Fleurac (, ) ist eine südwestfranzösische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Gemeindeverband Communauté de communes de la Vallée de l’Homme. Die Bewohner werden Fleuracois und Fleuracoises genannt.
Geografie
Fleurac liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 21 Kilometer nordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 44 Kilometer ostnordöstlich von Bergerac in der Landschaft des Périgord noir, im gleichnamigen touristisch benannten Landesteil. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von den Flüsschen Vimont, Labinche, Ruisseau de Lavaure, Ruisseau de Navarre, Les Fangues sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Fleurac liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und einigen Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Das Relief des Gemeindegebiets weist eine waldreiche Hügellandschaft auf mit Erhebungen meist über , die durch die Flusstäler markant eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit Höhe im äußersten Norden an der Grenze zu den Nachbargemeinden Rouffignac-Saint-Cernin-de-Reilhac und Plazac. Der tiefste Punkt ist mit im Nordosten beim Austritt des Vimont aus dem Gemeindegebiet zu finden. Das Zentrum liegt erhöht auf etwa .
Rund 65 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 34 % werden landwirtschaftlich, vorwiegend als Grünland genutzt, rund 1 % entfällt auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.
Fleurac wird von folgenden acht Gemeinden umgeben:
Natürliche Risiken mini|Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Fleurac Naturrisiken manifestieren sich in Fleurac neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Dürren Waldbrände Bodensetzungen.
Fleurac ist einer starken Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht deshalb zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.
Wie die Risikokarte zeigt, ist etwa die Hälfte des Gemeindegebiets vereinzelt von einer mittleren, vor allem aber einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1997, 2005 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Zentralmassivs sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer geringen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Etymologie und Geschichte Die romanische Kirche von Fleurac wurde errichtet vor der erstmaligen Erwähnung des Namens des Dorfes, in der latinisierten Form Floyracum im 13. Jahrhundert. Die Schreibweise Fleurat ist im Jahre 1760 belegt. Fleurac steht für einen lateinischen Personennamen, Florus, der dem Adjektiv florus () entspricht.Siehe Tanet, Hordé, Seite 158
In der gallorömischen Zeit wurde dieser Standort für das Dorf gewählt, weil der Wald Wild und Holz lieferte. Die Nähe zum Tal der Vézère sicherte zudem die Wasserversorgung und bot einen schiffbaren Wasserweg.
An den Ufern der Dordogne und der Vézère zogen im 5. Jahrhundert visigotische Stämme aus Zentralasien vorbei und siedelten sich nach und nach in Aquitanien an. Auf den Höhen von Fleurac herrschte wenig Besorgnis. Das Dorf war durch dichte Wälder gut von den Hauptstraßen abgeschirmt. Dieser Wald reicht bis an die wenigen Holzhäuser heran, die zusammen das gesamte Dorf Fleurac ausmachten. In der Karolingerzeit wurde die Christianisierung der Region abgeschlossen. Fleurac besaß nun eine Kapelle und sollte zum Zentrum einer sich organisierenden Pfarrgemeinde werden und erstreckte sich daher die Hänge hinauf. Die Bewohner von Fleurac dehnten ihr Territorium aus, indem sie den Wald von allen Seiten verkleinerten.
Die im 12. Jahrhundert erbaute Kirche von Fleurac zeugt stumm von den turbulenten Zeiten, die das Dorf durchlebt hat. 1154 heiratete Eleonore von Aquitanien Heinrich Plantagenet, dem späteren englischen König. Diese Verbindung war eine der Hauptursachen des Hundertjährigen Krieges, in dem Franzosen und Engländer gegeneinander kämpften und die Gegend verwüsteten. Daraufhin befestigten die Einwohner von Fleurac ihre Kirche, um bei Angriffen Schutz zu finden.
Das Schloss Fleurac wurde im 14. Jahrhundert ebenfalls zum Schutz der Bevölkerung innerhalb seines Lehens erbaut. Das Priorat der Grammontenser, unterstellt dem Schutz des Heiligen Georg, zeugt noch heute von dieser Epoche.
Die Kämpfe des Hundertjährigen Krieges endeten erst 1453 mit dem französischen Sieg über die Engländer in der Schlacht bei Castillon.
Das Périgord fand seinen Frieden nach den Hugenottenkriegen jedoch erst nach dem Ende der Rebellion der Croquants wieder, die vom späten 16. bis zum 19. Jahrhundert immer wieder sporadisch, aber gewaltsam ausbrachen. In dieser Zeit entstanden in Fleurac mehrere Schlösser: Malbec, Cluzeau, Souffron und Le Peuch.
Vom 16. bis zum 17. Jahrhundert entwickelte sich Fleurac zu einer bedeutenden Weinbauregion. Das Weingut des Schlosses produzierte hochwertigen Wein, der dank der Gabarren auf der Dordogne und Lieferungen aus Libourne bis in die Niederlande exportiert wurde. Dieser Wohlstand kam den einflussreichen lokalen Seigneurs bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zugute, als der Befall der Reblaus die Weinberge vernichtete. Trotz eines Wiederanpflanzungsversuchs der Familie Normant, der neuen Besitzer des Weinguts, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Produktion allmählich zurück.
Bevölkerungsentwicklung
mini|hochkant|Schloss Le Peuch Sehenswürdigkeiten Die romanische Pfarrkirche Saint-Marie mit ihrem nach den Wirren des Hundertjährigen Krieges oberhalb der Apsis errichteten und mit Schießscharten versehenen querrechteckigen Turm zeigt deutlichen Wehrcharakter. Der markante Glockengiebel stammt hingegen aus dem 19. Jahrhundert; ob er einen baufällig gewordenen Vorgänger ersetzt hat, ist unklar. Das Archivoltenportal wurde ebenfalls in dieser Zeit erneuert; dagegen wurde eine kleine gotische Pforte auf der Südseite zugemauert. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich mehrere – meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammende oder in dieser Zeit umgebaute – Landsitze (Schlösser oder Herrenhäuser), die sich allesamt in Privatbesitz befinden. Umgebung Die von prähistorischen Menschen besuchte und mit Malereien ausgestattete Höhle von Rouffignac befindet sich nur etwa einen Kilometer westlich auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Rouffignac-Saint-Cernin-de-Reilhac.
Wirtschaft Erwerbstätigkeit Im Jahre 2022 waren 140 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Fleurac erwerbstätig, entsprechend 77,1 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (82,0 %) höher war als bei den Frauen (73,6 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 13 Personen im Jahr 2022 die gleiche wie im Jahr 2016. Die Arbeitslosenquote sank aufgrund der höheren Erwerbstätigkeit von 11,9 % (2016) auf 9,2 % (2022).
Branchen und Betriebe 42 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Fleurac wirtschaftlich aktiv: Branche Anzahl %Gesamt42Baugewerbe716,7 %Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie1126,2 %Information und Kommunikation12,4 %Immobilien12,4 %Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten1023,8 %Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln511,9 %Andere Dienstleistungen716,7 %
Landwirtschaft Fleurac liegt in der Zone mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP) des Walnussöls des Périgord.
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Rinderzucht zur Erzeugung von Milch und/oder Fleisch. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 20 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 18 im Jahr 2000, auf 17 im Jahr 2010 und auf 7 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 65 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 302 Hektar im Jahre 1988 auf 462 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg signifikant von 15,1 Hektar auf 65,9 Hektar.
Verkehr Fleurac liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit den Nachbargemeinden.
Sonstiges In Fleurac wohnte von 1962 bis zu seinem Tod 1998 der niederländische Maler und Grafiker Johfra Bosschart.
Der Ort findet Erwähnung im Roman Schloss Fleurac oder Die schöne Marguerite von Hildegard Holtschneider.
Literatur
Weblinks
Fleurac – Fotos + Infos (französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Nouvelle-Aquitaine Kategorie:Ehemaliger Weinbauort in Frankreich Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert