Zweedorf noch nicht verwendet. eine Stadt mit dem Namen Boitzenborg erwähnt. Dieser zusammengesetzte Ortsname ist deutschen Ursprungs.Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1, S. 24.
Ungeklärt sind dagegen Herkunft und Bedeutung des bestimmenden Gewässernamens Boize. Ein deutschsprachlicher ErklärungsversuchHans Walter: In: Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, S. 47; Dieter Greve: Flurnamenatlas für das südliche Westmecklenburg. Band I, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-25-8. Diese Deutung geht zurück auf den Boizenburger Heimatforscher und Museumsgründer Hans Vick (1893–1966) der auf Boken für das 15 km nordwestlich gelegene Büchen verweist. will ihn von niederdeutsch bõke bzw. boic, also Buche ableiten.Problematisch an dieser Deutung ist die Dauerhaftigkeit von Gewässernamen. Diese sind meist sehr alt, was gegen eine Namensgebung durch deutsche Zuwanderer des 12. Jahrhunderts sprechen würde. Zudem sind Flussauen keine geeigneten Standorte für Buchenwachstum. Zweifelhaft ist auch der Hinweis auf niederdeutsch boic oder boik für Buche: Eine solche Schreibweise findet sich nicht in zeitgenössischen Texten und ist dem Niederdeutschen generell fremd. Der Name der Stadt bedeutete dann so viel wie Buchenwaldburg.So ausdrücklich Hans Walter: In: Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, S. 47.
Demgegenüber deutet der slawischsprachliche ErklärungsansatzPaul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 46, 1881, S. 3–168 (Digitalisat); Richard Hagen, Uwe Wieben: Ein Überblick über die Geschichte der Stadt Boizenburg bis 1917. In: Rat der Stadt Boizenburg (Hrsg.): Boizenburg. Beiträge zur Geschichte der Stadt. 1255–1280. Schwerin 1980, S. 8 f. Boize wahlweise als Fluss der Bethenzer oder Umkämpfter Fluss, letzteres abgeleitet von dem slawischen Wort boj für Kampf.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Name mit einem t, also Boitzenburg geschrieben.
Seit dem 17. März 1939 trägt die Stadt den Namen Boizenburg/Elbe.Reichsblatt, 1939, Nr. 17, S. 147.
Stadtwappen mini|hochkant|Stadtsiegel vom 21. Mai 1326. Das Boizenburger Stadtwappen ist von blauer Farbe und zeigt eine goldene Burg mit weit aufgeschlagenem Tor.Carl Teske: Die Wappen der Großherzogthümer Mecklenburgs, ihrer Städte und Flecken. Verlag von C. A. Starke, Görlitz 1885. S. 23 f. Das Wappenbild ist recht einfach gehalten; es zeigt eine mit Zinnen versehene Burgmauer und den durch die Gebäudeflügel flankierten Burgturm.
Eine der ältesten bekannten Darstellungen des Stadtwappens stammt von 1326. Hinter der vorgelagerten Mauer mit fünf Zinnen und dem weit aufgeschlagenen rundbogigen Tor zeigt sich ein breiter Turm. Der Turm ist mit drei rundbogigen Fenstern und Kuppeldach versehen und wird von den vierfenstrigen gegipfelten Gebäudeflügeln flankiert. Die drei Dächer werden von je einem Knopf bekrönt. Das Siegel trägt die Umschrift: .
Im Lübecker Stadtarchiv findet sich zudem ein Stadtsiegel von 1351. Das Stadtwappen ähnelt der vorgenannten Darstellung von 1326. Der Turm zeigt jedoch ein rechteckiges Fenster und die Gebäudeflügel jeweils zwei Fenster. Das Siegel trägt die Umschrift: .
Am 10. April 1858 ließ Großherzog Friedrich Franz II. die Gestalt des Boizenburger Wappens neu festlegen. Die Stadt erhielt daraufhin eine Kopie des Wappens und ein beigefügtes Reskript. Im beigefügten Schreiben heißt es:
Das neu festgelegte Wappen glich dem ältesten bekannten Wappenbild.
Das Stadtwappen wurde im September 1940 von Reichsstatthalter Friedrich Hildebrandt erneut bestätigt.Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich: ein Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus. Edition Temmen, Bremen 2011, S. 129.
Römische Kaiserzeit Erste Spuren einer frühen Besiedlung im Ortsteil Schwartow konnten mittels Dendrochronologie auf die Zeit um 340 datiert werden. Es handelt sich um hölzerne Kastenkonstruktionen im Erdreich, die möglicherweise Teil einer Gerberei waren.Volkhard Hirsekorn: Dendrodatierte Holzkonstruktionen aus der späten römischen Kaiserzeit. (kulturwerte-mv.de). Abgerufen am 12. April 2018.
Mittelalter Von 800 bis 1300 Nach dem Abwandern der Elbgermanen besiedelten ab dem 8. Jahrhundert Abodriten das Land an der Boize. Durch dieses Gebiet verlief ein Fernweg vom Harz in den Ostseeraum, der bei Gothmann die Elbe und dann im heutigen Stadtgebiet die Boize durchfurtete. Im Fürstengarten entstand zur Überwachung des Handelsweges im 9. Jahrhundert eine slawische Niederungsburg mit Graben, Erdwall und hölzernen Palisaden. Diese einfache Befestigung diente zugleich als untergeordnetes Verwaltungszentrum und Handelsplatz. Ob neben dem Burgwall bereits zu slawischer Zeit eine Siedlung bestand, konnte bislang durch Ausgrabungsfunde noch nicht belegt werden. Der letzte slawische Fürst des abodritischen Teilstammes der Polaben, Pribislaw, verlor nach einer Niederlage um 1139 die Herrschaft über Polabien und das Gebiet um Boizenburg.Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Band 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 158, 160. Daraufhin vergab Heinrich der Löwe Polabien 1142 als erbliches Lehen an Heinrich von Badewide. Den wirtschaftlich und militärisch bedeutsamen Elbübergang bei Gothmann, die Burg an der Boize und das Land Boizenburg behielt der Sachsenherzog jedoch für sich. In der Burg wurde eine Zollstelle eingerichtet, von der aus der Salzhandel zwischen Lüneburg und dem Ostseeraum auf dem Boizenburger Frachtweg besteuert wurde.Das MUB I. (1863) Nr. 221 von 1216 berichtet davon, bereits Heinrich der Löwe habe die Hamburger Kaufleute von der Zahlung des Zolls in Boizenburg befreit. Zur Verwaltung des Landes Boizenburg setzte Herzog Heinrich den Grafen Meinricus ein, der die vordem slawische Burg um einen steinernen Wohnturm erweiterte.Meinricus wurde erwähnt als Zeuge in Urkunden Heinrich des Löwen von 1163 (MUB I. Nr. 80), 1167 (MUB I. Nr. 88), 1169 (MUB I. Nr. 91) 1170 (MUB I. Nr. 96) und 1171 (MUB I. Nr. 99). Für das Gesinde entstand südöstlich der Burg eine Siedlung, das spätere Altendorf. Ab der Verbannung des Sachsenherzogs 1181 unterstand das Land Boizenburg zunächst seinem Lehnsmann Bernhard I. Dieser errichtete zur Sicherung des Elbüberganges bei Gothman gegen Einfälle aus dem nun feindlichen Süden noch im selben Jahr auf dem Bollenberg die hölzerne Befestigung castrum wotmunde. Spätestens mit der Niederlage Bernhards in der Schlacht bei Boizenburg 1191 gegen seinen Sohn verlor das Land Boizenburg seine administrative Sonderstellung und gehörte von nun an zur Grafschaft Ratzeburg. 1201 fiel nach der Schlacht bei Waschow die Grafschaft an die Dänen, deren König Waldemar II. auch das castrum wotmunde niederbrannte. Anschließend legte er Boizenburg zur Grafschaft Schwerin. Als deren Grafen abtrünnig wurden und einen Verbündeten des Dänenkönigs angriffen, entsandte Waldemar II. ein Heer unter seinem Statthalter Albrecht von Orlamünde, der 1208 die Burg und das wieder aufgebaute castrum wotmunde zerstörte und das Land Boizenburg verwüstete.Jahrbuch des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 76, S. 95. Die Marienkirche wurde in dieser Zeit errichtet und zwischen dem Kirchplatz und der Niederungsburg entstand eine Kaufmannskolonie. 1241 verwaltete sich diese Kaufmannskolonie bereits selbst. Sie verfügte mit Heinrich von Zweedorf über einen Ratsvorsitzenden und weitere Ratsmänner, und am 22. Juli 1255 kauften in der dazugehörigen Urkunde als „borgern to Boitzenborg“ bezeichnete Bürger der Stadt Boizenburg von Graf Gunzelin III. ein Vorwerk an der Boize. Aufgrund dieses Nachweises vom Vorhandensein einer offenbar rechtsfähigen Bürgerschaft feierte die Stadt Boizenburg 2005 ihr 750-jähriges Jubiläum. Offiziell erhielt die Kaufmannssiedlung das Lübecker Stadtrecht jedoch erst 1267 verliehen.MUB I, Nr. 1127 MUB I, Nr. 1127 In dieser Zeit lebten bereits jüdische Familien in der Stadt.Leopold Donath: Geschichte der Juden in Mecklenburg von den ältesten Zeiten (1266) bis auf die Gegenwart (1874). Oskar Leiner, Leipzig 1874, S. 298.
Von 1300 bis 1600 mini|hochkant|Eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt, Klingbergstraße 39 In einer Urkunde vom 19. August 1357 umschreibt Herzog Albrecht III. die Verpflichtungen und Aufgaben seiner Burgmannen zu Boizenburg: custodia, inhabitacio et in seruiciis satisfacere que seruicia et onera ius castri feudale exigit et requirit.MUB XIV. (1886) Nr. 8381. Der Burgmann war für den Schutz und Erhalt der Burg verantwortlich, für seine Dienste erhielt er eine Entschädigung, das sogenannte Burglehen. Das Burglehen bestand aus einigen Hufen in der Umgebung von Boizenburg. Im 14. Jahrhundert erlangte Boizenburg eine größere Bedeutung für den Lüneburger Ostseehandel mit Salz. 1380 ließ die Stadt Wismar die bereits 1323MUB VII. (1872) Nr. 4457. erwähnte Boizenburger Stadtmauer erweitern, um so die Stadt als Umschlagsort besser zu schützen. Die Stadt profitierte erheblich vom Salzhandel. So musste um 1412 für jede Fuhre Salz vier Lübische Schillinge an die Stadt entrichtet werden. 1422 bestimmte Herzog Albrecht V., wer in Boizenburg das Schiffamt ausüben durfte.Luise Krieg: Die Schalfahrt im 16. Jahrhundert und ihre wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung. In: MJB, Band 79 (1914), S. 6. Der Herzog schützte mit dem von ihm erteilten Privileg die Boizenburger Schiffer gegenüber den wendischen Schiffern, indem er nur geborenen Deutschen das Recht der Ausübung des Schiffamtes zubilligte.