mini|hochkant=1.4|Stolpersteine für drei Mitglieder der Familie Silberstein, kurz nach der Verlegung, deren Teilnehmer Kieselsteine hingelegt habenWarum legt man kleine Steine auf jüdische Grabsteine? Jüdisch Historischer Verein Augsburg, Beitrag vom 16. November 2010, abgerufen am 2. Februar 2017.Der jüdische Friedhof, Jüdische Gemeinde Wiener Neustadt, Sulzgruber & Stankiewicz 2017, abgerufen am 2. Februar 2017.Für den Brauch, beim Besuch jüdischer (und anderer) Grabstellen kleine Steinchen hinzulegen gibt es verschiedene Erklärungen: Mechanischer Schutz des Grabs, etwa um durch Verkeilen das Wegrollen des großen Verschlusssteins einer Grabhöhle zu verhindern Zeichen des Besuches des Grabs, Anklopfen am Grab, Gruß an den weiterlebend gedachten Toten Weiterbauen am Lebenswerk des Verstorbenen

Die Liste der Stolpersteine in Graz (rechts der Mur) enthält Stolpersteine in der Stadt Graz, rechts der Mur. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig gefertigt, viele von ihm persönlich verlegt; Planung, Organisation und Finanzierung erfolgten durch den Verein für Gedenkkultur in Graz, zahlreiche Personen spenden die Verlegung eines Steins.

Die Stolpersteine liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnort des Opfers, fallweise auch vor dessen Arbeitsstätte oder Schule.

Der Verein für Gedenkkultur Steiermark bilanziert nach der Verlegung am 18. September 2020, dass seit 2013 in Graz 206 StolpersteineAnm. 206 Stolpersteine für gut 200 Opfer, weil für 4 Opfer je 2 Steine verlegt worden sind. an 71 Stellen (Adressen) verlegt wurden.Aktuelles > Stolpersteinverlegung für drei ehemalige Ensemblemitglieder der Grazer Oper am 18.9.2020 stolpersteine-graz.at, Verein für Gedenkkultur in Graz, 18. September 2020, abgerufen am 19. September 2020.

Verlegte Stolpersteine In der Landeshauptstadt Graz wurden 2013 bis Oktober 2021 folgende Stolpersteine – und österreichweit erstmals eine Stolperschwelle – verlegt. IV. Lend Im Bezirk Lend, dem 4. Bezirk von Graz, wurden 48 Stolpersteine an sechzehn Stellen verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER ARBEITETEPATERANSGAR BREHMJG. 1890IM CHRISTLICHENWIDERSTANDVERHAFTET 23.7.1941'HEIMTÜCKE'STRAFANSTALT KARLAUENTLASSEN 1.8.1943 Mariahilferplatz 3, Pfarre Mariahilf Pater OFM Conv., geboren am 20. Juli 1890 in Theilheim, trat mit 22 Jahren in den Minoritenorden Würzburg ein. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Krankenpfleger. Er studierte Theologie in Freiburg in der Schweiz. Dort wurde er 1921 zum Priester geweiht. Von 1922 bis 1929 wirkte er als Kaplan in der Ordenspfarre Neunkirchen, ab 1929 in der Ordenspfarre Mariahilf in Graz. Wegen verschiedener Anschuldigungen wurde er im Juli 1941 durch die Gestapo verhaftet, und im Januar 1942 durch ein Sondergericht beim Landesgericht in Graz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Haft erfolgte in der Strafanstalt Karlau. Zum 1. August 1943 wurde er begnadigt und auf Bewährung entlassen.Ansgar Brehm, Verein für Gedenkkultur in Graz. 120px HIER WOHNTEKARL ENDSTRASSERJG. 1904ZEUGE JEHOVASKRIEGSDIENST VERWEIGERTTODESURTEIL 22.11.1939HINGERICHTET 15.12.1939BERLIN-PLÖTZENSEE Wiener Straße 53 (geboren am 3. Dezember 1904) verweigerte als Zeuge Jehovas Anfang September 1939 aus Gewissensgründen den Wehrdienst. Am 21. November 1939 wurde er als einer der ersten Wehrdienstverweigerer vom Reichskriegsgericht in Berlin zum Tode verurteilt und am 15. Dezember 1939 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.Heimo Halbrainer: „In der Gewissheit, dass ihr den Kampf weiterführen werdet:“ Briefe steirischer WiderstandskämpferInnen aus Todeszelle und KZ. Clio, 2000, S. 63 f. 120px HIER WOHNTEADOLF GERTLERJG. 1927FLUCHT 1939SCHWEDEN Neubaugasse 59 wurde 1927 als jüngstes Kind der Familie geboren, kam per Kindertransport 1939 nach Schweden, zuerst zu einer Bauernfamilie, dann zu einem jüdischen Textilgeschäftsinhaber. Gertler baute später mit einem Kompagnon selbst ein Textilgeschäft in Göteborg auf. 120px HIER WOHNTEBERTA GERTLERJG. 1925FLUCHT 1939PALÄSTINA Neubaugasse 59 (geboren 1925) erhielt erst im Dezember ein Einwanderungszertifikat für Palästina und konnte am 24. Dezember 1939 ihren Eltern und Schwestern nachfolgen. 120px HIER WOHNTEGOLDA HENIEGERTLERGEB. BAUMGARTENJG. 1885FLUCHT 1939PALÄSTINA Neubaugasse 59 , geb. Baumgarten, kam 1885 in Galizien zur Welt. Sie folgte einem ihrer Brüder nach Graz, lernte Mayer (Max) Gertler (geboren 1884, ebenfalls aus der Gegend um die Stadt Drohobycz) kennen, ihre Hochzeit fand 1913 statt. Max war Soldat im Ersten Weltkrieg. Golda Gertler arbeitete in einer Kantine und kümmerte sich um die Töchter Klara (geboren 1915) und Sally (geboren 1917). Rückkehr nach Galizien, Geburt der Töchter Laura (geboren 1921) und Berta (geboren 1925). Wieder nach Graz, Geburt von Adolf (geboren 1927), wohnten in der Idlhofgasse, dann Neubaugasse; Familienbetrieb Textilfachgeschäft in der Mariahilferstraße. Max wurde inhaftiert, kam nach Dachau und mit Ausreiseverpflichtung wieder zurück. Wegen des Alterslimits von mindestens 15 Jahren für den Transport nach Palästina, wurde der 12-jährige Max 1939 nach Schweden geschickt. Sally (22) floh nach England. Berta (14) bekam erst später ein Zertifikat, nach Palästina reisen zu dürfen und folgte im Dezember 1939.

Mutter Golda, Vater Mayer Max mit den Töchtern Klara und Laura reisten Juni 1939 per „Lisl“-Schiffstransport nach Palästina.Adolf Gertler, Verein für Gedenkkultur in Graz, abgerufen am 26. Jänner 2016. 120px HIER WOHNTEKLARA GERTLERJG. 1915FLUCHT 1939PALÄSTINA Neubaugasse 59 (geboren 1915) musste im Juni 1939 mit Eltern und Schwester nach Palästina flüchten. 120px HIER WOHNTELAURA GERTLERJG. 1921FLUCHT 1939PALÄSTINA Neubaugasse 59 (geboren 1921) musste im Juni 1939 mit Eltern und Schwester nach Palästina flüchten. 120px HIER WOHNTEMAX MAYERGERTLERJG. 1884VERHAFTET NOV. 1938DACHAUFLUCHT 1939PALÄSTINA Neubaugasse 59 (geboren 1884) stammte aus der Nähe von Drohobycz, Galizien. 1913 heiratete er in Graz Golda Baumgarten. Als Soldat im Ersten Weltkrieg. Max wurde inhaftiert, kam nach Dachau und mit Ausreiseverpflichtung wieder zurück nach Graz. Gemeinsam mit seiner gesamten Familie gelang ihm die Ausreise nach Palästina. 120px HIER WOHNTESALLY GERTLERJG. 1917FLUCHT 1939ENGLAND Neubaugasse 59 (geboren 1917) floh 1939 (bevor ihre Eltern und zwei Schwestern Juni 1939 nach Palästina fahren konnten) als einzelne ihrer Familie nach England. Dort arbeitete sie als Dienstmädchen. 120px HIER WOHNTEANNA JAGODAGEB. STEINERJG. 1906SCHICKSAL UNBEKANNT Ghegagasse 34 120px HIER WOHNTEGERTRUD (GERTI)JAGODAJG. 1929FLUCHT 1939CHILE Ghegagasse 34 120px HIER WOHNTEEGON JAGODAJG. 1931FLUCHT 1939CHILE Ghegagasse 34 120px HIER WOHNTESAMUEL JAGODAJG. 1892VERHAFTETDACHAUENTLASSENFLUCHT JUGOSLAWIENDEPORTIERT 4.8.1941DARUVAR, JASENOVACERMORDET Ghegagasse 34 120px HIER WOHNTECHRISTINE (CHRISTL)KLEMENTSCHITZGEB. KRUŽÍK (KRUSCHNIK)JG. 1889IM WIDERSTAND / SP / KPVERHAFTET 24.9.1944DEPORTIERTRAVENSBRÜCKERMORDET 12.11.1944 Annenstraße 30 120px HIER WOHNTEERNSTKLEMENTSCHITZJG. 1881IM WIDERSTAND / SP / KPVERHAFTET 1.9.1939DEPORTIERT 10.9.1939BUCHENWALDBEFREIT Annenstraße 30 120px HIER WOHNTEGERTRUDE KOHNGEB. SALZBERGERUNFREIWILLIG VERZOGEN1938 WIENDEPORTIERT 20.5.1942MALY TROSTINECERMORDET 26.5.1942 Strauchergasse 19 120px HIER WOHNTEHERBERT KOHNJG. 1912FLUCHT 1938SCHWEIZ1940 DOMINIKAN. REPUBLIK Strauchergasse 19 , Sohn von Ludwig und Gertrude Kohn 120px HIER WOHNTELUDWIG KOHNJG. 1879UNFREIWILLIG VERZOGEN1938 WIENDEPORTIERT 20.5.1942MALY TROSTINECERMORDET 26.5.1942 Strauchergasse 19 120px HIER WOHNTEWALTER KOHNJG. 1908SPANIENKÄMPFER1937 INTERN. BRIGADEINTERNIERT 1939SAINT CYPRIEN, GURSLE VERNET RIVESALTES,DJELFAEMIGRIERT 1944 UDSSRRÜCKKEHR 1945 Strauchergasse 19 , Sohn von Ludwig und Gertrude Kohn 120px HIER WOHNTEING. ADOLF LACHSJG. 1864UNFREIWILLIG VERZOGEN15.1.1939DEPORTIERT 10.7.1942THERESIENSTADTERMORDET 26.9.1942 Volksgartenstraße 18 (geboren am 28. Dezember 1864 in Wlachowitz / Ungarisch Brod, Mähren) absolvierte 1890 die Technische Hochschule in Wien als Ingenieur für Bauwesen. Ab 1891 arbeitete er bei der Südbahngesellschaft, im August 1907 wurde er als Oberingenieur nach Graz versetzt und wohnte dort in der Volksgartenstraße 18. 1923 ging er als Zentralinspektor in Pension. Als 74-Jähriger mussten er und seine erblindete Frau Melanie Graz verlassen und wurden nach Wien gebracht, wo sie in Sammelwohnungen leben mussten. Am 10. Juli 1942 wurde Lachs ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er am 26. September 1942 umkam.

Ihrem Sohn Ernst Lachs, geboren 1904, Magistratsoberkommissär in Wien, gelang es mit seiner Frau Minna Lachs und ihrem Sohn Thomas im September 1938 ohne Visum in die Schweiz zu fliehen. 120px HIER WOHNTEMELANIE LACHSUNFREIWILLIG VERZOGEN15.1.1939DEPORTIERT 10.7.1942THERESIENSTADTERMORDET 18.10.1944AUSCHWITZ Volksgartenstraße 18 , geb. Berger (geboren am 31. Mai 1882 in Wallachisch Meseritsch / Valašské Meziříčí, Mähren) heiratete 1903 in Mürzzuschlag Adolf Lachs, wurde mit ihrem Mann nach Wien gebracht und wie er am 10. Juli 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Am 16. Oktober 1944 wurde sie ins KZ Auschwitz überstellt und dort am 18. Oktober 1944 ermordet. 120pxHIER WOHNTEARTURLICHTENSTEINJG. 1925UNFREIWILLIG VERZOGEN1939 WIENDEPORTIERT 1942MALY TROSTINECERMORDET 4.9.1942 Hans-Resel-Gasse 3 (1925–1942) 120pxHIER WOHNTEDAVIDLICHTENSTEINJG. 1895FLUCHT 1939POLEN, SOWJETUNIONTOT 1942 Hans-Resel-Gasse 3 (1895–1942) 120pxHIER WOHNTEELLALICHTENSTEINGEB. BERGSTEINJG. 1895FLUCHT 1939POLEN, SOWJETUNIONTOT 1942 Hans-Resel-Gasse 3 , geborene Bergstein (1895–1942) 120pxHIER WOHNTEHERTALICHTENSTEINJG. 1934KINDERTRANSPORT 1939SCHWEDEN Hans-Resel-Gasse 3 , später verheiratete Liebl (1934–) 120pxHIER WOHNTENORBERTLICHTENSTEINJG. 1895KINDERTRANSPORT 1939SCHWEDEN Hans-Resel-Gasse 3 (1931–) 120px HIER LEBTEFRITZ MARSCHJG. 1894IM SOZIALISTISCHENWIDERSTANDVERHAFTET 3.4.1945SS KASERNE WETZELSDORFERMORDET 3.4.1945 Fellingergasse 3 wurde am 5. Mai 1894 in Graz geboren. Er war im sozialistischen Widerstand tätig, wurde – unklar wann – verhaftet, am 3. April 1945, also 35 Tage vor Kriegsende mit 13 Mithäftlingen unter paarweiser Fesselung per Autos abgeholt. Vorwiegend Personen (Gewerkschafter und Widerstandskämpfer), die im Widerstand mit Fritz Marsch zusammengearbeitet hatten. In der damaligen SS-Kaserne in Wetzelsdorf, der heutigen Belgierkaserne, ermordet und vermutlich dort in einem Bombenkrater verscharrt. Im Dezember 2005 wurde beim Kaserneneingang ein Gedenkstein für die NS-Opfer gesetzt, in der Folge vom Verteidigungsministerium eine Kommission eingesetzt, die die Bombentrichter untersuchte, die dann als Gedächtnishain mit einem Gedenkstein markiert wurden.