Das Max-Planck-Gymnasium (MPG) ist ein städtisches Gymnasium in Dortmund. Es ist nach dem Stadtgymnasium Dortmund das zweitälteste Gymnasium der Stadt, und mit etwa 1000 Schülern und etwa 100 Lehrern (Stand 9/2020) eines der größten im gesamten Stadtgebiet.
Bekannt ist die Schule insbesondere für ihre beiden portugiesischen und französischen Sprachzweige. So gilt es als einziges Gymnasium in Deutschland mit Portugiesisch als Abiturfach. Seit 1991 kann man hier zudem das deutsch-französische Abitur AbiBac erwerben. Das MPG zählt zu den 250 zertifizierten Europaschulen in NRW. Auch sein 1899 begonnenes Engagement für den Rudersport ist zu nennen.
Das MPG hat sich dem Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage angeschlossen, Im Jahr 2018 und 2021 wurde das MPG als „MINT-freundliche“ Schule geehrt, im Jahr 2022 zusätzlich als „Digitale Schule“.
Geschichte 1858 bis 1945 Der Vorläufer der Schule entwickelte sich von 1831 bis 1858 zunächst aus einer – auf Wunsch der Eltern – stärkeren Betonung der „realen“ Fächer in Abgrenzung zum Griechisch- und Latein-Unterricht am Städtischen Gymnasium (zwischen Westenhellweg und Schwarze-Brüder-Straße). Im Zuge dessen wurden ab 1841 einige förmliche Realklassen eingerichtet. Zu Ostern 1858 wurde dann, in das städtische Gymnasium eingegliedert, die sechsstufige Dortmunder Realschule mit realgymnasialen Charakter aufgebaut. Nach dem Ausbau zur neunklassigen Vollanstalt erfolgte am 18. Januar 1862 die Anerkennung als Realschule 1. Ordnung.Ausführlich dazu: Hans-Georg Westermann: Das preußische Militär rettet das Max-Planck-Gymnasium. In: Heimat Dortmund, Themenheft 3/1999: Schulmuseum und Schulgeschichte in Dortmund, S. 44–49. 1863 Umzug in ein neu errichtetes Gebäude am Neutor. 1879 erlangt die Schule die völlige Selbstständigkeit vom Städtischen Gymnasium und erhält einen eigenen Lehrkörper, einen eigenen Direktor und einen separaten Eingang zum zunächst weiterhin gemeinsam genutzten Gebäude. 1882 Umbenennung in Realgymnasium. 1886 Umzug an den neuen Standort in der Luisenstraße.Johannes Kruse, Werner Kirstein: 1858–1958 Bismark-Realgymnasium, Max-Planck-Gymnasium Dortmund. Selbstverlag, 1958 Um 1917Hans-Georg Westermann: Das preußische Militär rettet das Max-Planck-Gymnasium. In: Heimat Dortmund, Themenheft 3/1999: Schulmuseum und Schulgeschichte in Dortmund, S. 49. erfolgte die Umbenennung in Bismarck-Realgymnasium, als Tribut an den Reichskanzler Otto von Bismarck, maßgeblicher Begründer des Deutschen Kaiserreichs 1871, und zur besseren Unterscheidung von dem (1907 zunächst als Realschule neu eröffneten) 2. Realgymnasium in der Münsterstraße, dem Vorgänger des heutigen Helmholtz-Gymnasiums.
Unter dem Naziregime bereitet Hans Woelbing, seit 1928/29 am Bismarck-Realgymnasium, von 1929 bis 1943 als Studienrat,Hans Bohrmann: Zur Bücherverbrennung in Dortmund. In: Bibliotheksdienst, Band 47, 2013, Heft 5, S. 300 f. als vom Staatskommissar Bruno Schüler "Beauftragter für Säuberung und Reinigung der Dortmunder Bibliotheken" und Leiter der "Bibliotheks-Prüfungskommission" zusammen mit Lehrern im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) 1933 die Bücherverbrennung am 30. Mai 1933 auf dem Hansaplatz in Dortmund vor und hält bei der Verbrennung eine Ansprache.Högl, Günther: "Dortmund im Zeichen der nationalsozialistischen Bücherverbrennung vom 30. Mai 1933 - Die Akteure der Bücherverbrennung und die ´verbotenen Bücher´ der Stadt-und Landesbibliothek", in: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark im Auftrag für den Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark. Dortmund; 2008 Band 98/99, S. 89–110. Im Schulgebäude in der Luisenstraße 6 befand sich eine Sammelstelle für die zu verbrennenden Bücher. In der Tageszeitung Tremonia wurde dazu aufgefordert, dort Bücher für die Verbrennung abzugeben. Unter Leitung des Studienreferendars Friedhelm Kaiser,Friedhelm Kaiser war der Schule vom Staatlichen Pädagogischen Bezirks-Seminar zum 1. Oktober 1932 als Studienreferendar für die Fächer Religion, Deutsch und Geschichte zugewiesen worden. Im Herbst 1933 legte Kaiser an der Schule seine Pädagogische Prüfung ab und wurde anschließend der Schule zum 1. Oktober 1933 als Studienassessor "zur unentgeltlichen Beschäftigung" überwiesen. Quelle: Bericht / Städtisches Bismarck-Realgymnasium zu Dortmund über das Schuljahr 1932/33; Bericht / Städtisches Bismarck-Realgymnasium zu Dortmund über das Schuljahr 1933/34 1933 bis 1935 Schriftleiter und Chef vom Dienst der NSDAP-Parteizeitung Westfälische Landeszeitung – Rote ErdeBettina Maoro: Die Zeitungswissenschaft in Westfalen 1914–45: Das Institut für Zeitungswissenschaften in Münster und die Zeitungsforschung in Dortmund. De Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 109 und von 1939 bis 1941 Stellvertretender Reichsgeschäftsführer der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe,Julien Reitzenstein: Himmlers Forscher: Wehrwissenschaft und Medizinverbrechen im „Ahnenerbe“ der SS. Schöningh, Paderborn 2014, S. 53 f. sprechen Schüler der Schule dessen Text Die Brandfackel im Sprechchor. Der langjährige Leiter des Dortmunder Stadtarchivs Günther Högel hält es für evident, dass auch das Lehrerkollegium der Schule mit großem nationalsozialistischen Engagement an der Bücherverbrennung in Dortmund beteiligt gewesen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Hans Woelbing ab 1949 zunächst als Gymnasiallehrer, von 1964 bis 1974 als Leiter der Volkshochschule in Zweibrücken und baut später die Bibliotheca Bipontina auf, deren angesehener Leiter er wird. Seine Vergangenheit als NSDAP-Funktionär und treibende Kraft bei der Bücherverbrennung in Dortmund wird in Zweibrücken erst 2013 durch eine Veröffentlichung der Bibliotheca Bipontina in der Fachzeitschrift Bibliotheksdienst bekannt.Andreas Ganter: "Schmutzige, schamlose Schriften" : bei seiner Einstellung in Rheinland-Pfalz hat Hans Woelbing nicht nur seine Vergangenheit verschwiegen, sondern gelogen ... in: Die Rheinpfalz / Zweibrücker Rundschau. - 73 (2017), Nr. 227 vom 29.9. mini|Stolpersteine für Max Grünewald, seine Frau und seine zwei Töchter, 2023 verlegt in der Wenkerstr. 12 in Dortmund Von 1900 bis 1930 waren etwa 3–7 % der Schüler der Schule jüdischen Glaubens und wurden im Fach Jüdische Religion unterrichtet.Berechnung auf Grundlage von a) der Jahresberichte Städtisches Realgymnasium zu Dortmund. 1900 bis 1915, und b) Ab 1933 sahen sich Schüler, Lehrer und ehemalige Schüler zunehmend Drohungen gegen ihr Leben und ihre Freiheit sowie Beschränkungen in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit ausgesetzt. Vertreibung, Verschleppung und Ermordung folgten. Bis ca. 1935 gingen alle Schüler von der Schule ab und sind größtenteils mit ihren Eltern ausgewandert.Karl-Heinz Löhr: Erinnerungen an meine Schulzeit – Abiturjahrgang 1936. In: Festschrift 125 Jahre Max-Planck-Gymnasium Dortmund – früher Bismarck-Realgymnasium. Selbstverlag 1983, S. 61–63 Ernst Appel, seit 1927 Rabbiner in Dortmund und seit 1929 Religionslehrer an der Schule floh im Mai 1937 nach mehreren willkürlichen Verhaftungen durch die GeStaPo, mit seiner Familie über Holland zu Verwandten in die Vereinigten Staaten,Ernst Appel. In: Günter Birkmann, Hartmut Stratmann, Thomas Kohlpoth: Bedenke vor wem Du stehst. 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-661-8. nachdem er lange gezögert hatte, „seine Gemeinde in dieser Zeit der Not und Bedrängung zurückzulassen“. Otto Koch war von 1912 bis 1934 Oberstudienrat und Religionslehrer am damaligen Bismarck-Realgymnasium, sowie anschließend Propst der Gaukirche in Paderborn. Er warnte als Zentrumspolitiker vor der NSDAP in Reden in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dortmund und in der Zeitung. Deswegen wurde er aus dem Dienst entlassen und von der SA verprügelt.Entnazifizierungsbogen in der Personalakte von Otto Koch, Stadtarchiv Dortmund (Best. Nr.: 140 P/ Nr. 40-P-1952-28) Der Urologe Julius Grüneberg (Not-Abiturjahrgang 1914), sah sich im Oktober 1939 gezwungen, von Berlin über Holland in die USA zu fliehen. Unterwegs dahin verlor er bei einem Bombenangriff auf den Hafen von Rotterdam alles was er bei sich hatte.Rebecca Schwoch: Jüdische Ärzte als Krankenbehandler in Berlin zwischen 1938 und 1945. Mabuse-Verlag: Frankfurt am Main 2018, S. 289f. Max Grünewald (Abiturjahrgang 1910), der noch 1921 in Dortmund-Stadtmitte in der Hohen Straße Nr. 12 als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer praktizierte und zuletzt, im Zuge der „Judenumsiedlung (…) zur räumliche[n] Trennung von Ariern und Juden“ 1941 in ein Barackenlager an den Stadtrand in Dortmund-Deusen zwangsumgesiedelt worden war,Lfd. Nr. 197, 198, 200, in: Namensliste der 501 deportierten Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, Blatt 10, Lfd. Nr. 201 in: Namensliste der 501 deportierten Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, Blatt 11 wurde am 27. Januar 1942 mit seiner Frau Hildegard und seinen beiden Töchtern Hanna und Ruth in das Ghetto Riga deportiert. Gedenkblatt Max Grünewald. Forschungs- und Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem/Israel.Projektbericht: Stolperstein für Max Grünewald auf der Website der Schule, abgerufen am 24. Januar 2023
Anfang 1937 wurde das Bismarck-Realgymnasium in die Bismarck-Oberschule und das Albert-Leo-Schlageter-Gymnasium, (bis 1934: Staatliches Gymnasium, heute: Reinoldus- und Schiller-Gymnasium) in die Albert-Leo-Schlageter-Oberschule umgewandelt, da das zwischenzeitlich in Hitler-Gymnasium umbenannte Stadtgymnasium die Bezeichnung Gymnasium allein tragen sollte.Artikel im Ehemaligenheft Nachrichtenblatt Nr. 42, Dezember 1999, S. 29f. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude 1943 zum Großteil und 1944 schließlich völlig zerstört. Im Juni 1943 war ein Teil der Schulgemeinde im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Baden-Baden verlegt worden. Zurück blieben die Schüler der Klassen 7 und 8, die vor Beginn ihres wehrpflichtigen Alters als Luftwaffenhelfer eingesetzt wurden und nachmittags in den Flakstellungen in der Umgebung von Dortmund von den 7 nicht evakuierten Lehrern der Schule notdürftig unterrichtet wurden. In Baden-Baden war die Schule im Gymnasium Hohenbaden zu Gast, wo nachmittags von den 13 mitverlegten Lehrern der Unterricht erteilt wurde. 1944 wurden Schüler an Bauarbeiten zur Reaktivierung des Westwalls 1944 eingesetzt. Im Dezember 1944 wurde die Bismarck-Oberschule (zusammen mit dem Realgymnasium Hörde, 1949–1995: Humboldt-Gymnasium) von der vorrückenden Front nach Enzklösterle und im Frühjahr 1945 ins Allgäu verlegt. Von dort kamen sie am 15. Juli 1945, nach einer 6-tägigen Fahrt in einem von den Amerikanern zur Verfügung gestellten Güterwagen nach Dortmund zurück.
Die bürgerlichen Schüler des Realgymnasiums begannen 1890 auf dem Schulhof regelmäßig Fußball zu spielen. Sie waren damit die Pioniere des Fußballsports in der Stadt. Zudem wurde am 1. Juni 1899Bernhard Kuhse: Schülerrudern. Geschichte und Betrieb. Berlin Weidmannsche Buchhandlung 1908. S. 154; . (nach der feierlichen Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals im Vorjahr) mit dem Ruder-Verein des Realgymnasiums zu Dortmund der Vorläufer der späteren Bismarck-Ruderriege von 1899 und damit die älteste noch bestehende Ruderriege Dortmunds gegründet.Die Geschichte der Ruderriege von 1899 am Max-Planck-Gymnasium auf der Website der Ruderriege, abgerufen am 14. März 2015Günther Risse: Schul- und Schülerrudern in Dortmund. In: Ruderclub Germania und Ruderclub Hansa in Kooperation mit der Stadt Dortmund: Tag des Rudersports. Dortmund 2009 8.–10. Mai, Eigenverlag 2009, S. 24.
Ab 1945