Die Selbstverwaltungswahlen in Polen 2014 unterteilten sich in zwei Wahlgänge. Der Erste erfolgte am 16. November 2014 und eventuelle Stichwahlen für das Bürgermeisteramt zwei Wochen später. In: pap.pl (polnisch), abgerufen am 21. November 2014 Die obligatorische Verordnung wurde am 20. August 2014 vom Ministerpräsidenten Donald Tusk unterzeichnet. In: sejm.gov.pl (polnisch), abgerufen am 14. August 2018 Die Wahlberechtigten konnten über die Zusammensetzung von Sejmiks, Kreistagen, Gemeinderäten sowie Warschauer Stadtteilräten abstimmen und Gemeindevorsteher, Bürgermeister oder Stadtpräsidenten wählen.
Listenreihenfolge auf dem Stimmzettel Am 17. Oktober wurde von der Staatlichen Wahlkommission (polnisch Państwowa Komisja Wyborcza – PKW) die Reihenfolge der Wahllisten landesweit teilnehmender Parteien gelost. Um als solche zu gelten, muss eine Partei ihre Kandidatenlisten in mindestens der Hälfte der Wahlkreise registriert haben und zu allen Sejmik-Wahlen antreten.
Polskie Stronnictwo Ludowe (Polnische Volkspartei, kurz: PSL) – Nr. 1 Demokracja Bezpośrednia (Direkte Demokratie, kurz: DB) – Nr. 2 Prawo i Sprawiedliwość (Recht und Gerechtigkeit, kurz: PiS) – Nr. 3 Platforma Obywatelska (Bürgerplattform, kurz: PO) – Nr. 4 Ruch Narodowy (Nationale Bewegung, kurz: RN) – Nr. 5 Sojusz Lewicy Demokratycznej (Bund der Demokratischen Linken, kurz: SLD) – Nr. 6 Kongres Nowej Prawicy (Kongress der Neuen Rechten, kurz: KNP) – Nr. 7
Wahlanalyse mini|300px|Ungültige Stimmen bei den letzten Sejmik-Wahlen mini|350px|Offizielles Dokument der Wahlkommission mit falschen Ergebnissen In Anbetracht der neuen EU-Förderperiode 2014–2020 kam der Wahl eine besondere Rolle zu. Die Investitionssummen für die Selbstverwaltungsorgane fielen im Vergleich zur alten Periode 2007–2013 noch einmal größer aus.
Die Wahlkampagne wurde durch regionale Themen, wie kostenloser öffentlicher Personenverkehr und dessen Verbesserung, geprägt. Verschiedene Parteien forderten die Amtszeit der Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Stadtpräsidenten auf maximal zwei Legislaturperioden zu beschränken. Die Rolle von Parteien wuchs mit Größe einer Verwaltungseinheit. „Auf Woiwodschaftsebene sind sie im Grunde die einzigen Akteure in den Machtstrukturen.“ Die Deutsche Minderheit ist mit ihren traditionell starken Ergebnissen in der Woiwodschaft Opole eine Ausnahme. In Gemeinden und Kleinstädten überwogen lokale Initiativen. Der Wählerzuspruch für die PO war in Großstädten höher als im ländlichen Raum; genau umgekehrt ist diese Besonderheit bei der PiS zu beobachten. Sie konnte zwar bei den Stichwahlen für Gemeindevorsteher, Bürgermeister, oder Stadtpräsidenten gute Ergebnisse einfahren, ist jedoch in den Woiwodschaften nicht in der Lage Koalitionen zu bilden. Dementsprechend sind 15 von 16 Woiwodschaften PO-PSL-geführt.
Die Bauernpartei PSL verzeichnete bei den Wahlen zu den Sejmiks den stärksten Stimmenzuwachs. Sie wird als die eigentliche Wahlsiegerin angesehen. Das Bündnis der Demokratischen Linken ist marginalisiert worden. Kleinere Parteien, wie TR und KNP konnten hier keinen Erfolg verbuchen, wobei es der linksliberalen TR mit ihrem Kandidaten Robert Biedroń gelang, den Stadtpräsidenten von Słupsk zu stellen. Biedroń erfuhr mediale Aufmerksamkeit, nachdem er sich öffentlich als homosexuell geoutet hatte.
Eine Kontroverse lösten enorme Probleme bei der Stimmenauszählung durch die Staatliche Wahlkommission aus. Die amtlichen Wahlergebnisse wurden erst eine Woche nach der Wahl bekanntgegeben. Dabei fiel in einigen Fällen die recht hohe Diskrepanz zwischen Prognosewerten und Endergebnissen auf. Die PiS-Partei schloss im Nachhinein um 5 Prozentpunkte schlechter und die PSL um 6 Prozentpunkte besser ab. Der Parteivorsitzender der Nationalkonservativen, Jarosław Kaczyński, ging von Wahlfälschung aus; auch viele andere Kritiker, wie der SLD, forderten eine Wahlwiederholung. Der damalige Staatspräsident Bronisław Komorowski schloss dies aus. Der hohe Anteil von ungültigen Stimmen führte zu Protesten bis hin zur kurzzeitigen Besetzung der Wahlkommission durch eine Gruppe von rechten Demonstranten um Grzegorz Braun. „Bei den Kreisgerichten gingen etliche Male mehr Einsprüche ein als bei vorangegangenen Wahlen.“ In einigen Fällen waren manche Wahlbündnisse nicht auf dem Stimmzettel aufgeführt worden. Als Konsequenz traten die Mitglieder der PKW zurück. Das Chaos ist zum einen auf das unzureichend getestete Computersystem (noch im Oktober fehlerhaft) sowie komplizierte Stimmzettel zurückzuführen. Seitdem haftet der PKW die Schmähbezeichnung „Waldschrate“ (Leśne dziadki) an, die eine technische Rückständigkeit der meist älteren Kader (darunter Andrzej Zoll) in der Kommission monierte.
Wahlergebnisse Wahlbeteiligung 1. Wahlgang, Wahlbeteiligung: 12:00 – 14,59 % In: pap.pl (polnisch), abgerufen am 16. November 2014 17:30 – 39,28 % Schluss – 47,40 %
2. Wahlgang, Wahlbeteiligung: 12:00 – 11,40 % 17:30 – 32,33 % Schluss – 39,97 %
Die Wahlbeteiligung war im ersten Wahlgang mit 47,40 Prozent die bis dahin höchste bei den Selbstverwaltungswahlen. Dabei war sie in der Woiwodschaft Heiligkreuz mit 53,25 Prozent am größten, mit 42,13 Prozent in der Woiwodschaft Opole am niedrigsten. Im zweiten Wahlgang betrug die Wahlbeteiligung 39,97 Prozent. Der Anteil ungültiger Stimmen war mit durchschnittlich 9,76 % bis zu diesem Zeitpunkt noch nie so groß gewesen.
Sejmik-Wahlen
Ergebnisse in Prozent PiS wurde hinsichtlich erhaltener Stimmen in fünf Woiwodschaften stärkste Kraft, PSL in vier, jeweils drei mehr als bei den Selbstverwaltungswahlen 2010. Die Bürgerplattform verlor sechs Woiwodschaften und kam nun auf sieben. Sejmik PiS PO PSL SLD KNP RN DB Lokale Wahlkomitees Sonstige Niederschlesien 22,17 32,59 15,90 9,98 3,78 1,40 0,15 11,931 2,09 Kujawien-Pommern 21,15 32,67 24,33 12,25 3,51 0,96 0,12 — 4,99 Lublin 31,88 19,70 32,43 6,94 3,27 2,08 0,84 — 3,39 Lebus 16,91 25,37 22,90 14,85 2,76 1,37 0,15 11,942 3,75 Łódź 27,48 26,77 27,04 9,02 3,47 1,31 1,20 — 3,70 Kleinpolen 36,71 28,26 20,04 4,74 4,77 1,55 0,92 — 3,01 Masowien In: mazovia.pl (polnisch), abgerufen am 4. April 2015 28,76 24,06 25,64 7,11 4,18 1,77 1,14 — 7,34 Oppeln 16,79 25,35 21,92 9,48 3,94 0,61 0,32 14,903 6,69 Karpatenvorland 43,70 15,37 24,39 7,44 3,93 2,30 0,22 — 2,64 Podlachien 33,67 22,46 27,55 6,80 3,66 1,81 0,87 — 3,18 Pommern In: pomorskie.eu, abgerufen am 4. April 2015 23,40 40,74 17,43 7,78 4,47 1,78 1,43 — 2,96 Schlesien 25,07 27,21 13,21 10,39 3,98 1,53 1,23 7,204 10,17 Heiligkreuz 24,99 14,10 46,24 8,65 3,37 1,26 0,29 — 1,10 Ermland-Masuren 18,84 26,88 37,09 8,49 3,44 1,68 0,75 — 2,82 Großpolen 19,81 25,73 25,80 11,29 4,04 1,19 0,75 7,545 3,84 Westpommern 19,29 31,94 20,58 11,82 3,39 1,66 0,78 9,866 0,67 Polen 26,89 26,29 23,88 8,79 3,89 1,57 0,813,33 4,56 Erläuterung:1Bezpartyjni Samorządowcy,2Lepsze Lubuskie,3Mniejszość Niemiecka,4Ruch Autonomii Śląska,5Teraz Wielkopolska,6Bezpartyjni Pomorze Zachodnie.
Mandatsverteilung Quelle: Państwowa Komisja Wyborcza Sejmik PO PiS PSL SLD MN RAŚBS LL TW BPZ Insgesamt Niederschlesien 16 9 5 2 — — 4 — — — 36 Kujawien-Pommern 14 7 10 2 — — — — — — 33 Lublin 7 13 12 1 — — — — — — 33 Lebus 10 5 8 5 — — — 2 — — 30 Łódź 10 12 10 1 — — — — — — 33 Kleinpolen 14 17 8 0 — — — — — — 39 Masowien 15 19 16 1 — — — — — — 51 Oppeln 9 5 8 1 7 0 — — — — 30 Karpatenvorland 5 19 9 0 — — — — — — 33 Podlachien 8 12 9 1 — — — — — — 30 Pommern 17 9 7 0 — — — — — — 33 Schlesien 17 16 5 3 — 4 — — — — 45 Heiligkreuz 3 8 17 2 — — — — — — 30 Ermland-Masuren 9 6 14 1 — — — — — — 30 Großpolen 13 8 12 4 — — — — 2 — 39 Westpommern 12 6 7 4 — — — — — 1 30 Polen 179 171 157 28 7 4 4 2 2 1 555 absolut prozentual Abgegeben 14.453.946 100,00 Gültige Stimmen 11.928.736 82,53 Ungültige Stimmen 2.525.210 17,47 Wahlbeteiligung 14.453.946 47,21 Wahlberechtigte 30.613.691 100,00 Quelle: Staatliche Wahlkommission
Powiat-Wahlen Partei % der Stimmen Mandate PiS 23,53 1.514 PSL 21,42 1.702 PO 12,32 758 SLD 5,79 226 Sonstige 36,94 2.076 absolut prozentual Abgegeben 10.356.966 100,00 Gültige Stimmen 8.630.793 83,33 Ungültige Stimmen 1.726.173 16,67 Wahlbeteiligung 10.356.966 50,21 Wahlberechtigte 20.625.941 100,00 Quelle: Staatliche Wahlkommission
Gmina-Wahlen ParteiKreisfreie StädteAndere Gemeinden % der Stimmen Mandate % der Stimmen Mandate PiS 27,29 548 11,57 2.982 PO 27,27 491 3,78 773 SLD 9,04 127 3,04 643 KNP 3,27 0 0,20 9 PSL 2,48 16 8,21 4.355 Sonstige 30,65 512 73,19 29.080 absolut prozentual Abgegeben 14.173.122 100,00 Gültige Stimmen 13.431.814 94,77 Ungültige Stimmen 741.308 5,23 Wahlbeteiligung 14.173.122 47,43 Wahlberechtigte 29.883.605 100,00 Quelle: Staatliche Wahlkommission
Stadtteile Warschaus Stadtteil Wahlkomitee Mandate Bemowo Wahlkomitee um Jarosław Dąbrowski 9 (von 25) Białołęka Bürgerplattform 12 (von 23) Bielany Bürgerplattform 12 (na 25) Mokotów Bürgerplattform 15 (von 28) Ochota Bürgerplattform 8 (von 23) Praga-Południe Bürgerplattform 13 (von 25) Praga-Północ Recht und Gerechtigkeit 9 (von 23) Rembertów Wahlkomitee des Forums für Rembertów 5 (von 21) Śródmieście Bürgerplattform 11 (von 25) Targówek Recht und Gerechtigkeit 11 (von 25) Ursus Bürgerplattform Recht und Gerechtigkeit je 8 (von 23) Ursynów Bürgerplattform 11 (von 25) Wawer Bürgerplattform 9 (von 23) Wesoła Bürgerplattform 9 (von 21) Wilanów Bürgerplattform 11 (von 21) Włochy Recht und Gerechtigkeit 9 (na 23) Wola Bürgerplattform 14 (von 25) Żoliborz Bürgerplattform Recht und Gerechtigkeit je 8 (von 21)
+ Mandatsverteilung insgesamt Partei Mandate PO 173 PiS 143 SLD 14 Sonstige 93 Quelle: Wahlkommission in Warschau
Stadtpräsidenten (Auswahl) Warschau Krakau Kandidat Partei 1. Wahlgang 2. Wahlgang Kandidat Partei 1. Wahlgang 2. Wahlgang Stimmen % Stimmen % Stimmen % Stimmen % Hanna Gronkiewicz-Waltz PO 294.434 47,19 342.857 58.64 Jacek Majchrowski parteilos 95.106 39,18 114.705 58,77 Jacek Sasin PiS 172.887 27,71 241.790 41,36 Marek Lasota PiS 65.417 26,95 80.477 41,23 Piotr Guział WWS 53.261 8,54 Łukasz Gibała parteilos 27.090 11,16 Przemysław Wipler KNP 26.249 4,21 Marta Patena PO 22.267 9,17 Sebastian Wierzbicki SLD 25.817 4,14 Tomasz Leśniak parteilos 11.749 4,84 Joanna Erbel Zieloni 15.030 2,41 Konrad Berkowicz parteilos 10.489 4,32 Andrzej Rozenek parteilos 14.223 2,28 Sławomir Ptaszkiewicz parteilos 7.825 3,22 Mariusz Dzierżawski parteilos 9.768 1,57 Andrzej Sikorski parteilos 2.828 1,16 Agata Nosal-Ikonowicz parteilos 6.951 1,11 Zbigniew Wrzesiński parteilos 2.808 0,45 Andrzej Gorayski DB 2.454 0,39 Gesamt 623.882 100,00 584.647 100,00 Gesamt 242.771 100,00 195.182 100,00 Gültige Stimmen 623.882 98,42 584.647 98,64 Gültige Stimmen 242.771 98,77 195.182 98,29 Ungültige Stimmen 9.998 1,58 8.072 1,36 Ungültige Stimmen 3.020 1,23 3.399 1,71 Wahlbeteiligung 633.880 47,36 592.719 44,31 Wahlbeteiligung 245.791 41,93 198.581 33,95 Wahlberechtigte 1.338.555 100,00 1.337.624 100,00 Wahlberechtigte 586.213 100,00 584.991 100,00 Quelle: Staatliche Wahlkommission Quelle: Staatliche Wahlkommission