Die Industriezone Hall-Thaur (Hall-West) ist ein Gewerbegebiet östlich Innsbruck. Es besteht aus der ehemaligen Zollfreizone Hall in Tirol und dem Gewerbegebiet Au der Gemeinde Thaur. Am Beginn der Brenner-Transversale gelegen ist es einer der wichtigsten Warenumschlagplätze Westösterreichs.

Lage Die Industriezone liegt zwischen Olympischem Dorf/Neu-Rum und Hall-Altstadt am Inn.

Sie befindet sich an der Unterinntalbahn und hat mit der Anschlussstelle Hall West (Exit 70) der Inntal Autobahn A 12 (andere Innseite) – Löfflerweg L 77 – Tiroler Straße B 171 (hier Innsbrucker Straße) guten Straßenverkehrsanschluss.

Geschichte Hall in Tirol ist wohl schon seit der Römerzeit, insbesondere aber seit dem Hochmittelalter eine durch Salzbergbau und Alpentransit bedeutende Stadt, und war spätestens ab der Fugger-Zeit das eigentliche wirtschaftliche Zentrum Tirols (so mit der Münze Hall),Münze Hall - die Wiege des Talers und des heutigen Dollars! Museum Münze Hall, muenze-hall.at. während das benachbarte Innsbruck die Residenzstadt war. Schon ab dem 12. Jahrhundert hatte die Stadt diverse Handelsprivilegien,Vergl. Andreas Faistenberger: Hall in Tirol: das Stadtrecht von 1303. Verlag Berenkamp, 2003, ISBN 978-3-85093-133-5; und Heinz Moser, Archiv der Stadt Hall: Urkunden der Stadt Hall in Tirol: 1303-1600. Reihe Tiroler Geschichtsquellen; Band 1 von Urkunden der Stadt Hall in Tirol. Verlag Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. IV b, Tiroler Landesarchiv, 1989. und ab dem 15. Jahrhundert ein Zollamt an der Inn-Lände.Otto Stolz: Geschichte des Zollwesens, Verkehrs und Handels in Tirol und Vorarlberg von den Anfängen bis ins XX. Jahrhundert. Verlag Wagner, Innsbruck 1953, S. 122 ().

Zollfreizone Hall/Freilager Hall Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die örtlichen Handelskammern, den Handel wieder zu beleben, indem ungeachtet der Brennergrenze eine gesamttirolische Freihandelszone errichtet würde. Trotz Widerständen aus Rom konnte 1949 das Accordino, ein Sonderabkommen Tirol/Vorarlberg–Trentino/Südtirol, ausgehandelt werden, das auf das Gruber-De Gasperi-Abkommen (Pariser Abkommen) zur Südtirolfrage aufbaute.Nach Artikel 3 d des Abkommens von 1946; Lit. Gehler: Eine Tiroler Freihandelszone? S. 667. Es ermöglichte erleichterten begrenzten regionalen Warenverkehr und führte dann 1956 zur Einrichtung der Zollfreizone in Solbad Hall.Lit. Gehler: Eine Tiroler Freihandelszone? S. 669. Grund der Ortswahl war die günstige Lage an der Ost-West-Verbindungen über den Arlberg und der Brennerstrecken. Damit wurde auch der internationale Alpentransit gefördert, als zollrechtliches „Ausland“ konnte hier einfach zwischengelagert und umgeladen werden, insbesondere wurden am Bahnhof Hall die Güterzüge für die Bergstrecke des Brenners umgespannt.

Das 1956/57 in der Haller Au errichtete zehnstöckige Lagerhaus der Zollfreizone wurde mit einem eigenen Zollamt ausgestattet (Zollamt Hall, zuletzt Zweigstelle der Finanzlandesdirektion für Tirol).Vergl. (PDF), Anlage 1.

mini|Zentrale der Felder-Gruppe Ab den 1960er Jahren wurde die Betriebsansiedlung hier gefördert,Günter Hagen: Hall in Tirol: Stadtentwicklung im Spannungsfeld von Altstadterneuerung und Ausländersituation. Band 34 von Innsbrucker geographische Studien. Selbstverlag Institur für Geographie Innsbruck, 2003, ISBN 978-3-901182-37-2, S. 133 (). wodurch sich ein umfangreicheres Gewerbegebiet westlich des Haller Verschiebebahnhofs entwickelte. Bis dahin waren Haller Au und Thaurer Au völlig unbebaut gewesen. So siedelte sich 1982 die Zentrale des Maschinenbauers Felder hier an. Durch die 1994 eröffnete Güterzugumfahrung Innsbruck, den Tunnel von Hall in das Wipptal, der einen direkteren Warenverkehr ermöglichte, aber schon zwischen Mils und Volders abzweigt, verlagerte sich viel Bahnverkehr nach Wörgl (Cargo- und ROLA-Terminal).

Nach dem EU-Beitritt Österreichs 1995 wurden die Zollfreizonen in Österreich aufgelassen, und formal in Freilager umgewandelt (Freilager Hall), mit weitgehend analoger Gebarung.; Artikel Stand 1995, aeiou.at. Mit dem Wirksamwerden des Schengen-Abkommens 1997 wurde die regionale Funktion weitgehend hinfällig.

Die Betreiberfirma Markus Zwettler in Wirtschaftsblatt online, 2. Oktober 1998. Logistik Zone Tirol Ges.m.b.H. für Lager, Autotransport, Zollabwicklung und Bürovermietung (1952 gegründet; Erste Bank, Land Tirol, Tiroler Wirtschaftskammer) wurde 2002 vom Vorarlberger Transport- und Logistik-Konzern Gebrüder Weiss übernommenGebrüder Weiss kauft Logistik Zone Tirol. Pressemeldung APA, OTS0126, 25. Nov. 2002. Der 1990 gegründete Terminalbetreiber Tiroler Straße-Schiene-Umschlaggesellschaft (TSSU), ebenfalls inzwischen bei der Gebr.-Weiss-Gruppe, übersiedelte 1995 an den Autobahnzubringer Hall-West.TSSU - Wir über uns, tssu.at, abgerufen am 13. März 2015.

Diese Zollfreizone bildete die Katastralgemeinde Heiligkreuz II mit . In Hall erstreckt sich das Gewerbegebiet heute weiter an Inn und Richtung Bahnhof als die alte Zollfreizone (Haller Au/Schlögelstraße), und nördlich der Bahn bis an die Römerstraße (Lorettostraße/Heiligkreuzer Feld).

Industriezone Au (Thaur) 1971 wurde in Thaur ein weiterer Streifen der Au als Gewerbe- und Industriezone gewidmet.Die Thaurer Dorfgeschichte: 1971. Verein für Dorfgeschichte Thaur: chronos-thaur.at, abgerufen am 13. März 2015. Es liegt zwischen Bahn und Inn (Bert-Köllensperger-Straße), mit einer zusätzlichen Gewerbewidmung nördlich der Römerstraße.

Hier befindet sich auch das 1975 errichtete große Umspannwerk Thaur der 380 kV-Freileitung Westtirol.Mit Strom und Wasser bis 2000 vorgesorgt. In: Amtsblatt Innsbruck. 36. Jg., Nr. 11, November 1975, S. 1 f (eReader, issuu.com). Bis zum Bau des neuen Umspannwerks Vill 2008 war es alleine für die Versorgung des Tiroler Zentralraumes da (Vill versorgt daneben auch den kommenden Brennerbasistunnel).Neues Umspannwerk Vill der TIWAG Netz AG in Vollbetrieb. TIWAG, 15. Dezember 2008, tinetz.at » Aktuelles » Archiv.

Literatur Michael Gehler: Selbstbestimmung, geistig-kulturelle Landeseinheit, Europaregion? Die Tiroler Südtirolpolitik 1945–1998. In: Ders. (Hrsg.): Tirol: "Land im Gebirge" zwischen Tradition und Moderne. Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Böhlau Verlag, Wien 1999, ISBN 978-3-205-98789-5, S. 569 ff. (auch Band 3 von Geschichte der österreichischen Bundesländer seit 1945, ISBN 978-3-205-98701-7), Kapitel III: Initiativen zur Überwindung der Landesteilung, Abschn. 1: Eine Tiroler Freihandelszone? Das »Accordino« 1949 in den Mühlen staatlicher Bürokratien und die Tiroler Zollfreizone 1956. S. 667–672 ().

Einzelnachweise

Kategorie:Hall in Tirol Kategorie:Thaur Kategorie:Wirtschaft (Tirol) Hall Kategorie:Ort am Inn Kategorie:Industrie (Österreich)