mini|Ich habe keine Zeit müde zu sein
Ich habe keine Zeit müde zu sein war ein Kunstwerk von Michel Lock, das im Allgemeinen als sein Hauptwerk galt. Die 1891 geschaffene Gruppe zeigt den in einem Lehnstuhl sitzenden und sterbenden Kaiser Wilhelm I. mit dem Todesengel zur Seite.Michael Lock. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 648. Der Titel bezieht sich auf einen im hohen Alter getätigten Ausspruch Wilhelms.Zeitungsausschnitt über Wilhelm I. von 1938. Das Kunstwerk existiert nicht mehr.
Geschichte Das Modell der Gruppe war 1896 auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt worden.Internationale Kunst-Ausstellung Berlin 1896. Ausstellungskatalog. Verlag von Rud. Schuster, Berlin 1896, S. 161, 197. Lock wurde dafür von Kaiser Wilhelm II. mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet.Archiv der Akademie der Künste, Akte PrAdK 279 Verleihung der goldenen Medaille für Kunst 1844-79, Blatt 317 Ein Jahr später wurde das Modell auch bei der VII. Internationalen Kunstausstellung im Kgl. Glaspalaste zu München ausgestellt, jedoch nicht prämiert.Offizieller Katalog der VII. Internationalen Kunstausstellung im Kgl. Glaspalaste zu München 1897 : 1. Juni - Ende Oktober, Zweite Auflage Ausstellungskatalog. Verlag von Rudolf Mosse, München 1897, S. 160. Die Gruppe sollte in Marmor übertragen und in der Denkmalskirche der Hohenzollern im Berliner Dom aufgestellt werden, der sich zu der Zeit im Bau befand. Wilhelm II. wünschte jedoch eine Aufstellung an einem vom Publikum weniger frequentierten Ort, z. B. im damaligen Kaiser-Wilhelm-Palais, dem langjährigen Wohn- und auch Sterbeort des Monarchen. Hofbaurat Albert Geyer sprach sich aber, mangels Platz, gegen diesen Plan aus und schlug dafür das Hohenzollernmuseum im Schloss Monbijou vor.
Michel Lock verstarb unerwartet im Februar 1898. Nach Verhandlungen mit seiner Witwe empfahl die Landeskunstkommission in einer Sitzung vom 3. Mai 1898 den Ankauf des Werkes und die Ausführung in Marmor. Für den Kauf des Modells autorisierte Kultusminister Robert Bosse am 20. Januar 1899 eine Zahlung von 11.000 Mark an Maria Lock.Archiv der Staatlichen Museen zu Berlin, Akte SMB-ZA, I/NG 1759 Michael Lock Mit der Ausführung in Marmor betraute man den Berliner Bildhauer Franz Tübbecke (1856–1937). Hierfür wurden aus dem Etat des Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultusministerium) weitere 15.000–16.000 Mark eingeplant.Archiv der Staatlichen Museen zu Berlin, Akte SMB-ZA, I/NG 461 Beratungen der Landeskunstkommission 1897-1899, Blatt 154v, 212v, 227v-228 Die Gesamtkosten entsprechen inflationsbereinigt einer heutigen Summe von etwa €. Die Marmorkopie wurde Wilhelm II. im Jahre 1902 durch das Preußische StaatsministeriumPaul Seidel (Hrsg.): Hohenzollern-Jahrbuch, 6. Jahrgang, Giesecke & Devrient, Berlin und Leipzig 1902 für das Hohenzollernmuseum zur Verfügung gestellt. Das originale Gipsmodell befand sich ab 1908 als Leihgabe im Kaiser-Friedrich-Museum in Posen und gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als verschollen.
Im Schloss Monbijou wurde die FigurengruppeInventar: GK III 4955. in der Eingangshalle des von Knobelsdorff von 1740 bis 1742 errichteten östlichen Flügels, Raum 5, aufgestellt. Um ihre Wirkung noch zu verstärken, setzte man die mit 2,15 Metern etwa lebensgroße Skulptur auf einen etwa 75 cm hohen Sockel aus grünem Marmor.Thomas Kemper: Schloss Monbijou. Von der königlichen Residenz zum Hohenzollern-Museum. Nicolai-Verlag, Berlin 2005, S. 285 Der Raum, der an der Supraporte die Kartusche mit den gekrönten Initialen W.R.I. zeigte, wurde fortan „Gedächtnishalle Kaiser Wilhelms des Großen“ genannt. Darin war das Bestreben Kaiser Wilhelms II. zu sehen, seinen Großvater als „den Großen“ zu stilisieren und ihn unter diesem Namen in der Geschichtsschreibung zu verewigen. Um die Beleuchtung des fensterlosen Raumes zu verbessern, verglaste man das Dach.Eosander von Göthe Johann Friedrich (1669-1728), Schloss Monbijou, Berlin: Ansicht vom Park aus. Foto auf Karton. Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. F 0051. Durch zwei EngelsfigurenInventar: GK III 4956, 4957. von Reinhold Begas, die aus dem Mausoleum Friedrichs III. im Park von Sanssouci stammten,Karl Baedeker: Berlin und Umgebung, Handbuch für Reisende. Verlag von Karl Baedeker, Leipzig 1906, S. 140 bekam er zusätzlich einen sakralen Charakter. mini|Der Philosoph von Sanssouci in seinen letzten Stunden Das Bildwerk korrespondierte besonders mit dem Werk: „Der Philosoph von Sanssouci in seinen letzten Stunden“ von Harro Magnussen, das ein Jahr zuvor dort im Raum 19 installiert worden war. Es unterstrich daher abermals den Anspruch, in Wilhelm einen Großen zu sehen, wie auch bei Friedrich dem Zweiten.
Das Hohenzollernmuseum war nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreiches zunächst geschlossen. Auch nach der Wiedereröffnung 1927 und der Umgestaltung der Ausstellung verblieb das Standbild an seinem Aufstellungsort. Jedoch war der Raum nun nicht mehr in den öffentlichen Rundgang mit einbezogen und wurde nur noch als Magazin genutzt. Das Kunstwerk überstand weitgehend unversehrt den Bombenkrieg des Zweiten Weltkrieges, wurde aber bei der Beseitigung des Schlosses vernichtet.
Einzelnachweise
Literatur Thomas Kemper: Schloss Monbijou. Von der Königlichen Residenz zum Hohenzollern-Museum. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 1. Auflage, Dezember 2004, ISBN 3-89479-162-4.
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