Alles über Eva ist eine in Schwarzweiß gedrehte US-amerikanische Drama-Comedy aus dem Jahr 1950 unter Regie von Joseph L. Mankiewicz, der auch das Drehbuch verfasste. Der Film über den Kampf zweier Theaterschauspielerinnen untereinander mit Bette Davis und Anne Baxter in den Hauptrollen war mit sechs Auszeichnungen und 14 Nominierungen der große Gewinner bei der Oscarverleihung 1951.
Handlung Der Film beschreibt, in eine Rahmenhandlung eingebettet, die Erinnerungen dreier Menschen an den Aufstieg Eve Harringtons, einer Verehrerin des Theaterstars Margo Channing, bis zur Auszeichnung mit dem bedeutendsten Theaterpreis New Yorks.
Täglich sieht sich Eve die Aufführung des Theaterstücks Gereift in Holz an, bis ihr Karen Richards, die gutgläubige Frau des Dramatikers Lloyd Richards und engste Freundin Margo Channings, endlich den Kontakt zum Zirkel um den verehrten Star ermöglicht. Eve beeindruckt Margo mit einer rührenden, aber falschen Geschichte um eine unglückliche Kindheit und einen abgestürzten Fliegerehemann. Margo nimmt die junge Frau unter ihre Fittiche, und bald macht diese sich unentbehrlich.
Dann wächst in Margo der Verdacht, die Fürsorglichkeit sei keineswegs uneigennützig, und sie versucht, „die Kleine“ loszuwerden. Aber diese hat ihr Netz bereits ausgeworfen und lässt sich bei ihrem Aufstieg nicht mehr aufhalten, wobei sie sich geschickter Intrigen bedient. Am Ende verzichtet die 40-jährige Diva zugunsten ihres Privatlebens darauf, weiterhin die 20-Jährige zu verkörpern, und überlässt Eve damit die Rolle ihres nächsten Stückes. Nur Kritiker Addison De Witt weiß über ihre wahre, obskure Vergangenheit Bescheid, unterstützt sie aber dennoch wegen ihres Talentes unter der Bedingung, dass sie sich danach ihm unterwirft, was sie auch widerstrebend tut. Eve wird somit der neue Star am Theaterhimmel, auf den am Ende ihr eigener Fan Nr. 1 wartet, die genauso ist wie sie, von denen es viele wie sie gibt.
Hintergrund Für die Rolle der Margo Channing war ursprünglich Claudette Colbert vorgesehen. Nachdem sie sich wenige Wochen vor Drehbeginn in ihrem Haus jedoch einen Wirbel verstaucht hatte, musste man Ersatz finden. Zanuck dachte zunächst an seinen eigenen Star Susan Hayward, die jedoch zu jung für die Rolle war. Auch die Idee, Marlene Dietrich, Jeanne Crain, John Garfield und José Ferrer für die Hauptrollen zu engagieren, scheiterte vor allem am Widerstand von Joseph L. Mankiewicz. Er meinte lapidar: „Marlene Dietrich poses beautifully but she can’t speak correctly.“
Der Versuch, Gertrude Lawrence, frisch nach ihrem Broadway-Triumph in The King and I, einzusetzen, scheiterte ebenfalls. Miss Lawrence wollte die Rolle nur annehmen, wenn ihr vertraglich zugesichert würde, nicht rauchen zu müssen und mehrere Lieder (am liebsten Jerome Kerns My Bill aus Show Boat) vortragen zu können.
Eher aus Verzweiflung verfielen die Produzenten schließlich auf Bette Davis, die damals als „washed up“ (dt.: erledigt) galt, nachdem sie mit viel Krach ihren langjährigen Vertrag bei Warner Brothers beendet hatte.
Das filmische Werk Alles über meine Mutter des Spaniers Pedro Almodóvar spielt mit seinem Titel und einer ähnlich dominanten Protagonistin auf Alles über Eva an.
„Alles über Eva“ definiert in der Filmanalyse ein spezifisches Merkmal für ein Ende, das Übereinstimmungen mit dem Beginn einer Erzählung aufweist. Man spricht hier von einem „Bookend“ oder einem „All about Eve Ending“.Anton Fuxjäger: Film- und Fernsehanalyse. Einführung in die grundlegende Terminologie. S. 39.
Filmmusik Folgende Musiktitel werden in dem Film gespielt:Hinweise zum Soundtrack in der Internet Movie database
Musiktitel Komponist(en) Jahr Instrument Anmerkungen Liebestraum Nr. 3 Franz Liszt 1850 Piano gespielt auf der Party, als Margo beim Pianisten sitzt; in der Orchesterfassung kommt es später im Autoradio. Manhattan Richard Rodgers (M) & Lorenz Hart (T) 1925 Piano gespielt auf der Party, als Margo und Max sich in der Küche aufhalten Poinciana Nat Simon (M) & Buddy Bernier (T) 1936 Beau Soir Claude Debussy; arr. Alfred Newman ca. 1883 That Old Black Magic Harold Arlen (M) & Johnny Mercer (T) 1942 Blue Moon Rodgers und Hart 1934 Piano How About You? Burton Lane (M) & Ralph Freed (T) 1941 Piano gespielt auf der Party, während sich die Gäste auf der Treppe sammeln Stormy Weather (Keeps Rainin’ All the Time) Harold Arlen & Ted Koehler 1933 Piano gespielt auf der Party, als Margo nach oben geht Thou Swell Rodgers & Hart 1927 Piano gespielt auf der Party, als Margo sagt: „Fasten your seatbelts; it's going to be a bumpy night.“ 4. Sinfonie Anton Bruckner 1874 Orchester Linger Awhile Vincent Rose (M) & Harry Owens (T) 1923
Synchronisation Der Text der deutschen Filmfassung, die 1952 bei der Ultra-Film in München entstand, wurde von Erich Kästner geschrieben.Alles über Eva auf synchrondatenbank.de Es blieb seine einzige Synchronarbeit, da er sich einer solchen Qual nicht noch einmal aussetzen wollte.
RolleDarstellerSynchronsprecherMargo ChanningBette DavisEva ErasEve HarringtonAnne BaxterEleonore NoelleAddison De WittGeorge SandersO. E. HasseKaren RichardsCeleste HolmCarola HöhnBill SimpsonGary MerrillPeter PasettiLloyd RichardsHugh MarloweCurt AckermannMax FabianGregory RatoffHeinz Leo FischerBirdieThelma RitterEdith Schultze-Westrum
Rezeption
Der Film konnte weltweit rund 150.000 US-Dollar einspielen durch die Wiederaufführung im Jahr 2000 und 2007. Das Einspielergebnis im Original-Release ist unbekannt.
Auszeichnungen Der Film erhielt international zahlreiche Auszeichnungen.
Bei der Oscarverleihung 1951 gewann er sechs Academy Awards: Bester Film 1950 (Darryl F. Zanuck), Beste Regie (Joseph L. Mankiewicz), Bestes adaptiertes Drehbuch (Joseph L. Mankiewicz), Bester Nebendarsteller (George Sanders) sowie für die Kostüme von Edith Head und für den besten Ton (Thomas T. Moulton). Daneben fuhr man Nominierungen für die Schauspielleistungen von Anne Baxter, Bette Davis (jeweils Beste Hauptdarstellerin) sowie von Celeste Holm und Thelma Ritter (jeweils beste Nebendarstellerin) ein. Weitere Nominierungen gab es für die beste Dekoration sowie die Beste Kamera in einem Schwarz-Weiß-Film, den besten Schnitt und für die Beste Musik von Alfred Newman.
Bei den Film Festspielen in Cannes gewannen Bette Davis und Joseph L. Mankiewicz Auszeichnungen. Dieser erhielt zudem den Hauptpreis der amerikanischen Regie-Gilde und der Gilde der Drehbuchautoren. Die New Yorker Kritiker-Vereinigung prämierte den Film, den Regisseur und Hauptdarstellerin Bette Davis.
Mit einem Golden Globe ging Mankiewicz als Drehbuchautor nach Hause, in der Kategorie Beste Regie musste er sich allerdings mit einer Nominierung begnügen. Nominiert bei den Golden Globes für die Darsteller-Leistungen wurden zudem Bette Davis, George Sanders und Thelma Ritter.
Das American Film Institute wählte den Film in der 1998 erschienenen Ausgabe der 100 besten Filme aller Zeiten auf Platz 16. 2007 schaffte der Film es in der Liste der 100 besten Filme auf den 27. Rang. Die von Anne Baxter verkörperte Rolle der Eve Harrington schaffte es in der vom American Film Institute zusammengestellten Liste der Top 50 Schurken aller Zeiten auf Platz 23. In der ebenfalls vom AFI publizierten Liste der 100 bekanntesten Filmzitate aller Zeiten schaffte es der Ausspruch: „Bitte anschnallen, meine Herrschaften! Ich glaube, es wird eine stürmische Nacht!“ auf Rang 9.
1990 wurde der Film in das Verzeichnis National Film Registry aufgenommen, das US-amerikanische Filme auflistet, die als besonders erhaltenswert gelten. bei verstorbene-filmstars.de. Abgerufen am 2. April 2024. 2006 wurde das Drehbuch von der Gilde der Amerikanischen Drehbuchautoren zum fünftbesten Drehbuch aller Zeiten gewählt.
Literatur Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1950 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Literaturverfilmung nach Autor (Vereinigte Staaten) Kategorie:Joseph L. Mankiewicz