Die Venloer Straße ist mit einer Länge von 8536 Metern (bis zur Stadtgrenze) eine der längsten Ausfallstraßen Kölns und verläuft vom Friesenplatz nach Nordwesten in Richtung der niederländischen Grenzstadt Venlo.

Anlegung der Straße mini|hochkant=1.5|links|Venloer Straße. Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator mini|Venloer Straße: Verlauf auf der Kölner Schweidkarte des Abraham Hogenberg (1609) mini|Venloer Straße. Karte des Joan Blaeu (1663) Die Venloer Straße führte innerstädtisch zunächst bis zum Venloer Tor, das zur mittelalterlichen Stadtmauer gehörte und im Mai 1911 niedergelegt wurde. Im Gegensatz zu anderen Kölner Ausfallstraßen (Aachener Straße, Bonner Straße und Luxemburger Straße) ist sie nicht auf eine alte Römerstraße zurückzuführen und kann deshalb auch nicht auf eine lange Geschichte zurückblicken. Funde aus dem Jahre 1996 bei der heutigen Kirche St. Mechtern belegen eine römische Villa rustica, die im ersten bis dritten Jahrhundert hier stand.Hiltrud Kier: Köln: Kunstführer, 1980, S. 147 Hermann von Weinsberg erwähnte 1553 Mechtern noch als bewohnten Ort, „da vur ziten das gonfern-cloister hatt gestanden.“Hermann von Weinsberg: Buch Weinsberg. Band 2, 1553, Leipzig 1887, S. 24wo vor Zeiten das Jungfrauen-Kloster gestanden hat Auf der Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator ist eine vom Friesentor nach Nordwesten zum Bildrand verlaufende, unbenannte Straße eingezeichnet, die von Weideland und Acker umgeben ist. In der Kölner Schweidkarte des Abraham Hogenberg ist 1609 in der Gegend als einziges Bauwerk der Mechterner Hof eingezeichnet („Martiren“),das Kloster entstand 1180 für Regularkanoniker und war benannt nach der Pfarrkirche „zu den Martyrern“ (aus lat. „ad martyres“; durch fehlerhafte Aussprache entstand „Mechtern“) die Tranchotkarte von 1807/1808 bezeichnet ihn als „Mechten hoff“. Außer dieser Hofanlage gab es keine weitere Besiedlung.Hiltrud Kier: Köln: Kunstführer, 1980, S. 147 Von der nahegelegenen Siedlung „Potzweyler“ (heute Butzweilerhof) übernahm die Venloer Straße ihren ersten inoffiziellen Namen „Am Potzweiler Weg“.Heinrich Rösger: Ehrenfeld, Vorort von Cöln. 1868, S. 21 ff.

Gründerzeit Auf der Tranchotkarte von 1807/1808 heißt die Venloer Straße bereits „An der Bickendorffer Strass“, nach dem ab 1. Januar 1813 geltenden Adressbuch „Itinéraire de Cologne“ des Ferdinand Franz Wallraf hieß sie in der Franzosenzeit „rue de Cologne à Venlo“. Sie wurde 1825 als „Bickendorfer Weg“ zur Bezirksstraße erhoben. Es fehlten jedoch die zum Ausbau notwendigen Mittel, so dass sich Bankier Ludolf Camphausen an die Stadt Köln wandte.Joseph Klersch, Heribert A. Hilgers: Von der Reichsstadt zur Großstadt: Stadtbild und Wirtschaft in Köln 1794–1860. 1925, S. 110 Der Ausbau erfolgte schließlich im Jahre 1842, ab 1843 hieß sie „Cöln-Venloer Straße“. Im Jahre 1865 erhielt sie bis zur Ehrenfelder Stadtgrenze Straßenpflaster und endete noch 1889 an der Kreuzung der Eisenbahn-Strecke in BickendorfGerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes. 1997, S. 188 in Höhe der heutigen Nr. 888.

Noch 1840 befanden sich auf dem Gebiet des späteren Ehrenfeld kaum Ansiedlungen, hier lebten in jenem Jahr insgesamt 32 Einwohner. 1845 gab es außer dem Mechterner und dem Subbelrather Hof nur einige Häuser auf dem „Ziegelfeld“, einem zwischen Mechtener und Subbelrather Hof gelegenen Terrain, auf dem vor allem Ziegel für die Stadtbefestigung und die Bauten innerhalb Kölns hergestellt wurden.Barbara Becker-Jákli: Fürchtet Gott, ehret den König. 1988, S. 143 Der wegen seiner zahlreichen privaten Grundstücks-Spekulationen im April 1844 aus seinem Amt ausgeschiedene Kölner Stadtbaumeister Johann Peter Weyer erkannte die günstige Lage der Venloer Straße und erwarb hier am 4. Juni 1844, kurz nach seinem Ausscheiden, Grundstücke; er hatte wahrscheinlich schon von einer Besiedelung dieses Raumes eine klare Vorstellung.Henriette Meynen: Die Wohnbauten im nordwestlichen Vorortsektor Köln mit Ehrenfeld als Mittelpunkt. 1978, S. 40 Sein Bruder Franz Weyer erwarb am 19. November 1844 an der Venloer Straße ein Baugrundstück,Henriette Meynen: Die Wohnbauten im nordwestlichen Vorortsektor Köln mit Ehrenfeld als Mittelpunkt. 1978, S. 40 welches auf dem alten Ziegeleigelände „Volcksfeld“ lag. Im Januar 1845 kaufte die Baugesellschaft Johann Friedrich Welter & Mathias Breuer den Subbelrather Hof,der 1227 erstmals erwähnte Gutshof lag am Ehrenfeldgürtel/Subbelrather Straße vom Ziegelbauer Johann Wahlen (* 1792, † 1. November 1866) erwarb sie ein Areal von 18 Morgen, das an der Venloer Straße Nr. 273 lag.hier stiftete Wahlen die Marktkapelle Am 23. Juni 1845 kaufte sie von Franz Weyer ein Areal zwischen Stammstraße und Subbelrather Straße, am 20. Juli 1845 erwarb sie von Anton Schlösser ein Gelände an der Simrockstraße.Henriette Meynen: Die Wohnbauten im nordwestlichen Vorortsektor Köln mit Ehrenfeld als Mittelpunkt. 1978, S. 41

Im Frühjahr 1845 entstanden an der Venloer Straße die ersten Wohnhäuser. Das Tanzlokal „Rothes Haus“ war seit April 1845 Ausflugsziel der KölnerHenriette Meynen: Forschungen zur deutschen Landeskunde. Bände 210–211, 1978, S. 280 bis etwa 1850. Das von F. J. Maus erbaute Anwesen hieß zunächst „Effertsgut“.Heinrich Rösger: Ehrenfeld, Vorort von Cöln. 1868, S. 22 Das älteste profane, noch heute erhaltene „Haus Mertens“ in Nr. 260 stammt aus 1853 und blieb zwischen 1866 und 1971 in Familienbesitz. Es war eines der so genannten „Dreifensterhäuser“, die nach der Preußischen Bauordnung bei einer Breite bis 20 Fuß (6,28 Meter) steuerbefreit waren. Als ältestes Bauwerk gilt die Bickendorfer Rochuskapelle (Nr. 645), vermutlich im Jahre 1666 durch den Kölner Domherrn Heinrich von Mering errichtet, der Neubau wurde am 12. August 1849 nach Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner fertiggestellt. Die Kirche St. Johannes vor dem Lateinischen Tore in Nr. 1228 wurde 1851–1853 von Vincenz Statz erbaut. Das Fort VII als Teil des Kölner Festungsrings lag südlich der Venloer Straße und wurde 1841–1846 nach einem Entwurf von Heinrich Ferdinand Schuberth erbaut. Im Zuge der Anlage der Eisenbahnstrecke wurde es um 1912 niedergelegt. In der Anlage entstand nach 1889 der als Reithalle genutzte „Kölner Tattersaal“.

Industrialisierung

Der 1863 nahe der Venloer Straße eröffnete Güterbahnhof Bickendorfer ist Teil der 1838 bis 1841 erbauten Bahnstrecke Köln–Aachen zog eine Reihe von Industrieansiedlungen nach sich. Neben den sechs vorhandenen Ziegeleien entstand als erste Fabrik die vom Tapetenfabrikanten Philipp Hoffmann, nachdem dieser am 20. März 1845 an Nr. 308 / Ecke Philippstraße ein Grundstück erworben hatte. Es folgten die Rheinische Glashütten-Actien-Gesellschaft (April 1864; Nr. 356), die Waggonfabrik Peter Herbrand (September 1866; Nr. 427) stellte auch Pferdebahnen (auch für Berlin) her, Ferdinand Mülhens verlagerte im März 1874 einen Teil seiner 4711-Produktion von der Glockengasse in die Venloer Straße 241 / Vogelsanger Straße 66–100.die Seifenfabrikation fand hier zwischen 1874 und 1943 und 1946 bis 1993 statt Die am 31. Juli 1884 gegründete Helios AG stellte 1885 auf ihrem Fabrikgelände in Nr. 387–389 einen 44 Meter hohen Versuchs-Leuchtturm auf und verkaufte Leuchttürme nach Borkum (Roter Sand), Sylt (Kampen), Wangerooge und in die Wesermündung.Kölner Geschichtsverein: Jahrbuch. Band 73, 2002, S. 60 Die komplette, aus 20 Leuchtfeuern bestehende Seesignaltechnik des Nord-Ostsee-Kanals stammte ebenfalls von hier. Der Automobilbauer und Audi-Gründer August Horch entwickelte ab 14. November 1899 in seiner Firma A. Horch & Cie. auf der Venloer Straße Nr. 295 in einem ehemaligen Pferdestall seine ersten Automobile. Ab Juli 1900 entstand der erste Wagen („Modell 1“), der im Januar 1901 mit einer spektakulären, nicht ganz pannenfreien Jungfernfahrt vorgestellt wurde. Wegen Geldmangels beteiligte sich der Maschinenbauer Bauer & Lange an Horchs Unternehmen, was im März 1901 zum Umzug nach Reichenbach im Vogtland führte. Die britische Imperial Continental Gas Association (ICGA) legte 1860 in der Subbelrather Straße 175 eine Gasfabrik an und schloss mit der Gemeinde Ehrenfeld einen bis Dezember 1894 laufenden Gaslieferungsvertrag. Hierin verpflichte sie sich zur Aufstellung von 8 Gaslaternen auf der Venloer Straße, die sie bis Dezember 1894 kostenlos zu unterhalten hatte.Heinrich Rösger: Ehrenfeld, Vorort von Cöln. 1868, S. 26 In der Venloer Straße 466 eröffnete Cornelius Stüssgen am 28. August 1897 sein erstes Lebensmittelgeschäft, die „Kölner Konsumanstalt“. Die Mauser-Werke entstanden 1896 durch Firmengründer Alfons Mauser in Schramberg und zogen 1898 in die Venloer Straße Nr. 155; sie stellten dort Stahlblechwaren wie Stahlmöbel, Stahlemballagen und Werkzeuge her, von denen viele wie die berühmten „Mauser-Fässer“ Patente erhielten. Das Unternehmen zog 1922 nach Brühl um, wo heute noch der Verpackungsmittelhersteller Mauser GmbH produziert.

Inzwischen eröffnete 1859 die Engel-Apotheke auf der Venloer Straße 325. Der Aufschwung von Ehrenfeld führte zum 1. Januar 1867 zur Ausgliederung aus Müngersdorf und Zusammenlegung mit Subbelrathder Name entwickelte sich aus Obelraedt, Sobbelroide und Zobelrode und am 8. Oktober 1879 zum endgültigen Ausscheiden aus dem Bürgermeistereiverband durch Verleihung der Rheinischen Städteordnung. Im Jahre 1880 erfolgte die Fertigstellung des von Vincenz Statz geplanten repräsentativen, im neugotischen Stil errichteten Ehrenfelder Rathauses in Nr. 338. Es wurde 1956 wegen Kriegsbeschädigungen abgetragen. In der Stadtverordneten-Versammlung vom 4. Mai 1882 wurde der vorhandene Straßenname Venloer Straße bestätigt.Fred Kaufmann, Dagmar Lutz, Gudrun Schmitz-Esters: Kölner Straßennamen: Neustadt und Deutz. 1996, S. 134 Eine Pferdeomnibuslinie Ehrenfeld-Neumarkt-Bocklemünd begann 1887, die am 31. Oktober 1891 eröffnete Pferdebahnlinie verband die Venloer Straße mit dem Heumarkt.

Neuzeit Seit dem 14. September 1902 fuhr die elektrische Straßenbahn ab Heliosstraße über die Venloer Straße nach Köln-Kalk, es folgte am selben Tag die „Neumarktbahn“ und am 1. März 1903 die „Stadtgartenbahn“ zum Heumarkt. Betreiber Ernst Hardt & Co. bezog die Wagen von den nahegelegenen Herbrand-Werken. Seit Mai 1935 befand sich am Bahndamm des Güterbahnhofs Bickendorf ein zentrales Zigeunerlager in Nr. 888, in das die in Wohnwagen lebenden Zigeuner zwangsweise eingewiesen wurden.NS-Dokumentationszentrum: Köln im Nationalsozialismus. 2001, S. 163

Die „Kleinwohnungskolonie“ Siedlung Bickendorf I-III entstand nach dem Konzept der Gartenstadt zwischen 1913 und 1938 durch ein von Wilhelm Riphahn geführtes Architektenteam, dem ersten Projekt der GAG Immobilien. Von den drei BauabschnittenBauabschnitt I: 1913–1919 Riphahn/Caspar Maria Grod mit über 800 Wohneinheiten und 578 Miet-Einfamilienhäusern; II: 1923–1938 Riphahn/Grod mit 1121 Wohnungen als „Rosenhof-Siedlung“; III: 1919–1926 liegt die so genannte „Rosenhof-Siedlung“ Bickendorf II an der Venloer Straße und schließt sich südlich an die bereits vorhandene „Siedlung Bickendorf I“ und die „Gartensiedlung Bickendorf III“ an. Bis 1940 entstanden die Häuser Nr. 716–724. Viele der Gebäude in Ehrenfeld und an der Venloer Straße fielen im Zweiten Weltkrieg den Bombenangriffen vom 30. Mai 1942 zum Opfer. Am 6. März 1945 marschierten amerikanische Soldaten über die Trümmerlandschaft der Venloer Straße ein.

Auf der Venloer Straße gab es insgesamt 12 Kinos, darunter das Monopol-Theater in Nr. 250 (1920–1929), Union-Lichtspiele Ehrenfeld Nr. 254 (1917–1929), Urania-Lichtspiele Nr. 265 (1913–1984), Kino für Jedermann Nr. 312 (1952), Helios Ehrenfeld Nr. 383 (1908–1982), Astoria Bickendorf Nr. 569 (1925–1959), Atelier im UFA-Palast Nr. 658, Rochus Bickendorf Nr. 626 (1929–1941) oder Die Kurbel Bickendorf Nr. 668 (1949–1957).