mini|hochkant=1.3|Ludwigshafener Innenstadt; vorne links: Hafengelände, vorne rechts: Parkinsel, dahinter: Innenstadt, rechts: Rhein, rechts: Mannheim
Ludwigshafen am Rhein [ oder ] ist die größte Stadt der Pfalz, mit 177.222 Einwohnern (31. Dezember 2024) nach der Landeshauptstadt Mainz die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz und nach Mannheim die zweitgrößte Stadt der Metropolregion Rhein-Neckar.
Am linken Rheinufer gegenüber der baden-württembergischen Schwesterstadt Mannheim gelegen, ging Ludwigshafen in den 1840er-Jahren aus der ehemaligen Mannheimer Rheinschanze hervor. 1853 wurde es amtlich zu einer eigenen Gemeinde. Die Stadt ist vor allem als Hauptsitz der BASF sowie als Heimatstadt von Helmut Kohl und Ernst Bloch bekannt. Ludwigshafen und Mannheim bilden ein zusammenhängendes Stadtgebiet und teilen sich unter anderem das Straßenbahnnetz und das Telefonnetz mit der gemeinsamen Vorwahl 0621, wobei die Bundesnetzagentur eine Zuordnung der nur in Ludwigshafen verwendeten Teilnehmernummern vorgenommen hat.
Ludwigshafen ist eine kreisfreie Stadt und gleichzeitig Verwaltungssitz des die Stadt umgebenden Rhein-Pfalz-Kreises. Sie ist eines der fünf Oberzentren des Landes Rheinland-Pfalz.
Weitere nähergelegene Großstädte sind im Uhrzeigersinn Mainz (etwa 60 km nördlich), Darmstadt (etwa 45 km nordöstlich), Heidelberg (etwa 25 km südöstlich), Karlsruhe (etwa 50 km südlich) sowie Kaiserslautern (etwa 55 km westlich).
Die Einwohnerzahl der Stadt überschritt 1921 die Grenze von 100.000, wodurch sie in weniger als einem Jahrhundert nach ihrer Gründung zur Großstadt wurde.
Geographie rechts|210px| Nr. 22 der Naturräumlichen Haupteinheiten, die Oberrheinische Tiefebene Geographische Lage Ludwigshafen liegt am Rhein bei Flusskilometer 430 in den Auen auf dem linken Rheinufer (Westufer) nördlich der Gebietsmitte des Oberrheingrabens. In den Jahrhunderten vor der Rheinbegradigung durch Tulla im 19. Jahrhundert mäanderte der Fluss in dieser Ebene, einem großräumigen Überschwemmungsgebiet, fast jährlich. Der Stadt gegenüber mündet der von Heidelberg kommende Neckar, dessen Quelle auf der Ostseite des Schwarzwalds entspringt. Die seit ihrer Gründung von der Chemieindustrie geprägte Großstadt liegt im ansonsten landwirtschaftlich genutzten Kerngebiet der historischen Kurpfalz und der heutigen Metropolregion Rhein-Neckar zwischen dem Pfälzerwald westlich und dem östlich liegenden Odenwald als den Grenzgebirgen des in Nord-Süd-Richtung laufenden Grabens. Wenn man den Rhein als natürliche östliche Grenze des Gebiets von und um Ludwigshafen betrachtet, liegen an ihm in Rheinland-Pfalz in einem Halbkreis nach Westen folgende größere Städte darum herum: im Norden Worms, Grünstadt, Frankenthal (Pfalz), Neustadt an der Weinstraße und im Süden Speyer. Auf der östlichen Rheinseite liegen getrennt durch den Fluss diese markanten und bekannteren Nachbarorte in einem Bogen um die Schwesterstädte Mannheim/Ludwigshafen Heppenheim, Weinheim und Heidelberg. Das Gebiet ist historisch durch bedeutende Nord-Süd-Verkehrswege durchzogen, den heutigen Autobahnen und Bahnmagistralen. An der Bundeswasserstraße liegen mehrere Industriehäfen.
Klima Ludwigshafen hat ein sehr mildes und trockenes Klima. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 11,2 °C. Im Sommer wird es durch die Nähe zu Rhein, Neckar und den 17 Weihern der Region oft drückend schwül. Außerdem suchen in dieser Jahreszeit stärkere Unwetter die Stadt heim, die vom Südwesten bis Westen herankommen. Die bisherige Höchsttemperatur wurde während der Hitzewelle 2003 im August erreicht und betrug 40,1 °C. Die höchste mittlere Monatstemperatur wurde im Juli 2006 mit 25,18 °C gemessen (langjähriger Durchschnitt bei zirka 20 °C). Am 11. August 2006 wurde im Rhein-Pfalz-Kreis nahe Maxdorf ein Tornado bzw. Funnel beobachtet. Am 19. Juli 2015 wurde bei Rheingönheim erneut ein Funnel entdeckt.
Nachbargemeinden Folgende Städte- und Gemeindegebiete grenzen an die Stadt Ludwigshafen (Auflistung im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten):
Mannheim (Stadtkreis in Baden-Württemberg), Altrip, Neuhofen, Limburgerhof, Mutterstadt sowie Fußgönheim und Maxdorf (Verbandsgemeinde Maxdorf) (alle zum Rhein-Pfalz-Kreis gehörig) und Frankenthal (Pfalz) (kreisfreie Stadt).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Ludwigshafen ist gemäß § 2 der Hauptsatzung der Stadt Ludwigshafen in zehn Ortsbezirke gegliedert.
In jedem Ortsbezirk gibt es einen aus sieben bis 15 Mitgliedern bestehenden Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher. Sie werden für fünf Jahre gewählt. Die Ortsbeiräte sind zu wichtigen, den Ortsbezirk betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt dann jedoch dem Ludwigshafener Stadtrat.
Die Ortsbezirke sind zum Teil in weitere Stadtteile beziehungsweise statistische Bezirke untergliedert. Diese Einteilung dient lediglich statistischen Zwecken.
Stadtteile Die Stadtteile sind seit 1974: Mitte, Süd, Nord/Hemshof, West, Friesenheim, Oppau, Edigheim und Pfingstweide, Gartenstadt, Mundenheim, Oggersheim, Rheingönheim, Maudach und Ruchheim.100 Jahre Städtestatistik in Ludwigshafen am Rhein, Informationen zur Stadtentwicklung Ludwigshafen am Rhein Nr. 03/2014, S. 96–101.
Ortsbezirke Ortsbezirke mit ihren zugehörigen Untergliederung sind:
Lage Wappen Beispielbild Ortsbezirk Untergliederung Ortsbeirat 60px 70px 110px Friesenheim(771 erwähnt1891 eingemeindet) – 15 Mitglieder 60px 70px 110px Gartenstadt(1909 gegründet) HochfeldNiederfeldErnst-Reuter-Siedlung 15 Mitglieder 60px 70px 110px Maudach(770 erwähnt1938 eingemeindet) – 7 Mitglieder 60px 70px 110px Mundenheim(770 erwähnt1899 eingemeindet) – 11 Mitglieder 60px 70px 110px Nördliche Innenstadt Nord / Hemshof (Stadtteil)West (Stadtteil) 15 Mitglieder 60px 70px 110px Oppau(808 erwähnt1938 eingemeindet) Oppau (Stadtteil)Edigheim (Stadtteil) Pfingstweide (Stadtteil) 15 Mitglieder 60px 70px 110px Oggersheim(769 erwähnt1938 eingemeindet) Oggersheim (Stadtteil)MelmNotwende 15 Mitglieder 60px 70px 110px Rheingönheim(831 erwähnt1938 eingemeindet) – 7 Mitglieder 60px 70px 110px Ruchheim(um 800 erwähnt1974 eingemeindet) – 7 Mitglieder 60px 70px 110px Südliche Innenstadt Mitte (Stadtteil)Süd (Stadtteil) 15 Mitglieder
Geschichte mini|Rheinschanze, 1834
Frühzeit und Antike Der Raum Ludwigshafen war bereits seit frühester Zeit besiedelt. Nach Ansicht einiger Historiker existierte im Bereich des heutigen Ortsteils Rheingönheim das Römerkastell Rufiniana. Durch die Gemarkung der heutigen Ortsteile Maudach und Oggersheim führte die Römische Rheintalstraße von Speyer nach Worms.
Rheinschanze 1607 gründete Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz am Westufer des Rheins die Mannheimer Rheinschanze als Brückenkopf der Festung Mannheim. Der Brückenkopf wurde nach der Neugründung der Stadt Mannheim 1720 weiter ausgebaut und zwischen 1799 und 1804 – während der Franzosenzeit – von französischen Truppen geschleift.
1811 entstand an dieser Stelle ein privater Schiffslandeplatz am Rhein.
Bayerische Zeit mini|hochkant|Ludwig I. von Bayern
Nach dem Wiener Kongress kam die links des Rheins gelegene Pfalz mit dem Vertrag von München 1816 zu Bayern, die rechts des Rheins gelegene Kurpfalz mit der ehemaligen Hauptstadt Mannheim blieb bei Baden, zu dem sie 1803 gekommen war. Das Gebiet der späteren Stadt Ludwigshafen gehörte zunächst zum Kanton Mutterstadt. 1818 wurde dieser Kanton Teil des Landkommissariats Speyer im Rheinkreis, des Vorläufers des Landkreises Speyer.
Ab 1820 entstand auf dem Gelände eine private Handelsniederlassung mit künstlichem Hafenbecken, die am 14. März 1843, auf Initiative des pfälzischen Regierungspräsidenten Fürst Eugen von Wrede, vom bayerischen Staat erworben wurde. Dieser benannte sie zu Ehren von König Ludwig I. von Bayern in Ludwigshafen um und unterstützte die rasche Vergrößerung als industrieller Gegenpol zur badischen Stadt Mannheim.Pfälzisch-Rheinische Familienkunde, Band 3, 1960, Seite 226; Ausschnitt aus der Quelle
Während des Pfälzischen Aufstandes und der Badischen Revolution kam es 1849 zum Gefecht von Ludwigshafen. Die darauffolgende Kanonade dauerte vom 15. bis 18. Juni. Die junge Siedlung Ludwigshafen wurde durch den Granatenbeschuss der badischen Artillerie und den dadurch ausgelösten Bränden stark beschädigt.
1852 wurde die aufstrebende Siedlung zu einer selbständigen Gemeinde innerhalb des Landkommissariats Speyer erklärt, die mit Wirkung vom 14. April 1853 formell errichtet wurde. Ihre Gemarkungsfläche betrug 366 ha, die sie wie folgt erhielt: 240 ha von der Gemeinde Friesenheim und 126 ha von der Gemeinde Mundenheim. Beide Orte wurden später eingemeindet.
1852 verlieh König Maximilian II. Ludwigshafen die Rechte einer Gemeinde:
Politische Zugehörigkeit Ludwigshafens seit 1853 Staat Verwaltungseinheit Zugehörigkeit Königreich Bayern Pfalz 1853–1871 Deutsches Reich Königreich Bayern 1871–1918 Deutsches Reich Freistaat Bayern 1918–1933 Deutsches Reich Bayern 1933–1945 Deutsches Reich Freistaat Bayern 1945–1946 Land Rheinland-Pfalz 1946–1949 Bundesrepublik Deutschland Land Rheinland-Pfalz seit 1949
Am 8. November 1859 wurde die Gemeinde Ludwigshafen zur Stadt erhoben. 1860 übernahm sie den bisher in Mutterstadt gelegenen Distriktssitz, sodass nun ein eigener Distrikt Ludwigshafen im Landkommissariat Speyer bestand.
Am 8. Mai 1865 wurde die Konzession zur Ansiedelung der Badischen Anilin- & Sodafabrik (BASF) erteilt. Dieses Unternehmen war kurz zuvor gegründet worden, hatte aber vom Mannheimer Gemeinderat kein Gelände zugebilligt bekommen, weshalb das laut seiner Firma „badische“ Unternehmen auf das gegenüberliegende Rheinufer in die zu Bayern gehörende Pfalz auswich. Aus der BASF wurde später ein weltweit operierender Chemiekonzern, der Gesicht und Geschichte der Stadt bis heute prägt. Inzwischen ist die Abkürzung BASF die offizielle Bezeichnung des Unternehmens. In der lokalen Umgangssprache wird sie noch häufig „die Anilin“ genannt, und ihre Mitarbeiter „Aniliner“.
1882 erhielt die Stadt zur Unterscheidung von gleichnamigen anderen Orten den Namenszusatz „am Rhein“. 1886 wurde das frühere Landkommissariat Speyer, seit 1862 Bezirksamt genannt, geteilt. Damit wurde Ludwigshafen Sitz eines eigenen Bezirksamtes, aus dem 1939 der Landkreis Ludwigshafen am Rhein hervorging. alt=Schuldverschreibung der Stadtgemeinde Ludwigshafen über 2.000 Mark Reichswährung als Anteil an der vierprozentigen Anleihe von 3.370.900 Mark, aufgenommen am 20. Juni 1906 für Straßenzwecke, zur Errichtung einer Schlachthofanlage, zur Durchführung von Schulhausbauten, zur Erweiterung der elektrischen Straßenbahn, des Krankenhauses und des Wasserwerkes, sowie zum Zwecke der Aufschließung von Industriegelände|mini|Schuldverschreibung der Stadtgemeinde Ludwigshafen über 2.000 Mark Reichswährung als Anteil an der vierprozentigen Anleihe von 3.370.900 Mark, aufgenommen am 20. Juni 1906 für Straßenzwecke, zur Errichtung einer Schlachthofanlage, zur Durchführung von Schulhausbauten, zur Erweiterung der elektrischen Straßenbahn, des Krankenhauses und des Wasserwerkes, sowie zum Zwecke der Aufschließung von Industriegelände 1920 wurde Ludwigshafen kreisunmittelbar, das heißt, es schied aus dem Bezirksamt Ludwigshafen aus, blieb aber zunächst noch unter der Finanzhoheit des Bezirksamts. Der Bürgermeister erhielt den Titel Oberbürgermeister. 1925 wurde Ludwigshafen Großstadt.
Im (1938 eingemeindeten) Oppau kamen am 21. September 1921 bei der Explosion des Stickstoffwerkes der BASF 561 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt.
Zweiter Weltkrieg