Thomas „Tom“ Maldwyn „Mald“ Pryce (* 11. Juni 1949 in Ruthin, Wales; † 5. März 1977 in Midrand, Südafrika) war ein britischer Automobilrennfahrer. Er gilt als erfolgreichster Waliser im internationalen Motorsport.
Pryce begann seine Karriere 1969 mit verschiedenen Veranstaltungen für Fahrzeuge der Formel Ford, an denen er bis 1970 teilnahm. Zwischen 1971 und 1973 startete er erfolgreich in einigen Nachwuchsserien in den Reglements Formel Atlantic, Formel 3 und Formel Super V. 1973 und 1974 fuhr er in der Formel-2-Europameisterschaft. 1974 debütierte er mit Token in der Formel 1 und fuhr bis 1977 insgesamt 42 Grands Prix sowie sechs weitere Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus, von denen er eines gewann. Im Gegensatz zu vielen seiner Fahrerkollegen beteiligte sich Pryce kaum an anderen Meisterschaften – er startete nur zweimal erfolglos bei Veranstaltungen der Sportwagen-Weltmeisterschaft auf dem Nürburgring und nahm einmalig an einer Rallye teil.
Im März 1977 verunglückte Pryce beim Großen Preis von Südafrika auf dem Kyalami Grand Prix Circuit tödlich.
Familie und Privatleben
Herkunft und Jugend Tom Pryce wurde 1949 als Sohn des Polizeibeamten Jack Pryce und dessen Frau Gwyneth (geborene Hughes), die als Bezirkspflegekraft arbeitete, in Ruthin geboren und wuchs im Dorf Nantglyn nahe Denbigh sowie später in Towyn nahe Rhyl an der walisischen Nordostküste auf. Sein älterer Bruder David starb im Kleinkindalter, weshalb Tom Pryce als Einzelkind aufwuchs. Ursprünglich wollte er Flugzeugpilot werden, doch sah er sich selbst als „nicht intelligent genug“ für diesen Beruf und entschloss sich stattdessen zu einer Rennfahrerkarriere. Als Jugendlicher bewunderte er die Lotus-Fahrer Jim Clark und Jochen Rindt und reagierte bestürzt auf die tödlichen Unfälle seiner Idole. Pryce besuchte die Ysgol-Frongoch-Grundschule in Denbigh und anschließend eine weiterführende Schule. Er arbeitete kurzzeitig für North Wales Agricultural Engineers in St Asaph als Traktormechaniker, nachdem er auf Anraten seiner Mutter, die einen „Plan B“ im Falle eines Scheiterns als Rennfahrer wünschte, eine entsprechende Lehre am Llandrillo Technical College abgeschlossen hatte.
Während er in der Sportwelt unter dem Spitznamen Tom bekannt war, riefen ihn Freunde und Familie in Wales meist Mald nach seinem Zweitnamen Maldwyn.
Persönliches alternativtext=|links|mini|Pryce (r.) mit Tony Southgate, 1975 Tom Pryce galt zeitlebens als ruhige, heimatverbundene und trotz seiner Erfolge stets bescheiden gebliebene Persönlichkeit. Er hielt nicht viel vom „Formel-1-Zirkus“ und unterstützte stattdessen seine Mechaniker bei der Arbeit an den Fahrzeugen, was im Kontrast zum „Playboy-Image“ stand, das viele seiner Fahrerkollegen pflegten. Eine enge Freundschaft verband ihn mit seinem britischen Landsmann und Kontrahenten John Watson, der viele seiner Ansichten teilte und ihm ein „vielen seiner Mit-Fahrer weit überlegenes Talent“ bescheinigte. Als persönliches Vorbild nannte Pryce den dreifachen Weltmeister Jackie Stewart sowie 1975 seinen Fahrerkollegen Ronnie Peterson. Pryce fiel durch seine überdurchschnittliche Fahrzeugbeherrschung auf und galt zeitweise auf regennasser Strecke als einer der besten Rennfahrer der Welt.
Obwohl in späteren Jahren viele seiner Fahrerkollegen aufwendigere Helmdesigns trugen, blieb Tom Pryce auch hier bescheiden und minimalistisch. Zu Beginn seiner Karriere startete er mit einem rein weißen Helm, bis er 1970 auf Bitten seines Vaters, der ihn in einer Gruppe von Fahrern nur schwer identifizieren konnte, fünf schwarze Streifen auf der Helmvorderseite hinzufügte. 1974 kam noch die Flagge von Wales auf den Helmseiten hinzu. Diese Gestaltung blieb in den folgenden Jahren praktisch unverändert, vereinzelt erschien sein Helm aber auch mit an den Hauptsponsor des Teams angelehnten rot-orange-gelben Streifen anstelle der Flagge.
Pryce war seit 1975 mit Fenella „Nella“ Warwick-Smith verheiratet, die er 1973 in einer Disco kennengelernt hatte und die ihn oft an die Strecke begleitete. Das Paar blieb kinderlos.
Karriere
Anfänge mit Amateurrennen (bis 1970) mini|alt=Ein Rennwagen in gelber Lackierung mit schmalem, zylindrischen Chassis, freiliegenden Rädern, offenem Cockpit und ohne Front- bzw. Heckflügel|Formel-Ford-Fahrzeug der frühen 1970er-Jahre (Elfin 600FF) Tom Pryce fuhr 1969 mit 20 Jahren im Mallory Park sein erstes Rennen. Sein Mentor zu dieser Zeit war Trevor Taylor, der zwischen 1961 und 1966 an insgesamt 27 Formel-1-Rennen teilgenommen hatte. Pryce startete im Frühjahr 1970 bei Rennen der Daily Express Crusader Championship, einer kostengünstigen Einsteigermeisterschaft im Formel-Rennsport für Amateurrennfahrer, die mit Lotus-51-Einheitsfahrzeugen im Reglement der Formel Ford abwechselnd auf den Rennkursen in Silverstone und Brands Hatch ausgetragen wurde. Der Titel war hart umkämpft und die Entscheidung zog sich bis zum letzten Rennen hin, das im Rahmenprogramm der BRDC International Trophy, einem jährlich ausgetragenen Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus, in Silverstone stattfand. Bei zunehmendem Regen ließ Pryce bereits früh seine Sicherheit auf nasser Strecke erkennen und gewann das Rennen und damit auch die Meisterschaft. Er erhielt den als Siegprämie ausgeschriebenen Lola T200 für die Formel Ford sowie vom Sponsor der Veranstaltung ein Jahr finanzielle Unterstützung zum Start seiner Karriere. Pryce zog daraufhin nach Dartford in die Nähe der Rennstrecke Brands Hatch, nahm dort weiter an Amateurrennen teil und besuchte die dortige Rennfahrerschule.
Der Besitz eines eigenen Rennwagens erleichterte Pryce die Teilnahme an vielen lokalen Veranstaltungen dieser Rennklasse sehr. Dort konnte er Erfahrung sammeln und auf sich aufmerksam machen. Anfang 1971 erkannte der Besitzer des britischen Sportwagenherstellers Royale Racing Cars, Bob King, das Talent des Nachwuchsfahrers und vermittelte Pryce in den nächsten zwei Jahren Cockpits bei Teams in verschiedenen Rennklassen. Dadurch trug er maßgeblich zu Pryce’ steilem Aufstieg aus den britischen Juniorklassen in den internationalen Motorsport bei.
Aufstieg durch die Nachwuchsformeln (1971–1974)
1971–1972: Mit Royale in die Formel 3 mini|alt=Ein sehr kleiner Sportwagen in oranger Lackierung, offenem Cockpit und geschwungenem, aerodynamisch geformten Chassis|Ein Royale RP4, mit dem Pryce 1971 die Formel F100 gewann
mini|alt=Frontalaufnahme dreier Formel-3-Rennwagen hintereinander auf der Strecke, vorn Roger Williamson, dahinter etwas versetzt Mike Walker und ganz hinten Tom Pryce|Pryce hinter Mike Walker und Roger Williamson in der Formel 3, Zandvoort, 1972 Pryce gewann 1971 mit einem Royale RP4 die Formel F100, eine zu Beginn der 1970er-Jahre in Großbritannien ausgetragene Juniorenmeisterschaft, deren Sportwagenrennen den Monopostos der Formel Ford gleichwertig waren und vergleichbare Leistungsmerkmale zeigten. Parallel dazu nahm er mit einem Royale RP9 an Rennen der britischen Formel Super V teil und gewann auch diese Meisterschaft. Das veranlasste Bob King, im Frühjahr 1972 mit seinem Royale-Team den Aufstieg in die Formel 2 zu planen. Manfred Schurti, der über zahlungskräftige Sponsoren aus seiner Heimat Liechtenstein verfügte und nach einem Team für die Teilnahme an der Formel-2-Europameisterschaft suchte, konnte für das Projekt als Fahrer und Hauptfinanzier gewonnen werden. King beabsichtigte, mit Schurti und Pryce als Fahrer in der zweiten Jahreshälfte 1972 in die Formel 2 einzusteigen.
Pryce wurde im März 1972 auf Kings Vermittlung von D.J. Bond Racing, die Royale-Chassis einsetzten, als Stammfahrer für die britische Formel-3-Meisterschaft engagiert. Pryce gewann das Rennen, das Teil der Rahmenveranstaltung für das Race of Champions in der Formel 1 war, so überlegen, dass die Konkurrenz ihn verdächtigte, mit einem untergewichtigen Auto gestartet zu sein. Die Vorwürfe erwiesen sich aber als nichtig, da sich herausstellte, dass eine falsch kalibrierte Waage für alle Fahrzeuge ein Untergewicht ausgewiesen hatte. Beim Formel-3-Lauf auf dem Circuit de Monaco wurde Pryce in einen schweren Unfall verwickelt: Während seiner Qualifikationsrunde hatte er Schwierigkeiten mit seinem Wagen und kam kurz vor der Casino-Kurve zum Stehen. Der schnell heranfahrende Peter Lamplough sah das Fahrzeug durch die sichtbehindernde Massenet-Kurve wenige Meter davor zu spät und kollidierte mit ihm. Tom Pryce war zwischenzeitlich ausgestiegen und wurde zusammen mit seinem Royale nach hinten durch ein Schaufenster geschleudert. Er zog sich dabei einen Beinbruch zu, trug aber keine bleibenden Verletzungen davon und konnte bald darauf wieder an Rennen teilnehmen. Zwischenzeitlich waren die Formel-2-Pläne von Bob King in eine Sackgasse geraten. Nachdem im Herbst 1972 nur ein Prototyp des als Royale RP20 bezeichneten Wagens hatte fertiggestellt werden können und es keine konkreten Fortschritte beim Aufbau der benötigten Team-Infrastruktur gegeben hatte, zeichnete sich das Scheitern des Projektes ab. Da Schurti begann, sich nach Alternativen umzusehen und Kings finanzielle Mittel zur Neige gingen, ließ er Pryce wieder in der kostengünstigeren Formel Super V starten.
1973–1974: Erfolge in der Formel Atlantic und Formel-2-Fahrer für Rondel Racing, Harper und Baty In der ersten Jahreshälfte 1973 bestritt Pryce für D.J. Bond Racing Rennen in der zwischen Formel 3 und Formel 2 angesiedelten Formel Atlantic und erzielte dort gute Ergebnisse. Das erregte die Aufmerksamkeit des Geschäftsmannes und ehemaligen Rennfahrers Chris Meek, der Pryce daraufhin finanziell unterstützte und ihm mit Sponsorengeldern seines Unternehmens Titan Properties zur Mitte der Saison ein Cockpit bei Rondel Motul Racing in der Formel-2-Europameisterschaft verschaffte. An diesem Projekt wirkten unter anderem der ehemalige Brabham-Ingenieur Neil Trundle sowie der spätere McLaren-Teamchef Ron Dennis mit. Pryce erzielte mit dem als Motul M1 bezeichneten Wagen trotz dessen schwieriger Fahreigenschaften – der M1 neigte zu starkem Übersteuern und litt unter vielen kleineren mechanischen Problemen und Unsauberkeiten – einige Achtungserfolge; unter anderem führte er das Rennen auf dem Norisring lange Zeit an, bis er mit nachlassenden Bremsen zurückfiel und hinter seinem Teamkollegen Tim Schenken Zweiter wurde. Pryce belegte mit elf Punkten am Saisonende den zehnten Rang in der Fahrermeisterschaft. Zudem erhielt er im Oktober 1973 den Grovewood Award. Mit diesem seit 1963 von einer Jury von Motorsportfunktionären vergebenen Preis wurden die vielversprechendsten Nachwuchs-Rennfahrertalente Großbritanniens gekürt. Pryce bekam zusätzlich zur Ehrung ein Fördergeld von 1.000 Pfund ausbezahlt.
Ende 1973 bereitete Ron Dennis ein Engagement seines Rondel-Teams mit Tim Schenken als Fahrer in der Formel-1-Saison 1974 vor. Für Tom Pryce war die Rolle des Ersatzfahrers vorgesehen. Da der Sponsor Motul das Projekt unerwartet zugunsten des bereits in der Formel 1 etablierten Rennstalls British Racing Motors verlassen hatte und sich aufgrund der Ölkrise 1973 kurz darauf auch der letzte verbliebene Sponsor Shell plc zurückzog, gab Dennis seine Pläne auf, verkaufte große Teile des Inventars und trat aus dem Team aus. Die Geschäftsleute Tony Vlassopulos und Ken Grob, schon vorher Anteilseigner, übernahmen das Team daraufhin vollständig und ließen den Formel-1-Rennwagen bis zum Frühjahr 1974 fertigstellen. Tom Pryce wurde Stammfahrer des nun als Token Racing bezeichneten Rennstalls, da Tim Schenken in der Zwischenzeit zu Trojan–Tauranac Racing gewechselt war.
Pryce setzte sein Formel-2-Engagement parallel zur Formel 1 noch bis Saisonende fort und fuhr Chevron-B27-Fahrzeuge für die Teams Harper und Baty. Das beste Ergebnis hierbei war ein dritter Platz auf dem Autodromo Internazionale del Mugello. Er belegte am Saisonende mit neun Punkten den neunten Platz der Fahrerwertung.
Formel 1 (ab 1974)
1974: Debüt und Trainingserfolg