mini|Nordwestseite der St.-Veits-Kirche Die heute evangelische St. Veits-Kirche (auch St. Maria und St. Veit Kirche genannt) befindet sich im Ortskern von Stetten im Remstal, einem Teilort von Kernen im Remstal im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Stetten im Remstal gehört innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Kernen zum Kirchenbezirk Waiblingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Im direkten Umfeld der Kirche befindet sich das evangelische Gemeindehaus, das alte Rathaus von Stetten und der St.-Pierre-Platz.

Geschichte

mini|Stettener Altar Im Jahre 1349 wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Gestiftet wurde die ursprünglich romanische Marienkapelle von den Truchsessen Wilhelm und Graf von Stetten. Im Jahre 1473 wurde ein 33 Meter hoher Glockenturm angebaut.

Laut einer Urkunde von 1413 war Stetten ein kirchliches Filial von Beutelsbach (bis 1482). Nach der Loslösung von Beutelsbach konnten die Toten auf einem, die Kirche umschließenden Friedhof begraben werden. Aufgrund des Bevölkerungswachstums, aber auch durch Epidemien, wurde 1577 ein zusätzlicher Begräbnisplatz (der alte Friedhof) eingerichtet.

1488 stiftete Hans von Stetten der Kirche einen gotischen Flügelaltar, der im württembergischen Landesmuseum ausgestellt wird. Im selben Jahr weihten die Herren von Stetten die Kirche ihrem Familienpatron St. Veit. Im Jahre 1698 wurde unter der Herzoginwitwe Magdalena Sybille, Herzogin von Württemberg und von 1677 bis 1693 Regentin für ihren minderjährigen Sohn Eberhard Ludwig, die Kirche mit Ausnahme des Glockenturms abgerissen und in doppelter Größe als QuerkircheUlrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 177, 250, 318; Fußnote 787 – ISBN 978-3-95505-592-9. und ohne Chorraum neu erbaut,Andreas Stiene: Die Stettener Querkirche – Ein frühes Beispiel ihres Bautyps; in: Andreas Stiene, Karl Wilhelm: Alte Steine – neues Leben. Geschichte und Geschichten der Evangelischen Dorfkirche in Stetten im Remstal; Stetten im Remstal 1998, S. 70–75 - Als "frühes Beispiel ihres Bautyps" kann sie nach zwischenzeitlicher Querkirchen-Forschung jedoch nicht mehr angesehen werden. und zwar von Baumeister Matthias Weiß, der schon 19 Jahre zuvor in herzoglichem Auftrag im Schloss Stetten in die Dürnitz eine quergerichtete Schlosskapelle eingebaut hatte.

Unter der Kirche befindet sich seit 1718 eine gewölbte Gruft.St.-Veits-Kirche nach: Historischer Ortsrundgang - Schild vom Verein für Heimat und Kultur Kernen im Remstal e.V. Sie wurde 1817 geöffnet und man fand darin 15, zum Teil zerfallene Särge. Die meisten Verstorbenen gehörten der grävenitzischen Familie an, aber auch einer (gestorben am 26. Mai 1733) der Familie des Reichsgrafen Friedrich Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

1825 wurde das nebenstehende Pfarrhaus gebaut.

Der obere baufällige Fachwerkstock der Glockenstube samt Turmhelm wurde unter Baurat Friedrich Bernhard Adam Groß 1828 durch ein neues Uhren- und Glockenstuben-Geschoss in nachklassizistischen Formen mit vierseitig je drei Pfeilerarkaden unter stumpfem Pyramidendach ersetzt. Erhalten blieb der Turmsockel mit dem kreuzrippengewölbten Erdgeschoss, dem Glockenhäusle, und den beiden nächsten Stockwerken. Im Erdgeschoss wurde dann im November 1949 eine Gefallenengedenkstätte eingeweiht.

Im Jahre 1884 wurde die Veitskirche unter Leitung von Heinrich Dolmetsch einer Renovierung unterzogen.Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Dissertation Universität Hannover 2003, veröffentlicht vom Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege. In: Forschungen und Berichte der Bau- und Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 13, Stuttgart 2008, S. 250 f.

Seit 1928 ist die Kirche als Baudenkmal verzeichnet. Im Jahre 1970/1971 und 1998 erfolgte eine umfassende Renovierung.

Baubeschreibung mini|Weltkriegsdenkmal vor der Kirche von Emil Kiemlen mini|hochkant|Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges Die Lage der Kirche ist verkippt zur üblichen Ostung von Kirchen.

Der ältere Teil des Turmes wurde aus Bruchsteinmauerwerk mit gehauener Eckquaderung gebaut. Mit Hohlkehlen ausgebildet sind die unteren drei Gesimse des Turmes. An der Nordseite des Turms befinden sich drei Wappen und eine Kopie des Steinmetzmeisterschilds (mit der Jahreszahl 1471). Bei den unteren zwei schmalen Öffnungen soll es sich um Schießscharten handeln. Erst 1673 wurde der heutige Zugang zum Turm errichtet. Von 1828 ist der Turmaufsatz oberhalb des dritten Gesimses.

An der Nordseite befinden sich die beiden Außenaufgänge zu den Emporen. An der Außenmauer zwischen den Aufgängen ist ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht. Dieses von Emil Kiemlen aus Sandstein an der Nordfassade der Kirche errichtete Denkmal wurde am 21. April 1921 eingeweiht. Die Sockelinschrift, welche heute nicht mehr existiert lautete: „IHREN GEFALLENEN SÖHNEN DIE DANKBARE GEMEINDE STETTEN i.R., 1914 bis 1918“.

Das Kirchenschiff besitzt ein großes Walmdach. Bei dem Schiff handelt es sich um einen chorlosen Quersaal, da Kanzel, Altar und Taufstein nicht wie gewohnt im Osten, sondern im Süden aufgestellt sind. Eine Treppe auf die Kanzel befindet sich in der im Süden angebauten Sakristei. Im Osten der Kirche befindet sich der Hauptzugang, über dem sich eine Schrifttafel mit Hinweis auf Magdalena Sybille befindet. Im westlichen Obergeschoss befindet sich neben der Orgel der Zugang zum Turm.

Ausstattung mini|hochkant|Epitaph zu Erbmarschall Konrad Ludwig Thumb von Neuburg

Die Kirche hat ungefähr 700 Sitzplätze.

An der Südwand hängt ein Epitaph, das Erbmarschall Konrad Ludwig Thumb von Neuburg gewidmet wurde. Er verstarb am 1. März 1601 im Alter von 23 Jahren.

Kanzel Die Kanzel von 1698 ist mit Stilelementen der Renaissance und des Barock aus Holz und Stuck gefertigt, hat einen fünfseitigen Grundriss und ist nach unten bis zum Wandknauf geschweift eingezogen. Vom Sockelgesims hängt knorpeliges Schweifwerk mit Engelsköpfen herab. Über dem Sockel mit Blattmotiven stehen vor den Korbkanten weibliche Hermenpilaster, die dazwischen liegenden Felder sind von Laubwerksarabesken gefüllt. Das verkröpfte Brüstungsgesims trägt Blattstableisten. Der Schalldeckel mit dem Grundriss des Kanzelkorbes ist an den verkröpften Kanten mit Maskenköpfen versehen und trägt als Aufsatz ganz oben einen auf Akanthusschweifen mit Löwenköpfen ruhenden Pinienzapfen (oder eine Zirbelnuss) als Auferstehungssymbol.

Altar Der Altar von 1698 steht leicht nach Westen versetzt vor der Kanzel, auf einem Sockel erhöht. Es ist ein Blockaltar, dessen allseitige Rechteckfüllungen mit Stuck-Engelsköpfen und knorpeligem Schweifwerk verziert sind.

Es ist zu vermuten, dass das Altarkruzifix 1698 für die vergrößerte Kirche entstand. Es wird einem Meister Johann Leßle aus Schwäbisch Gmünd zugeschrieben.

Die lpßer zu Stuetgart (Gipser), Johann Jacob und sein Bruder Johann Georg Knöpfte (Knöpfflein), haben in Stuck die Kanzel und den Altar in Stetten gefertigt.

Taufstein Ebenfalls von 1698 ist der achteckige Taufstein aus Sandstein mit pokalförmigem, flach gedecktem Oberteil und einem mit Feldern gestalteten Sockel, deren Füllungen Blatt- und Fruchtgehänge (Rettiche, Äpfel, Birnen, Trauben) aufweisen.

Orgel mini|Orgel der Kirche Die erste von insgesamt fünf Orgeln wurde 1699 gekauft.

Die aktuelle Orgel wurde 1996 von Orgelbaumeister Michael Kreisz aus Oppelsbohm (mittlerweile nach Japan ausgewandert) mit 21 Registern und insgesamt 1386 Pfeifen gebaut.

Disposition HauptwerkRegister Orgel (links) 1. Rohrflöte 8′ 2. Gamba 8′ 3. Flötgedeckt 4′ 4. Tremulant 5. III/II 6. III′16′/II 7. Posaune 16′ 8. Prinzipial 8′ 9. Oktave 4′ 10. Quinte ′ 11. Oktave 2′ 12. Mixtur 4f. ′ 13. I/II 14. Subbaß 16′ 15. Oktavbaß 8′ RückpositivRegister Orgel (rechts) 16. Kleingedeckt 8′ 17. Suavial 4′ 18. Doublette 2′ 19. Quinte ’ 20. Bourdon 8′ 21. Kornett 4f. 4′ 22. Nasal ’ 23. Terz ’ 24. Vox humana 8′ 25. Tremulant 26. Trompete 8′ 27. Tremulant

Glocken mini|Kirchengeläut (18 Uhr) mini|Glocken im Kirchturm (rechts: Sonntagsglocke von 1494) mini|Lindner-Glocke, 1942 abgegeben, heute am neuen Friedhof

In dem Turm hängen insgesamt vier Glocken.

Nr. Name der Glocke Inschrift Schlagton Gusszeitpunkt Gießer, Gussort Gewicht ca. Durchmesser Höhe 1 Sonntagsglocke (auch Elfeglocke) Zur Ehre unseres Herrn Jesu Christi und zur Ehre Marias und des Sankt Veit goss mich Pantlion Sidler von Esslingen 1494 fis1 1494 Pantlion Sidler aus Esslingen 1050 kg 1180 mm 940 mm 2 Betglocke (oder Zwölfeglocke, Feuerglocke) JESUS SPRICHT: WACHET UND BETET! a1 13. Juli 1951 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart 467 kg 920 mm 3 Kreuzglocke (auch Totenglocke, Schiedglocke (Abschied), früher Ander-Glöckle) Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben h1 1948 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart 335 kg 820 mm 4 Taufglocke (auch Vesperglöckle oder Zeichenglöckle) Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. d2 1948 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart 195 kg 680 mm

Üblicherweise ist nach alten württembergischen Läuteordnungen die größte Glocke zugleich die Betglocke. In Stetten hat diesen Namen allerdings die zweitgrößte Glocke bekommen, um die größte zu schonen.

Aufgrund der Jahreszahl 1471 am Gesims des Kirchturmes wird vermutet, dass es bereits zu diesem Zeitpunkt Glocken gegeben hat. Seit 1961 wird über Läutemaschinen geläutet.

Ehemalige Glocken der Kirche: Name der Glocke Gusszeitpunkt Gießer, Gussort Ursprung Verbleib Evangelistenglocke 1495 Pantlion Sidler aus Esslingen Glockenturm im Schloß Stetten Ander-Glöckle (auch Magdalenenglöckle) 1706 Heinrich Ludwig aus Esslingen umgegossen Lindnerglocke 1744 Andreas Lindner aus Esslingen Abgabe im 2. Weltkrieg; zwischenzeitlich wieder auf dem Kirchturm; heute: neuer Friedhof Stetten Ander-Glöckle 1883 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart Umgegossen aus dem Magdalenenglöckle Abgabe im 1. Weltkrieg kleine Glöckle 1884 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart Umgegossen Abgabe im 1. Weltkrieg Amerikanerglöckle 1923 Glockengießerei Kurtz, Stuttgart Abgabe im 2. Weltkrieg

Turmuhr mini|Altes Uhrwerk von 1924 im Kirchturmmuseum Unter anderem wird Johann Conrath Zinkh als Uhrmacher von Esslingen in der ersten Urkunde von 1694, die im Glockenlager der großen Glocke gefunden wurde genannt.

Die erste derzeit bekannte Erwähnung einer Kirchturmuhr in Stetten findet sich in einem Dokument aus dem Jahre 1698. Es ging um Erneuerung der Kirchturmuhr.

Im Jahre 1924 bekommt die Kirche eine neue Turmuhr. Ein zusätzliches Zifferblatt wird 1960 an der Westseite des Kirchturms angebracht.

Eine elektronische Uhr wird 1988 mit der Möglichkeit einer Programmierung für die Läutezeiten eingebaut.

Grabplatten An der Ostwand des Glockenhäusle stehen zwei Steinplatten für Verstorbene aus dem Hause Thumb zu Neuburg (Konrad Ludwig Thumb von Neuburg und Maria Thumb von Neuburg).

Des Weiteren befinden sich vier Grabmäler für Pfarrer oder Pfarrfrauen an der Südwand der Kirche.

Fenster Für die Gestaltung des gewölbten Turmerdgeschosses mit der neuen Gefallenengedenkstätte fertigte die Glasmalereifirma Adolf Saile aus Stuttgart 1951 ein Farbglasbild zum Martyrium des Hl. Veit mit zwei Engeln nach einem Entwurf von Rudolf Yelin d. J. aus dem Jahr 1949. Die Gedenkinschrift dort an der Westwand stammt ebenfalls von Yelin.Claudia Lamprecht: Rudolf Yelin (1902-1991). Werkverzeichnis der baugebundenen Arbeiten. o. O. (Stuttgart), o. J. (1991), S. 96 f.Carla Fandrey: Glasmalerei im Rems-Murr-Kreis. In: Kreissparkasse Waiblingen, Geschäftsbericht 1985, Waiblingen 1986, S. 18.

Museum Im Kirchturm wurde 2002 ein Museum mit Exponaten im Zusammenhang mit Kirchturm, Turmuhr und Kirche eingerichtet.Kirchturmmuseum Kernen .

Bilder

Literatur