Die Schlacht von Cold Harbor fand vom 31. Mai bis zum 12. Juni 1864 während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861–1865) im Rahmen des Überland-Feldzuges statt. Truppen der Konföderierten unter Robert E. Lee kämpften gegen Potomac-Armee der Nordstaaten um eine bedeutende Straßenkreuzung 15 Kilometer nordöstlich von Richmond, Virginia.
In der gleichen Gegend hatte zwei Jahre zuvor die Schlacht bei Gaines Mill stattgefunden. Darum wird diese Schlacht manchmal Zweite Schlacht von Cold Harbor genannt.
In den ersten Tagen der Schlacht gab es heftige Gefechte. Dann grub sich Lees Nord-Virginia-Armee (bis auf die Kavallerie) zur Verteidigung ein und brachte der zahlenmäßig überlegenen Potomac-Armee unter Generalmajor George Gordon Meade eine schwere Niederlage bei.
Vorgeschichte Trotz der Siege der Union bei Gettysburg und Vicksburg ging es auf dem östlichen Kriegsschauplatz nicht voran. US-Präsident Abraham Lincoln fehlte immer noch ein Heerführer, der den Krieg gegen den Süden schnell beenden konnte. Aus Mangel an anderen geeigneten Generalen ernannte Lincoln im März 1864 den bisher auf dem westlichen Kriegsschauplatz erfolgreich agierenden Generalmajor Ulysses S. Grant zum Oberbefehlshaber des Heeres.
Grant begann unverzüglich mit Angriffen aus allen Richtungen gegen die Konföderation. Er selbst überwachte vor Ort die Potomac-Armee unter Generalmajor Meade und die James-Armee unter Generalmajor Benjamin Franklin Butler, die er sofort gegen die Nord-Virginia-Armee unter Lee und die Verbindungslinien der Konföderierten südlich von Richmond in Marsch setzte. Dabei war sein Ziel nicht mehr wie früher die Eroberung Richmonds, sondern die Vernichtung der Nord-Virginia Armee.
sagte er zu seinen Generalen.
Das Ziel des Überland-Feldzugs mini|300px|rot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Zum ersten Mal während des Bürgerkrieges lag die Kriegsführung der Union in einer Hand. Grant beauftragte Generalmajor Sherman, in den tiefen Süden der Konföderation vorzustoßen, während er selbst die Nord-Virginia-Armee Lees in Virginia binden und vernichten wollte. Die Vernichtung dieser Armee sollte zum Fall Richmonds und schließlich zum Zusammenbruch der gesamten Konföderation führen.
Grant beabsichtigte, einen Abnutzungskrieg zu führen. In den kommenden Schlachten sollten die überlegenen Unionsarmeen Lees Nord-Virginia-Armee ausbluten. Um dieses Ziel zu erreichen, griff Grant die Nord-Virginia-Armee zunächst in der Wilderness und bei Spotsylvania frontal an. Weil er mit dieser Taktik scheiterte, versuchte er Lees Armee erst am North Anna, dann bei Cold Harbor und schließlich bei Petersburg zu überflügeln.
Am Vorabend der Schlacht – von Yellow Tavern bis zum North Anna Nach der Schlacht bei Spotsylvania Court House am 8. Mai beabsichtigte Lee, Grant auf seinem Marsch nach Osten den Weg abzuschneiden. Dazu ließ er seine Armee am 23. Mai am North Anna so in Stellung gehen, dass Grant seine Truppen teilen musste, um anzugreifen.
Unterdessen hatte am 9. Mai Generalmajor Sheridan mit drei Kavalleriedivisionen das Depot der Nord-Virginia-Armee bei Beaver Dam Station angegriffen und eine Lokomotive und mehrere Waggons zerstört. Am 11. Mai wurde sein Vormarsch von zwei Kavalleriebrigaden unter Generalmajor J. E. B. Stuart bei Yellow Tavern aufgehalten. Während dieses Gefechts wurde Stuart tödlich verwundet und Lees Neffe, Generalmajor Fitzhugh Lee, übernahm das Kommando über die Kavallerie der Nord-Virginia-Armee. Nach vierstündigen Kämpfen brach Sheridan das Gefecht ab und marschierte zum James, um die linke Flanke der Potomac-Armee zu sichern.
Am 24. Mai marschierte Fitzhugh Lee mit seinen Kavalleristen an der linken Flanke der Potomac-Armee vorbei und griff ein Depot der Union bei Wilsons Wharf an, wurde jedoch von farbigen Regimentern abgewehrt.
Grant teilte die Potomac-Armee, wie es Lee vorhergesehen hatte; Lee vergab aus verschiedenen Gründen die Möglichkeit, Grants Korps einzeln und nacheinander zu schlagen. Am 26. Mai begann Grant einen erneuten Versuch, die Nord-Virginia-Armee im Osten zu überflügeln.
Die Schlacht Vorspiel – Am Totopotomoy mini|300px|rot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Die Potomac-Armee überquerte am 28. Mai den Pamunkey bei Hanovertown unter Sicherung durch Sheridans Kavallerie. Lee versuchte als Antwort auf die Bewegung der Potomac-Armee, eine geeignete Stellung am Totopotomoy Creek zu besetzen. Eine seiner Kavalleriedivisionen sandte Lee zur gewaltsamen Aufklärung der Unionsarmee entgegen. Bei Haws Shop kam es zu einem siebenstündigen sowohl auf- als auch abgesessen geführten Kavalleriegefecht, das Lee dazu nutzte, sich am Totopotomoy Creek einzugraben.
Grant ließ die Kavallerie ausweichen und ging am 29. Mai ohne Aufklärung aus Osten und Norden gegen die Stellung der Nord-Virginia-Armee vor. Der Angriff unter Generalmajor Hancocks II. Korps blieb vor den Stellungen der Konföderierten liegen und das Korps grub sich ein. Für den 30. Mai beabsichtigte Meade, Lee auf beiden Seiten zu überflügeln. Dieser Plan scheiterte, weil Generalmajor Wrights VI. Korps das linke Ende der Nord-Virginia-Armee nicht fand und Generalmajor Warrens V. und Generalmajor Burnsides IX. Korps nicht mit dem notwendigen Schwung angriffen.
Lee erkannte, dass zwei gegnerische Korps südlich des Totopotomoy-Baches isoliert waren, und befahl Earlys II. Korps, das V. US-Korps bei der Bethesda-Kirche anzugreifen und zu schlagen. Dazu bat Early Generalleutnant Anderson, ihn mit seinem I. Korps zu unterstützen. Diese Unterstützung blieb aus, und der Angriff erzielte nur geringe Erfolge.
Beide Armeen lagen sich in einem Patt gegenüber. Grant ließ deshalb seine Kavallerie nach Süden und Osten aufklären. Bei Old Church kam es zu einem meist abgesessen geführten Kavalleriegefecht am Matadequin Creek, das die Nordstaatler wegen ihrer überlegenen Bewaffnung für sich entschieden. Die Nacht beendete die Kämpfe; die Nordstaatenkavallerie war bis auf 2 km an die Kreuzung bei Cold Harbor herangekommen.
Lee hatte am Nachmittag dem Kriegsministerium gemeldet, dass Generalmajor Smiths XVIII. Korps nach dem Ausschiffen seine rechte Flanke und seinen Rücken bedrohen könnte, und bat deshalb bis zum Tagesanbruch des 31. Mai um Verstärkung durch wegen des Abzugs des XVIII. Korps von der James-Armee freigewordene Kräfte.
31. Mai bis 2. Juni Cold Harbor (kein Hafen, sondern ein Rasthaus, in dem nur kalte Speisen serviert wurden) lag an einer Kreuzung, von der aus gut ausgebaute Wege Truppenbewegungen in allen Richtungen ermöglichten. Kavallerie aus Sheridans Korps nahm am 31. Mai die Kreuzung. Während des Tages versuchte zunächst Fitzhugh Lee, später die vom James eintreffende Infanteriedivision, Cold Harbor erneut zu nehmen, und brachte Sheridan in ernsthafte Schwierigkeiten. Dieser bat Grant, ausweichen zu dürfen, was Grant ihm verbot und für den nächsten Tag Verstärkung durch Infanterie zusagte.
Die von Lee geforderte Verstärkung traf am frühen Morgen ein und wurde westlich von Cold Harbor eingesetzt. Lee griff anschließend das II., V. und IX. Korps auf dem rechten Flügel der Potomac-Armee an, um Grant zu zwingen, Kräfte aus Cold Harbor abzuziehen oder um ihn daran zu hindern, dort zu verstärken. Die Unionstruppen wehrten alle Angriffe von Earlys II. Korps ab. Grant befahl deshalb am Nachmittag das II. Korps für den nächsten Morgen auf den linken Flügel. Auf dem Marsch nach Cold Harbor befanden sich bereits das VI. und das XVIII. Korps. mini|300px|rot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Noch während der Angriffe Lees auf dem rechten Flügel der Potomac-Armee erreichte am 1. Juni gegen 9:00 Uhr das VI. Korps Cold Harbor, als Sheridan den zweiten Angriff der Konföderierten durch den Einsatz seiner überlegenen Feuerkraft abgewehrt hatte. Gegen 14:00 Uhr traf das XVIII. Korps nach einem Irrmarsch ein und ging rechts des VI. Korps in Stellung. Beide sollten so schnell wie möglich angreifen. Wegen Erschöpfung der Truppen begann der Angriff erst gegen 18:00 Uhr.
Lee hatte auf die Bewegungen der Potomac-Armee reagiert und Andersons I. Korps auf seinen rechten Flügel verlegt. Der Angriff der Unionstruppen traf auf eingegrabene Infanterie; ihnen gelang der Einbruch in die Sicherungslinie, aber alle Angriffe scheiterten an der Hauptkampflinie. Die Unionstruppen befestigten nun die ehemalige gegnerische Sicherungslinie und hielten sie gegen zahlreiche Nachtangriffe der Konföderierten.
Grant hatte zwar nicht siegen können, aber die Wege zu den Übergängen über den Chickahominy und zum James waren in seiner Hand. Für den 2. Juni beabsichtigte Grant, mit allen fünf Korps gleichzeitig anzugreifen und je nach Erfolg die Nord-Virginia-Armee entweder von ihrem linken oder rechten Flügel aufzurollen. Der Angriff war zunächst für 17:00 Uhr geplant. Die Soldaten waren durch vorangegangene Kämpfe und die Märsche in Hitze und Staub aber so erschöpft, dass der Angriffsbeginn für den 3. Juni um 4:30 Uhr festgesetzt wurde.
Die Divisionen auf beiden Seiten gruben sich (soweit das nicht schon geschehen war) ein. Diese Stellungen bestanden nicht mehr aus Brustwehren, sondern waren zickzackförmige 7 km lange Gräben. Zudem wurden in der Tiefe der Stellungen Verbindungsgräben angelegt, durch die zum einen die Versorgung der vorn Kämpfenden sichergestellt wurde, zum anderen Truppenteile für Gegenangriffe schnell und geschützt nach vorne gehen konnten. Durch die Zickzack-Form war das jederzeitige flankierende Feuer auf einen Angreifer möglich. Zum Schutz vor Artilleriefeuer und das direkte Erstürmen waren die Gräben mit Holz abgedeckt. Lee, seine Kommandierenden Generale und die Divisionskommandeure überwachten persönlich den Ausbau der Feldbefestigungen.
Grants Angriff am 3. Juni mini|300px|rot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Am 2. Juni und in der Nacht zum 3. hatte sich niemand auf Seiten der Union die Mühe gemacht, die Position und Tiefe der konföderierten Stellungen aufzuklären. Grund hierfür war ein Missverständnis: Meade glaubte, die Korps hätten aufgeklärt, und die Korps glaubten, die Armee habe Aufklärung durchgeführt. Den Soldaten der Union war aber durchaus bewusst, was beim befohlenen Frontalangriff auf sie zukam. Viele schrieben ihre Namen auf Zettel, die sie in ihre Uniformen nähten, um im Todesfall einfacher identifiziert werden zu können.General Horace Porter: Campaigning with Grant. S. 174: Grants Namensschilder einnähen mini|links| Pünktlich um 4:30 Uhr griffen das II., VI. und XVIII. US-Korps mit insgesamt 31.000 Mann an. Die Konföderierten verhielten sich diszipliniert und eröffneten das Feuer mit allen Waffen erst, als die Angreifer auf Kernschussweite herangekommen waren. Dem II. Korps gelang ein Einbruch in die Hauptkampflinie der Konföderierten. Dieser Erfolg wurde nicht ausgenutzt – entweder weil die Reserven nicht rechtzeitig da waren, um das Erreichte zu stabilisieren, oder weil sie bereits während der Annäherung von konföderierten Verbänden bekämpft wurden. Die Divisionen des II. Korps mussten ausweichen und lagen den Konföderierten in deren ehemaliger Sicherungslinie bis auf 40 Meter Entfernung gegenüber. Der Angriff des VI. Korps erreichte die Hauptkampflinie der Konföderierten nicht. Der erzielte Geländegewinn rückte ihre Stellungen näher an die der Südstaatler heran. Das XVIII. Korps nahm schnell die Sicherungslinie. Alle Versuche, die Hauptkampflinie der Konföderierten anzugreifen, schlugen fehl, und das Korps bezog Stellungen entlang der ehemaligen gegnerischen Sicherungslinie.
Der Angriff der drei Korps dauerte nicht einmal eine halbe Stunde und forderte ungefähr 7.000 Verluste aufseiten der Union. Ein Unionssoldat erinnerte sich, dass die Angehörigen seiner Kompanie zu Boden gingen und er sich ebenfalls hinwarf, weil er glaubte, es habe einen Befehl gegeben, dies zu tun. Sein Kompaniechef wunderte sich, weil nur wenige wieder aufstanden, um seinem Angriffskommando nachzukommen.