Peng! e. V. (auch: Peng! Kollektiv) ist eine Gruppe von Künstlern, Aktivisten, Handwerkern und Wissenschaftlern in Berlin.Von der Sehnsucht nach zärtlicher Sabotage, Interview Das Kollektiv entwickelt subversive Aktionskunst mit dem Ziel, die Zivilgesellschaft zu mutigeren Kampagnen zu bewegen. Peng infiltrierte mit falschen Identitäten mehrmals Veranstaltungen als Akt zivilen Ungehorsams.Interview mit Jean Peters, einem Aktivisten des Peng Collectives

Geschichte Ab 2015 kooperierte der Verein mit dem Schauspiel Dortmund unter dem Logo Die Populistinnen und realisiert mit ihm gemeinsam Kampagnen und Aktionen. Sie waren auch auf der Berlin Biennale, der Manifesta Biennale, der Athens Biennale, dem Hamburger Kampnagel-Sommerfestival 2016 und bei der Chemnitzer Stadtkunstschau Gegenwarten 2020. Ihre Arbeit Call a Spy wurde auch im dänischen Staatsmuseum Kunsthal Charlottenborg gezeigt, ihre Ausstellung Pretty Good Privacy wurde im MuseumsQuartier in Wien gezeigt. 2022 stellten sie unter anderem gemeinsam mit Ai Wei Wei, Daniel Richter und Hito Steyerl aus.

2018 wurde Peng! mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.Lisbeth Schröder: Der letzte Preis für die falsche CDU. In: taz.de. 2. September 2018, abgerufen am 3. September 2018. Nachdem der Verdacht bestand, dass die Künstler auf einer deutschen Terrorliste stehen, verklagten sie den Verfassungsschutz zur Herausgabe der gesammelten Informationen über das Kollektiv.

Im Juni 2021 verkündeten drei Kernmitglieder des Peng!-Kollektivs auf Twitter ihren Austritt. Auslöser war laut Deutschlandfunk Kultur Peters’ Buch Wenn die Hoffnung stirbt, geht’s trotzdem weiter. Drei Frauen unter den verbleibenden Mitgliedern zeigten sich enttäuscht von dem Verhalten derjenigen die ausgetreten waren und schrieben, dass sie sich dafür einsetzen wollten, das Kollektiv queerfeministisch und gleichberechtigt zu gestalten.

Projekte (Auswahl) Slam Shell Im Dezember 2013 infiltrierten sie ein vom Ölkonzern Shell als PR-Veranstaltung organisiertes „Science-Slam“ im Berliner Tempodrom, wo sie eine Ölfontäne auf der Bühne inszenierten. Dabei riefen sie dazu auf, dass Shell sich aus der Arktis zurückziehen und die Verantwortung für die Umweltzerstörungen im Nigerdelta übernehmen solle.Shell's Berlin 'Science Slam' Event Reportedly Disrupted By Anti-Drilling Activists (Huffington Post)Protest beim „Science Slam“: Schmutzfontäne gegen Shell (Spiegel Online)Oil Spill in Nigeria: Activists prank Shell, hijack “Science Slam” in Berlin #SlamShell (Premium Times Nigeria)

Horst Köhlers Kuckucksuhren-Sammlung Bei einer Konferenz in Polen wurden sie missverständlicherweise angefragt, für den Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler eine Biografie einzureichen, da sie die satirische Website „Horst Köhler Consulting“ betreiben.Satire-Website der Horst Köhler Consulting Die auf der Website der Konferenz veröffentlichte Biografie hatte aber einen unüblichen Ton: „Er war eine zentrale Figur in der argentinischen Finanzkrise 2001 und bewies sich selbst als rechtschaffener Glaubensanhänger der neoliberalen Politik.“ Weiter hieß es, dass er die größte Kuckucksuhrensammlung Deutschlands besitze.Köhler und seine KuckucksuhrenDie Horst Verschwörung (Metronaut) Die Website Horst Köhler Consulting wurde am Tag des Rücktritts des ehemaligen Bundespräsidenten eingerichtet, um die Debatte zur Rolle der Bundeswehr im Ausland zu befördern.Inhaltliches Rüpeln und Augenzwinkern

Verantwortung Pflanzen Als der Bundesverband der Deutschen Industrie am 3. Juli 2014 den 4. Rohstoffkongress im Haus der Deutschen Wirtschaft Berlin veranstaltete, verteilten sie gemeinsam mit anderen Aktivisten vor dem Gebäude kleine Bäumchen und Flyer im Namen des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Den Kongressteilnehmern wurde gesagt, dass der BDI bis 2020 in Konfliktregionen der Welt 5.000.000 Bäume pflanzen würde. Auf der begleitenden Website, die im Corporate Design des Bundesverbandes gestaltet ist, heißt es: „Da wir zur Herstellung deutscher High-Tech Produkte auf Metalle aus Konfliktregionen angewiesen sind, pflanzen wir im Gegenzug für jedes Opfer einen Baum. Auf diese Weise wird der BDI seiner sozialen Verantwortung gerecht und trägt darüber hinaus zu einer verbesserten CO2-Bilanz der deutschen Industrie bei.“Gefälschte BDI Kampagnenseite

Google Nest Auf der Re:publica 2014 stellten sie als vermeintliche Google-Mitarbeiter neue Überwachungs-Produkte vor.Großes Theater um Google (Golem.de)Großes Theater um Google (Zeit.de)How Activists Fooled The Internet With These Convincing New Google Nest Products (Fast Company)Google Nest Parody Protest Site Holds A Funhouse Mirror Up To The Search Giant (TechCrunch)Google Nest Spoof By German Activists Promises Eerie, Data-Driven Future (Forbes) Der Konzern in den USA mahnte sie ab und forderte unter anderem, dass sie öffentlich verkünden, keine Google-Mitarbeiter zu sein. Daraufhin veröffentlichten sie ein Video, in dem sie traurig darüber seien, dass Google so tut, als würden sie nicht dort arbeiten und „kündigten, bevor alles zu spät sei“.Google employees resign #googlenest Die Electronic Frontier Foundation vertrat sie gegen Google und veröffentlichte einen Brief, in dem es hieß: „Leider war die Haut von Google nicht dick genug, um diese relativ leichte Reibung auszuhalten.“„Dear Google: Parody Is Not Trademark Infringement“ (Corynne Mcsherry in einem offenen Brief des EFF)

No Christmas For Merkel Im Dezember 2014 verteilten sie im Namen der CDU Weihnachtspostkarten, in denen Angela Merkel Abschiebung von Geflüchteten als christliche Tat darstellt.Aktivisten verschicken gefälschte Weihnachtskarten der CDU (Berliner Zeitung) Sie bezogen sich damit auf die Rede von Angela Merkel kurz zuvor in der Templiner Kirche, wo sie rhetorisch fragte, ob Abschiebung unter bestimmten Voraussetzungen als christlich gesehen werden könne.Es wäre unchristlich, „zu viele“ aufzunehmen (Welt)Christlich abschieben (Zeit)

Astro-TV-Hack 2015 unterwanderten sie den Esoterik-Sender Astro TV und riefen in der Sendung live dazu auf, dem Sender die Lizenz zu entziehen.Berliner Aktionskünstler sprengen AstroTV-Livesendung (Berliner Zeitung)Protestgruppe „Peng!“ sprengt Astro-TV-Sendung (Bild.de) Als Astro TV sie abmahnen ließ, um ihr Video der Aktion aus dem Internet zu löschen, riefen sie bei der Esoterik-Beratung des Senders an und fragten, wie sie mit der Abmahnung umgehen sollen.Bericht bei Stern.de zum zweiten Video der AstroTV Aktion Aufgrund der Aktion meldeten sich ehemalige Mitarbeiter, die als Informanten gegen Astro TV aussagten.„Die Sinn-Gewinnler“, Zeit.de

„Cinema for Peace“-Bühnen-Hijack Zusammen mit The Yes Men und anderen Aktivisten in einem Polarbärkostüm infiltrierten sie 2015 die Cinema-for-Peace-Gala, um auf der Bühne für Desinvestition aus fossilen Energien zu werben. Da sie dabei die Rede von Natalie Portman störten, veröffentlichten sie einen Entschuldigungsbrief.Martin Kaul: Eisbär? Nicht gefickt. In: taz.de, 23. März 2015. Als sie von Sicherheitspersonal von der Bühne gezerrt wurden, kam ihnen die russische Punkband Pussy Riot zur Hilfe.Website mit dem Brief an Natalie Portman

Zero Trollerance Am 14. April 2015 startete das Peng Collective eine Kampagne gegen sexistisches Verhalten auf Twitter. Mit Twitter-Bots generierten sie eine Liste „sexistischer“ Tweets nach einer Sprachanalyse von Twitter-Trollen, die von 160 verschiedenen Fake-Twitter-Konten zu einem Selbsthilfeprogramm eingeladen wurden. Das bestand aus sechs Videos, die die vermeintlichen Trolle zugesendet bekommen würden und in dem ein „Troll-Coach“ namens Adler King versprach, sie zu heilen, indem es sie zu Feministen mache.Zurücktrollen gegen die Sexisten, Süddeutsche ZeitungSo werden sexistische Twitter-User von Bots getrollt, Buzzfeed

Vattenfake Am 24. April 2015 kaperten sie die Hauptverwaltung des Energiekonzerns Vattenfall in Berlin und verkündeten in dessen Namen bei einer inszenierten Pressekonferenz, dass der Konzern Verantwortung für die Lausitz übernehmen würde. Sie versprachen einen Ausstieg aus der Kohleenergie und hundertprozentigen Umstieg zu erneuerbarer Energie. Unter anderem der RBB und die Märkische Allgemeine Zeitung fielen auf die Meldung herein und verbreiteten sie als reale Konzernentscheidung. Der CDU-Parlamentarier Sebastian Steineke verkündete, dass diese Nachricht aufgrund des Engagements der CDU Brandenburg entstanden sei.Steinekes Tweet zu der Falschmeldung des RBB Die Aktion wurde von einer Website begleitet, die im Namen von Vattenfall das Verantwortungsprogramm verkündete.„Falschmeldung verspricht Vattenfall-Engagement in der Lausitz“, RBB Online„Erfolgreicher Fake. Kreuzberger Aktivisten verkünden Vattenfall-Ausstieg aus Braunkohle“, Tagesspiegel, inkl. VideobeitragHintergründe zur Aktion, VICE

Auszeichnung für Fluchthilfe Über die Website fluchthelfer.in kündigte das Kollektiv 2015 die „1. Verleihung des Europäischen Verdienstkreuzes am Bande“ an. Geehrt werden sollten am 7. August 2015 auf dem Pariser Platz vor der Vertretung der EU-Kommission „bekannte und anonyme Fluchthelfer.innen“. Zusätzlich rief das Kollektiv dazu auf, während der Urlaubsreise Fluchthilfe zu leisten und bot dafür als „Equipment zur Fluchthilfe“ ein „Starterkit“ an.Website zur Fluchthelfer.in Kampagne

Intelexit Mit der Gründung von Intelexit unterstützen sie in Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund Geheimdienstmitarbeiter darin, ihren Arbeitsplatz zu verlassen und ein ziviles Leben aufzubauen, sei es aus ethisch-moralischen oder psychologischen Gründen. Im Rahmen der Kampagne, die von der ZEIT als „ein großes, keineswegs auf Deutschland beschränktes Projekt mit ernstem Hintergrund“ bezeichnet wurde,ZEIT „Artikel Aussteigerprogramm für Spione“ warben sie mit großen Werbetafeln und Lastwagen vor der NSA, dem GCHQ, dem Bundesnachrichtendienst, dem Dagger Complex und der Lucius D. Clay Kaserne. Als sie Teile der Verfassung an das Gebäude des Verfassungsschutzes klebten, wurde der Verfassungstext von Mitarbeitern wieder abgerissen und entsorgt.Netzpolitik Artikel „Intelexit weist den Weg aus dem Überwachungsmoloch: Erste Erfolge beim Ausstieg.“

Mit einem Modell der Sentinel-Drohne, die beispielsweise in Afghanistan im Rahmen der Operation Enduring Freedom eingesetzt wird, warfen die Aktivisten Flyer über dem US-Militärgelände Dagger Complex in Darmstadt ab.The Intercept Artikel „Drone Flies Over NSA Complex in Germany, Dropping Leaflets“ Angeblich soll es Rechnern im Dagger Complex kurz nach der ungewöhnlichen Flugshow nicht mehr möglich gewesen sein, auf die Peng-Internetseite Intelexit.org zuzugreifen.Spiegel-Online-Artikel „Drohne wirft Flugblätter über NSA-Komplex ab“

Im Laufe des Projekts haben sich nach Angaben des Kollektivs mehrere Geheimdienstmitarbeiter gemeldet, die aussteigen wollen. Diese würden nun von ihnen beim Ausstieg begleitet.Golem Artikel „Wir würden ja was faken, müssen aber nicht“

April 2016 wurde „Call a Spy“ in der Ausstellung des Hartware Medienkunstvereins in Dortmund und bei dem Logan Symposium zu investigativem Journalismus in Berlin installiert, bei der Besucher in die Rolle von Intelexit-Callcenter-Mitarbeiter geraten und mit zufällig ausgewählten Geheimdienstmitarbeitern in den USA, Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien per Telefon verbunden werden. 2016 war Call a Spy Teil der Berlin Biennale.

Bundeswehr-Hack