Wolfgang Schonendorf (* 1925; † 22. Dezember 1986 in Ost-Berlin) war ein deutscher Hörspielregisseur. Grabrede von Dr. Peter Gugisch, gehalten am 13. Januar 1987

Leben Schonendorf war seit 1950 in den Studios Berlin-Grünau, Masurenallee und schließlich Nalepastraße für den Rundfunk der DDR tätig und arbeitete sich als Schüler Gottfried Hermanns ins Inszenierungs-Metier des Hörspiels ein.Interview mit Wolfgang Beck in: Das war - Das ist Hörspiel, Zeugen und Zeugnisse aus drei Jahrzehnten, Folge 3, Rundfunk der DDR 1979 Nach einem Berufseinstieg als Redakteur, Reporter und Sprecher wurde er bereits im September 1952 stellvertretender Chefregisseur.Patrick Conley: Der parteiliche Journalist. Metropol, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-050-9, S. 177. Von 1957 bis zur Umstrukturierung der Hauptabteilung Dramaturgie/Produktion im Herbst 1969 wirkte Wolfgang Schonendorf als Chefregisseur. Danach übernahm er in der neuen Hauptabteilung Funkdramatik die Leitung der Abteilung Regie/Sender, wo er für alles verantwortlich zeichnete, was für den Rundfunk der DDR auf dem Gebiet der Literatur, des Schulfunks, der Funkerzählung, der öffentlichen Literaturveranstaltungen zu inszenieren war. Grabrede von Dr. Peter Gugisch, gehalten am 13. Januar 1987 Beim Rundfunk der DDR wirkte Schonendorf als Mentor und Förderer für junge Hörspielregisseure. Im Jahr 1966 setzte er sich für die Festeinstellung von Joachim Staritz ein.Eine Erinnerung an den Hörspielregisseur Joachim Staritz: Die Kaderinstrukteurin senkte den Blick in: Berliner Zeitung vom 1. September 2001. Abgerufen am 26. April 2015 Schonendorf hat seit Ende der 1950er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre über 50 Hörspiele und Radio-Features inszeniert, darunter die Radio-Premieren der Stücke von Autoren wie Inge Müller, Heiner Müller, Alfred Matusche oder Günter Kunert.

Er war Regisseur des Hörspiels Gelassen stieg die Nacht an Land von Adolf Schröder, das einen frühen Versuch der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der spezifisch deutschen Geschichte darstellt. Die Erstsendung war am 10. Juni 1965 im Deutschlandsender. Schonendorf entwarf zu dem stilistisch der Gattung des sog. „Traumhörspiels“ zugehörigen Hörspiel, „unbewusste Ängste in akustischen Bildern“.Der Holocaust im Hörspielprogramm anderer Sender der DDR in: Manuela Gerlof: Tonspuren: Erinnerungen an den Holocaust im Hörspiel der DDR (1945–1989). Seite 183/184. Walter de Gruyter. Berlin/New York. 2010. ISBN 978-3-11-022589-1. Seine Inszenierung gilt als „ästhetisch herausragend“. Er verwendete verschiedene klangliche Aspekte, zu denen akustische und elektronische Klänge, Halleffekte, Überblendungen und Verfremdungen gehörten. Seine Regie entfernte sich somit weitgehend von den künstlerischen Vorgaben des Sozialistischen Realismus.

Er war auch Regisseur des in seiner Länge epischen Hörspiels Die Ermittlung nach dem Drama von Peter Weiss., Bericht vom 6. November 2013. Offizielle Internetpräsenz des Deutschen Rundfunkarchivs. Abgerufen am 26. April 2015 Für die musikalische Gestaltung und Untermalung verpflichtete er Siegfried Matthus; die Hauptrollen waren mit Wilfried Ortmann, Norbert Christian und Martin Flörchinger besetzt. Schonendorfs Ermittlung lief erstmals am 26. Oktober 1965 im Deutschlandsender. Radio DDR II übertrug den ersten Teil ebenfalls am 26. Oktober 1965, den zweiten Teil am 27. Oktober 1965. Die Berliner Zeitung am Abend sprach von einer „vorzüglichen Inszenierung“. Das Deutsche Rundfunkarchiv besprach seine Produktion im November 2013 in einem Artikel in der Rubrik „Das besondere Dokument“.

Im Jahr 1975 führte Schonendorf Regie bei dem Hörspiel Zeit zu sterben nach Motiven von Gabriel García Márquez; Sprecher waren u. a. Kurt Böwe, Gerd Ehlers und Ruth Glöss. . Handlung, Produktionsdetails und Besetzung. Abgerufen am 26. April 2015.

Im Oktober 1969 erhielt er den Kunstpreis der DDR.Chronik der DDR 1969. Eintrag vom 2. Oktober 1969. Abgerufen am 26. April 2015. Hörspiele, bei denen er Regie führte, wurden in der DDR mehrfach ausgezeichnet. Das Hörspiel Traumposten erhielt 1979 den „Hörspielpreis der Hörer“ und den „Sonderpreis der Kritiker“. Abgerufen am 26. April 2015

Regiearbeiten (Auswahl) Hörspiele

1952/1953: Michail Scholochow: Neuland unterm Pflug 1954: Julius Hay: Energie, zusammen mit Co-Regisseur Helmut Hellstorff 1956: Günther Weisenborn: Memorial 1957: Wsewolod Wischnewski: Die Straße des Soldaten 1958: Inge Müller und Heiner Müller: Die Korrektur (Erste Fassung), Produktion: März 1958, vor der geplanten Sdg. am 26. März 1958 abgesetzt, Ursendung: 4. Januar 1997, MDR Kultur 1958: Inge Müller und Heiner Müller: Die Brücke 1958: Inge Müller und Heiner Müller: Die Korrektur (Zweite Fassung), Produktion: Oktober 1958, Ursendung: 13. November 1958, Berliner Rundfunk 1959: Hasso Grabner: Wer verschenkt schon seinen Sieg 1960: Inge Müller: Die Weiberbrigade, Ursendung 9. November 1960, Radio DDRhttps://hoerspiele.dra.de/detailansicht/1442528 1961: Alfred Matusche: Unrast 1961: Rolf Schneider: Abschied von Sundheim 1965: Adolf Schröder: Gelassen stieg die Nacht an Land 1965: Peter Weiss: Die Ermittlung, Komposition: Siegfried Matthus, mit Wilfried Ortmann, Norbert Christian, Martin Flörchinger, u. v. a. (247 Min.), 26. Oktober 1965, Deutschlandsender und Radio DDR II 1967: Wsjewolod Wischnewski: Ein Regiment aus Kronstadt und sein Ende, Stereo-Inszenierung zusammen mit Helmut Hellstorff 1969: Joachim Nowotny: Meine Bekannte (in UdSSR mit Wladimir Semjonowitsch Wyssozki) 1970: Wolf Michalke: Entscheidung auf der Straße 1971: Günter Kunert: Mit der Zeit ein Feuer (Albrecht Dürer) 1971: Maximilian Scheer: Der Weg nach San Rafael 1971: Soja Tschernyschowa: Die Kraniche fliegen im Keil 1972: Günter Kunert: Ehrenhändel (Heinrich Heine) 1972: Ernest Stric: Telefon vor Mitternacht 1973: Gilles Perrault: Ein Schluchzen ohne Ende 1974: Helmut Richter: Sie hieß Tinh, Tinh heißt Liebe 1974: Gustavo Labarca: Die Kordilleren geben keine Antwort 1974: Wolfgang Müller: Die Spur des Helfried Pappelmann 1974: Mark Boguslawski: Die Nußtorte 1974: Eduard Klein: Der stille Krieg des Mister North 1975: Gabriel García Márquez: Zeit zu sterben 1976: Wassilij Schukschin: Energische Leute 1976: Wladimir Burylitschew: Die Bürde des Ruhms 1977: Maxim Gorki: Mit dem Teufel im Wind 1977: Volkmar Röhrig Ein Tag wie ein ganzes Leben 1977: Alexander Gelman: Rückkopplung 1978: Jochen Hauser, Ernst-Frieder Kratochwil, Siegfried Pfaff, Gerhard Rentzsch: Alex und drumrum (Inszenierung in Kunstkopf-Stereofonie) 1978: Horst Matthies: Traumposten 1980: Elfriede Brüning: Partnerinnen 1980: Ernst-Frieder Kratochwil: Das klare Wort der Schrift, Musik: Volker Bräutigam, mit Kurt Böwe, Dieter Mann und Horst Hiemer, Zweitproduktion, Erstsendung: 9. November 1980, Radio DDR II 1981: Martin Honemann: Die Frau, der Mann, das Fräulein, Reihe Tatbestand, Folge 21 1981: Wassil Bykau: Die Brücke von Kruhljany 1982: Heinz Drewniok: Karl und Kasimir 1983: Heinz Drewniok: Unterm Birnbaum 1983: Nikolai Ostrowski: Eine Dummheit macht selbst der Gescheiteste 1984: Margot Volkland: Annonce für Roland 1985: Kurt Tucholsky: Mich haben sie falsch geboren

Features 1972: Benito Wogatzki: Christine 1973: Helmut Schulz: Berlin – Ecke Blumenstraße 1973: Rainer Koch: Poulo-Condor oder der Sinn des Lebens 1974: Peter Biele: Martha und das Gänseliesel 1974: Manfred Engelhardt: Der Mond tanzte Krakowiak 1975: Harald Hauser: ...unter der Sonne dieses Gesangs 1976: Joachim Seyppel: Fair Play oder When The Saints Go Marching In 1985: Perry Friedman: Ich bin TscherokesePatrick Conley: Features und Reportagen im Rundfunk der DDR. Tonträgerverzeichnis 1964-1991. 2. Aufl. Berlin: Askylt, 1999, ISBN 3-9807372-0-9 ()

Artikel Der Rundfunk – die Hörer – die Hörerversammlungen, in: Unser Rundfunk 8/1953, 51, S. 19 Unsere Stanislawski-Diskussion, in: Unser Rundfunk 9/1954, 9, S. 19

Weblinks Wolfgang Schonendorf in HörDat Wolfgang Schonendorf bei Discogs

Einzelnachweise

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