Die Fontanepromenade ist eine kurze großzügig angelegte Straße im Berliner Ortsteil Kreuzberg.

Lage und Ausstattung

Die Promenade verläuft in Süd-Nord-Richtung zwischen Blücherstraße/Südstern und Urbanstraße.

mini|Sichtachse von der Michaelskirche über das Engelbecken und den Luisenstädtischen Kanal bis zur Melanchthonkirche, hinter der die Fontanepromenade bis zur ebenfalls sichtbaren Garnisonkirche verlief, um 1910 mini|Promenade in der Promenade mit Spielmöglichkeiten

Sie führt städtebaulich die Schneise des Luisenstädtischen Kanals bis zum Südstern fort, auch wenn wohl niemals eine Verlängerung des Kanals über den Urbanhafen am Landwehrkanals hinaus vorgesehen war. Als die Gesamtplanung vorgenommen wurde, markierten die Melanchthonkirche auf dem Am Urban genannten Platz am Urbanhafen das nördliche und die evangelische Garnisonkirche am Südstern das südliche Ende der Fontanepromenade. Sie standen in Sichtbeziehung zur Michaelskirche an der weiter nördlich gelegenen Einmündung des Luisenstädtischen Kanals ins Engelbecken.

Die anliegenden Grundstücke haben die Hausnummern von 1 bis 17 in Hufeisennummerierung. Der etwa 18 Meter breite Mittelstreifen, in ganzer Länge als „geschützte Grünanlage“ ausgewiesen, ist mit zwei Reihen Laubbäumen bepflanzt. Entlang des in der Mitte verlaufenden Fußwegs gibt es Ruhebänke und Spielmöglichkeiten. Mittelgroße diagonal verlegte Pflastersteine bilden den Straßenbelag. Auf beiden Seiten der zwei Richtungsfahrbahnen kann geparkt werden.

Geschichte

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Die Promenade erhielt gemäß Hobrechtschem Bebauungsplan, Abteilung II, zunächst die Bezeichnung Straße 13. Sie verband die Blücherstraße am Kaiser-Friedrich-Platz (seit 1947 Südstern) mit der Urbanstraße, die Hausnummern verliefen von Süd nach Nord. Von diesem Verkehrsweg abgehend legten die Stadtplaner etwa in der halben Länge ostwärts die Straße 13a an, die im Jahr 1901 den Namen Freiligrathstraße erhielt.

Am 30. April 1899 vergab die Berliner Verwaltung für die Planstraße 13 den Namen Fontane-Promenade zu Ehren des Schriftstellers Theodor Fontane (1819–1898), der fünf Monate zuvor verstorben war. Im Folgejahr waren die Flächen auf der östlichen Seite dieser Straße parzelliert und erste Häuser im Bau. Sie befanden sich im Eigentum eines Kaufmanns, eines Zimmermeisters und eines Architekten. Entlang der westlichen Seite erstreckten sich die Kaserne des Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiments und eine Militärwaschanstalt, beide jedoch mit Postadressen in der Blücherstraße (Nr. 47/48 und 46).

In der Fontanepromenade 1 hatte der Divisionspfarrer H. Friedrich eine Wohnung gemietet, denn die nahe Kirche am Kaiser-Friedrich-Platz war anfangs eine Garnisonkirche. Weitere Offiziersfamilien bezogen nach und nach Wohnungen in dieser Promenade, da die Kaserne gut fußläufig zu erreichen war.

Im Jahr 1902 weist das Berliner Adressbuch in der Fontanepromenade 1 Filialen der Berliner Zeitung und der Berliner Morgenpost aus. Die Bebauung wurde inzwischen verdichtet und reichte bis zur Parzelle 11; die Hauseigentümer hatten gewechselt.

Weitere zwei Jahre darauf waren fast alle Gebäude auf der Ostseite der Promenade bis hin zur Urbanstraße fertig. Bemerkenswert war das Gebäude des Vereins zur Erziehung sittlich verwahrloster Kinder, das nach Plänen von Gustav Möller von 1863 bis 1865 am Urban errichtet worden war. Auf einem Berliner Stadtplan des Jahres 1893 ist diese Erziehungsanstalt südlich des Urban-Krankenhauses eingetragen, ein dreiflügeliger Bau mit einem leicht gerundeten Mittelteil zu Am Urban hin.alt-berlin.info: . Promenade (noch namenlos) zwischen Am Urban/Urbanstraße und dem Kaiser-Friedrich-Platz. Stadtplan 1893. Die gesamte Westseite wurde von dem Kasernenkomplex eingenommen.

1896 zog die Erziehungsanstalt nach Zehlendorf. Im Gebäude Am Urban betrieb der Verein ab 1897 ein Wöchnerinnenheim. 1903 erhielt der südliche Flügel die Adressen Fontanepromenade 13, der mittlere Am Urban 10–11 und der nördliche Urbanstraße 22/23. Das Haus auf Parzelle 13 gehörte zur Postadresse Urbanstraße 22/23. 1908 erwarb die Stadt Berlin das Gebäude, das nun die Postadresse Am Urban 10–11 erhielt, zunächst als Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt, dann als Städtisches Krankenhaus, Gesundheitshaus Kreuzberg und schließlich ab 1932 als Gesundheitsamt Kreuzberg diente.

Im Jahr 1907 setzte die Bebauung auf der Westseite der Promenade ein: auf Parzelle 14 ließ ein Kaufmann aus der Halleschen Straße ein Haus errichten, auf dem Berlin-eigenen Grundstück Nummer 15 (im Adressbuch noch nicht mit dieser Nummer ausgewiesen) entstand das Haus der Fuhrwerks-Genossenschaft, daneben gab es eine weitere Baustelle (die späteren Wohnbauten Fontanepromenade 16/17) und dann schließlich die noch erhaltene Militärwaschanstalt an der Ecke Blücherstraße.

Gegenüber der Zentrale der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft hatte sich im Haus Fontanepromenade 12 (dem Kinderheim) auch die Innungskrankenkasse dieser Genossenschaft, Sektion IV, eingerichtet.

Einige Jahre später war das Haus 15 der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft nummeriert. In die Fontanepromenade 14 waren die Fuhrwerksinnung und die Innungskrankenkasse sowie der Reichsverband der Fuhrbetriebe Deutschlands e. V. eingezogen. Haus Nummer 16 war im Besitz eines Spaniers, und in den Gebäuden der früheren Militärwaschanstalt hatte sich die Darmgroßhandlung GmbH von H. Steinke eingerichtet (Häuser 18 und 19).

Ab 1930 wurde das ehemalige Kinderheim (Parzellen 12/13) der Straße Am Urban 10/11 zugerechnet und diente als Gesundheitshaus Kreuzberg. Später nutzten Krankenschwestern des Urban den Gebäuderiegel als Wohnheim.

Zwischen 1926 und 1932 wurde aus der Kaserne des Grenadierregiments eine Polizeikaserne.alt-berlin.info: . Westlich der Fontanepromenade ist eine Polizeikaserne eingetragen. Berliner Stadtplan 1932 Die Kaserne hatte die offizielle Adresse Urbanstraße 11–19. Bis zur Mündung der Fontanepromenade folgten die Nummern 20 und 21, beide im Eigentum der Stadt Berlin. Nummer 20 war ein Wohnhaus und beherbergte etliche Militärangehörige (Feldwebel, ein Heeresbeamter, Wachtmeister …).

mini|Offizierskasino, von der Fontanepromenade aus gesehen

Haus 21, zusammen mit den Kasernengebäuden errichtet, war ein Offizierskasino, in dem sich im Jahr 1936 das Finanzamt für Liegenschaften und das Vereinsheim des Männergesangsvereins Berliner Liedertafel befanden. Das 1914 eröffnete Offizierskasino ist erhalten und seit den 1980er Jahren ein Baudenkmal.

Im Jahr 1933, bei der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten, hatte sich die Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft in Berufsgenossenschaft für erwerbsmäßige Fahrzeughaltung umbenannt, in das Gebäude Fontanepromenade 15 kamen zusätzlich ein Arbeitsamt und eine Berufsberatung. Im Jahr 1938 wurde dort die Zentraldienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt eingerichtet. Beim sogenannten „geschlossenen Arbeitseinsatz“ wurden Juden in Kolonnen zur Zwangsarbeit eingesetzt.

mini|hochkant|links|Haus 11

Das Haus 11, ein auffällig im Gründerzeitstil gestaltetes Gebäude, wurde im Jahr 1935 unter Zwangsverwaltung gestellt, gelangte aber bald darauf in das Eigentum einer (nicht näher bezeichneten) Versorgungskasse.

Die Berufsgenossenschaft der Fahrzeughalter war 1935 im Haus Nummer 15 offenbar nur noch mit einer Filiale vertreten, der Hauptsitz wurde mit Wexstraße in Schöneberg angegeben, das Arbeitsamt hieß nun Arbeitsamt Berlin-Süd und beherbergte auch eine Hausmeisterwohnung.

Die Häuser 18 und 19 (das frühere Militärwaschhaus) waren in den Besitz eines Kaufmanns und eines Handwerksmeisters übergegangen, die hier einen Kartoffelschälbetrieb und eine Werkstatt für Heizungsanlagenbau betrieben.

Die Eigentümer der Wohnmietshäuser auf der Ostseite der Promenade wechselten bis zum Ende des Krieges nicht mehr.

Die Innungskrankenkasse der Berliner Fuhrbetriebe befand sich 1941 in der Belle-Alliance-Straße 16, war also aus der Fontanepromenade weggezogen.

Seit 1945 Ein Telefonbuch des Jahres 1960/1961 weist in der Fontanepromenade 9 eine Superintendentur der Evangelischen Kirche aus. Im 21. Jahrhundert gibt es dort keinen entsprechenden Hinweis.

Die Darstellungen auf einem Berliner Stadtplan von 1960 lassen den Schluss zu, dass die Kasernengebäude entlang der Promenade und der Urbanstraße den Krieg weitestgehend unbeschadet überstanden haben und weiterhin von der Berliner Polizei genutzt wurden (P. P. 501).alt-berlin.info: . Stadtplanausschnitt zum Gebiet um die Fontanepromenade, Jahr 1960.

mini|Blick auf einige Schulgebäude von der Fontanepromenade aus

Doch in den 1970er Jahren wurde die Kaserne aufgehoben, die Gebäude abgerissen, an ihrer Stelle entstand ein Schulkomplex, der später den Namen Carl-von-Ossietzky-Schule erhielt. Auf einem vom Senat von Berlin herausgegebenen Stadtplan des Jahres 1985 sind der h-förmige Grundriss der Schulgebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände nebst zwei Sportplätzen zu erkennen. Die beiden Gebäude 18 und 19 wurden komplett beseitigt, Teile der Fundamente befinden sich höchstwahrscheinlich unter der Freisportanlage und dem kleinen Wall, der bis an die Fontanepromenade heranreicht.

Zwei alliierte Luftangriffe hatten 1943 und 1944 die Melanchthonkirche zerstört. Die Ruine wurde 1953 beseitigt, um Platz für die Erweiterung des Krankenhauses Am Urban zu schaffen.

Am 10. Januar 1972 wurde der nordwärtige im Halbkreis verlaufende Teil der Straße Am Urban in die Fontanepromenade einbezogen, aber nicht für den Durchgangsverkehr eingerichtet. So ist die Promenade seitdem für Kraftfahrzeuge eine von der Blücherstraße abgehende Sackgasse.

Auf der Parzelle 14 ließ die evangelische Kirche zwei Flachbauten errichten, die seitdem als Kinderkombination (Kinderkrippe, Kindergarten und Vorschule) dienen. Die vier einzelnen Häuser werden vom Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte unterhalten.evangelische-kitas.de:

In den Nachkriegsjahren haben sich in den Erdgeschossbereichen der Ostseite der Promenade mehrfach Dienstleistungsunternehmungen niedergelassen, darunter Gerüstbauer (Nr. 3, Nr. 4), ein Großlieferant für Gastronomie und Kantinen (Nr. 17; 1963), ein Malermeister, ein Fensterreiniger sowie das Autohaus am Südstern (Adresse war Südstern und Fontanepromenade 1).

Hervorhebenswert ist das im Jahr 1929 gegründete Berliner Wachinstitut (BWI, eine Wach- und Schutzgesellschaft), das seit seiner Gründung im Haus Nr. 11 sitzt.Die BWI ist im Adressbuch unter Branchen ausgewiesen, in den Teilen „Einwohner“ und „Straßen“ ist sie nicht aufgeführt. Eine Kontrolle vor Ort und Gespräche mit Anwohnern bestätigen die Anwesenheit des BWI. Vermutlich hat sich in den 1990er Jahren eine Filiale gebildet, die ihren Sitz in Steglitz hat.Kurzinformation zum BWI, Inh. Manfred Haß, abgerufen am 18. März 2015.

mini|links|hochkant|Stolperstein

Vor zwei Gebäuden in der Fontanepromenade (2 und 5) sind Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal ihrer jüdischen Bewohner (Selma Feige und Familie Stern) erinnern.

Ein bis zur Unkenntlichkeit verdorbener Stolperstein liegt im Durchgang zwischen den Häusern Nummer 1 und 1a. Laut Auskunft der Stolpersteinstelle des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg ist das kein registrierter Stolperstein.Mitteilung an Benutzerin:44Pinguine auf Anfrage und Übermittlung des Fotos im April 2015.

mini|KJPD-Gebäude, dahinter das Gesundheitshaus in der Urbanstraße

Spätestens zum Ende des 20. Jahrhunderts waren große Teile des früheren Schwesternwohnheims abgetragen. Direkt an der Urbanstraße gibt es nun das Curt-Bejach-Gesundheitshaus sowie einen verklinkerten Flachbau für den Kinder- und Jugend-Psychiatrischen Dienst. Auf dem sich in die Tiefe zur Fontanepromenade hinziehenden Grundstück steht ein restauriertes Gebäude, in dem das Bezirksamt den Kinder- und Jugend-Gesundheitsdienst betreibt.

Bauwerke (Auswahl)

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