Johann (Carl) Sigmund Haussdörffer, auch Hausdörffer (* 10. August 1714 in Schwarzenberg/Erzgeb.; † 15. März 1767 in Tübingen) war im 18. Jahrhundert in Württemberg als Orgelbauer tätig.
Leben und Werk Haussdörffer wurde als Sohn von Gabriel Haussdörffer (1661–1727) geboren, der in Schwarzenberg zunächst als Mälzer und später außerdem als Röhren- und Braumeister wirkte. Wie seine Brüder David (1694–1730)440 Jahre Kirche Adelsberg. In: Adelsberger Heimat- und Stadtteilzeitung, Chemnitz September/Oktober 2009 und Johann George wurde er Orgelbauer.
Johann Sigmund Haussdörffer wanderte vor 1740 von Sachsen nach Württemberg aus und lebte ab den 1740er Jahren bis zu seinem Tod in Tübingen. Er war wohl von Gottfried Silbermann beeinflusst, worauf die Ähnlichkeit der Orgelprospekte der Balinger Stadtkirche (1767, Haussdörffer) und der Georgenkirche in Rötha (1718–1721, Silbermann) hinweist.
Haussdörffer baute Orgeln in verschiedenen Städten im Raum Württemberg im Stil des Rokoko. Insgesamt werden ihm 18 Orgelneubauten zugeschrieben. Er gilt als Erfinder der ersten nachgewiesenen Registerkanzellenlade und bedeutendster württembergischer Orgelbauer des 18. Jahrhunderts.Fischer, Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. 1994, S. 142. Sein letztes Werk war die Orgel in der Stadtkirche Balingen. Er starb noch im Jahr der Aufstellung am 15. März 1767 im Alter von 52 Jahren in Tübingen und wurde dort am 18. März beigesetzt.Datenbank „Württemberg, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1500-1985“; Eintrag Herr Johann Sigmund Haußdörfer, Bürger und Orgelmacher allhier; aet: 52 J. 7 M. 1 T.; eingesehen auf ancestry.de am 15. Mai 2026.
Familie Johann Sigmund Haussdörffer war mit Justina Barbara Sprenger (1704–1788) verheiratet und hatte mit ihr mehrere Kinder, von denen das erste Anfang 1743 in Sulz am Neckar geboren wurde. Nur die Tochter Christiana Regina (1750–1783) erreichte das Erwachsenenalter. Ihr Ehemann, der aus Reutlingen stammende Orgelbauer Johannes Rudigier (1725–1808) – auch bekannt unter dem Namen Hans Rüdiger – übernahm Haussdörffers Orgelbauwerkstatt.Manecke, Mayr: Historische Orgeln in Oberschwaben. 1995, S. 221.
Sein Neffe Christian Gotthilf Haussdörffer (1725–1764), der ältere Sohn seines Bruders David, folgte ihm nach Tübingen und arbeitete dort ebenfalls als Orgelbauer. Auch dessen Sohn Wilhelm Gottlieb Haussdörffer (* 1755 in Tübingen) wirkte dort zum Zeitpunkt seiner Heirat 1785 als Orgelbauer.
Werkliste (Auswahl) Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen 1741 Oberlenningen Martinskirche zentriert|160x160px II/P 15 Neubau, Gehäuse und einzelne Pfeifen erhalten 1742 Sulz am Neckar Ev. Stadtkirche II/P 18 Neubau, nicht erhalten 1745 HeimsheimStadtkirche Neubau 1754 Blaubeuren Stadtkirche II/P 22 Neubau, nicht erhalten (1902 durch Neubau der Gebrüder Link ersetzt) 1755 Esslingen am Neckar Stadtkirche St. Dionys zentriert|160x160px II/P 24 Neubau unter Einbeziehung von Teilen der Vorgängerorgel von Johann Georg Allgeyer d. Ä. (1706)1756Tübingen-KilchbergMartinskirche160x160pxI/P8Pedal wurde später hinzugefügt 1760 Sickenhausen Ev. Kirche I/P 6 Zuschreibung (oder 1731); 1988 nach Biberach an der Riß, Ev. Spitalkirche, umgesetztManecke, Mayr: Historische Orgeln in Oberschwaben. 1995, S. 75, 187. 1760 Waldenbuch Veitskirche I/P 14 Neubau; 1934 Erweiterung durch Weigle (II/P/22) 1767 Balingen Stadtkirche zentriert|160x160px II/P 22 Neubau; 1914 und 1973 durch Neubauten ersetzt (heute IV/P/54); Prospekt und einige Pfeifen erhalten
Literatur
Walter Gröner: Die Orgel der Balinger Stadtkirche. In: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Balingen. 14. Jahrgang, 1967, S. 669.
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Person (Tübingen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1714 Kategorie:Gestorben 1767 Kategorie:Mann