mini|Landi 39 mini|Landi 39: «Landidörfli» Zürichhorn Die vierte Schweizerische Landesausstellung von 1939, genannt Landi 39, fand in Zürich statt und dauerte vom 6. Mai bis zum 29. Oktober.

Planung und Austragungsorte Geplant war die Ausstellung ursprünglich für 1933, dann wurde sie auf 1936 und 1938 verschoben und schliesslich 1939 durchgeführt. Das leitende Gremium wurde im Februar 1936 zusammengestellt, die eigentlichen Vorbereitungsarbeiten dauerten nur knapp zweieinhalb Jahre.

Ausstellungsorte waren verschiedene Plätze und Wiesen am unteren Seebecken des Zürichsees. Die Gesamtleitung der Landi lag beim Architekten und Politiker Armin Meili. Leitender Architekt war der Zürcher Hans Hofmann, die Gesamtleitung für die Bauten lag bei Heinrich Oetiker. 49'500 Personen wohnten der Eröffnungsfeier vom 9. Mai 1939 bei. Die Eröffnungsrede hielt Bundespräsident Philipp Etter.

Neben zahlreichen Konzerten, Theateraufführungen und verschiedenen Attraktionen wurden an der Landi auch das Eidgenössische Trachtenfest, der «Landi-Schwinget» sowie am 23. August ein Seenachtsfest mit grossem Feuerwerk durchgeführt.

Zutritt mini|Landi Eingang Seefeldquai Der Zugang zur Ausstellung erfolgte durch zwei Haupt- und drei Nebeneingänge. In Wollishofen lag der Haupteingang beim Bahnhof, auf der gegenüberliegenden Seite auf der Höhe der Klausstrasse. Ein Eintritt für einen Erwachsenen kostete 2 Franken, eine Abendkarte ab 18 Uhr 1 Franken und eine Dauerkarte 32 Franken. Geöffnet war die Landi von 8 bis 19 Uhr, sonntags ab 9 Uhr. Die Gaststätten waren bis 23 Uhr geöffnet, am Sonntag bis Mitternacht. Die Vergnügungsstätten in der Enge waren jeden Tag bis 3 Uhr morgens geöffnet. Am meisten Besucher – 163'567 – wurden am Sonntag, dem 15. Oktober gezählt. Insgesamt wurde die Landi von 10'507'735 bezahlenden Personen besucht. Trotz der ersten Generalmobilmachung am 1. September 1939 wurde die Ausstellung nicht vorzeitig geschlossen.

Hintergrund 1939 stand die Schweiz unter dem Eindruck der aggressiven Annexions- und Eroberungspolitik Nazideutschlands, die während der Landi zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führte. Die Ausstellung stand im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung als politisch-kulturellem Programm der offiziellen Schweiz in der damaligen Zeit, die durch die faschistische Bedrohung geprägt war.

Der Zweck der Landi wurde so formuliert: „Die LA soll ein Bild schweizerischer Eigenart und Kultur, schweizerischen Denkens und Schaffens vermitteln, sie soll die vorwärts strebenden wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Kräfte unseres Landes sammeln und darstellen, der Bevölkerung der Schweiz und fremden Gästen die Leistungsfähigkeit des Schweizervolkes zeigen […] Ebenso soll sie durch Betonung des allgemein Schweizerischen und Gemeinsamen eine eindrucksvolle nationale Kundgebung sein.“Artikel 4, Reglement für die Aussteller vom 18. Dezember 1936.

Geistige Landesverteidigung Ein halbes Jahr vor Eröffnung der Landesausstellung veröffentlichte der Bundesrat die erste Kulturbotschaft unter dem Titel «Sinn und Sendung der Schweiz». In der darauf beruhenden Staatsdoktrin der Geistigen Landesverteidigung galten rückwärtsgewandte Bilder einer alpinen Bauernkultur als besonders sinnstiftend. Mit pathetischem Beschwören von alten Traditionen, ruhmreicher Geschichte, Heimat und Scholle sollte die Landi ein Sinnbild für Patriotismus, Wehrhaftigkeit und Solidarität sein, ein Bollwerk gegen alles Unschweizerische, zugleich eine Stätte der Erbauung, an der man Kraft schöpfen konnte.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der Mobilmachung der Armee am 1. September wurde die Landi für drei Tage geschlossen, um diejenigen Waffen, die für den Einsatz bestimmt waren, zu entfernen. Die Wiedereröffnung der Ausstellung wurde vom neu gewählten General, Henri Guisan, veranlasst.Mario Marguth: Die Armee an der Landesausstellung 1939 in Zürich. Schweizer Soldat: Monatszeitschrift für Armee und Kader mit FHD-Zeitung, Band 39 1963–1964, Heft 17

Elemente der Ausstellung mini|Systematik des Aufbaus der Landesausstellung Hauptplätze waren die heute noch so bezeichnete Landiwiese am linken Seeufer in Wollishofen und das Zürichhorn auf der gegenüberliegenden Seeseite, wo das Landidörfli mit Häusern in den traditionellen Baustilen verschiedener Kantone ein beliebter Anziehungspunkt war. Insgesamt standen in 25 Gaststätten rund 15'000 Sitzplätze zur Verfügung.

Auf der linken Seeseite in Wollishofen wurde die moderne Schweiz mit neuer Architektur, Industrie, Gewerbe und technischen Errungenschaften präsentiert. Folgende Themen wurden präsentiert, oft in eigenen Gebäuden: Uhren, Tourismus, Verkehr, Bahnen, Post und Telephon, Kleider und Mode, Essen, Elektrizität, Eisen und Maschinen, Aluminium, Gummi, Chemie, Finanzen und Holz. Die «Höhenstrasse» stand ganz unter dem Motto «Heimat und Volk». Zu den populärsten Gebäuden der Landi gehörte das «Bierhus» des Thuner Architekten Arnold Itten, das mit mehreren Sälen und Terrassen 1400 Personen Platz bot und über eine eigene Metzgerei verfügte.Extra-Ausgabe des Tages-Anzeigers, 6. Mai 1939.

Mehr gegen die Enge wurden die Themen Bauen, Gas und Wasser, Wohnen, Vorbeugen und Heilen, Sport, Blumen, Lernen, Graphisches Gewerbe, Theater, Schrifttum und Kunst präsentiert. Auch das Nestlé-Kinderparadies lag am linken Ufer, wo unter anderem die damals 20-jährige Trudi Gerster den Kindern Märchen erzählte. Die Vizepräsidentin und nachmalige Zentralpräsidentin des Schweizerischen Lehrerinnenvereins Emma Eichenberger organisierte in der Abteilung Schule den reibungslosen Ablauf der vielen verschiedenen Lektionen.

Auf der rechten Seeseite in Riesbach stand die offizielle Festhalle, die eine Fläche von 7500 m² bedeckte und deren Dach geöffnet werden konnte. Im Landidörfli wurde mit zwölf Gebäuden aus verschiedenen Kantonen die konservative und bäuerliche Schweiz dargestellt. Den Themen Landwirtschaft, Kulturtechnik, Markt und Propaganda, Pflanzenbau, Mosterei und Weinbau, Gemüseanbau, Tierzucht, Milchwirtschaft und Käseherstellung, Landwirtschaftliche Maschinen, Jagd und Fischerei, Vogelschutz und Trachten/Heimatwerk waren eigene Ausstellungen gewidmet.

Landidörfli mini|Gemeindehaus im Landidörfli Im Landidörfli waren zwei Riegelhaus-Bauernhöfe mit roten Ziegeldächern aufgebaut, ein Bergbauernhof aus dem Kanton Schwyz, eine Käserei sowie ein mit einem Türmchen geschmücktes dörfliches Gemeindehaus mit eigener Post gleich hinter dem Gasthof Schwanen.

Im Dörfli standen mehrere Gaststätten wie beispielsweise der «Schwan», die «Rebe», die beliebte «Chüechliwirtschaft» mit der riesigen Halle direkt am See sowie Lokale aus der Ostschweiz, dem Tessin, Graubündens und der Waadt.

Nach der Landi wurden die Gebäude zum grossen Bedauern von Millionen Besuchern abgebaut und in verschiedenen Orten der Schweiz wieder aufgebaut. So steht das Gemeindehaus nun in Berg am Irchel, wo es noch heute als Gemeindehaus dient.Landihaus Berg am Irchel

Schifflibach mini|Schifflibach, Mythenquai Enge Durch die Anlagen, Hallen und Gärten am linken Seeufer führte der 1600 Meter lange Schifflibach. 82 metallene Boote zu 6 Plätzen drehten während 14 Stunden täglich ihre Runden. Die Idee dafür übernahm Direktor Meili aus Wien, wo schon in den frühen Zwischenkriegsjahren Boote für den Personentransport in Ausstellungen eingesetzt wurden. Der Bach wurde von der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH Zürich entworfen und dort in Modellgrösse getestet.

Der Bach bestand aus einer 1,50 Meter breiten und 50 Zentimeter tiefen Rinne aus Beton, deren leichtes Gefälle den Booten eine Geschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde verlieh. Nach rund 800 Metern wurden die Boote durch ein baggerartiges Hebelwerk um 1,30 Meter angehoben, damit sie ihre Fahrt fortsetzen konnten. An der Endstation zog ein zweites Hebelwerk die leeren Boote zurück zum Ausgangspunkt beim Belvoirpark. Für die Nacht war in den Hallen und im Freien eine Beleuchtung installiert worden.Projektarbeit Kulturlandschaftswandel, ETH Zürich, S. 14.

Eine Fahrt im Schifflibach kostete 50 Rappen, was einem Gegenwert von 2 Kilogramm Brot entsprach.NZZ vom 18. Juli 2014: 75-Jahr-Jubiläum: Höhepunkte der Landi 39 Während der Landi fuhren rund 705’000 Personen im Schifflibach, was zu Einnahmen von 1.475 Millionen Franken führte; budgetiert war ein Drittel davon.

Nach der Landi wurden rund 15 Boote noch für militärische Zwecke im Sihltal genutzt. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt.

Seilbahn mini|Seilbahn mini|Seilbahnturm Mythenquai Die beiden Ausstellungsplätze Landiwiese und Zürichhorn waren durch eine Luftseilbahn mit der damals längsten Spannweite von 900 Metern verbunden. Treibende Kraft für den Bau der Bahn waren mehrere Firmen aus der Metall- und Bauindustrie, die sich für dieses Projekt zu einer Aktiengesellschaft zusammenschlossen. Die Bahn galt als Wahrzeichen der Landi.

Die beiden je 20 Personen fassenden Kabinen wurden über zwei 75 Meter hohe Türme erreicht, die auf bis zu 25 Meter tief in die Erde getriebenen Pfählen aus Eisenbeton ruhten, die nach dem Abbruch der Bahn im Boden verblieben. Die Seile wurden durch einen Elektromotor am rechten Turm angetrieben. Die Fahrzeit betrug knapp 3 Minuten; pro Stunde konnten 15 Kabinen abgefertigt werden. Die beiden Aufzüge boten sieben Personen Platz und waren an der Aussenseite des Turmes angebracht; einer war damals mit 4 Metern pro Sekunde der schnellste Lift Europas. Im linksufrigen Turm war ein Restaurant für 110 Personen untergebracht.

Die Fahrkosten betrugen für einen Erwachsenen 1,50 Franken, mehr als der Stundenlohn eines Fabrikarbeiters. Kinder bezahlten die Hälfte. Im Verlauf der Landi fuhren rund 705'000 Personen mit der Gondelbahn.

Nach dem Ende der Landi fiel die Bahn dem Bedarf der Rüstungsindustrie nach Stahl zum Opfer: Die beiden Türme wurden zu Panzerkuppeln für Bunkeranlagen des Réduit, das Tragseil diente dem Bau von Panzersperren im Sihltal. Die Kabinen wurden für die 1954 eröffnete Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg verwendet. 1960 wurden sie durch modernere Gondeln ersetzt.

Eine Alternative zur Seilbahn boten die vier extra für die Ausstellung erbauten kleinen Landi-Schiffe «Taucherli», «Schwan», «Möve» und «Ente», die die Seeufer miteinander verbanden. Daneben verkehrten zahlreiche Seetaxis und Boote des privaten Dampfschiffverbandes. Der gesamte Seeverkehr im unteren Seebecken unterstand der Seepolizei.

Höhenstrasse Die 7 Meter breite Höhenstrasse stand unter dem Motto «Heimat und Volk». Sie war das ideelle Hauptstück der Landesausstellung und stellte in ihrer Formensprache ihre Wirbelsäule dar. Dargestellt wurden die Geschichte der Schweiz und die Autonomie von Kantonen und Gemeinden betont.

Sie führte vom Eingang 700 Meter nach Norden und war unter freiem Himmel überdeckt mit den Fahnen der damals rund 3000 Gemeinden der Schweiz und der Kantone. Von der Hauptachse zweigten mehrere architektonisch unabhängige Pavillons ab, von denen jeder unter einem Thema stand. An ihrem Eingang, neben den Worten des Liedes «O mein Heimatland, o mein Vaterland, wie so innig, feurig lieb ich dich» von Gottfried Keller stand das vier Meter hohe Fresko «Heimatliebe» des Malers Paul Bodmer.Mural.ch

In ihrem zweiten Teil, wo systematisch die Geschichte der Schweiz dargestellt wurde, verlief sie auf einer höheren Ebene über andere Pavillons hinweg. Dadurch konnten die Besucher nicht ausweichen und waren gezwungen, sich mit der Ausstellung zu befassen. Begleitet wurden die Menschen durch das Rauschen des Schifflibaches, der parallel zur Höhenstrasse verlief.

In den Räumen «Unser Land», «Unser Volk» und «Frei, auf ewig frei» wurde mit Bildern, Statistiken und Grafiken viel Schulwissen vermittelt; soziale Institutionen und historische Persönlichkeiten wurden präsentiert. Mit kleinen Figürchen von Brautpaaren wurde dargestellt, dass damals jeder achte Schweizer eine Ausländerin heiratete.